Familiäre Armut darf kein Grund für eine Kindeswegnahme sein

7 November 2016 par fso

Herr Nigel Catwell in seiner Präsentation der Richtlinien in Bezug auf den Schutz von der Wegnahme von Kindern, dass die familiäre Armut allein niemals ein Grund sein darf für die Kindeswegnahme.

Während der einführenden Vorträge der „internationalen Konferenz zu alternativen Betreuungsmaßnahmen“ unterstrich Herr Nigel Catwell in seiner Präsentation der Richtlinien in Bezug auf den Schutz von der Wegnahme von Kindern (2012), dass die familiäre Armut allein niemals ein Grund sein darf für die Kindeswegnahme.

In der Tat, so bestätigt Herr Zermatten, Präsident des Kinderrechtekomitees der Vereinten Nationen zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Richtlinien, die „hohe Anzahl an Kindern, welche in alternative Betreuungseinrichtungen in verschiedenen Ländern geschickt werden und dass oft die materielle Armut der Familie Hauptgrund dafür ist…“.

Die Richtlinien verteidigen dieses Verbot mit unterschiedlichen Argumenten. Einerseits und in Übereinstimmung mit der KRK, sehen sie die Familie als „ Milieu, indem das Aufwachsen und das Wohl aller ihrer Mitglieder und insbesondere der Kinder, am natürlichsten ist“ (Präambel KRK).

Andererseits legen sie fest (10.), dass „ spezielle Maßnahmen getroffen werden müssen, um gegen Diskriminierung vorzugehen, welche sich auf den Status des Kindes oder seiner Eltern, egal aus welchem Grund, und die Armut miteingenommen,… gründet“. Mit diesem Artikel zeigen sich die Verfasser misstrauisch gegenüber der unkritischen Akzeptanz von „konventionellen Lebensweisheiten“ (Catwell), welche so oft Grund für Institutionen waren Kinder von ihren Familien zu trennen und sie nach den verschiedenen Prinzipien zu erziehen, welche sie als schädlich erachten (die Nomaden in der Schweiz[1], die Aborigines in Australien,… und die Armen überall in den westlichen Ländern seit dem 19. Jahrhundert).

Außerdem nennen die Richtlinien klar (15.) dieses Verbot und versichern, dass die Staaten die Familien in finanziellen Schwierigkeiten mit angepassten Programmen im Kampf gegen die Armut unterstützen müssen. Letztere, wenn wirksam, verhindern zusätzlich, dass das Kind von der eigenen Familie verlassen wird.

…und die Schweiz?

Im Rahmen des Sarah Oberson Abends 2015 „Armes Kind sein in der Schweiz“ bereitete dem Präsidenten von ATD Vierte Welt insbesondere Sorgen, „dass in der Schweiz und im Rest der Welt, die Konzeption des 19. Jahrhunderts, welche den Kreislauf der Armut durch Trennung der Kinder von ihren Eltern durchbrechen sollte,  trotz der Entwicklung der internationalen Rechtslage und professioneller Praktiken, für die Ärmsten weiterhin gilt.“

In der Schweiz, in welcher dem Kinderrechtekomitee nach „ tiefe Unterschiede zwischen den Kantonen hinsichtlich der Auswahlkriterien beobachtet werden konnten,…“; welche Auswirkung hat die Armut auf die Platzierung von Kindern und welchen Einfluss das Nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut 2014-2018?

Clara Balestra, 17.10.16

[1] In der Schweiz war es bis in den 1970er Jahren das Ziel der öffentlichen Behörden, jedes Nomadenleben zu beseitigen, indem die Kinder weggenommen wurden (Projekt „Kinder der großen Straße“ umgesetzt von der Stiftung ProJuventute).“ Am 11.10.16: http://www.ekr.admin.ch/themes/f129.html

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