Alarmierende oder panikmachende Medien?

27 April 2010 par fso

Das Vorstellen der neuen schweizerischen Polizeistatistik der vereinigten Kriminalität am 22. März 2010, hat eine Lawine von beunruhigenden Titeln ausgelöst, deren Stars die Minderjährigen und die Ausländer sind (1).

Ganz zufällig hat Herr Guéniat – Sicherheitspolizeichef in Neuenburg – 5 Tage vor dieser Ankündigung, während einer Konferenz im Rahmen einer Reflexionstagung über Migrantenkinder (2) bestätigt, dass die Entwicklung seitens der jungen Straftäter zwischen 1999 und 2005 um 12% abgenommen hat, und zwischen 1982 und 2007 um 17%. „Die Kriminalität ist nicht das schwerwiegendste soziale Problem seitens der Jugend in der Schweiz! Nur 1,2% der 945’000 Minderjährigen werden jedes Jahr verurteilt. Nur 0,2% der Jugendlichen werden wegen Gewalttaten bestraft.“

Auch „dauert die Straftätigkeit eines Jugendlichen nach Ansicht der Kriminologen Fréchette und Leblanc, nur selten mehr als drei Jahre, danach finden die jungen Straftäter einen positiven Ausweg.“ (Guéniat, 18.03.2010)

Prof. Quéloz bestätigt, was ihn betrifft, dass „nicht die Kriminalität der Minderjährigen ausländischer Nationalität am meisten zugenommen hat (in Zahlen und nicht in % der Bevölkerung), aber dass es doch sehr wohl die Urteilssprechungen betreffend junge Schweizer sind, die am meisten zugenommen haben, inklusive für Gewalttaten.“

Ausserdem hat die Kriminologie verschiedentlich aufgezeigt, dass wenn diese 4 Gruppen von Variablen (persönlicher Hintergrund, familiärer Kontext, schulischer Kontext, Umgebungskontext) ungünstig im Erlebten einer Person zusammengeführt werden, diese 80% der Chancen haben wird zur Tat zu schreiten (Guéniat, 18.03.2010). Aus diesem Grund verzögert das Statistik Schweiz (BFS) die möglichen Folgerungen zu den von Ausländern begangenen Vergehen, da diese noch nicht zu deren sozialökonomischen Status in Bezug gesetzt werden können, welcher „für die ansässige ausländische Bevölkerung im Mittel tiefer liegt“ (3).

Somit stimmt es; die Zahlen sind da um zu unterstreichen, dass die Jugendlichen und die Ausländer jene sind, die im Verhältnis zu ihrer Zahl, mehr Straftaten begehen. Warum präsentiert man denn diese Daten nicht in ihrem Zusammenhang und beendet diese kontraproduktive und politisch manipulierbare Panikmache?

Wennschon Panikmache, dennschon über die wirklichen Probleme:

Entgegen etlichen Pressetiteln, unterstreicht die Pressemitteilung des BFS vom 22.03.2010 in erster Linie die Wichtigkeit der häuslichen Gewalt gegenüber allen Gewaltvergehen, bei der die Viktimisierung der Kinder sehr wichtig ist (22% registrierte Vergehen der häuslichen Gewalt).

Die Statistiken erwähnen ebenfalls den hohen Prozentsatz an Vergehen gegen die sexuelle Integrität der Minderjährigen. „Sexuelle Handlungen mit Kindern sind die Vergehen dieser Art, die am häufigsten registriert werden (23%)“.

Die Viktimisierung der Kinder (2) wird auch in einer Umfrage festgestellt, die in Zürich durchgeführt wurde und die hervorhebt, dass 2007, 25,2% der Kinder Opfer einer Gewalttat während der letzten 30 Monate waren (27,6% waren es 1999) – (Guéniat, 2008, Diapositiv 23).

Die Presse jedoch, betont diese Art von genauso spektakulär und medienwirksam „verkäuflich“ scheinenden Ereignissen wenig, indem sie eher der Kriminalität der Jugendlichen und der Ausländer, oder noch besser der Ausländerjugendlichen den Vorzug gibt.

Clara Balestra, 27.04.2010

(1) Presse :
- Un meurtre par semaine, Le nouvelliste, 23.03.2010, p. 5.
- De Zurich au Valais, la violence gratuite des mineurs préoccupe, Le Temps, 24.03.2010
- Insécurité croissante en Suisse, Communiqué UDC Suisse, 31.03.2010
- Au niveau suisse, les actes de brigandage sont en nette augmentation, arcinfo.ch, 23.03.2010

(2) Das Wort “Kind” bezeichnet jeden Menschen, der das achtzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat (Art. 1 KRK).

(3)”Inwiefern dies mit dem durchschnittlich tieferen sozioökonomischen Status der ständigen ausländischen Wohnbevölkerung zusammenhängt, wird sich mit dem zukünftigen Integrationsindikatorensystem des BFS bald besser eruieren lassen.” Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS), Jahresbericht 2009, p. 8.

1 résponse pour “Alarmierende oder panikmachende Medien?”

  1. La criminalité des jeunes baisse et les médias se taisent - Fondation Sarah Oberson dit:

    [...] On parlait de « De Zurich au Valais, la violence gratuite des mineurs préoccupe » – blog du [...]

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