Archive pour Juli 2010

Nicht begleitete Minderjährige (NBM): Auf der Suche nach einer besseren Welt

13 Juli 2010

Leitartikel von Frau Dr. Anne-Emmanuelle Ambresin, Ärztin und Klinikchefin, Unité Multidisciplinaire de Santé des Adolescents (UMSA), Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV), Schweiz.

Sie ist jung, 15-jährig und hat das Leben vor sich, doch sie ist arm, Waise und kommt aus Somalia. Sie hat Afrika und einen Teil von Europa durchquert um an die Schweizer Grenze zu gelangen. Warum diese Strapazen? Um der Zwangsheirat oder der Beschneidung zu entfliehen. Wie sie, warten jedes Jahr einige Dutzend nicht von einem gesetzlichen Vertreter begleitete Minderjährige an der Schweizer Grenze. Sie haben oft einen oder beide Elternteile verloren oder sind vor der Androhung geflohen, aufgrund ihrer politischen oder religiösen Überzeugung oder ganz einfach aufgrund von örtlichen Vergeltungsmassnahmen. Was haben sie getan, um auf der falschen Seite der Barriere geboren zu werden? Nichts; dies ist ihr Drama, sie haben es sich nicht ausgesucht. Sie haben hingegen die Wahl getroffen, nicht zu resignieren und das ist ihre grosse Stärke: die Widerstandsfähigkeit.

Vergnügen und Reichtum sind nicht die Treibkräfte dieser Entwurzelungen. Nein, das Leid ist die  wirkliche Haupttreibkraft, die alle NBM vereint. Sie sind zerrissen von diesem Lebenstrieb, welches sie drängt ihr Land zu verlassen und dem Verlust der geliebten Menschen und ihres geliebten Landes. Warum gehen sie? In der Hoffnung einen Zufluchtsort zu finden, wo man sie respektieren würde, wo sie Rechte hätten. Eigentlich streben sie nach demselben wie ein jeder: jemand sein, einen Beruf erlernen, eine Familie haben und arbeiten können.

Welche Antwort gibt die Schweiz diesen mutigen Jugendlichen, die auswandern um das Recht zu haben, weiter existieren zu können? Eine paradoxe Antwort: zwischen Hoffnung und Verriegelung. In bestimmten Kantonen, davon das Wallis, welches die Inspirationsquelle für diesen Leitartikel ist, werden diese Jugendlichen als Minderjährige übernommen (NBM-Heim, Erzieher, Berufsausbildung), doch die Verwaltungsbehörden betrachten sie zuerst als Einwanderer und erst dann als Minderjährige und verweigern ihnen meistens den Flüchtlingsstatus. Sie befinden sich also in einer grossen Wehrlosigkeit, dem Untergrund oder der Ausweisung geweiht. Man beachte, dass der Kanton Wallis im Ruf steht, in Sachen Asylpolitik eines der gnädigsten zu sein, was bezüglich der Gesamtsituation in der Schweiz kaum ermutigend ist.

Für die Beauftragten ist die menschliche Begegnung ergreifend. Das Vertrauensband wird zärtlich im Laufe der Konsultationen geknüpft. Der Beauftragte ist unter ständiger Spannung zwischen dem höheren Wohl der Kindes und der Migrationspolitik des Bundes und der Kantone. Er ist oft machtlos angesichts der Wirkung der Verwaltungsentscheidungen auf den geistigen und körperlichen Zustand der NBM. Die Erlaubnisverweigerungen führen oft einen akuten depressiven Zustand herbei, sowie ein erhebliches Angstgefühl mit damit verbundenen Schlafstörungen und das Risiko des Drogenkonsums. Wer kümmert sich darum, die Behörden für die Auswirkungen ihrer Entscheide auf die Gesundheit der NBM zu sensibilisieren?

Diesen Jugendlichen die Möglichkeit anzubieten sich auszubilden und einen Beruf zu erlangen würde eine gute Antwort ausmachen, um zu versuchen die Ungleichheit zu vermindern, deren Opfer sie aufgrund ihrer Herkunft sind; denn ein Lebensprojekt, welches ein Berufsprojekt beinhaltet, ist eines der Hauptschutzfaktoren für die Jugend.

Dieser Artikel ist am 09.07.2010 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Die Orientierungsstufe von Leytron handelt für Somalia

5 Juli 2010

In diesem Schuljahr haben sich 33 15-jährige Schüler aus der Orientierungsstufe von Leytron für die Rajo-Vereinigung engagiert, welche in Sitten ansässig und in Somalia aktiv ist.

clip_image002

Die Option Nachhaltige Entwicklung und die Option Informatik haben ihre Bemühungen vereinigt, um die Grafik, das Logo und die Internetseite dieser Vereinigung zu entwickeln (www.association-rajo.ch).

Die beiden Klassen haben ebenfalls verschiedene Aktionen durchgeführt, um Gelder zusammenzutragen. Die Option Nachhaltige Entwicklung hat 2500 ökologische Heftapparate verkauft und ein somalisches Essen für alle Schüler der Einrichtung organisiert. Die Option Informatik hat Informatikeinführungskurse auf die Beine gestellt, welche an die Erwachsenen und Rentner der Region gerichtet waren. Diese Tätigkeiten haben es erlaubt 15’950.- zu sammeln.

Die Jugendlichen haben ihr Vorgehen während einer Pressekonferenz vorgestellt. Sie haben diese Gelegenheit genutzt, um den Scheck dem Präsidenten der Rajo-Vereinigung, Herrn Mahamed Abdi, zu überreichen. Dieser hat präzisiert, dass der Betrag für den Bau einer Schule im „Hawa Abdi“-Quartier, 30 km von Mogadischu (Somalia) entfernt, verwendet werden wird.

Die Projekte „Rajo, ein Stern der Hoffnung“ und „Intergenerationelles Informatikcoaching“ – jeweils von Pierre Darbellay und David Evéquoz geleitet – wurden im Rahmen des Wettbewerbs x-puissance-cœur (www.xpuissancecoeur.ch) ausgezeichnet. Sie wurden unter mehr als 130 Initiativen zur gegenseitigen Unterstützung ausgesucht.

remise du chèque 2

Der von einem Falken eingeflogene Scheck wird dem Präsidenten der Rajo-Vereinigung von einem Schüler der OS von Leyton übergeben.

Wer seid ihr?
Wir sind eine Klasse des dritten Jahrs der Orientierungsstufe in Leytron und wir befinden uns im letzten Jahr unserer Schulpflicht. Wir nehmen der Option Nachhaltige Entwicklung für drei Stunden pro Woche teil. Durch diesen Kurs hindurch engagieren wir uns zugunsten der RAJO-Vereinigung.

Könntet ihr uns diese Vereinigung vorstellen?
RAJO ist eine gemeinnützige Vereinigung. Sie ist in Sitten (Wallis – Schweiz) ansässig und wurde am 10. Februar 2010 gegründet. RAJO engagiert sich für die Unterstützung des Bildungszugangs in Somalia. Heute entwickelt sie ihr erstes aufwändiges Projekt, nämlich ein 12 Klassen unterbringendes Schulgebäude im „Hawa Abdi“-Quartier zu bauen, das am Stadtrand der Hauptortes Mogadischu liegt.

clip_image002

Warum habt ihr diesen Optionskurs gewählt?
Wir hatten alle Lust Menschen zu helfen, die nicht unser Glück haben. Auch wenn die Schule uns manchmal langweilt, sind wir uns der Bedeutung der Bildung bewusst. Die Idee am Bau einer Schule am anderen Ende der Welt mitzuwirken hat uns ebenfalls motiviert.

Was hat euch dieses Vorgehen gebracht?
Ich wurde mir der Chance die ich habe bewusst.“  Fabienne
Wir können filmen und Filmmontagen machen.“  Laura, Céline, Etienne
Wir haben gelernt unser Projekt zu fördern, um Sponsoren zu finden.“  Valentin und Mathieu
Ich wage es endlich anzurufen.“ Dylan
Ich bin in der Lage die Buchhaltung zu führen.“ Flavien
Ich wurde mir der Armut in der Welt bewusst.“  Valentin
Ich kann eine Adressenauflistung machen.“ Jessica
Ich habe gelernt eine Pressemappe zusammenzustellen.“  Valentin

Ausschnitt aus der von den Schülern des dritten Jahres der Orientierungsstufe in Leytron vorbereiteten Pressemappe.