Schweiz: die Jugendlichen des Wallis treffen auf die Welt der Politik

30 Januar 2012 par fso

Dieses erste Zusammentreffen teilt der Wille der politischen Welt des Kantons Wallis mit, die Kompetenzen der Jugendlichen besser anzuerkennen. Ihre aktive Teilnahme bei den Vorbereitungsarbeiten und ihren Worterfassungen während dieses Tages haben bewiesen, dass sie das Können haben, die Sachen ziemlich objektiv, offen und großzügig abzuschätzen.

Leitartikel von Professor Daniel Stoeklin des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes.

Das universitäre Insitut Kurt Bösch (IUKB) und der Jugenddienst des Kantons Wallis sind beauftragt worden, einen Tag der Zusammenkunft zwischen den Jugendlichen der zweiten Stufe und politischen Entscheidungsträgern zu organisieren. Um die Jugendlichen zu vertreten wurden alle Schulen der zweiten Stufe nach Quoten zur Teilnahme eingeladen. Die Zusammenkunft zwischen 80 Jugendlichen des Kanton Wallis und 30 Abgesandten und Vertretenden der Gemeinden hat am 30. September 2011 im Saal des großen Rates in Sitten stattgefunden. Zu den 14 vorgestellten Themen waren die drei, die am meisten Zuspruch erhielten, folgende: der Mangel an Zusammenhalt zwischen den zwei Sprachregionen, die Wahlfreiheit des Ortes betreffend der höheren Fachschule sowie mangelnde Sicherheit und Gewalt in städtischen Gebieten. Die Politiker haben sich im Rahmen dieses Treffen verpflichtet, diese Themen zu behandeln. Zudem soll erneut eine Zusammenkunft in diesem Rahmen stattfinden.

Die Vorbereitungsarbeiten sind unter der Leitung von Prof. Daniel Stoecklin von zwei Studentinnen des interdisziplinären Masters in Kinderrecht des IUKB ausgeführt worden, welche für dieses Projekt als Praktikantinnen durch den Jugenddelegierten verpflichtet worden sind. Eine spezifische Methodologie wurde für die Vorbereitung dieser Zusammenkunft benutzt. Sie hat bereits ihren Nutzen bei einer Untersuchung (1) bewiesen, welche am IUKB sowie im Rahmen einer Bewertungen der nationalen Teilnahmepolitiken von Kinder und Jugendlichen, welche vom Europarat durchgeführt wurde (2). Das Instrument „Kaleidoskop der Erfahrung“ (3)  spornt in der Tat an, die jeweiligen unmittelbaren Anliegen in einer ausgedehnteren Gesamtheit von Erwägungen einzubringen. Man nimmt besser die enge Verflechtung zwischen Aktivitäten, Beziehungen, Werte, Selbstbildnisse und Motivierungen wahr, und dies wiederum spiegelt sich in einem offeneren Dialog um die durchzuführenden Aktionen wider.

Das Recht des Kindes, aktiv an den Entscheidungen teilzunehmen, die direkt sein Leben betreffen, ist Teil der Grundfreiheiten, welche durch die Konvention der Rechte es Kindes garantiert werden. Selbstverständlich werden Entscheidungen, welche das Kind betreffen, auf verschiedenen Niveaus in der Familie, in der Schule, in den kulturellen und sportlichen Verbindungen und Organisationen und selbstverständlich auch auf politischem Niveau getroffen… Dieses erste Zusammentreffen teilt der Wille der politischen Welt des Kantons Wallis mit, die Kompetenzen der Jugendlichen besser anzuerkennen. Ihre aktive Teilnahme bei den Vorbereitungsarbeiten und ihren Worterfassungen während dieses Tages haben bewiesen, dass sie das Können haben, die Sachen ziemlich objektiv, offen und großzügig abzuschätzen.

Für die akademische Welt stellt dies ein Beispiel der Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft dar, welcher sinngemäss eine angemessene Bedeutung zuteil werden sollte. Es handelt sich nicht nur um eine Implementierung des Unterrichts und der Forschungsarbeiten, welche das IUKB im Bereich der Rechte des Kindes durchführt, sondern stellt ebenfalls einen Beitrag zum intra- und intergenerationellen Dialog, welcher für den sozialen Zusammenhalt und somit auch für die Entfaltung der Kinder und der Jugendlichen so wichtig ist.

Die Zusammenarbeit zwischen den staatlichen und akademischen Strukturen kann somit folglich zu dieser bekannt „Kultur der Teilnahme“ beitragen, die nur zustande kommt, wenn ein sogenannter „Jugend-“ oder „Kinderreflex“ in allen Entscheidungen, welche gemacht werden, entwickelt wird. Man müsste sich in der Tat immer fragen „und welches sind die Auswirkungen solcher Entscheidung für die Kinder und Jugendlichen? “ Dies erfordert, dass über das Anliegen hinausgegangen wird, welches die Parteien für ihre jeweiligen Ablösungen haben, nämlich ihre „Jugendsektionen“. Es erfordert konkrete Konsultationsverfahren und an Kinder und Jugendliche angepasste Instrumente.

Die Umsetzung der partizipativen Rechte der Jugendlichen wird momentan durch den Europarat evaluiert. Zur Zeit haben sich Finnland (4), die Slowakei und Moldavien als Freiwillige zur Verfügung gestellt und so ihren Willen mitgeteilt, auf diesem Gebiet fortzuschreiten. Man kann hoffen, dass die Schweiz vermehrt zeigt, was sie bereits macht und noch auf diesem Gebiet machen will. Dieses Treffen im Wallis geht jedenfalls in die richtige Richtung, und man kann nur auf wiederholte Initiativen hoffen, um die Nachhaltigkeit und die Wetteiferkeit auf andere schweizerische Kantone zu gewährleisten.

(1) Stoecklin, D. (2009). Réflexivité, participation et capabilité. En : Jean Zermatten & Daniel Stoecklin (Eds). Le droit des enfants de participer. Norme juridique et réalité pratique : contribution à un nouveau contrat social. Sión : IUKB/IDE: 75-109.
(2) Conseil de l’Europe (2009) Ad Hoc Advisory Group on Child and Youth Participation (MJ-S-CYP). http://www.coe.int/t/dg3/children/default_en.asp
(3)  www.active-self.com
(4) Conseil de l’Europe (2011) Child and Youth Participation in Finland. A Council of Europe Policy Review. http://www.coe.int/t/dg3/children/participation/PolicyReview_en.pdf

Dieser Artikel ist am 19.12.2011 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

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