Handbuch zur Betreuung unbegleiteter Minderjähriger in der Schweiz : Praxisorientierter Leitfaden für Fachleute

9 Mai 2016 par fso

In neun Etappen stellt der Leitfaden Ratschläge und praktische Werkzeuge für die in diesem Bereich tätige Akteure bereit. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Identifizierung, der Betreuung, der Situationsabklärung und der Begleitung im Übergang zur Volljährigkeit dieser unbegleiteten Minderjährigen und Jugendlichen.

Dieses Handbuch entstand im Zuge einer engen Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus der Westschweiz, die mit unbegleiteten Minderjährigen arbeiten (rechtliche Vertretungen, Sozialarbeiter und –Pädagogen, Zentrumsverantwortliche, Ärzte, Psychiater und Psychologen) sowie in Beteiligung verschiedener Fachorganisationen aus den Bereichen Kinderrechte und Migration. Die in diesem Handbuch vorgestellte Methode bietet einen Bezugsrahmen für die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen.

Das Handbuch wurde von der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes publiziert (2016).

Von Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes, Einleitung in „Handbuch zur Betreuung unbegleiteter Minderjähriger in der Schweiz“, 2016, S. 4-5.

Einleitung

Der Ausdruck «unbegleitete Minderjährige» bezeichnet Kinder und Jugendliche, die sich aus unterschiedlichen Gründen von ihrem ursprünglichen familiären Umfeld entfernt haben. Die Lage dieser jungen Migranten ist oftmals komplex und erfordert eine individuelle Abklärung. Es liegt im Verantwortungsbereich der Gastländer, unbegleiteten Minderjährigen eine angemessene Betreuung zu bieten und dabei auf die Einhaltung der Grundsätze der Kinderrechtskonvention,  welche von der Schweiz 1997 ratifiziert wurde, zu achten. Dieses Übereinkommen unterstreicht insbesondere die Notwendigkeit, das übergeordnete Interesse des Kindes zu berücksichtigen (Artikel 3)und ihm das Mitspracherecht bei allen es betreffenden Angelegenheiten zu erteilen (Artikel 12).Die Staaten sind folglich verpflichtet, Verfahrensweisen einzurichten, in denen das Kind nicht nur als «minderjährige Person mit spezifischen Bedürfnissen» betrachtet wird, sondern auch als «Akteur»seines eigenen Lebens respektiert wird. Jeder Minderjährige hat folglich den Anspruch auf die Abklärung und Berücksichtigung seiner persönlichen Situation bei sämtlichen, sein Leben betreffenden Veränderungen. Die Organisation der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger fällt in der Schweiz in den Zuständigkeitsbereich der Kantone, des halb können die einzelnen Betreuungsverfahren je nach Kanton erhebliche Abweichungen aufweisen.

Dieses Handbuch hat zum Ziel, die Grundlagen eines einheitlichen Verfahrens in neun Etappen zu erläutern, wobei die Einhaltung der Kinderrechte und die Suche nach einer dauerhaften individuellen Lösung in den Mittelpunkt gestellt werden. In der Regel gibt es drei Arten dauerhafter Lösungen, die auf einer individuellen Abklärung des übergeordneten Interesses des Kindes beruhen:

- Die Reintegration im Herkunftsland

- Die Integration im Gastland

- Die Umsiedlung in einen Drittstaat

Eine dauerhafte Lösung ist eine «langfristige Lösung, die dem unbegleiteten Minderjährigen die Möglichkeit bietet, sich bis zum Erwachsenenalter in einer Umgebung zu entwickeln, die seinen Bedürfnissen entspricht und seine Rechte gewährleistet, wie sie in der KRK definiert sind, und die das Kind nicht dem Risiko einer Verfolgung oder einer schweren Notlage aussetzt».

Dieses Handbuch entstand im Zuge einer engen Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der französischen Schweiz, die für die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger zuständig sind (gesetzliche Vertreter, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heimleiter, Ärzte, Psychiater und Psychologen) und unter Beteiligung diverser Organisationen aus den Bereichen Kinderrechte und Migration.

Die Suche nach dauerhaften Lösungen zusammen mit unbegleiteten Minderjährigen stellt ein neues Paradigma dar, und es ist die Aufgabe des Gastlandes, der Fachleute und auch der Zivilgesellschaft, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Kindern und Jugendlichen in Not ermöglichen, in Sicherheit aufzuwachsen, sich in einem stabilen Umfeld zu entwickeln und  Perspektiven für die Zukunft aufzubauen.

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