Wenn Eltern ihre Kinder verbringen handelt es sich dabei um eine Verletzung der Kindesintegrität

2 November 2015 par fso

Die elterliche Kindesentführung selbst ist ein Angriff auf die psychische Integrität des Kindes und als solche ein Auslösekriterium des Entführungsalarm-Systems in der Schweiz. Letztere ist kein Wundermittel im Kampf gegen elterliche Kindesentführungen. Sie ist aber ein Instrument, welches der Schweiz zur Verfügung steht, um auf dieses Phänomen zu antworten. Außerdem hilft sie dabei Kindern Leiden zu ersparen, die weit über eine physische Gefährdung hinausgehen.

Erfahrungsberichte unten. Photo : © Steve C, Flickr/Creative Commons

In der Schweiz existiert das Entführungsalarm-System seit 2010. Damit es aktiviert wird, muss das Alarmsystem folgende Bedingungen erfüllen:

-       Es wurde konkret festgestellt, dass eine minderjährige Person entführt worden ist, oder es besteht der begründete Verdacht dafür;

-       Es muss angenommen werden, dass die entführte Person ernsthaft in ihrer physischen, sexuellen oder psychischen Integrität gefährdet ist;

-       Es liegen genügend gesicherte Informationen vor, damit der Alarm mit Aussicht auf eine erfolgreiche Lokalisierung von Täterschaft und/oder Opfer ausgelöst werden kann.

Die Bundebehörden unterstreichen, dass “ Der Alarm findet in der Regel keine Anwendung bei der Entführung durch einen Elternteil bzw. beim Entziehen von Unmündigen (Art. 220 StGB), da in diesen Fällen normalerweise keine Gefahr für Leib und Leben der entführten Person besteht.“

So wird während einer Kindesverbringung durch einen Elternteil der Alarm nicht ausgelöst. Jedoch tut die Schweiz auf der einen Seite alles dafür, um diese Form der Entführung zu verhindern und das Entführungsalarmsystem hat dabei positive Arbeit geleistet. Auf der anderen Seite hat die Kindesverbringung durch einen Elternteil schwere Auswirkungen auf die psychische Unversehrtheit des Kindes und fällt somit in die Schweizerischen Kriterien der Alarmauslösung.

Die UN-Kinderrechtskonvention (KRK) hat der Schweiz auferlegt, darüber zu wachen, „dass kein Kind gegen seinen Willen von seinen Eltern getrennt wird“ (Art. 9.1.). Die Konvention geht noch einen Schritt weiter, indem sie fordert spezifisch gegen Kindesentführung vorzugehen. Zudem hat sie dieser Problematik einen eigenen Artikel (Art.11) gewidmet. Dieser verordnet den Mitgliedsstaat dazu, „Maßnahmen [gegen] […] das rechtswidrige Verbringen von Kindern ins Ausland und ihre rechtswidrige Nichtrückgabe…“ zu treffen.

Das Entführungsalarmsystem ist eine der Möglichkeiten, die einem Land zur Verfügung stehen. Es hat sich in den United States of America, Gründungsland dieses Alarmtyps, bereits als hilfreich erwiesen, wo 2011 mehr als die Hälfte der aufgelisteten Alarme nach einer elterlichen Kindesentführung ausgelöst wurden: 80% der Fälle konnten positiv gelöst werden.

Zudem fordert die KRK in ihrem Artikel 19.1, dass ihre Vorgaben auf allen Verwaltungsebenen durchgesetzt werden, um gegen sämtliche physische, sexuelle oder psychische Verletzungen des Kindes vorzugehen „während es in der Obhut der Eltern oder eines Elternteils ist…“. Diese ist in den schweizerischen Kriterien des Alarmauslösers aufgegriffen worden, bezieht sich aber nicht auf die Eltern.

Kinder, die von einem Elternteil getrennt wurden, leiden auf emotionaler und manchmal auch auf physischer Ebene unter dem entführenden Elternteil. Viele der Kinder bekommen dann zu hören, dass der andere Elternteil nicht mehr am Leben ist oder sie nicht mehr liebt. Entwurzelt, getrennt von den Eltern und Freunden, bekommen entführte Kinder von dem entführenden Elternteil oft eine neue Identität zugeteilt und dürfen weder ihren Namen noch Informationen zu ihrem vorherigen Zuhause preisgeben.“ (Hoff)

Anzunehmen, dass die elterliche Kindesverbringung die Integrität des Kindes nicht angreift ist schlicht nicht mehr möglich. Die psychologischen Auswirkungen existieren und bestehen ein Leben lang. Ein Kind zu entführen ist eine Misshandlung, sei es nun durch einen Elternteil oder eine andere Person.

«Effects identified in this study by the abductees included loss of trust with the opposite sex, trouble making and keeping friends, feeling like they were in a dream-like world, trouble recalling important aspects of the abduction, and trouble sleeping and concentrating after the abduction The Family Journal July 2013 vol. 21 no. 3 313-317

Die elterliche Kindesentführung selbst ist ein Angriff auf die psychische Integrität des Kindes und als solche ein Auslösekriterium des Entführungsalarm-Systems in der Schweiz. Letztere ist kein Wundermittel im Kampf gegen elterliche Kindesentführungen. Sie ist aber ein Instrument, welches der Schweiz zur Verfügung steht, um auf dieses Phänomen zu antworten. Außerdem hilft sie dabei Kindern Leiden zu ersparen, die weit über eine physische Gefährdung hinausgehen.

“Do I think he should have served time for his abduction? Absolutely. Children should never be used as weapons and in most cases of abduction that is precisely the reason the act is committed.” http://takeroot.org/mics-story/

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson, 29.10.15

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Témoignages d’enfants enlevés recueillis sur le site de la fondation Take Roots, « Our purpose is to add the collected wisdom of former missing children to the public and policy discussions on child-abduction, using the voice of victims to improve America’s missing child response.”

-       « For so long, I thought it stopped when I was found, but it only began. I have been unhappy for so long because of they things my mother did. I have feelings I don’t know how to deal with and anger towards her I don’t know how to let go of. And I am ready to let go, but for some reason I can’t. Sometimes I feel sorry for myself because what happened is not my fault, but then I tell myself this is my life and I have to take control. But I know I have issues because of what happened to me and I feel like I can’t move forward until I resolve them, and I don’t know always where to start.” http://takeroot.org/rebekah/

-       “I had never spoken to another person, other than my brother, who truly understood the ghosts that haunt me on a daily basis. (…)I learned how to avoid hurt . . . Don’t let anyone close enough and it’s not a problem. I learned how to avoid lies . . . Never trust that anyone is telling you the truth anyway. I learned to appear to the outside world that I was ok . . . No chance of hurting anyone’s feelings by not being ok then. I learned how to make others happy at my own expense.” http://takeroot.org/sheris-story/

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