Gemeinsam

19 Februar 2013 par fso

“…es gibt eine Tendenz, insbesondere akzentuiert durch die sozialen Netzwerke und die neuen Kommunikationstechnologien, welche es einem erlaubt „Menschen zu suchen, mit denen man „gleichgeschaltete Atome“ hat, mit der Folge, sich immer mehr mit dem zu umgeben und einzuschliessen, was einem ähnlich ist“ (sinngemässe Übersetzung). Das zugrundeliegende Risiko liegt darin, nicht mehr anderen Meinungen oder anderen Interessen gegenüberzustehen, sondern sich in Gemeinschaften zu isolieren, welche wie Echokammern agieren und nicht mehr wie Orte, in welchen man in Kontakt mit Unterschieden kommt”

Von Olivier Messer

Von unserer Epoche sagt man, dass es diejenige des Fortschrittes und des technischen Vorsprunges ist, wenn man denn einigen Werbungen glauben will; und dass sie uns glücklicher oder wenigstens in Einklang mit Unseresgleichen bringt. Kurz, wir sind „im Schwung“ und sozial gut integriert.

Paradoxerweise war unsere Gesellschaft vielleicht nie so unterteilt und das Individuum so einsam. Gemäss Marina Castañeda, einer mexikanischen Historikerin, Psychologin und Musikerin deren Buch Ecouter soeben auf Französisch erschien, gibt es eine Tendenz, insbesondere akzentuiert durch die sozialen Netzwerke und die neuen Kommunikationstechnologien, welche es einem erlaubt „Menschen zu suchen, mit denen man „gleichgeschaltete Atome“ hat, mit der Folge, sich immer mehr mit dem zu umgeben und einzuschliessen, was einem ähnlich ist“ (sinngemässe Übersetzung). Das zugrundeliegende Risiko liegt darin, nicht mehr anderen Meinungen oder anderen Interessen gegenüberzustehen, sondern sich in Gemeinschaften zu isolieren, welche wie Echokammern agieren und nicht mehr wie Orte, in welchen man in Kontakt mit Unterschieden kommt (1).

Aus diesem Grund können wir uns hinterfragen über die Stellung der Gemeinschaft, welche «naturgemäss» oft unterteilt ist, nicht aufgrund einer Wahl, sondern aufgrund «der Sache an sich», wie eine geläufige Formulierung besagt. Die Gefangenen zum Beispiel, welche manchmal komplett den Anschluss an die reelle und nicht kathodische „Aussenwelt“ verlieren. Die familiäre Beziehung ist schwierig, für die Erwachsenen als auch für die Kinder und die Re-Sozialisation in Anschluss an den Auszug aus dem Gefängnis ist sehr problematisch. Oder die älteren Personen, welche oftmals nur wenig Anschluss an ihr Umfeld haben oder aufgrund ihrer fragilen Gesundheit in Pflegeheimen leben. Sie verbringen ihren Alltag unter sich, begleitet von Animateuren und dem Pflegepersonal. Aber mit grosser Wahrscheinlichkeit besteht wenig Verbindung zur jüngeren Menschen, da sich diese auch in ihrer jeweiligen Altersgemeinschaft bewegen.

Im ersten Fall, die Welt des Strafvollzugs betreffend, hat man etwas zögerlich versucht, den Kontakt zu den Familien, den Angehörigen oder den Besuchern zu verbessern. Die Projekte zielen darauf ab, die Besuche der sehr jungen Kinder bei ihren in Gefangenschaft lebenden Eltern angenehmer zu gestalten, sehr aufgrund des Bewusstseins, dass diese Beziehung fundamental für den Erfolg der Passage infolge der Inhaftierung ist. Im zweiten Bespiel kann festgestellt werden, dass mehrere Residenzen für ältere Menschen dieser Tage versuchen, Beziehungen zwischen den Generationen zu fördern. Wie das Beispiel einer Residenz im Wallis, deren Garten direkt und ohne Abgrenzung an den Aussenspielbereich angrenzt, welcher von den Kindern der in einigen Meter entfernten Schule, welche innerhalb der gleichen Umgrenzung steht, besucht wird. Dies bringt Leben in den manchmal sehr ruhigen Alltag unserer Ältesten aber auch seitens der Kinder Bewusstsein für den Unterschied und das Sorgetragen für die Schwächsten.

Die oft delikate Beziehung zwischen den Generationen scheint für das Wohl aller unentbehrlich zu sein. „die Bereitschaft, sich mit anderen auszutauschen, sich um andere zu kümmern ist eine Möglichkeit, aus der eigenen Enge auszubrechen. Sachen für andere zu machen ist für das eigene Seelenleben wichtig. Wenn man zum Beispiel ein schönes Geschenk auswählt und sieht, wie sich die beschenkte Person darüber freut, macht man sich selber auch ein Geschenk“ (sinngemässe Übersetzung) schreibt der zeitgenössische deutsche Philosoph Richard David Precht (2).

Die Kinder haben im Allgemeinen die Fähigkeit, ganz natürlich Beziehungen zu den „Anderen“ aufzubauen. Sie gehen mit einer Leichtigkeit mit Unterschieden um, oft aufgrund einer gesunden Neugierde, nämlich die Neugierde zu verstehen wo, jenseits unserer Unterschiede, wir Gemeinsamkeiten finden können. Könnten wir uns nicht ein wenig ihnen angleichen?

(1) CASTAÑEDA, Marina, Ecouter, éditions Laffont, collection Réponses, Paris, 2012, pp.180-181.

(2) PRECHT, Richard David, Qui suis-je et si je suis combien?, éditions Belfond, collection L’esprit d’ouverture, Saint-Amand-Montrond, 2009, p.130.

Dieser Artikel ist am 19.02.13 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

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