Archive pour la catégorie ‘Kinderverschwinden’

Abstract von “Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern”

11 Mai 2015

Ob wir es wollen oder nicht, Familientrennungen sind ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft. Auch wenn in der Anzahl bisher unerheblich, führt eine Trennung zu einem familiären Ungleichgewicht und kann, insbesondere für Kinder, gravierende Folgen haben. Ein wichtiger Aspekt für jene, die im Kindesschutz tätig sind, ist die Aufrechterhaltung der Beziehung zwischen den Eltern nach der Trennung. Dieser Prozess ist besonders für die Kinder signifikant.

Aus dem Working Report Konferenzen Sarah OBerson 2011 un 2014 zum Thema “Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern”,

Bei einer Scheidung handelt es sich um ein soziales Ereignis, auf welches sich die Gesellschaft vorbereiten muss. Nur so kann sie sich den Herausforderungen stellen. Ob vor, während oder nach der Trennung.

Die Familie als Institution sowie geltende sozio-ökonomische und kulturelle Faktoren (Arbeitswelt, Möglichkeiten zur Vereinbarung von Arbeit und Familie, Rollenverteilung innerhalb der Familie) fördern ein traditionelles Familienbild, dass auf lange Zeit existieren soll. Dieses Bild von Familie ist mit einer Trennung nicht vereinbar. Es kann die Schwierigkeiten, die Trennungskinder erfahren, wie bspw. Verarmung (Annexe II), nicht vorhersehen. Diese Schwierigkeiten können Konflikte zwischen den ehemaligen Paar fördern und in manchen Fällen gewalttätige Folgen haben.

Es braucht eine Umstrukturierung familiärer Normen, um sich den verschiedenen Phänomenen, die innerhalb einer Familie entstehen können, insbesondere einer Scheidung, zu stellen.

Die schweizerischen Autoritäten, aber auch die schweizerische Zivilgesellschaft, haben verschiedene Instrumente entwickelt, die den Übergang während und nach einer Trennung erleichtern sollen. Experten sind sich einig, dass es kein Wundermittel gibt und die verschiedenen Maßnahmen auf den Kontext hin angewendet werden müssen. Denn jede Situation ist besonders.

Dieses vielfältige Angebot existiert und versucht sich den neuen Realitäten anzupassen, indem es sich stets evaluiert und verbessert. Es wird daher empfohlen die betroffenen Paare über diese verschiedenen Möglichkeiten zu informieren, damit sie dadurch potentielle Konflikte vermeiden können. In diesem Dokument wird u.a. von einer einheitlichen Anlaufstelle (Rossier) gesprochen.

Es existieren somit Möglichkeiten, die es verhindern, dass die Trennung der Eltern für die Kinder in einem Drama endet. Dennoch bleibt eine Trennung Privatsache. Dank sozio-ökonomischer Änderungen auf der einen und juristisch, psychosozialer Maßnahmen auf der anderen Seite, verfügt die Gesellschaft über einen Handlungsrahmen, der es ermöglicht den Übergang zwischen Zusammenleben und Trennung für  Kinder, aber auch für Eltern zu erleichtern.

„In der Tat übertreten eine Trennung und ihre Auswirkungen das mikro-soziale Niveau der Einheit Familie: sie haben ihre Wurzeln in strukturellen Faktoren (Paar- und Erziehungsstile, Infrastrukturen, Familienpolitik, etc.), die den individuellen Eigenschaften einer Person (Vater, Mutter, Kinder) gegenübergestellt werden müssen und sich an ihren Absichten orientieren sollten, um dann im Interesse der Personen umgesetzt zu werden. Nur so können wir die Interessen und Rechte eines jeden Individuums respektieren.“ (Stoecklin)

Clara Balestra, 05.05.15

Die Schweiz : zwei 2 Jahre alte Kinder verschwinden in einer Woche

27 April 2015

Die Schweiz: zwei 2 Jahre alte Kinder verschwinden in einer Woche. Einer in Wattwill ( St-Gall) und ein anders in Windisch (Argovie)

1. “Seit Samstag (18.04.2015), 14:30 Uhr, wird in Wattwil ein 2-jähriger Junge vermisst. Die Eltern des Jungen nahmen an einem Fest im Katholischen Kirchzentrum Wattwil teil. Dabei verloren sie ihren Sohn aus den Augen und konnten ihn nicht wieder auffinden. Sie informierten in der Folge die Polizei, welche umgehend eine Suchaktion einleitete, die noch andauert, bislang jedoch zu keinem Ergebnis geführt hat.”

Signalment : “Er trug zum Zeitpunkt des Verschwindens einen braunen Pullover mit rosa Streifen und eine braune Hose.”

Photo

2. “Seit gestern Samstagabend, 25. April 2015, zirka 20.30 Uhr wird in Windisch, (Aare/Reuss Zusammenfluss) ein 2-jähriger Knabe vermisst. Die Kantonspolizei leitet umfangreiche Suchmassnahmen.”

Signalement und photo : “blonde Locken, gelb/blau/weiss-gestreifter Pullover, blaue Jeans, Turnschuhe”

Stiftung Sarah Oberson fühlt den Schmerz der Familien.

Trennung, ein gewöhnliches Erdbeben

10 Februar 2015

As’trame ist “überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit den Eltern nützlich ist, um die gemeinsame Elternschaft konstruktiv mit ihnen zu erarbeiten und einzuführen. Die Qualität der Erziehung und die Fähigkeit, mit anderen Eltern zusammenzuarbeiten, sind unserer Meinung nach wichtige Schutzfaktoren.”

Von Charlotte Crettenand, Psychologin-Psychotherapeutin FSP, Präsidentin von As’trame Wallis, Vortrag in Konferenz Sarah Oberson 2014, 12.11.2014 : “Kinder und Trennung von den Gründen zu vorgeschlagenen Massnahmen!”

Aufgrund der Statistiken werden Trennungen häufig verharmlost. Die Familien, die bei uns Rat suchen, bezeugen selbst, dass es in den Klassen ihrer Kinder fast „anormaler“ ist, aus einer Familie zu stammen, in der Vater und Mutter zusammenleben, als aus einer Eineltern- oder Patchworkfamilie.

Wenn uns eine Trennung aber persönlich betrifft, ist es eine bedeutende Veränderung. Genau das drückt eine Mutter aus, der wir im Rahmen von As’trame begegnet sind: „Als mich mein Mann verlassen hat, war ich zerstört. Für mich war es das „Ende der Welt“. Ich hatte keinen Halt mehr. Ich war völlig verloren. Auch meine Kinder waren verloren. Sie schwankten zwischen Trauer, Wut und Unverständnis. Ich fühlte mich nicht stark genug, um all ihre Erwartungen zu erfüllen und ihre Fragen zu beantworten. (…) Eine Trennung erleben ist ein emotionales Erdbeben und wenn man darüber sprechen möchte, ist es manchmal schwierig, sich nicht beurteilt zu fühlen.“

Familienstruktur: Ehe und gemeinsame Elternschaft

Bei einer vereinten Familie ist es fast unmöglich, zwischen Ehe und gemeinsamer Elternschaft zu unterscheiden. Als Erwachsener ist man sowohl Ehepartner wie auch Elternteil. Beides ist vermischt.

Wenn die Familie auseinanderbricht, ist das eheliche Band kaputt. In solchen Situationen wird oft gesagt: „Auch wenn sich Papa und Mama nicht mehr lieben, bleiben sie doch immer dein Papa und deine Mama“. Genau darin liegt die Herausforderung gegenüber den Kindern bei einer Trennung: Wie kann man weiterhin als Eltern zusammenarbeiten, wenn man eine zerrissene, betrogene, enttäuschte Frau (oder Mann) ist?

Auf dem Schema sieht man, dass die Trennung die Ebene der Ehe betrifft. Das Kindesverhältnis bleibt bestehen. Die Entscheidung, welche die Erwachsenen getroffen haben, beeinflusst das Band zwischen zwei Elternteilen und ihren Kindern nicht. Wenigstens theoretisch.

In bestimmten Situationen dauert der Ehekonflikt nämlich an und wirkt sich auch auf die Beziehung zu den Kindern aus.

In allen Fällen müssen die Familienmitglieder den Verlust (der idealen, vereinten Familie) verarbeiten. Dieser Prozess gleicht der Trauer, ist aber nicht dasselbe, da es sich um einen „uneindeutigen Verlust“ handelt (Pauline Boss, 1999). Denn auch wenn der Partner und Elternteil nicht mehr physisch anwesend ist, gibt es ihn weiterhin (und er ist aktiv). Diese Anwesenheit-Abwesenheit ist eine weitere Herausforderung für Familien, wenn sich Paare trennen.

Folgen für das Kind

Nach einer Trennung werden bei Kindern verschiedene Reaktionen beobachtet, die sich je nach Lebenskontext unterscheiden können (Familie, Schule, ausserschulischer Bereich…). In einer 2012 herausgegebenen Broschüre („L’enfant et le divorce“) haben wir fünf wichtige Reaktionen hervorgehoben, die zu den üblichsten gehören und hier nicht im Detail vorgestellt werden.

Es soll nur kurz aufgezeigt werden, wie verschieden diese Reaktionen ausfallen können. Sie können:

•    emotional sein: Trauer, Wut, Unverständnis, Angst, Angst vor dem Verlassenwerden, vermindertes Selbstwertgefühl…

•    das Verhalten betreffen: Aggressivität, Konzentrationsschwierigkeiten, Änderung des Essverhaltens, Einschlafprobleme…

•    die Trennung betreffen: Schwierigkeiten bei Übergangsmomenten, Versöhnungsversuche bei den Eltern, Partei für einen Elternteil ergreifen…

Natürlich reagieren nicht alle Kinder gleich. Es können andere Schwierigkeiten auftreten, als die oben als Beispiele angeführten.

As’trame im Dienst der Familien

As’trame bietet jeder Familie, die es möchte im für sie richtigen Moment strukturierte und punktuelle Begleitung. Einige Familien nehmen kurz nach der Trennung mit uns Kontakt auf, andere mehrere Jahre später, einige noch bevor sie es den Kindern mitteilen, um Ansatzpunkte zu haben.

Wir erhalten häufig wegen den Kindern – die ihre Eltern (oder die Fachpersonen in ihrem Umfeld: Lehrkräfte, ErzieherInnen, SchulkrankenpflegerInnen…) durch ihr Verhalten beunruhigen – Zugang zu den Familien.

Wir greifen schon im Vorfeld ein, ab den ersten Anzeichen von Problemen, und sind für alle Fragen zum Trennungsprozess da. Wir sind überzeugt, dass dies in den meisten Fällen das Leiden nach und nach lindern kann und so vermieden wird, dass sich längerfristige Schwierigkeiten entwickeln.

Wir laden Kinder, Jugendliche und Erwachsene ein, einen «Parcours de Reliance» zu machen (allein, mit Geschwistern oder in einer Gruppe), um die Personen dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen zu mobilisieren und Risiken vorzubeugen, die durch die Trennung von Familien entstehen.

Wir sind überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit den Eltern nützlich ist, um die gemeinsame Elternschaft konstruktiv mit ihnen zu erarbeiten und einzuführen. Die Qualität der Erziehung und die Fähigkeit, mit anderen Eltern zusammenzuarbeiten, sind unserer Meinung nach wichtige Schutzfaktoren.

Referenzen:

As’trame (2012). L’enfant et le divorce. Comprendre ce qu’il vit et le soutenir dans les changements qu’il traverse.

Broschüre gratis bestellbar unter: http://www.astrame.ch/actu-et-documentation/commande-de-documents/ (FR)

Boss, Pauline (1999). Ambiguous Loss. (EN) Harvard University Press.

Weglaufen, ein Hilfeschrei

2 Februar 2015

Nach der Sensibilisierungskampagne in den Walliser Schulen im Herbst über Entführung sensibilisiert die Sarah Oberson Stiftung nun auf ein anderes Thema: das Weglaufen von Kindern. Eine beunruhigende Realität, da schon allein der Kanton Wallis fast 300 Fälle pro Jahr verzeichnet. Das Risikoverhalten von Jugendlichen ist ausserdem Thema eines Symposiums am 3. Februar in Genf.

Die Feste zum Jahresende sind vorbei, die Dekoration weggeräumt, die Kerzen erloschen und der Weihnachtszauber … vorbei. Für alle gilt Rückkehr zum Alltag, wieder arbeiten für einige, zurück in die Schule oder in ein Heim für andere.

Es ist eine besonders heikle Zeit für Jugendliche in schwierigen Situationen, seien sie schulisch oder familiär bedingt. Eine schlechte Note, Streit mit den Eltern, Desinteresse oder sogar Misshandlung, Trennung von der Freundin … in diesen Situationen ist Weglaufen für einige eine Lösung, um aus ihrer Umgebung zu entfliehen. Sei es für einige Stunden, Tage oder manchmal Wochen. Gemäss Professor Olivier Halfon, Chef des Service universitaire de psychiatrie de l’enfant et de l’adolescent (SUPEA) (universitäre psychiatrische Dienste für Kinder und Jugendliche), CHUV in Lausanne, ist es unmöglich, Weglaufen mit Sicherheit vorherzusehen. Es müsse aber auf alle Verhaltensänderungen geachtet werden, zum Beispiel wenn sich das Kind abschottet und/oder sich die schulische Leistung verschlechtert.1

Die Statistiken über Weglaufen sind lückenhaft. Allerdings wurden allein im Kanton Waadt, gemäss einer Studie der Universität Lausanne aus dem Jahr 2013, drei Fälle pro Tag registriert! Fest steht ausserdem, dass das Phänomen in den Nachbarländern stark zunimmt – in der Schweiz zweifellos auch. Internationale Studien schätzen die Anzahl Minderjähriger, die von Zuhause weglaufen, auf zwischen 1,1 % und 8,7 %. Das würde, auf die Schweizer Bevölkerung im Jahr 2011 übertragen, zwischen 7’000 und 53’000 Fälle bedeuten.

Das Verschwinden unverzüglich der Polizei melden

Das Konzept, gemäss dem Weglaufen ein „Übergangsritus“ zum Erwachsenenalter darstellt, ist überholt. Der Minderjährige, der sein Zuhause freiwillig verlässt, schreit nach Hilfe. Weglaufen ist seine Art, der Familie oder der Gesellschaft zu sagen: „Ich brauche Hilfe. Ich halte meine Situation nicht mehr aus, deswegen handle ich und laufe weg.“

Die Jugend ist eine entscheidende Phase für die Gehirnentwicklung, in der sich einige charakteristische Verhaltensweisen zeigen: verstärkte soziale Interaktion, erhöhte Risikobereitschaft, zunehmende Suche nach Herausforderungen und Neuem, mehr Neugier und Entdeckergeist. Die Veränderungen im Gehirn während dieser Zeit führen dazu, dass Jugendliche handeln, bevor sie die Konsequenzen ihrer Handlungen vollständig eingeschätzt haben.1

„Weglaufen ist eine der gewagten Verhaltensweisen, die zu dieser Entwicklungsphase gehören“, erklärt Clara Balestra, wissenschaftliche und administrative Mitarbeiterin der Sarah Oberson Stiftung. „Als solche darf sie nicht auf die leichte Schulter genommen werden, sei es während das Kind verschwunden ist oder wenn es zurück ist.“ Je mehr Zeit das Kind auf der Strasse verbringt, desto mehr ist seine Integrität gefährdet. Es ist also wichtig, das Kind so schnell wie möglich wiederzufinden. Bei der Abwesenheit eines Kindes muss sofort – nachdem die Angehörigen und/oder die Schule kontaktiert wurden – die Polizei verständigt werden.

Das Risikoverhalten von Jugendlichen wird am 3. Februar 2015 im Universitätsspital in Genf thematisiert. Es findet ein Anlass mit dem Titel „Le réseau santé-social à l’épreuve de la crise suicidaire chez l’adolescent – Par maux et par mots, que nous enseigne la parole des jeunes? “ (Das soziale und medizinische Netz bei suizidalen Krisen von Jugendlichen auf die Probe gestellt – was lernen wir von den Aussagen Jugendlicher?) statt. Die Aussagen von Jugendlichen stehen im Zentrum dieses Anlasses, der unter anderem von der Fondation Children Action organisiert wird. Es werden sowohl Vorträge gehalten wie auch Erlebnisberichte Platz haben.

Nach der Rückkehr des Kindes einen konstruktiven Dialog aufnehmen

Das Weglaufen muss nicht nur während der Abwesenheit des Kindes ernst genommen werden, sondern auch bei der Rückkehr. Es ist also wichtig, Raum für Dialog zu schaffen. Die junge Person muss ihre Empfindungen und die Gründe für ihr Verhalten erklären können und die erwachsene Person ihren Standpunkt darlegen – ohne dass dies gewertet wird. „Wir sind überzeugt, dass eine Reflexion darüber, was es bedeutet, wenn Jugendliche weglaufen, helfen kann, die Betreuung der Ausreisser zu verbessern“, betont Clara Balestra, „auch wenn ein vertieftes Wissen über das Phänomen in der Schweiz noch fehlt.“

Die Stiftung hat sich übrigens im Jahr 2012 im Rahmen ihrer jährlichen Konferenz mit dem Thema befasst. Die Konferenzen beschäftigen sich immer mit einem Thema im Zusammenhang mit der Kindheit. Im Jahr 2012 haben sich mehrere Spezialisten dazu geäussert und die Präsentationen und die anschliessende Diskussionsrunde wurden zusammengefasst. Die Zusammenfassung ist auf der Website der Stiftung verfügbar (FR).

Wenn im Wallis ein Kind wiedergefunden wird und die Polizei der Ansicht ist, eine soziale Betreuung sei nötig, vermittelt sie den Fall an das Amt für Kindesschutz (AKS). Dieses bestimmt Massnahmen wie Unterstützung der Familie, Platzierung oder Spitalaufenthalt. Wenn keine Notfallmassnahme notwendig ist, nimmt das AKS separat Kontakt mit der Familie und dem Kind auf, um ihnen Unterstützung anzubieten.

1 Sarah Oberson Konferenz 2012 – „Weglaufen: Ritus des Übergangs oder Ruf um Hilfe?“, Jean Zermatten et al., November 2012

                                                                                                                                                       

Beunruhigende Zahlen

Weglaufen ist ein Phänomen, dessen wahres Ausmass unbekannt ist, da es keine nationalen Statistiken darüber gibt und nicht alle Fälle gemeldet werden.

Eine Studie der Universität Lausanne aus dem Jahr 2013 über die Jahre 2010 bis 2012 im Kanton Waadt hat Folgendes aufgezeigt:

> Die Kantonspolizei Waadt hat 3’296 Fälle registriert, das sind fast 1’100 Fällen pro Jahr und entspricht ungefähr 3 pro Tag.

> Die Personen, die weglaufen, sind mehrheitlich zwischen 13 und 18 Jahre alt (89,9 %).

> Mehr als die Hälfte der Personen (52,9 %) sind ein einziges Mal weggelaufen.

Im Wallis wurden den Behörden in derselben Zeit 848 Fälle von weggelaufenen Minderjährigen gemeldet, das entspricht ungefähr 282 pro Jahr.

In Frankreich werden jährlich 30’000 Fälle von weggelaufenen Jugendlichen gemeldet; die tatsächliche Zahl wird auf 100’000 geschätzt.

In der Schweiz ist Selbstmord nach Verkehrsunfällen die zweithäufigste Todesursache bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren.

                                                                                                                                                      

>> Mehr Informationen über das Weglaufen von Kindern (Zusammenfassung der Sarah Oberson Konferenz 2012: „Weglaufen: Ritus des Übergangs oder Ruf um Hilfe?“) http://www.sarahoberson.org/soiree-sarah-oberson-2012,de,78,pa.html

>> Besuchen Sie die Website der Sarah Oberson Stiftung für mehr Informationen zu Themen rund um die Kindheit und Jugend www.sarahoberson.org

>> Informationen zum Symposium „Le réseau santé-social à l’épreuve de la crise suicidiaire chez l’adolescent“ (FR) http://www.hug-ge.ch/evenement/reseau-sante-social-epreuve-crise-suicidaire-chez?popup=1

 

Der Amtsleiter für Kindesschutz Wallis äussert sich am Thema : “Kinder und Trennung: von den Gründen zu vorgeschlagenen Massnahmen!”

13 Januar 2015

Trennung und Verschwinden von Kindern : Nach dem Vorbild anderer Länder, die diesem Problem gegenüberstehen, werden von den entsprechenden Stellen neue Massnahmen entwickelt oder untersucht, um über ein vielseitigeres Hilfeangebot zu verfügen. Das Ziel ist, den Eltern bei einer Trennung präventive Unterstützung zu bieten, um eine für die Kinder angemessene Neuorganisation des Lebens und eine funktionelle gemeinsame Elternschaft zu erleichtern. Eltern, die sich trennen, müsste ein ständiges Dienstleistungsangebot zur Verfügung stehen gebündelt und einfach zugänglich. Dazu wird von der Kantonalen Dienststelle für die Jugend ein Projekt erarbeitet, um allen Eltern Sensibilisierungskurse anzubieten. Es soll im Jahr 2015 umgesetzt werden.

Von Herr Marc Rossier, Amtsleiter für Kindesschutz Wallis. Gastreferent am runden Tisch von Sarah Oberson Konferenz 2014 : “Kinder und Trennung: von den Gründen zu vorgeschlagenen Massnahmen!

Bei den meisten Trennungen laufen der Übergang und die neue Lebensorganisation für die Kinder ohne grössere Schwierigkeiten ab. Dennoch muss festgestellt werden, dass im Bereich Kindesschutz die Folgen bestimmter elterlicher Konflikte die Entwicklung der betroffenen Kinder stark gefährden und bei einigen dramatische Folgen haben kann (Entführung, Selbstmord, Tötung).

Seit einigen Jahren beobachten wir in der Schweiz, dass die Behörden dazu tendieren, weitgehend auf Kinderschutzstellen und Fachpersonen zurückzugreifen, um elterliche Konflikte rund um Kinder zu verhindern. Daher sind heute zahlreiche öffentliche und private Einrichtungen überlastet.

Eine Studie über Kinderschutz in der Schweiz  hat aufgezeigt, dass ausgehend von einer Stichprobe von 146 Fällen, die von Kinderschutzstellen in verschiedenen Kantonen betreut wurden, 71 % auf Konflikte zwischen Erwachsenen rund um das Kind zurückzuführen sind, die häufig den zahlreichen Trennungsverfahren zuzuschreiben sind. Es handelt sich um Situationen, in denen die Eltern es nicht mehr schaffen, gegenüber ihren Kindern eine beschützende und strukturierende Rolle einzunehmen, da sie von ihren negativen Gefühlen und den sozioökonomischen Problemen nach der Trennung beansprucht werden.

Wie es Thayer und Zimmerman  erklären, kann ein elterlicher Konflikt die Eltern manchmal so sehr vereinnahmen, dass sie weiter streiten, während die Kinder alleine mit ihrer eigenen Entwicklung ringen. Das ist, wie wenn ein Kind mitten in einem See ertrinkt, während die Eltern am Ufer stehen. Anstatt ins Wasser zu springen, streiten sie sich darüber, wer schuldig ist für das, was passiert, wer dem Kind den Rettungsring zuwerfen sollte oder nicht oder wer geeigneter dafür ist, es zu retten? Das Schlimme ist, dass ihr Kind ertrinkt, während sie sich streiten!

In extremen Fällen werden die Kinder zu Instrumenten von regelrechten Rechtsstreiten. In diesem Zusammenhang müssen die Behörden am Ende der endlosen Verfahren klare Entscheidungen treffen. Dazu sollten sie sich auf die Empfehlungen von Sachverständigen und Kinderschutzstellen stützen. Es gibt zweifellos Fälle, in denen es die einzige Möglichkeit ist, das Kind möglichst gut zu schützen, insbesondere bei erwiesener Misshandlung: Die Eltern delegieren es mehr und mehr an die Gerichte, an ihrer Stelle ihre künftige Verantwortung als Eltern festzulegen und zwar als Gewinner/Verlierer. Dies zieht viel Leid und das Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, nach sich. In Wirklichkeit gewinnt dabei niemand, denn die Folgen der Auseinandersetzung können für alle verheerend sein, insbesondere für die Kinder, wenn man sich die Mühe gibt, ihre Position anzuhören.

Andererseits werden die Kindesschutzmassnahmen gemäss Zivilgesetzbuch für solche Schwierigkeiten, wie die Beistandschaft zur Organisation des persönlichen Verkehrs , von den Betroffenen häufig als Massnahme gegen einen Elternteil empfunden(Schweizerisches Zivilgesetzbuch, Art. 308 Abs. 2). Sie verstärken das Gefühl, Verlierer und Gewinner zu schaffen. Wie alle richterlich geregelten Trennungsverfahren werden auf der einen Seite Gefühle von Ohnmacht und Entwürdigung, auf der andern etwa solche von Macht und Genugtuung ausgelöst (BSV, Familienfragen, 1/2005). Die Akteurinnen und Akteure im Kindesschutz, die für die Umsetzung dieser Massnahmen zuständig sind, werden beim elterlichen Konflikt häufig auf eine Zuschauerrolle reduziert. Die Konflikte zeigen sich in kleinkrämerischem Zählen der Besuchstage, dauerhaften Meinungsunterschieden über die Erziehung des Kindes bis hin zum Verdacht der erzieherischen Inkompetenz. Die Praxis zeigt auch, dass die Eltern in diesen Fällen fast „übernatürliche“ Erwartungen an die Beiständinnen und Beistände haben und gleichzeitig dazu neigen, ihre eigene Verantwortung auf sie abzuwälzen.

In der Schweiz wird jede zweite Ehe geschieden. Davon sind jährlich ungefähr 13’000 Kinder betroffen. Wichtige Anpassungen des Familienrechts in der Schweiz wurden vorgenommen. So können die gesellschaftlichen Veränderungen heute besser berücksichtigt werden, wie zum Beispiel, indem die Eltern aufgefordert werden, eine Familienmediation zu machen, um die Organisation der Trennung zu regeln, oder durch das Prinzip der gemeinsamen elterlichen Sorge. Die gemeinsame elterliche Sorge ist am 1. Juli 2014 in Kraft getreten und stärkt ganz bewusst zwei Prinzipien, die in erster Linie dem Interesse des Kindes dienen sollen: geteilte Verantwortung für alle Entscheidungen, die das Kind betreffen, unabhängig vom Status der Eltern sowie das Kindeswohl als ausschlaggebender Entscheidungsgrundsatz. Die gemeinsame elterliche Sorge setzt jedoch voraus, dass die Eltern weiterhin konstruktiv zusammenarbeiten, was nicht immer möglich ist.

Wie können Eltern in Konfliktsituationen also am besten unterstützt werden, so dass ihr Kind weiterhin eine lebendige, emotionale Beziehung zu ihnen führen und auf die für seine Entwicklung notwendige erzieherische Unterstützung zählen kann, aber es auch frei ist, die Eltern unabhängig von ihrer Beziehung zueinander zu lieben?

Nach dem Vorbild anderer Länder, die diesem Problem gegenüberstehen, werden von den entsprechenden Stellen neue Massnahmen entwickelt oder untersucht, um über ein vielseitigeres Hilfeangebot zu verfügen. Das Ziel ist, den Eltern bei einer Trennung präventive Unterstützung zu bieten, um eine für die Kinder angemessene Neuorganisation des Lebens und eine funktionelle gemeinsame Elternschaft zu erleichtern. Im Rahmen des Bereitschaftsdiensts des Amts für Kindesschutz erhalten wir täglich Anfragen von getrennten Eltern, die eine Beratung zur Organisation der Betreuung (geteilte Obhut, Besuche, schulische oder medizinische Entscheidungen), zu psychischen Folgen für ihr Kind wünschen oder wissen möchten, wo ein neutraler Raum gefunden werden kann, um ihre Konflikte zu lösen (Mediation). Wir versuchen soweit möglich, direkt eine Antwort zu geben oder sie an andere Fachpersonen weiterzuleiten. Meiner Meinung nach fehlt jedoch eine Einrichtung für familiäre Konflikte, die einfach zu finden ist und welche die Prävention koordiniert. Eltern, die sich trennen, müsste ein ständiges Dienstleistungsangebot zur Verfügung stehen (zum Beispiel Informations- und Sensibilisierungsbroschüren, Kurse für gemeinsame Elternschaft, juristische und psychosoziale Beratung, Mediation) – gebündelt und einfach zugänglich (Prinzip der einzigen Anlaufstelle). Dazu wird von der Kantonalen Dienststelle für die Jugend ein Projekt erarbeitet, um allen Eltern Sensibilisierungskurse anzubieten. Es soll im Jahr 2015 umgesetzt werden. Das Amt für Kindesschutz prüft bereits seit zwei Jahren einen Kurs für gemeinsame Elternschaft. Das entspricht zwar einem Bedürfnis der Eltern, kommt aber im Trennungsprozess häufig zu spät. Ausserdem müsste der Kurs allen, auch ausserhalb eines juristischen Zusammenhangs, zugänglich sein.

Es wird noch ein Beistand oder eine Beiständin als Vertretung  für das Kind bei Trennungsverfahren ernennt, wenn zwischen den Eltern heftiger Streit herrscht und wenn Kinder als Geiseln genommen werden. Wir haben bei mehreren kürzlich stattgefundenen Prozessen festgestellt, dass die Anwesenheit eines Anwalts für das Kind in einem eherechtlichen Verfahren das Interesse des Kindes wieder in den Mittelpunkt der juristischen «Schaubühne» rückt. So können funktionelle Lösungen gefunden werden und das Rechtsverfahren dauert kürzer.

In den schwierigsten Fällen versuchen wir im Rahmen der uns anvertrauten Beistandschaften, einen genauen und detaillierten Elternschaftsplans einzuführen. Damit wird die Betreuung der Kinder organisiert, wenn die Eltern nicht mehr zusammenarbeiten können. Diese Elternschaftspläne, die in anderen Ländern häufig eingesetzt werden, könnten von den Behörden systematischer angeordnet werden. Allerdings sollten sie von abschreckenden und zwingenden Rechtsinstrumenten begleitet werden, damit sichergestellt wird, dass sie von den Eltern eingehalten werden.

Schliesslich muss die Ausbildung und die Sensibilisierung der Fachpersonen, die elterliche Konfliktsituationen betreuen, fortgesetzt werden. Eine solche Präventionspolitik braucht zusätzliche Ressourcen, um sowohl die auf öffentlicher Ebene (Zugang zu Mediation oder zu Kursen für gemeinsame Elternschaft für alle) wie auch privat (zum Beispiel Stiftung As’trame) angebotenen Projekte und Angebote zu unterstützen. Ich bin nach wie vor überzeugt: Wenn die Entwicklung solcher Projekte gefördert und unterstützt wird, kann die Gefahr, dass elterliche Konflikte eskalieren, bedeutend verringert werden. Dies hätte eine präventive Wirkung auf die künftige Gesundheit und Entwicklung der Kinder.

Mediation, ein möglicher Weg !

9 Dezember 2014

Bei einer Trennung unterstützt der Mediator oder die Mediatorin das Paar dabei, Eltern für ihr Kind zu bleiben. Sie werden mit ihren elterlichen Pflichten im Interesse des Kindes konfrontiert. (…) Dieses Vorgehen führt zu einer kindgerechten Organisation.

Von Jocelyne Duc Schweri schreibt über das Thema der Sarah-Oberson-Konferenz 2014, an der sie als Rednerin an der Diskussionsrunde teilgenommen hat.

Mediation bietet in einem neutralen, vertraulichen und sicheren Raum in der Anwesenheit einer Drittperson einen konkreten Ansatz, dank dem schlüssige und nachhaltige Lösungen gesucht, entwickelt und erarbeitet werden können.

Bei einer Trennung unterstützt der Mediator oder die Mediatorin das Paar dabei, Eltern für ihr Kind zu bleiben. Sie werden mit ihren elterlichen Pflichten im Interesse des Kindes konfrontiert. Die Mediation geht von der Gegenwart aus, um die Zukunft zu organisieren. Die Vergangenheit hingegen wird nicht thematisiert.

Um in gemeinsamer Verantwortung eine Bindung zwischen Kind und Eltern aufzubauen, muss die derzeitige Situation des Kindes genau analysiert werden (Schlaf, Schule, Sport, Gesundheit, Bildung, Kosten…). So können beide Elternteile ihre Positionen darlegen.

Ab diesem Zeitpunkt können die Eltern:

- sich über die spezifischen Bedürfnisse wie Gesundheit und Freizeit ihres Kindes verständigen und diese in ihren Gesprächen berücksichtigen.

- ihre Bedürfnisse als Vater oder Mutter ausdrücken und sie mit dem Alter des Kindes in Verbindung setzen, wie zum Beispiel eine Verpflichtung in der Jugend, die bei studierenden Kindern über das 18. Lebensjahr hinausgeht.

- den grösseren Familienkreis wie Grossvater, Grossmutter, Onkel, Tante, Freunde, Kolleginnen, Kollegen in ihre Überlegungen einbeziehen.

- wichtige Faktoren für die Organisation rund um das Kind berücksichtigen, wie die Distanz zwischen den Wohnorten.

Die Organisation rund um das Kind wird in gemeinsamer Verantwortung von Vater und Mutter wahrgenommen. Das entspricht einer kindgerechten Organisation und bedeutet die Akzeptanz der Differenzen zwischen Mutter und Vater. Die gemeinsam gefundenen Lösungen können in einer schriftlichen Vereinbarung festgehalten werden, die den Behörden, zum Beispiel der KESB oder dem Richter, zur Beglaubigung vorgelegt werden kann.

Idealerweise wird vor der Trennung ein Plan erstellt, damit das Kind im Moment der Ankündigung der Trennung mit einer „homöopathischen“-Einstellung beruhigt werden kann. Diese soll für den Übergang möglichst viel Sicherheit bieten.

Mediation kann jedoch jederzeit im Trennungsprozess oder auch später bei elterlichen Diskussionen zur Organisation rund um das Kind erfolgen.

Ihr Kind ist nicht nach Hause gekommen?

4 November 2014

Die Sarah Oberson Stiftung setzt sich seit vielen Jahren für den Schutz der Kindheit ein und lanciert heute eine breite Informationskampagne in Unterwalliser Schulen. Die Kampagne wird in 2015 auf das Oberwallis ausgeweitet.

Ziel: die Entführung von Kindern vorbeugen, wenn nötig eine rasche Auslösung des Entführungsalarms ermöglichen, aber auch und vor allem die Eltern beruhigen.

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Die Regelung des Unterhalts nach Trennung oder Scheidung im Mangelfall – Hinweise aus menschenrechtlicher Sicht

21 Oktober 2014

Eine Aufhebung der einseitigen Mankoteilung sieht der Gesetzesentwurf allerdings nicht vor. Noch immer muss sich lediglich der unterhaltsberechtigte und nicht der unterhaltsverpflichtete Elternteil an die Fürsorge wenden und sich dem immer härter werdenden Sozialhilferegime unterstellen. Die Studie (SKMR) geht der Frage nach, welche Vorgaben sich aus den von der Schweiz anerkannten Grund- und Menschenrechten für eine rechtsgleiche bzw. geschlechter- und kindgerechte Unterhaltsregelung im Falle einer Mangelsituation ergeben.

Studie zuhanden des Bundesamtes für Justiz

Von Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR), 09.10.14

Ausgangslage der Studie bildet die aktuelle schweizerische Rechtspraxis, wonach bei der Scheidung oder Trennung im sogenannten „Mankofall“ die Verantwortung für den finanziellen Unterhalt überwiegend oder unter Umständen sogar vollumfänglich vom obhutsberechtigten Elternteil zu tragen ist. Von einem Mankofall wird dann gesprochen, wenn nach einer Scheidung oder Trennung das gemeinsame Einkommen für die Deckung der Bedürfnisse der Eltern und der Kinder, die nun in zwei verschiedenen Haushalten leben, nicht mehr ausreicht. Gemäss aktueller Rechtslage ist in diesem Fall dem unterhaltsverpflichteten Elternteil immer das betreibungsrechtliche Existenzminimum zu belassen (Grundsatz der Unantastbarkeit des Existenzminimums). Es wird im Mankofall kein nachehelicher Unterhalt festgelegt und nach heutiger Praxis auch nur ein geringer oder gar kein Kindesunterhalt zugesprochen. Dem Elternteil, der die Obhut über die Kinder hat – in der Regel die Frau -, obliegt damit nicht nur die Betreuung, sondern er hat auch die finanzielle Verantwortung für das Kind teilweise oder ganz zu tragen. Reichen die finanziellen Mittel nicht aus, hat er sich zur Deckung des Fehlbetrags an die Sozialhilfe zu wenden.

Die laufenden Bemühungen zur Revision des Kindesunterhalts sehen verschiedene Massnahmen zur Milderung der mit der einseitigen Mankoverteilung verbundenen Nachteile für die Unterhaltsberechtigten vor. So soll zum Beispiel die Rückzahlungspflicht für die für das Kind bezogenen Sozialhilfegelder aufgehoben werden. Eine Aufhebung der einseitigen Mankoteilung sieht der Gesetzesentwurf allerdings nicht vor. Noch immer muss sich lediglich der unterhaltsberechtigte und nicht der unterhaltsverpflichtete Elternteil an die Fürsorge wenden und sich dem immer härter werdenden Sozialhilferegime unterstellen.

Inhalt der Studie

Die Studie geht der Frage nach, welche Vorgaben sich aus den von der Schweiz anerkannten Grund- und Menschenrechten für eine rechtsgleiche bzw. geschlechter- und kindgerechte Unterhaltsregelung im Falle einer Mangelsituation ergeben. Mit Blick auf die aktuelle rechtliche Situation in der Schweiz werden namentlich folgende Aspekte beleuchtet:

  • Widerspricht die einseitige Überwälzung des Mangelbetrags auf die Unterhaltsberechtigten dem Gleichbehandlungsgebot bzw. dem Diskriminierungsverbot?
  • Welche Anforderungen an eine Unterhaltsregelung lassen sich aus den menschenrechtlich verbrieften Rechten des Kindes entnehmen?
  • Welche Vorgaben sind hinsichtlich der menschenrechtlichen Garantie des Existenzminimums und des Rechts auf einen angemessenen Lebensstandard zu beachten?

Im Anschluss daran wird die Rechtslage in ausgewählten europäischen Ländern zusammenfassend dargelegt und bewertet. Die Studie schliesst mit Empfehlungen für eine menschenrechtskonforme Regelung.

Lesen auch :
-
Die Einführung der gemeinsamen elterlichen Sorge ist nur der erste Schritt, blog Stiftung Sarah Oberson, 15.07.14
- Kinder, Trennung und Dramen: Ist die Gesellschaft mitverantwortlich?, blog Stiftung Sarah Oberson, 23.09.14

Kinder und Trennung: von den Gründen zu vorgeschlagenen Massnahmen!

30 September 2014

Konferenz Sarah Oberson 2014, Mittwoch, den 12. November 2014, 19:00-21:00, im Casino von Saxon, Wallis
Program

Trotz der in den letzten Jahrzehnten erreichten sozialen Akzeptanz bringt eine Trennung der Eltern viel Leiden mit sich. Auch wenn die meisten Situationen zivilisiert geregelt werden, gibt es Extremfälle, die manchmal die Sicherheit und das Leben der Kinder gefährden. Die Stiftung Sarah Oberson hat das immer wieder aktuelle Thema im Jahr 2011 unter juristischen Gesichtspunkten behandelt und nimmt es nun unter psychosozialen Aspekten wieder auf. An der Konferenz werden die bestehenden Angebote zur psychosozialen Unterstützung diskutiert, die das Kind während und nach der Trennung schützen sollen. Thematisiert wird auch die Rolle der Gesellschaft in der Gewaltsamkeit, die mit gewissen Trennungen einhergeht. Gewalt entsteht insbesondere aus empfundenen Ungerechtigkeiten bei der Zuteilung des Sorgerechts. Ohne intime und individuelle Situationen verallgemeinern zu wollen, wird es in der Diskussionsrunde um den Zusammenhang zwischen den fortgeschrittenen Wechselbeziehungen und den gefundenen Lösungen sowie um langfristig umsetzbare Massnahmen gehen.

Diese Sarah Oberson Konferenz wird gemeinsam mit der Organisation As’trame Wallis organisiert. Deren Präsidentin Charlotte Crettenand und die Soziologin Clothilde Palazzo Crettol, Professorin und Forscherin an der HES-SO, Wallis, werden teilnehmen. An der Diskussionsrunde zu dem Thema unter der Leitung von Fabrice Germanier, Präsident des Walliser Pressevereins, werden weitere geladene Gäste teilnehmen.

Stiftung Sarah Oberson, Kinder, Trennung und Dramen: Ist die Gesellschaft mitverantwortlich?, blog, 23.09.14

Gemeinsam mit der Familie nach dem Verschwinden von Emilie Fortuzi

22 Januar 2014

Bereits vor 3 Monaten verschwand Emilie Fortuzi aus unbekannten Gründen aus der Stiftung für behinderte Kinder des Buissonnets in Freiburg, wo sie lebte. (12. November 2013)

Wir sind alle von dieser Tragödie tief betroffen. Wir teilen den Schmerz und das Leid ihrer Familie.

Unsere tief empfundenen Gedanken sind bei ihren Eltern und den Familien, welche von einem solch schrecklichen Schicksal betroffen sind. Von ganzen Herzen wünschen wir uns, das Emilie wieder gefunden wird.

Die Stiftung Sarah Oberson fühlt tief mit der Familie von Emilie und bedankt sich bei der Polizei sowie allen, die sich an den gemeinsamen Bemühungen, Emilie Fortuzi wiederzufinden, beteiligten.

 « Ist es nicht in dunkelster Nacht, da man an das Licht glauben muss? ».

Jean Zermatten

Präsident der Stiftung Sarah Oberson

Sitten, den 21. Januar 2014.