Bericht des internationalen Kolloquiums des IUKB/IDE (5. und 6. Mai 2011 ) – Jugendliche und Alkohol, ein knallender Cocktail: vom Experimentieren zum sozialen Ausschluss.

19 Mai 2011 par fso

“Im Jahr 2010 konsumierte eines von fünf Heranwachsende im Alter von 15 Jahren einmal pro Woche Alkohol und eins von drei Jugendlichen hat bereits fünf Gläser in Standardgröße oder mehr im Vormonat konsumiert, so eine Untersuchung in der Schweiz.”(1)

Editorial von Frau Andressa Curry Messer und Mireille Ansermet, Wissenschaftliche Mitarbeiterinnen des UER Droits de L’Enfant, Institut Universitaire Kurt Bösch, Sitten/Schweiz .

“Im Jahr 2010 konsumierte eines von fünf Heranwachsende im Alter von 15 Jahren einmal pro Woche Alkohol und eins von drei Jugendlichen hat bereits fünf Gläser in Standardgröße oder mehr im Vormonat konsumiert, so eine Untersuchung in der Schweiz.”(1)

Dieses 2-tägige Kolloquium hat Spezialisten aus den Bereichen Probleme mit Suchtverhalten,  sozial-medizinisch-legale Betreuung von Jugendlichen, Politik und Medien vereint um gemeinsam über den Alkoholkonsum von Jugendlichen zu diskutieren. Fragen, welche das Kolloquium zu beantworten suchte,  lauteten wie folgt: welches ist die Motivation, auch unterschwellige, für den Konsum von Alkohol bei Heranwachsenden, Fragen zur Häufigkeit und Art der Konsumation spezifisch für diese Altersgruppe und die Frage nach den Konsequenzen eines solchen Konsumverhaltens auf die physische und mentale Gesundheit, Fragen nach den Zusammenhängen zwischen strafbaren Akten und Alkohol aber auch Präventionsfragen, wie z.B. wie Jugendliche besser vor dieser Gefahr, welcher der Missbrauch von Alkohol darstellt, geschützt werden können.

Um mit einem positiven Aspekt zu beginnen, sei daran erinnert, dass für eine große Mehrheit der Alkoholkonsumenten dieses Verbrauchsverhalten an keine Probleme gebunden ist und dass nur eine Minderheit ein Risikokonsumverhalten zeigt. Alkoholismus ist eine Krankheit, welche sich schleichend entwickelt, oft über mehrere Jahrzehnte, und sich so bereits im Jugendalter festsetzen, aber erst im Alter ab 35 Jahren wirklich in Erscheinung treten kann. Dabei sind aber die Kurzzeiteffekte des Alkoholkonsum bei Heranwachsenden schwerwiegend: Unfälle im Straßenverkehr, oft mit tödlichem Ausgang, sexuelle Begegnungen, oft im Nachhinein bereut und/oder ohne Schutzmaßnahmen, Selbsttötungshandlungen, Schlägereien, Probleme mit den Eltern, mit der Polizei, schlechte Resultate in der Schule etc.  Und wie Dr. Michaud uns in Erinnerung ruft: „der Alkohol ist für das Gehirn von Heranwachsenden reines Gift“. Denn der Alkohol beraubt das Dopaminsystem einerseits, andererseits ist es ein Fakt, dass die Phase der Formbarkeit des Gehirns in der Adoleszenz abgeschlossen ist, und dass das Gehirn deshalb nicht mehr in der Lage ist, sich zu remodellieren, sondern sich nur noch an die Struktur anpassen kann. Somit bleiben die Zellen, welche durch den Alkohol zerstörten wurden, es für immer.

Warum aber trinken dann Jugendliche? Einerseits gibt es die Gruppe von Heranwachsenden, welche an Festivitäten trinken, um leichter mit Gleichaltrigen in Kontakt zu kommen, um sich selbst „bestmöglichst“ zu geben – durch den hemmungslösenden Effekt und als Reaktion auf die emotionelle Überbordung welche die Pubertät begleitet.  Andererseits nutzen andere den Alkohol als „Antidepressiva“ zur Tilgung von Sorgen. Es ist bekannt, dass der Alkohol den Zustand, in welchem jemand sich befindet, verstärkt. Sind Heranwachsende traurig oder depressiv bevor sie zu trinken beginnen, werden sie es nach dem Alkoholkonsum noch intensiver sein. Dies sind Momente, wo Selbsttötungen oder Versuche zur Selbsttötung reell werden.

Welche Prävention auf welchen Niveaus? Wie kann einerseits der Zugang zu Alkohol erschwert werden und wie kann andererseits die Attraktivität des Alkohols bei Jugendlichen vermindert werden? Eine schwierige Frage für eine Gesellschaft, in der die Weinbautradition und der Konsum von Alkohol einen so großen Stellenwert haben. Als erstes ist es wichtig, die Altersgrenze, ab welcher Heranwachsende Zugang zu Alkohol haben, möglichst weit oben anzusetzen, um so das Risiko einer Abhängigkeit herabzusenken und die Anreize zur Aneignung von Konsumverhaltensgewohnheiten, welche sich oft bis ins Alter erhalten, zu vermindern. Dies ermöglicht es dem Gehirn, sich genügend auszubilden, was wiederum den Heranwachsenden die Möglichkeit gibt, sich anzupassen und ein reflektiertes und maßvolles Verhalten dem Alkohol gegenüber zu entwickeln. Denn dies sind Fähigkeiten, welche mit der kognitiven und verhaltensbedingten Reife des Gehirns zu Ende der Adoleszenz wirksam werden.

Um dies zu erreichen, müssen die Gesetzte, welche in unserem Land in Kraft sind, respektiert werden. Denn es ist bekannt, dass 28% der Jugendlichen von 15 Jahren ihren Alkohol selber in Bars oder Geschäften  kaufen, welche zudem weniger kosten als nichtalkoholische Getränke, wie sie auch Strategien zur Umgehung des Gesetzes anwenden, indem sie sich alkoholische Getränke von Erwachsenen kaufen lassen. Die Politik wie auch die Wirtschaft spielen dabei eine wichtige Rolle. Aber wenn man bedenkt, dass der Verkauf von Alkohol an Minderjährige jährlich 200 Millionen Franken Einnahmen generiert, versteht man, weshalb nur wenig gemacht wird, respektive weshalb sie sich hinter Alibiaktionen verstecken .

Das, was gemäß Dr. Michaud für Heranwachsende überaus wichtig ist, ist eine Umwelt, welche sie anhört und ihnen wohlwollend gesinnt ist. Seien es die Eltern, die Schule oder die Gesellschaft im Allgemeinen, alle sind angesprochen, die Jugendlichen in dieser schwierigen Phase zu einem autoregulativen Konsumverhalten betreffend Alkohol zu begleiten. Man muss ihnen die Gefahren einer Alkoholvergiftung aufzeigen, denn ja, man kann daran sterben! Und im Jahr 2010 ist die Anzahl von Alkoholvergiftungen um 16% gestiegen, bei den Mädchen sogar um 35%. Dieser Anstieg ist bedingt durch das spezifische Konsumverhalten von Jugendlichen, nämlich große Mengen von Alkohol in einer sehr kurzen Zeitspanne zu trinken (auf Englisch binge drinking), also fünf alkoholische Getränke und mehr in einer Zeitspanne von zwei Stunden.

Ist nun aber die Prävention in einer Sackgasse? Die Schlussdebatte gab den Rednern die Gelegenheit, mögliche Reflexionsansätze aufzuzeigen. Gemäss Herrn Sacy werde zu problembezogen und zu wenig lösungsorientiert diskutiert. Herrn Graf äussert sich bezüglich der Strategie der Angsteinflößung, welche alleine nicht funktionieren könne. Es müssen folglich andere Mechanismen entwickelt und zur Umsetzung reflektiert werden, wie es auch eine finanzielle Unterstützung bedinge. Nach Ansicht von Frau Baume-Schneider sei bereits der Kindergarten ein wichtiger Ansatzpunkt, getragen von einer echten Bildungspolitik nahe der Lehrpersonen sowie einer Aufwertung letzterer; man müsse aufhören zu denken (2), dass man im Kindergarten nur mit Bauklötzchen spiele. Für einige liegt das Problem in der Gegebenheit, dass die Erwachsenen für Heranwachsende keine Identitätsvorbilder mehr seien. Für andere wiederum sind es die Eltern, welche ihre Verantwortung nicht genügend wahrnähmen, und das bereits in den frühen Phasen der Kindheit, dass sie dabei nicht genügend unterstützt würden und dass, wenn sie um Rat und Hilfe bäten, es bereits zu spät sei, da die Weichen dann bereits gestellt seien (3)!

Zusammengefasst, diese Frage ist ein echtes Gesellschaftsproblem…..

1. « Health Behaviour in School-aged Children » (HBSC) und « European School Survey Project on Alcohol and Other Drugs » (ESDPAD) in Schweiz .
2. Ibid.
3. Addiction Info Suisse

Dieser Artikel ist am 10.05.2011 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

1 résponse pour “Bericht des internationalen Kolloquiums des IUKB/IDE (5. und 6. Mai 2011 ) – Jugendliche und Alkohol, ein knallender Cocktail: vom Experimentieren zum sozialen Ausschluss.”

  1. Deena dit:

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