Armut – Realisierte Maßnahmen und ihre Wirkung: Die Erfahrung des ATD Vierte Welt

30 November 2015 par fso

Armut  “Der Knotenpunkt ist es eine Hilfe zu etablieren, die von oben nach unten agiert, vom kompetenten Fachpersonal zum Geschwächten ohne Stimme” (1)

Auszüge aus der Präsentation von Pascale Byrne-Sutton (Gesamttext, französich), Präsidentin des ATD Vierte Welt Schweiz Komitees im Rahmen des Diskussionssoirées „Armut und Kindheit in der Schweiz“, welcher am 11. November 2015 von der Sarah Oberson Stiftung in Saxon, Wallis, organisiert wurde.

„Die Bewegung der ATD Vierte Welt, eine von er UNO anerkannte NGO, ist ein Netzwerk aus Personen, welche sich in der Art und Weise vereinen lassen (…) wie sie Menschen in Armut betrachten und daran glauben, dass es möglich ist (…) miteinander zu arbeiten und vom anderen zu lernen. ATD ist in 34 Ländern auf allen Kontinenten vertreten. (…)

Ursprünglich in einem Armenviertel bei Noisy-le-Grand in Frankreich gegründet, entstehen aus der Bewegung heraus konkrete Projekte für Kinder und Familien: ein Kindergarten und eine Bibliothek, denn ʻes sind nicht immer notzwingend Essen und Kleidung welche die Menschen brauchen, sondern Würde, eben nicht mehr vom Wohlwollen der anderen abhängig zu seinʼ.(2)“

Frau Byrne-Sutton hebt verschiedene Problematiken hervor:

-          Die Arbeitsbedingungen in den Bereichen der Sozialhilfe: „ Das Konfliktproblem im Bereich der Sozialhilfe ist der stetige Anstieg der Kosten. (…) Um mit den Kosten zu haushalten, multipliziert man die Verfahren und die administrativen Formulare, man taktet die Interventionen der Sozialarbeiter minutiös und verlangt von ihnen nicht mehr zu den Familien zu fahren, denn dadurch könnte Zeit verloren gehen. (…) Wir müssen uns auch für den Personalwechsel in den sozialen Diensten und deren Arbeitsbedingungen interessieren, damit wir sie in Zusammenhang bringen können mit der Wirkung der Sozialarbeit in der Realität.“

-          Platzierungen von Pflegekindern: „… in der Arbeit von ATD Vierte Welt, sowohl in der Schweiz als auch weltweit, stellen wir fest, dass eine Konzeption des 19. Jahrhunderts, welche den Kreislauf der Armut durch Trennung der Kinder von ihren Eltern durchbrechen sollte,  trotz der Entwicklung der internationalen Rechtslage und professioneller Praktiken, für die Ärmsten weiterhin gilt.“

-          Der Schulabbruch: „… die Anzahl der Spezialisten jeglicher Art, zu welchen sich die Kinder während ihrer Schulzeiten für nur kurzweilige Treffen begeben müssen, sollte reduziert werden. (…) Ich kenne Fälle oder Treffen (…) bei denen bis zu 12 Fachkräfte und /oder Spezialisten aus verschiedenen Strukturen zusammen kamen, ohne das die betroffenen Personen auch nur miteinbezogen wurden und demnach auch nicht auf eine einstimmige Lösung hingearbeitet werden konnte.“

Als Lösung schlägt sie einen Paradigmenwechsel vor:

„Gegen die Armut anzukämpfen ist ganz sicher nicht einfach. Aber ich bin der Überzeugung, dass ein solcher Kampf auf koordinierte Art und Weise auf Bundesebene dekliniert werden sollte und in Bezug auf die Kantone und Kommunen gebracht werden muss. Die Koordination sollte sich auf verschiedene öffentliche und halböffentliche Partner erstrecken, die Beteiligung von Vereinen und  vor allen Dingen die effektive Beteiligung von Sozialhilfeempfängern beinhalten.“

„Um diesen Kreislauf zu durchbrechen bitten betroffenen Personen und Familien darum, als Teil der erarbeiteten Lösungen erkannt und wahrgenommen zu werden. Und daher nicht nur „betreut“ zu werden, sondern unterstützt bei ihren Projekten. Dies setzt voraus, dass in den Dialog und die Bildung eines adäquaten Wissens auf Grundlage adäquater Maßnahmen investiert werden muss.“

(1)   Jean-Claude Metraux, Kinderpsychologe in Lausanne, LE TEMPS, 29.11.2011.

(2)   Nach Joseph Wresinzski, Gründer der Bewegung

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