Die Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge ist nur der erste Schritt

15 Juli 2014 par fso

Seit dem 1. Juli 2014 ist die gemeinsame elterliche Sorge unabhängig vom Zivilstand der Eltern die Regel in der Schweiz. Da sich durchschnittlich jedes zweite Paar scheiden lässt und jedes fünfte Kind ausserhalb einer Ehe zur Welt kommt, betreffen diese Änderungen zahlreiche Eltern und über 15’000 Kinder pro Jahr.

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Gemäss dem Bundesrat ist diese Reform im Interesse des Kindes, denn „für die harmonische Entwicklung eines Kindes ist es wichtig, dass es soweit wie möglich mit beiden Elternteilen eine enge Beziehung unterhalten kann“. Das Wohl des Kindes ist nach dem neuen Gesetz auch das einzige Kriterium, gemäss dem das Sorgerecht allenfalls einem Elternteil allein zugeteilt werden kann.

Es gibt aber auch Vorbehalte gegenüber dieser Änderung, auch diese begründet mit den Interessen des Kindes. Christophe Joris, Bezirksrichter und spezialisiert auf Ehe- und Strafrecht, meint dazu, dass er persönlich nicht von der Idee überzeugt ist, da er befürchtet, dass die Unstimmigkeiten zwischen den Eltern dadurch auf die Kinder übertragen werden. Für eine gemeinsame elterliche Sorge ist nämlich eine enge Zusammenarbeit zwischen den Eltern notwendig. Einem der Elternteile dieses Sorgerecht zuzuteilen, scheint ihm in der Praxis zufallsbedingt, wenn sich die Zusammenarbeit nicht naturgemäss im Interesse des Kindes ergibt. (2011)

Das Inkrafttreten dieser Regel ist der erste Teil einer vom Bundesrat gewünschten zweiteiligen Reform. Wie aus den eidgenössischen Statistiken hervorgeht, waren im Jahr 2012 5.1 % der Kinder zwischen 0 und 17 Jahren Sozialhilfeempfänger und stellten somit die am meisten von Armut betroffene Altersklasse dar.

Sozialhilfeempfänger/innen nach Alter, 2012

Anteil (%)    Sozialhilfequote (%)

Total           100      3.1

0–17 Jahre    29.9      5.1

18–25 Jahre    12.2      3.9

26–35 Jahre    16.2      3.8

36–45 Jahre    16.8      3.5

46–55 Jahre    15.4      3.2

56–64 Jahre    8.3      2.4

65–79 Jahre    0.7      0.2

80 Jahre und +    0.4      0.3

Die Unterstützungsquote der Alleinerziehenden und Paare im Jahr 2012 zeigt, dass eine grosse Mehrheit der Unterstützungsempfänger Alleinerziehende waren. Diese beunruhigende Situation wurde bereits im Jahr 2006 von der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen (EKKJ) angeprangert. Seither hat sich die Lage nur noch weiter verschärft.

Unterstützungsquote der Alleinerziehenden und Paare nach Anzahl Kinder, 2012

Unterstützungsquote (%)

Alleinerziehende    18.4

Alleinerziehende mit 1 Kind    19.3

Alleinerziehende mit 2 Kindern    16.5

Alleinerziehende mit 3+ Kindern    19.9

Paare mit Kind(ern)    1.8

Paare mit 1 Kind    1.9

Paare mit 2 Kindern    1.4

Paare mit 3+ Kindern    2.3

Mit der zweiten Vorlage versucht der Bundesrat die Armut von getrennt lebenden Familien vorzubeugen. „[...] ein Kind [hat] nicht nur das Recht auf eine eigenständige Beziehung zu jedem Elternteil. Ein Kind hat auch das Recht auf stabile und verlässliche Betreuungsverhältnisse und das Recht auf finanzielle Sicherheit. Eine zweite Vorlage wird deshalb auch unterhaltsrechtliche Fragen behandeln.“

Es bleibt zu hoffen, dass die Vätervereinigungen und den übrigen politischen Akteuren, die sich stark für die Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge als Regel eingesetzt haben, den zweiten Teil der Reform mit demselben Elan unterstützen.

Clara Balestra, 14.07.14

6 résponses pour “Die Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge ist nur der erste Schritt”

  1. Riva dit:

    Aujourd’hui ont été publié les dernières statistiques en matière de pauvreté en suisse, qui confirme la nécessité de prévenir la paupérisation des familles (2ème volet de la réforme prévue):
    Selon les derniers résultats de l’Office fédéral de la statistique (OFS), la pauvreté monétaire touchait quelque 590’000 personnes en 2012 en Suisse. Parmi celles-ci, 130’000 environ exerçaient une activité rémunérée. Le risque de pauvreté menaçait environ 1,19 million de personnes, et environ 280’000 personnes souffraient de privations matérielles dans au moins trois domaines de la vie sur neuf. Les groupes particulièrement exposés, quelle que soit la définition de la pauvreté, sont les personnes élevant seules leurs enfants, les personnes moins qualifiées et celles vivant dans un ménage dont la participation au marché du travail est faible.
    http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/fr/index/news/publikationen.html?publicationID=5648

  2. autorité parentale dit:

    merci pour ce récapitulatif fort intéressant sur l’autorité parentale, surtout en ce qui concerne le côté fiscalité…

  3. Enfants, séparation et drames : et si la société avait sa part de responsabilité ? - Fondation Sarah Oberson dit:

    [...] litigieux ne représenteraient que le 10%. Il n’en reste pas moins que dans bien des cas, une séparation rime avec paupérisation. Aussi, au sein des cas litigieux, des exemples extrêmes existent. Durant l’année 2013, la [...]

  4. Enfants et séparation : des causes énoncées aux interventions proposées - Fondation Sarah Oberson dit:

    [...] litigieux ne représenteraient que le 10%. Il n’en reste pas moins que dans bien des cas, une séparation rime avec paupérisation. Aussi, au sein des cas litigieux, des exemples extrêmes existent. Durant l’année 2013, la [...]

  5. La réglementation en matière d’entretien dans les cas de déficit après divorce ou séparation - Fondation Sarah Oberson dit:

    [...] : et si la société avait sa part de responsabilité ?, blog Fondation Sarah Oberson, 23.09.14 - L’introduction de l’Autorité Parentale Conjointe (APC) ne doit être que le premier pas, blog Fondation Sarah Oberson, [...]

  6. Pauvreté, et les mesures structurelles ? - Fondation Sarah Oberson dit:

    [...] séparation et drames : et si la société avait sa part de responsabilité ?, blog FSO, 23.09.14 L’introduction de l’Autorité Parentale Conjointe (APC) ne doit être que le premier pas, blog FSO, [...]

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