Die politische Marginalisierung von Kindern in Armut

15 März 2016 par fso

Kritik rund um die prekären Lebensverhältnisse in denen Kinder leben müssen wird laut und viele sehen eine Verbindung zwischen dieser unvorteilhaften Situation und den fehlenden politischen Rechten. Dies würde ein Desinteresse der Repräsentanten in den entscheidungsgebenden Instanzen bewirken.  Die Weltgesundheitsorganisation (WGO, 2002) sieht sich beispielsweise in der Pflicht, den Staat darum zu bitten, die Schwächsten der Gesellschaft zu schützen, auch wenn diesen eine direkte Repräsentativität fehlt.

Kittay und Linsdsey bringen das fehlende Wahlrecht für Minderjährige in den USA mit ihrem Armutsstand in Verbindung. Erstere fragt, ob die ärmsten Personen auch jene Personen sind, die in der politischen Arena unterrepräsentiert sind und unterstreicht damit den Fakt, dass Kinder als unfertige Personen gesehen werden und noch nicht als vollwertige Bürger. Lindsay erweitert diese Aussage und behauptet, dass die Lösung gegen kindliche Armut durch Hand erbracht werden muss, da von politischer Seite niemals der Wille zur Lösung gegeben war. Das Problem kommt, seiner Ansicht nach, von der Ausgrenzung des Wahlrechts für Kinder.

Des Weiteren legt Qvortrup (S. 15-18) anhand eines strukturellen Ansatzes eine schrittweise Marginalisierung von Kindern als Gemeinschaft vor, welche sie einem größeren Risiko der Verarmung aussetzt. Dieses Phänomen ist eine kollaterale Konsequenz von strukturellen Veränderungen der westlichen Gesellschaften in den letzten Jahrzehnten. Demographische und ideologische Gründe haben zu diesem Phänomen beigetragen. Einerseits ist es zu einer graduellen Alterung der Bevölkerung und zudem zu einer abfallenden Geburtenrate gekommen, welche zur Folge haben, dass die Anzahl der Erwachsenen mit Kindern gesunken ist. Dies bedeutet, dass Eltern in der Unterzahl zu anderen Erwachsenen stehen. Andererseits handelt es sich bei Kindern in unseren liberalen Gesellschaften um eine private Angelegenheit, die nur der Elternkompetenz unterliegt. Die Einmischung des Staates wird als schlecht empfunden.

Dennoch spielt der Staat eine wichtige Rolle in der Bekämpfung des Problems. Eine staatliche Intervention im Sinne der Kinder ist nötig, um ihre strukturelle Marginalisierung zu verhindern. Das Fernbleiben von Minderjährigen in der politischen Szene führt nur dazu, dass sich ihre prekäre Situation zuspitzt. Doch selbst in den skandinavischen Ländern, in denen der Wohlfahrtsstaat auf die Sache der Kinder Acht gibt, ist der Anteil der von Verarmung bedrohten Kinder höher als jener der älteren Personen (Sgritta, S. 346).

Clara Balestra, 14.03.16

Photo: © D Sharon Pruitt, Flickr/Creative Commons

Voir Clara Balestra (2007),  Les droits de l’enfant dans l’arène politique fédérale Suisse : L’exemple de la loi sur l’interdiction des châtiments corporels au sein de la famille, Thesis submitted in the framework of the Master of advanced Studies in Children’s Rights, Institut Universitaire Kurt Bösch (IUKB) et Université de Fribourg, Suisse.

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