In St-Maurice Schule wird die Vielfalt gefeiert

14 November 2017 par fso

Am 20. November 2017 feiern die Grundschule St-Maurice/Lavey und die Sarah Oberson Stiftung (SOS) den internationalen Tag der Kinderrechte und die 20 Jahre seit der Ratifizierung der Kinderrechtekonvention durch die Schweiz zum Thema der Diversität.

Seit Schulbeginn und den ganzen Herbst über arbeiten die Lehrenden und die SOS zusammen um diese Feier zu organisieren. Mithilfe der pädagogischen Arbeitsmaterialien zum Thema Vielfalt – ein Werkzeug des IDE, welches zum Ziel hat die Kinderrechtekonvention im schulischen Umfeld auf nationalem Niveau in die Praxis umzusetzen – haben die Schüler verschiedenste Aktivitäten entwickelt : Fotowände, Malereien, Lieder, Verkostungen, Fotoromane, Autoportraits etc.

Diese Aktivitäten und noch mehr – der Bibliobus wird auch dabei sein – werden den Familien und der Gemeinde von St-Maurice im Rahmen einer Feier präsentiert am

20. November 2017 zwischen 17.00 – 19.00 Uhr

in der Grundschule St-Maurice

Je nach Erfolg dieses Projekts, erwägt die SOS diese Aktion mit anderen Gemeinden des Kantons, darunter das Oberwallis, in den kommenden Jahren weiterzuführen.

Die Sarah Oberson Stiftung will dadurch beweisen, dass die Kinderrechte nicht nur eine Liste auf einem Dokument ist, sondern dass diese im Alltag nützliche Instrumente sind, welche ein „Zusammenleben“ in Respekt für das Gegenüber im familiären, schulischen Bereich sowie auf Ebene der Gemeinde und der Gesellschaft generell ermöglichen.

Da die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräusserlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“

(Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte).

 Photo : bDom, flickr/creative commons

Das Weglaufen im Wallis, zu vertiefende Handlungsmöglichkeiten

28 September 2017 par fso

Die Statistiken des Weglaufens im Wallis, zusammengetragen in der quantitativen Studie von Frossard und Morard, sind interessant, da sie einen Anhaltspunkt zum Ausmaß dieses Problems geben. Die beiden Studierenden fragen sich, ob das Weglaufen im Wallis ein soziales Problem ist (S. 78-83). Ihre Antwort darauf ist relativ, denn das Weglaufen „entspricht nicht immer allen Kriterien der Definition eines sozialen Problems (…) aber einige Kriterien erscheinen auf signifikante Weise.“ (S. 82)

Sie fassen auch zusammen, „ (dass es) wichtig ist (…) diese besser zu verstehen (…) und das aus zwei Gründen. Erstens, das Verschwinden eines Kindes zieht gravierendere Konsequenzen nach sich, bei dem der Akt des Verschwindens nicht das Symptom, sondern der Grund ist. Zweitens, wenn man das Weglaufen als Produkt der Erfahrungen des Jugendlichen betrachtet, so kann dieser Akt seinen Zustand wiedergeben: er gibt, ob freiwillig oder nicht, einen Zugang zu seinem Leiden. Dies gibt sowohl der Familie, als auch den Sozialarbeitern die Möglichkeit sich für eine Verbesserung der Situation zu engagieren.“ (S. 82)

Die zusammengetragenen Zahlen müssen durch andere Daten ergänzt werden, damit die ganze Tragweite begriffen werden kann. Zusätzliche qualitative sowie quantitative Recherchen sind notwendig um zu bestimmen, ob das Weglaufen im Wallis ein soziales Problem ist.

Diese Studie gibt jedoch vier mögliche Ansatzpunkte für eine bessere Behandlung des Problems:

-          „Die nachteilige Anzahl der Rückfälle lässt Zweifel an der Betreuung nach der Rückkehr des Kindes aufkommen, sei es durch das familiäre Umfeld oder durch die betroffenen anderen Institutionen.“ (S. 83)

-          Ein Weglaufen pro Woche wird durch eine Familie gemeldet. Dies repräsentiert wahrscheinlich nur einen Teil der von zu Hause weggelaufenen Kinder (S.83). Es stellt sich daher die legitime Frage, inwiefern es notwendig ist, diese Familien zu begleiten oder die Öffentlichkeit speziell zu dieser Problematik zu informieren, insbesondere was die Rückkehr betrifft.

-          Die Art und Weise der Meldung verschwundener MNAS bei der Polizei im Vergleich zu jenen aus Heimen, lässt auf eine eventuell notwendige Änderung diesbezüglich schließen.

-          Die unterschiedlichen institutionellen Vorgehensweisen bei Weglaufen geben die Frage auf, ob eine bessere interinstitutionelle Koordinierung zu wünschen wäre.

Um diese Ansatzpunkte zu vertiefen und ihre Notwendigkeit festzustellen sind die Meinungen der verschiedenen betroffenen Akteure (Polizisten, Erzieher, Therapeuten, Lehrende, etc.) und die Interdisziplinarität grundlegend. Die halbtägige Konferenz „Weglaufen im Wallis: Radiografie des Phänomens“, organisiert von der Sarah Oberson Stiftung, widmet sich diesen Ideen.

Die Stiftung Sarah Oberson organisiert die Tagung zum Thema Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens (französich), 18.10.2017, 14h00-17:00, in Stiftung Kurt Bösch, Bramois/Sion. Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

Photo: mafal_dark, flickr/creative commons

Das Verschwinden von MNA : kein systematische Meldung an Polizei

5 September 2017 par fso

Wie im Rest von Europa, sind auch im Wallis die „Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen (MNA) häufig. Dem Asylamt nach waren es 5 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 der Fälle wurden in 2016 der kantonalen Polizei gemeldet.“

Auszüge aus den Arbeiten der Studierenden der HEVs, Herr Yannick FROSSARD und Herr Samuel MORARD (Bachelorarbeit), Frau Celia MACEIRAS und Frau Noémie MOREND (Wahlfacharbeit), im Auftrag des Stiftung Sarah Oberson.

„Keine Statistik wurde zu diesem Thema offiziell veröffentlicht. (Gemäß dem) Staatssekretariat für Migration (SEM), (…) befindet sich die Rate der unkontrollierten Weggänge aus den Bundeszentren zwischen 5 und 10% aller Asylantragender, Kinder mit inbegriffen. Dabei muss erwähnt werden, dass auf föderalem Niveau die Antragstellenden ihre Verfahren in einem Zentrum des SEM beginnen und im Schnitt 4 bis 5 Wochen dort bleiben. In dieser Zeitspanne zeigt sich ʻaus Erfahrung, dass einige Antragstellende das Zentrum verlassen, ohne anzugeben warum und wohinʼ.“ (TB, S. 70-71)

Den internen Daten des SEM zufolge „haben in 2015 2.739 MNA einen Asylantrag in der Schweiz gestellt und es gab 129 Verschwinden (4.7%); in 2016 waren es 1.999 Asylanträge und 400 Verschwinden (20%). Trotz der sinkenden Zahl der Antragstellenden kann festgestellt werden, dass das Verschwinden ein zunehmendes Phänomen ist. In 2015 wurden 115 getrennte Kinder dem Wallis zugeteilt und 92 in 2016: in diesen Jahren gab es jeweils 11 und 12 Verschwinden (gemäß den Zahlen des SEM).“ Dem Asylamt des Kanton Wallis zufolge (…) gab es 5 Verschwinden von MNA in 2013-2014 und 16 in 2015-2016 vom Wallis aus. „Diese Diskrepanz zu den Daten des SEM (N=23 in 2015-2016) erklärt sich dadurch, da das Asylamt nur jene Verschwinden von Kindern erfasst, die von en kantonalen Betreuungsinstitutionen angezeigt wurden, ʻohne die UMA zu berücksichtigen, die dem Kanton Wallis zugeteilt wurden, aber bereits aus den Registrierungszentren verschwunden sind und niemals im Kanton Wallis angekommen sindʼ“. (TB, S. 71)

„Es existiert (ebenso) eine große Diskrepanz zwischen der Anzahl der verschwundenen Kinder gemäß dem Asylamt und den erfassten Daten im RIPOL (digitalisiertes Fahndungssystem der Polizei). Daraus kann abgeleitet werden, dass die UMA, welche aus den Walliser Ankunftszentren verschwinden nicht systematisch (der Polizei) gemeldet werden. Diese Kinder werden demnach nicht gesucht. Dabei besteht die gesetzliche Meldepflicht auch für andere Bereiche des Lebens (…). Genau wie Hedjam (2010), denken wir, dass die Art und Weise der Behandlung der Verschwinden asylbeantragender Kinder durchaus als eine Form von “Diskriminierung” angesehen werden kann und somit eine Verletzung des Artikel 2 der KRK (UNO, 1989) darstellt.“ (TB, S.71).

Es gilt zu betonen, dass wir hier nur von einer eventuellen Diskriminierung hinsichtlich der Meldung bei der Polizei sprechen nicht aber hinsichtlich der gewährten Pflege und Behandlung der in den Zentren untergebrachten Kinder.

Dazu kommen alle nicht erfassten MNA. „Die Zahlen zu den verschwundenen asylantragstellenden Minderjährigen beziehen sich auf jene, die die Zentren, in denen sie platziert wurden, verlassen haben, ohne dass diese den Behörden gemeldet wurden. Diese Zahlen bleiben daher ungenau, da eine große Anzahl der jungen Personen nicht registriert wurden und demnach nicht als vermisst gemeldet werden können. (Cornaglia, 2016).“ (ML, S. 38)

„… Qualitative Studien werden zum besseren Verständnis des Phänomens der verschwundenen MNA im Wallis benötigt, damit passende Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden und die Kinderrechte besser respektiert werden können.“ (TB, S. 70-71)

Die gesammelten Zahlen müssen durch andere Daten ergänzt werden, damit die Tragweite verstanden werden kann. Die Stiftung Sarah Oberson organisiert die Tagung zum Thema Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens (französich), 18.10.2017, 14h00-17:00, in Stiftung Kurt Bösch, Bramois/Sion. Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

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(1)   Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

HEDJAM, S. (2010). Verschwinden, freiwilliges Verschwinden, Flucht. Zu viele Kinder in Europa? Studien geführt in Belgien, Spanien, Frankreich und der Schweiz zu den Verschwinden von ausländischen unbegleiteten Minderjährigen in Betreuungseinrichtungen. Terre des Hommes. Bern: Stämpfli Publications SA.

CORNAGLIA, A. (2016). Wie viele, wer, wo und warum? Bilanz zu den verschwundenen unbegleiteten ausländischen Minderjährigen in Europa. https://eulogos.blogactiv.eu/2016/05/11/combien-qui-ou-et-pourquoi-le-point-sur-les-mineurs-etrangers-non-accompagnes-disparus-en-europe/. (Besucht am 07.09.2016).

Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens

28 August 2017 par fso

Im Wallis gab es zwischen 2014 und 2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

Die Sarah Oberson Stiftung hat zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit der HES-SO Valais-Wallis eine quantitative Studie zu dem Weglaufen im Wallis erstellt. Seit mehreren Jahren verlangt die Stiftung die Einführung nationaler Statistiken zu verschwundenen Kindern. Diese Studie ist ein erster Schritt in diese Richtung (1).

Ziel der Sarah Oberson Stiftung ist es das Ausmaß dieses Phänomens besser einzuschätzen, damit weitere wissenschaftliche Studien angeregt werden können, welche es möglich machen Präventionsstrategien und adäquate Antworten zu entwickeln.

Um die Wichtigkeit dieses Dokuments hervorzuheben und insbesondere die Diskussion zu diesem Thema in unserem Kanton anhand der Studienergebnisse anzuregen, organisiert die Sarah Oberson Stiftung am 18.10.2017 eine halb-halbtägige Tagung (14.00 – 17.00 Uhr) in der universitären Stiftung Kurt Bösch, Bramois (französich). Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

Die SOS nutzt diesen Artikel um den Studierenden für ihre sorgfältige Arbeit; der HES-SO Valais-Wallis für seine Kollaboration; der Walliser Kantonalpolizei sowie dem kantonalen Jugendamt für ihre Hilfe bei dem Zugang zu den notwendigen Daten sowie bei der Erklärung der entsprechenden Protokolle im Falle eines Weglaufens von Kindern, zu danken.

Weiter finden Sie das Resümee der Daten der Studie, durchgeführt von den Herren Yannick Frossard und Samuel  Morard im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ((2), S. 75-76).

Zusammenfassung der Daten:

-    Im Wallis gab es zwischen 2014 und  2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

-    Diese Weglaufen ereignen sich hauptsächlich in Heimen (n=867, gleich 80,7%), von zu Hause aus (n=143, gleich 13.3%) und von pädopsychiatrischen Krankenhäusern aus (n=55, gleich 5.1%). Einige Fälle wurden von Schulen, Pflegefamilien und Aufnahmezentren von unbegleiteten Minderjährigen aus gemeldet.

-    Die Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen sind häufig. Gemäß dem Asylbüro gab es 5 in 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 Fälle wurden der WKP gemeldet, alle davon in 2016.

-    Die Weglaufen werden hauptsächlich von Jungen begangen (n=644, gleich 60%). Von zu Hause aus gibt es genauso viele Weglaufen von Mädchen (n=71) wie von Jungen (n=72), und aus Krankenhäusern viermal mehr Weglaufen von Mädchen (n=44) als von Jungen (n=11); es sind also die Weglaufen von zu Hause aus, welche einen Einfluss auf die maskuline Überrepräsentation haben (n=310; n=557).

-    Insgesamt sind die 1.074 Weglaufen ein Ergebnis von 373 Kindern: das Problem der Rückfälle ist also zentral. Das Weglaufen ist eine einmalige Periode für knapp die Hälfte der davongelaufenen Kinder (45.8%), aber die rückfällig werdenden Kinder machen den Hauptbestandteil der Fälle aus (84.1%). Im Schnitt werden Personen zweimal rückfällig.

-    Ein Anstieg kann im Laufe des studierten Zeitraums festgestellt werden (von 315 in 2014 auf 420 in 2016). Dieser Anstieg manifestiert sich nur in den Heimen (von 234 auf 356, sprich +52.1%).

-    Ein Weglaufen ereignet sich im Durchschnitt alle 30 Stunden von einem Heim aus (n=867).

-    Vom familiären Wohnsitz aus wird im Schnitt einmal pro Woche ein Weglaufen zur Anzeige gebracht (n=143). 91 Kinder sind von zu Hause weggelaufen, ein oder mehrere Male. Mindestens 28 von ihnen wurden danach in Heimen oder Krankenhäusern untergebracht, von wo aus sie wieder wegliefen.

-    Bezüglich des Alters der Weglaufenden befindet sich der Durchschnitt bei 15 Jahren. Es gibt wenige Weglaufen von Kindern unter 12 Jahren (n=8) und der größte Teil der Kinder unter 13 Jahren ist von Heimen aus weggelaufen (n42/45, sprich 93.3%).

-    Das Weglaufen dauert in der Regel 7.4 Tage (n=7919÷1.074): diese Daten sind signifikanten Abweichungen des Geschlechts unterworfen (8.2 Tage bei Jungen und 6.1 Tage bei den Mädchen). Das Alter des Weglaufenden spielt eine wichtige Rolle bei der Dauer eines Weglaufens und schwankt bei den 12-13 Jährigen bei rund 4 Tagen und bei den 17-jährigen bei mehr als 9 Tagen.

-    Die Meisten Weglaufen sind innerhalb einer Woche beendet (n=832, sprich 77.5%). 119 Fluchtmeldungen  wurden am gleichen Tag widerrufen. Ein Tag nach dem Weglaufen wurden ein Drittel der Meldungen widerrufen (n=357). Es gibt auch 16.4%, welche 7 bis 30 Tage dauern (n=176) und 6.1% mehr als 30 Tage (n=66). Der Anteil der langanhaltenden Weglaufen erhöht sich mit dem Alter: er steigt von 16.7% für die 12-14 Jährigen (n=45/269) auf 22.9% für die 15-16 Jährigen (n=137/597) bis zu 30% für die17-jährigen (n=60/200).

-    Die Anzahl der Meldungen hängt von den jeweiligen Monaten ab. So gibt es im Februar (n=62) und im Juli (n=62) zweimal weniger Weglaufen als im Monat Mai (n=119) und im September (n=117).

-    Die Nationalität scheint kein besonderer Risikofaktor zu sein: die Weglaufen sind Akte von Besitzern der schweizerischen Nationalität (61.5%), Bewohnern der Europäischen Union (22.4%), anderen europäischen Ländern (3.5%) und anderen Kontinenten (11.7%).

(1) KONTAKT : Guillaume Grand, Stiftung Sarah Oberson, Vizepräsident des Stiftungsrates, 076 421 39 71, info@sarahoberson.org

(2) Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

(Français) Des villes qui font une place aux enfants ? Résultats d’une enquête réalisée avec les enfants de 8-10 ans d’une petite ville romande

21 August 2017 par fso

Welches Zugehörigkeitsgefühl und was für eine Identität entwickeln Migranten im Tessin?

4 Juli 2017 par fso

Analyse der Kriterien, welche die Entwicklung eines Zugehörigkeitsgefühls und einer Identität bei minderjährigen Migranten die heute erwachsen sind, im Gastland möglich machen. (…) Der Konstruktivistische Ansatz und die vom Kind angenommene Sichtweise als sozialer Handelnder, ermöglichen es die aktive Rolle des Minderjährigen in der Konstruktion seiner Zugehörigkeiten aufzuwerten und dadurch auch in der Identitätsfindung vis-à-vis des aktuellen Sozialsystems.

Editorial, von Sara Camponovo, MIDE Studentin, 4. Juli 2017

Im Laufe der letzten Jahrzehnte sah sich die Schweiz einem ansteigenden Strom an Migranten aus verschiedenen Ländern gegenübergestellt. In der Hoffnung eine bessere Lebensqualität zu finden haben ganze Familien, Kinder inklusive, ihr Geburtsland verlassen und dabei alles zurückgelassen.

Die Migration verlangt von den Personen sich zwischen zwei  Welten zu positionieren: das Erlebte in ihrem Heimatland und das Neue in ihrem Gastland. Wie Zittoun (2007a) anmerkt, sieht sich das Individuum dadurch mit mehreren „Trennungen“ konfrontiert, welche eine Destabilisierung der Persönlichkeit zufolge haben. Dieses Ungleichgewicht führt zur persönlichen Infragestellung des „Ichs“ in dieser neuen Welt. Migration ist daher ein Phänomen, welches das Zugehörigkeitsgefühl in Frage stellt und die Identität verändert (Guilbert, 2005). Im neuen Land muss daher eine Reflexion zur Identifikation erfolgen, damit wieder ein Gleichgewicht hergestellt werden kann.

Diese Arbeit verfolgt ein doppeltes Ziel. Zuerst einmal versucht sie die von den damals jungen Migranten genannten Elemente zu beleuchten und dadurch ihr Zugehörigkeitsgefühl im Tessin zu definieren. Anschließend wird die Arbeit versuchen herauszufinden, welche Identifikationsstrategien aus jenen von Camilleri (1996/7), von den jungen Personen angewendet wurden um eine Identität im Gastland zu konstruieren oder eben nicht. Der Konstruktivistische Ansatz und die vom Kind angenommene Sichtweise als sozialer Handelnder, ermöglichen es die aktive Rolle des Minderjährigen in der Konstruktion seiner Zugehörigkeiten aufzuwerten und dadurch auch in der Identitätsfindung vis-à-vis des aktuellen Sozialsystems. In dieser Arbeit wird die minderjährige Person nicht als inaktives Subjekt aufgrund der Tortur durch die Migration betrachtet. Die Minderjährigen werden als aktive Personen wahrgenommen, die bewusst handeln und über Entscheidungskapazitäten verfügen, die nicht nur ihre Vergangenheiten beeinflussen, sondern auch in der Gegenwart gelten.

Die gesammelten Ergebnisse unterstreichen den einzigartigen Charakter der Erzählungen und die Besonderheiten der Erlebnisse, welche von den befragten Personen wiedergegeben wurden. Bezüglich des ersten Ziels dieser Recherche, welches sich auf das Zugehörigkeitsgefühl bezieht, bestätigen die Daten die These, dass sich dieses Gefühl individuell und durch eine beidseitige Interaktion des Individuums mit seiner Umgebung entwickelt. Das Zugehörigkeitsgefühl ist daher kein allgemeingültig definiertes  Konzept durch die Leute, sondern wird durch spezifische und persönliche Kriterien entwickelt. Die Befragten nannten die Familie, Schule und Freizeit (Freundesgruppen und soziale Aktivitäten) als die drei wichtigsten Kriterien, welche ihnen geholfen haben dieses Gefühl im Kanton Tessin zu bekommen. Die geographische Lage, Kultur und Religion haben allerdings keinen großen Einfluss auf die Konstruktion der Zugehörigkeit gehabt. Es ist interessant zu beobachten, dass die Teilnehmenden andere Kriterien genannt haben, die es ihnen ermöglicht haben ein Zugehörigkeitsgefühl in ihrem Gastland zu entwickeln.

Im zweiten Teil dieser Studie, wurde versucht zu untersuchen welche Strategie unter den dreien von Camilleri(1996/7) identifizierten am meisten von den Befragten angewendet wurde. Der Autor betont, dass Migranten, sobald sie im neuen Land angekommen sind, Verhalten und besondere Strategien zur Anpassung an das Land oder eben zur kompletten Abgrenzung an dieses entwickeln. Die gesammelten Daten zeigen, dass die „intermediäre“ Strategie am häufigsten von den Befragten angewendet wurde. Für die meisten Teilnehmenden ist es schwer ihre Vergangenheit komplett zu ignorieren, da sie ihr Heimatland, die dort erlangten Werte und Codes nicht vergessen können, denn diese sind ein Teil von ihnen. Sie haben vielmehr versucht eine Gleichgewicht zwischen ihrer Vergangenheit und der Gegenwart zu finden, indem sie zwischen den Werten und den Verhalten der neuen und der alten Welt hin und herwechseln.

Diese Arbeit hat es ermöglicht den subjektiven Charakter der Migration zu beleuchten, welcher oft von den Forschenden vergessen wird. Außerdem stützt sie die These, dass das Zugehörigkeitsgefühl und die Identität zwei Konzepte sind, welche sich aus der Zusammensetzung signifikanter Elemente ergeben und dadurch dem Menschen eine globale Vision zukommen lassen.

Siehe das vollständige Dokument mit bibliographische Referenzen (auf Französich)

Photo: Beth Scupham, flickr/creative commons

Die Schweiz ratifiziert die Istanbul-Konvention

19 Juni 2017 par fso

In der Sondersession vom Mai 2017 hat nach dem Ständerat nun auch der Nationalrat die Ratifizierung der Europarts-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt von 2011, die sogenannte Istanbul-Konvention, genehmigt.

Artikel von Humanrights.ch, 07.06.2017

Schweiz erfüllt die gesetzlichen Vorgaben der Konvention, trotzdem bleibt einiges zu tun

Sowohl von Bundesrätin Simonetta Sommaruga als auch von den Kommissionen wurde betont, dass die Schweiz die Vorgaben der Konvention erfülle und keine Gesetzesänderungen notwendig seien. Gleichzeitig wurde aber auch darauf hingewiesen, dass es noch viel zu tun gebe. Es liege im Interesse der Schweiz, dass das Thema «Gewalt gegen Frauen und häusliche Gewalt» möglichst umfassend und effektiv angegangen werden könne, betonte Sommaruga.

Ergänzende Gesetzgebungsarbeiten wurden durch das Anbringen von vier Vorbehalten zu drei Artikeln der Konvention vermieden. Die Vorbehalte, die v.a. technischer Natur sind, gaben im Rat nicht zu reden. Einzig der Vorbehalt, den Artikel 59 betreffend den Aufenthaltsstatus von Gewaltopfern «teilweise nicht anzuwenden», wurde von den Grünen kurz thematisiert. Dieser Vorbehalt sei unbefriedigend. Im Gegensatz zu den Forderungen der Istanbul-Konvention haben Ehegatten und Konkubinatspartner und -partnerinnen von Jahres- und Kurzaufenthaltern sowie von vorläufig aufgenommenen Personen, die Opfer von Gewalt in der Beziehung sind, bei Auflösung der Beziehung in der Schweiz keinen Anspruch auf ein eigenständiges Aufenthaltsrecht. Die Grünen haben angekündigt, entsprechende Vorstösse dazu einzureichen.

Schliesslich stellte sich einzig die Ratsrechte gegen die Genehmigung und die Istanbul-Konvention wurde mit 120 zu 52 Stimmen vom Nationalrat genehmigt; der Ständerat stimmte der Genehmigung bereits in der Frühlingssession 2017 mit 32 zu 12 Stimmen zu.

NGO begrüssen die Ratifizierung

Verschiedene NGO haben ihrer Freude Ausdruck gegeben, dass nun auch die Schweiz diesen Schritt beschlossen hat, nachdem bereits 23 Länder des Europarates die Konvention ratifiziert hatten. Mit der Ratifizierung der Istanbul-Konvention werde die Gewaltprävention und der Schutz von Betroffenen umfassend und effektiv gestärkt, schreibt der Christliche Friedensdienst CFD in seiner Pressemitteilung. Es bestehe ein dringender Handlungsbedarf, denn noch immer sterbe alle drei Wochen in der Schweiz eine Frau an häuslicher Gewalt.

Für Terre des femmes verpflichtet sich die Schweiz mit der Ratifizierung zu europäischen Standards in der Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen, Kindern und Männern, die mit umfassenden, konkreten Massnahmen gegen Gewalt einhergehen müssen. Sie weisen darauf hin, dass Prävention und Schutz für alle Gefährdeten und Betroffenen nun vorgesehen werden müsse – unabhängig von ihrem Alter, Geschlecht, Aufenthaltsstatus oder anderen sozialen Merkmalen. Damit können endlich auch gewaltbetroffene Frauenflüchtlinge ein Recht auf Unterstützung und Schutz beanspruchen.

Transgender Network Switzerland hofft, dass die Konvention ihre Wirkung tatsächlich entfalten kann und Transmenschen weniger Gewalt ausgesetzt werden sowie als Opfer adäquate Unterstützung und Rechtsschutz erhalten.

Bundesrat eröffnet Vernehmlassung zur Istanbul-Konvention

(Artikel vom 30.11.2015)

Am 7. Okt. 2015 hatte der Bundesrat die Vernehmlassung zur Ratifizierung der Europaratskonvention zur Verhütung häuslicher Gewalt (sogen. Instanbul-Konvention) eröffnet, gleichzeitig mit der Vernehmlassung zu verschiedenen Änderungen im Straf- und Zivilrecht, welche bezwecken, Opfer von häuslicher Gewalt und Stalking besser zu schützen.

Hintergrund

Der Bundesrat hatte am 11. September 2013 die Konvention des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt unterzeichnet. Diese ist das erste europaweite Abkommen zum Schutz von Frauen gegen jegliche Form von Gewalt, inklusive der häuslichen Gewalt. Es erklärt verschiedene Formen von Gewalt gegen Frauen für strafbar, namentlich physische, psychische und sexuelle Gewalt, Stalking, Zwangsheirat und die Verstümmelung weiblicher Genitalien. Neben besserem Rechtschutz sieht die Konvention Massnahmen in den Bereichen Prävention, Betreuung und Hilfe vor. Erfasst werden Formen von Gewalt, von welchen Frauen unverhältnismässig stark betroffen sind. Die Mitgliedstaaten werden allerdings dazu ermuntert, die Konvention auf alle Opfer von häuslicher Gewalt anzuwenden, also auch auf Männer und Kinder (Art. 2).

Zusätzliche Massnahmen?

Das schweizerische Recht verfüge auf Bundesebene bereits heute weitgehend über die notwendigen Instrumente zur Umsetzung der Konvention, schrieb der Bundesrat in seiner Medienmitteilung vom 3. Juli 2013. Zu erwähnen sind dabei die neuen Straftatbestände der Zwangsheirat und der Verstümmelung weiblicher Genitalien im Strafgesetzbuch. Im Bereich des Stalkings gehe die Schweiz mit den Regelungen im Zivil- und Strafrecht sogar über die Anforderungen der Konvention hinaus. In einzelnen Bereichen will der Bundesrat noch vertieft prüfen, ob ein zusätzlicher Regelungsbedarf besteht.

Die sehr detaillierte Konvention schreibt eine Vielzahl von Massnahmen vor, die in der Schweiz noch kaum flächendeckend umgesetzt sind. Dies gilt, um nur einige wenige Beispiele zu nennen, zum Beispiel für die Forderung nach genügenden und einfach zu erreichenden Zufluchtsorten (Frauenhäuser etc.), der Einrichtung von telefonischen Helplines oder Massnahmen zur Unterstützung von Kindern, die Zeugen von häuslicher Gewalt geworden sind.

Dokumentation

Vermisste Kinder in Europa: ein schwer zu bezifferndes Phänomen

6 Juni 2017 par fso

Für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern, braucht Europa zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Photo :  achrntatrps, flickr/creative commons

Anlässlich des Internationalen Tages der vermissten Kinder am 25. Mai, haben zwei Organisationen europäische Statistiken veröffentlicht. Eine spricht von 3.536 vermissten Kindern und die andere von 5.742 vermissten Kindern. Warum ein so großer Unterschied? Die Antwort ist einfach. Es gibt bis zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle europäische Statistik zu diesem Thema. Jedes Land klassifiziert und sammelt seine Daten anders. Aus diesem Grund sind Sammlung und Vergleich unmöglich. Diese beiden Organisationen versuchen daher ein Phänomen zu beziffern, das sehr schwer messbar ist.

2016 spricht Amber Alert Europe von 3.536 verschwundenen Kindern. Es handelt sich um Kinder[1], bei denen die Polizei beschlossen hat, das Verschwinden[2] publik zu machen. 22 Staaten haben diese Anzeigen veröffentlicht und 73% dieser Kinder wurden im darauffolgenden Monat wieder gefunden.

In 2016 wurden auch 29 Entführungswarnsysteme[3] in 5 Ländern ausgelöst in der Suche nach 33 Kindern, von denen 32 wiedergefunden wurden – 83% in den ersten 24 Stunden.

Diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder, können aber nicht als Quelle für wissenschaftliche Studien dienen, da die Kriterien für eine öffentliche Anzeige und für die Auslösung des Entführungswarnsystems von Land zu Land unterschiedlich sind.

Auch in 2016 spricht Missing Children Europe von 5.742 verschwundenen Kindern. Sie schöpft ihre Daten aus den behandelten Fällen in 23 Staaten der Hotline 116 000[4]. Von den 5.742 verschwundenen Kindern sind 57% geflohene Kinder; 7% unbegleitete minderjährige Migranten; 23% sind Kinder, die von einem Elternteil entführt wurden; weniger als 1% wurden von Fremden entführt; 13% sind Verloren, Verletzt oder Sonstiges. Leider wird ein Rückgang der zurückkehrenden Kinder vermerkt: nur 42% der Kinder wurden in diesem Jahr wiedergefunden gegenüber 46% in 2015.

Noch einmal, diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder. Die Quellen sind nicht offiziell und hängen von dem Willen der Familie ab, diesen Service zu nutzen. Dennoch können die Ziffern gesammelt und verglichen werden, da Missing Children Europe eine Vereinheitlichung der Datensammlung veranlasst hat.

Europa braucht zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson, 06.06.2017

vollständiger Text auf Französich


[1] Unter 18 Jahre, nach Art. 1 der KRK

[2] Die Anzeigen werden gelöscht, sobald das Kind wieder zurück ist und wenn das Verschwinden länger als einen Monat andauert.

[3] Auf diesem Kontinent in 2006 eingeführt, wurde das Entführungswarnsystem 29 Mal ausgelöst in 2016: 17 Staaten der Europäischen Union sowie die Schweiz verfügen über solch ein System, aber nur 9 haben es bis heute genutzt.“

[4] Bedeutet in 23 Staaten. 31 europäische Länder profitieren von diesem Service, darunter die Schweiz.

25. Mai, der internationale Tag der verschwundenen Kinder

22 Mai 2017 par fso

Am 25. Mai ist der internationale Tag der verschwundenen Kinder : Gedenken wir allen vermissten Kindern und deren Familien.

Um diesen Tag zu feiern, hat die Stiftung Sarah Oberson zwei Leitartikel in diesem Monat veröffentlicht :

«Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda»,

Vereinigten Staaten, 08.05.17

Europa, 15.05.17

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (2016), in Frontières

Photo :  fdecomite, flickr/creative commons

Anstieg der « vermissten Kinder » auf die westliche Agenda – Europa

15 Mai 2017 par fso

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff „Verschwinden“ heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten (…) spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Europa folgt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Europa folgt dem Beispiel jenseits des Atlantiks mit beinahe einem Jahrzehnt Verzögerung. Tatsächlich entsteht in Belgien 1996 aufgrund der Dutroux Affäre und der darauffolgenden imposanten Volksbewegung, die Idee einer NGO, welche sich speziell für den Kampf gegen das Verschwinden und die sexuelle Ausbeutung von Kindern einsetzt. Die Eltern der Opfer und die belgischen Behörden lassen sich direkt vom NCMEC (Child Focus, undatiert) inspirieren, was in 1998 zu der Entstehung des Europäischen Zentrums für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder führt und heute unter dem Namen Child Focus aktiv ist. In 2001 gründen Child Focus und andere NGOs Missing Children Europe (MCE), ein Dachverband der sich dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Kommission und der „First Ladies“ mehrerer Staaten schnell entwickelt und heute ein Netzwerk bestehend aus 32 Organisationen aktiv in 26 Ländern koordiniert.

Aufgrund dieses Ursprungs basiert daher der europäische Ansatz auf dem USA- Modell. Der Ansatz teilt insbesondere die weitreichende Definition des Problems, eine Vision die auf einer schnellen Intervention und der Assoziierung von Verschwinden mit dem Thema der sexuellen Misshandlung an Kindern, basiert. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo das NCMEC Spezialeinheiten für die Suche nach Kindern und der Gerichtsmedizin hat, kümmern sich die NGOs in Europa nicht direkt um die Suche von Kindern. Sie überlassen diese Aufgabe normalerweise den Einheiten der Polizei, mit welchen sie fortan eng zusammenarbeiten und konzentrieren sich auf die familiäre Unterstützung.

Der Aufschwung hinsichtlich der Thematik zu den „vermissten Kinder“ auf dem europäischen Kontinent ermöglicht es den spezialisierten NGOs enge Kontakte mit den Verfechtern der Kinderrechte zu knüpfen. Diese Verbindungen kreieren sich insbesondere rund um die gemeinsamen Themen, wie dem Menschenhandel, der sexuellen Ausbeutung oder der Gewalt an Kindern. Die Ernennung im Mai 2014 der Präsidentin des MCE, Frau Boer- Buquicchio, ist von großer Bedeutung, da sie den Posten der Sondersprecherin der Vereinten Nationen zum Kindeshandel, zur Prostitution von Kindern und zur Pornographie, welche Kinder zur Schau stellt, innehat und eben dieses ein wichtiger Punkt im UN-Dokument zur Umsetzung der Kinderrechtekonvention (KRK) ist.  Die Präsidentin gibt dem Thema der „vermissten Kinder“ eine starke globale Resonanz und scheint, noch stillschweigend, die von Experten erforschte enge Verbindung zwischen dem Verschwinden und der sexuellen Ausbeutung, sehr ernst zu nehmen.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/


[1] Faire le link avec l’édito sur les Etats-unis