Das Phänomen « Projekt X ». Wenn die Realität die Fiktion überholt !

14 Januar 2013 par fso

Da ich selber 17 Jahre alt bin, gehe ich auch auf soziale Netzwerke, mache ich auch Party, habe ich auch den Film « Projekt X » gesehen. Aber ich verstehe nicht, wie man nicht unterscheiden kann zwischen einem Film und der Realität, dass man Menschen besuchen will um alles kleinzuschlagen.

Von Audrey Fardel, Praktikantin Internationales Institut der Rechte des Kindes

Illustration La minute de Mélanie

« Projekt X » oder « The Hangover » auf Englisch ist der Name einer amerikanischen Komödie welche die Geschichte von drei Gymnasiasten (Costa, Jb und Thomas) erzählt, welche nicht mehr als „Looser“ gelten wollen und deshalb entschliessen, die „grösste Party aller Zeiten“ zu organisieren. Die Gäste erschein wesentlich zahlreicher als vorgesehen und das Fest entartet rasch, indem es sich zu einem überdimensionalen Anlass entwickelt… Dieser Film ist geprägt durch die Geschichte von Corey Worthington, einem 16jährigen Australier (2008), welcher von der Abwesenheit seiner Eltern profitierte um 500 Personen via Facebook bei sich einzuladen. Das Wochenende endete mit der Zerstörung des Hauses der Familie und mit Beschädigungen in der ganzen Nachbarschaft. Ein Interview des Jugendlichen in dem lokalen Fernsehsender hat anschliessend diese Begebenheit in den Vereinigten Staaten und Australien bekannt gemacht.

Dieser Film, der nach Art eines Dokumentarfilmes gedreht wurde, erschafft die Illusion, an diesem Abend anwesend zu sein, Teil des Filmes zu sein, dass alles wirklich ist … und es scheint, dass bestimmte Jugendliche nicht in der Lage sind, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden.

Zudem muss man wissen, dass, wenn man auf Facebook ein privates Ereignis generiert, jeder Gast seinerseits ein Maximum von 60 Personen einladen kann. Genau dies passierte Benjamin, einem jungen Franzosen, welcher eine Party zu seinem 14. Geburtstag organisieren wollte. Er wollte ca. 30 Personen zu seinen Grosseltern einladen. Eine seine Freundinnen fand es jedoch praktischer, einen « geheimen Event » auf Facebook zu kreieren. In weniger als 48 Stunden haben sich nahezu 33‘000 Personen eingeladen und leiteten ihrerseits die Information weiter. Mit der Wendung der Vorkommnisse überfordert, informierte der junge Benjamin seinen Vater, welcher seinerseits einen Appell an die Polizei machte. Nach der Einreichung der Klage „gegen Unbekannt“ infolge „unerlaubter Aneignung der Identität“ versuchten sie mit allen Mitteln, die Sites zu schliessen. Das Schlimmste konnte verhindert werden, aber immerhin 2000 Personen haben sich dennoch auf den Weg gemacht und die Party stieg in einem um wenige Kilometer entfernten Nachtclub, ohne die Anwesenheit von Benjamin.

Infolge dessen hat die französische Justiz sich entschieden, radikale Massnahmen zu ergreifen. Jede Person, die eine « Projekt X » Party organisiert, riskiert bis zu 6 Monaten Haft und eine Geldstrafe von 7500 Euro. (1)

Im September 2012 veröffentlichte eine Jugendliche in Haren in den Niederlanden via Facebook einen Event um ihren 16. Geburtstag zu feiern. Aber sie vergisst, diesen mit der Option « privat » zu versehen. Zahlreiche Partygänger entschieden sich, von der Gelegenheit zu profitieren und einen « Projekt X » Anlass daraus entstehen zu lassen. Zwischen 3000 bis 4000 Personen, in grosser Mehrzahl Jugendliche, haben sich auf den Weg gemacht, um diesen auf „Projekt X Haren“ umbenannten Event zu besuchen. Der Anlass weitete sich schnell auf die Strassen der Stadt aus. Die 500 Polizisten der Antiaufruhreinheit mussten Hunderte von Jugendlichen, welche in die Strasse, in der das Mädchen wohnte, eindringen wollten, abdrängen. Letztere hat glücklicherweise das Haus der Familie früher am Tag verlassen. Autos und Hauszäune wurden beschädigt. Steine, Flaschen, Fahrräder, Blumentöpfe und Raucherzeuger wurden Richtung Polizisten geworfen. Vierunddreissig Personen wurden zwischenzeitlich festgenommen und mehrere wurden verletzt, darunter zwei schwer. (2)

In den Vereinigten Staaten, in der Stadt Houston (Texas) fand eine ähnliche Begebenheit statt. Infolge einer Schiesserei starb eine Person. (3)

In Frankreich, in Roquebrune-sur-Argens dans le Var, haben im Mai 2012 zwei Jugendliche im Alter von 22 Jahren in einer unbewohnten Villa, Besitz eines holländischen Paares, eine Party, inspiriert vom Film « Projekt X », organisiert. Sie haben via Facebook eine Einladung mit Wortlaut «C’est no limit. Venez avec bouteilles. Possibilité 1200 personnes…» lanciert. Die beiden Organisatoren haben mit grossen Tönen Striptease Tänzerinnen und DJs «en folie» angekündigt … Mehr als 600 Jugendliche im Alter von 16 bis 20 Jahren kamen. Aber die Party entartete rasch. Unter dem Einfluss von Alkohol und Rauschmittel haben die Jugendlichen das Haus komplett verwüstet (zerbrochene Fensterscheiben, zerschlagene und entrissene Sanitärinstallationen, Mobiliar, welches in den Swimmingpool geworfen wurde, …) die Schäden wurden auf ca. 80‘000 Euro geschätzt. Die zwei Jugendlichen wurden wegen einer via Facebook organisierten Party in einer unbewohnten Villa, inspiriert durch den Film « Projekt X » zu 6 Monaten geschlossener Haft und einer Busse von 20‘000 Euro verurteilt. Zusätzlich zu den zwei Jugendlichen wurde ein Dritter verurteilt : der Immobilienhändler, welcher ihnen die Villa ohne Zustimmung der Besitzer vermietet hat. Dieser Mann wurde wegen Vertrauensmissbruch angeklagt. (4)

Da ich selber 17 Jahre alt bin, gehe ich auch auf soziale Netzwerke, mache ich auch Party, habe ich auch den Film « Projekt X » gesehen. Aber ich verstehe nicht, wie man nicht unterscheiden kann zwischen einem Film und der Realität, dass man Menschen besuchen will um alles kleinzuschlagen. …Diese Jugendliche versuchen vielleicht den « Buzz » zu machen? Eine grössere Bekanntheit unter ihren Kameraden zu erhalten ?

Quellen :

(1) – 50.000 invités Facebook à la fête d’anniversaire d’un ado, Article le  Figaro , 26.04.2012

- Anniversaire de Benjamin – L’épilogue (France 3 Auvergne et National), Reportage France 3, 12.05.2012

- Quand les fêtes «Facebook» dégénèrent, Article le Figaro, 28.05.2012

(2) Chaos” aux Pays Bas lors d’une soirée “Projet X” ayant rassemblé des milliers de personnes, Article de M Europe, 22.09.2012

(3) Un étudiant abattu en imitant le film «Projet X», Article de la Tribune de Genève, 20.03.2012

(4) – Projet X: villa vandalisée dans le Var au cours d’une soirée Facebook,  Reportage du Le journal France 3, 22.05.12

- Prison pour avoir organisé une soirée Projet X via Facebook, Article du Figaro,  25.06.2012

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