Archive pour la catégorie ‘Kinderverschwinden’

Vom verliebten Paar zum Elternpaar ohne Drama ?

6 Februar 2012

Die grosse Herausforderung einer Trennung, in welche Kinder involviert sind, besteht darin, die elterliche Dimension eines Paares zu erhalten, wenn sich die eheliche auflöst. Für die Mehrzahl ist diese Transformation von Erfolg gezeichnet, unter anderem Dank der Instrumente, welche zur Verfügung stehen. Dramen existieren immer, aber der Gesetzgeber hat entschieden, sich Instrumente zu geben, um die Anzahl dieser zu vermindern. Diese Tendenz zeichnet sich noch nicht ab, da es sich leider um eine Problematik von grosser Aktualität handelt.

Synthese der Soirée Sarah Oberson 2011, Working Report

Infolge der Tragödie des Verschwindens von Alessia und Livia hat sich die Stiftung Sarah Oberson anlässlich ihrer Sarah Oberson Konferenz 2011 folgende Frage gestellt: Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern für die Kinder in einem Drama endet?

“In der Schweiz enden mehr als 50% der Ehen in einer Scheidung und mit einem ganzen Strauss von Problemen für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder“, eine Anzahl von schätzungsweise 15‘000 pro Jahr (Comby).Die zu dieser Veranstaltung geladenen Experten sind sich einig, dass es keine Wunderlösung gibt, welche es erlaubt und ermöglicht, dass in sämtlichen Trennungen das Kindeswohl und die Interesse des Kindes vollumfänglich respektiert werden. Dafür existieren Werkzeuge um Konflikte zu verhindern und dramatische Auswirkungen zu vermindern.

Bei einer Trennung gibt es Spannungen, die oft auf Missverständnisse beruhen. Auf diesen Unverständnisse bauen sich oft zukünftige Spannungen auf, welche in einem offenen Konflikt oder gar in einem Drama enden können. Wenn im Rahmen einer Trennung eine qualifizierte Person, ein Mediator hilft, diese Missverständnisse aufzulösen, können viele potentiell explosive Situationen vermieden und entschärft werden (Agazzi).

Seit dem 1. Januar 2011 offiziell Bestandteil des Zivilrechts für Zivilverfahren (Teil 2, Absatz 2) kann die Familienmediation (1) vorteilhaft sein, wenn seitens der Eltern ein wirklicher Wille und die Fähigkeit zu Eigenmitverantwortung besteht. Im Fall aber, wo der Konflikt bereits ausgebrochen ist, kann sie zu einem zusätzlichen Mittel werden, um Meinungsverschiedenheiten zu schüren.

Trotz diesen Einschränkungen erreicht die Familienmediation eine Erfolgsquote von 75% und “schlägt einen anderen Zugang zur Trennung vor, welche die menschliche und affektive Dimension in das Zentrum stellt (…) und welche jedem einzelnen die Möglichkeit gibt, sich als echter Beteiligter angesichts der Trennung zu platzieren. Korrekt und professionell angewandt, erlaubt dieses Vorgehen die Trennung nicht nur so zu verstehen, wie sie von den Juristischen Akteuren übersetzt wird, sondern auch so, wie sie von den betroffenen Angehörigen und Eltern erlebt wird.” (Debons)  Ein anderes Instrument, welches im Parlament diskutiert wird, könnte die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts (2) als Regel im Falle einer Scheidung oder einer Trennung sein. Geteilt, ist das Sorgerecht ein Werkzeug, welche es dem Kind erlaubt, von der erzieherischen Unterstützung beider Elternteile zu profitieren.

Diese Situation, ganz wie die Familienmediation, kann helfen, dramatische Fälle zu verhindern indem sie bereits von Beginn an potentiell konfliktgeladene Situationen im Keim erstickt, welche in Dramen, insbesondere Entführungen (3), enden könnten.

Schlachtross des Mouvement pour la Condition Paternelle du Valais (Métrailler) und von allen Experten und Interessengruppen gewünscht, wird das gemeinsame Sorgerecht als Regel vom Schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV) bekämpft.
Die aktuelle Formel setzt voraus, dass die Eltern, welche diese Verantwortung teilen möchten, gemeinsam ein Übereinkommen zur zukünftigen Organisation der Familie ausarbeiten. Sie forciert auf diese Art und Weise die Eltern, gemeinsam zu überlegen, wie sie kommunizieren und über was sie gemeinsam entscheiden wollen. Wenn sie zur Regel wird, wird dieser gemeinsame Reflektionsprozess nicht mehr verlangt. Das Risiko besteht darin, dass der Konflikt fortgeführt wird und “die (ungelösten) Unstimmigkeiten der Eltern auf das Kind übertragen werden” (Agazzi). “In der Tat, um das gemeinsame Sorgerecht einzuführen, braucht es eine grosse Zusammenarbeit zwischen den Eltern. Einem der Elternteile das Sorgerecht aufzuerlegen, scheint mir folglich in der Praxis zufallsbedingt, wenn die Zusammenarbeit nicht naturgemäss im Interesse des Kindes erfolgt.” (Joris).

Somit können sowohl die Familienmediation als auch das gemeinsame Sorgerecht als Regel Dramen verhindern, wenn sie auf einem wirklichen Wille der beiden Elternteile gründen, das verliebte Paar in ein verantwortungsvolles Elternpaar zu transformieren.

Vom 1. Januar 2011 an kann der zuständige Richter, wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, einen Vormund (ein Anwalt des Kindes) bestimmen, welcher die Interesse des Kindes verteidigt (Art. 299 und 300 des Zivilrechts für Zivilverfahren). Dieser neue Akteur ist ein wichtiger Teil des juristischen Verfahrens, er hat die gleichen Rechte wie die Anwälte der anderen Partien: das Recht Rekurs einzulegen, das Recht Schriften abzulegen.

Wenn die Konflikte ausgebrochen sind, wenn die Eltern es nicht schaffen, eine Verständigungsgrundlage zu finden, um zufriedenstellende Lebensgrundlagen für ihre Kinder zu garantieren, ist der Vormund das Verfahrenselement, welches Abstand nimmt und sich auf die Interessen der Kinder konzentriert, ohne sich von der einen oder anderen Partie beeinflussen zu lassen. So kann er Situationen entschärfen, welche sich für die Entwicklung, aber auch die Sicherheit des Kindes, als gefährlich erweisen könnten.
Wenn das Kind von einem leidenden, aber wohlwollenden Elternteil weggenommen wird, findet der internationale Sozialdienst, welcher sich regelmässig solcher Situation gegenüber sieht, lebensfähige Lösungen für die Kinder, indem er mit der Mediation arbeitet. Wie Frau Debons unterstreicht Herr Widmer die Notwendigkeit,  dass der eine oder andere Elternteil einer Mediation zustimmt. Dieser Wille kann durch die Liebe ohne Anschuldigungen und ohne Bewertungen, welche die beiden Elternteile ihren Kindern entgegenbringen, genährt werden.

In einem System der Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Institutionen, muss diese Mediation von kompetenten Personen vorbereitet und durchgeführt werden. Es muss auch abgeklärt werden, ob die in diesem Rahmen getroffenen Entscheidungen im Interesse des Kindes sind. Und es muss eine Weiterverfolgung des Kindes und der getroffenen Entscheidungen garantiert werden, denn “wenn ein neuer Konflikt ausbricht, können die Reaktionen sich für das Kind als schädlich erweisen.”
Gemäss Widmer ist es notwendig, die Familie zu begleiten “auch wenn keine Lösungen, gar keine konkreten Ziele vorhanden sind; denn Menschen, die eine solche Situation erleben, sollten nicht allein gelassen werden.”

Ausserdem ist es utopische zu denken, dass man sämtliche Risiken für dramatische Situationen in unserer Gesellschaft eliminieren kann. Es müssen folglich Massnahmen vorgesehen werden, die extremen Situationen, wie wenn die physische oder psychische Gesundheit eines Kindes bedroht ist, entsprechen.

In diesem Rahmen ist seit Beginn des Jahres 2010 der Entführungsalarm im Einsatz, unteranderem Dank der Stiftung Sarah Oberson. Die Entführung durch ein Elternteil ist aber nicht ein Kriterium für seine Auslösung. Gemäss Varone bleibt das System verbesserungsfähig und die Gefährdung der physischen oder psychischen Integrität eines Kindes, auch durch eines seiner Elternteile, kann zu einer Nutzung dessen führen. Es gilt den Austausch von Informationen zwischen den zuständigen Institutionen und Dienststellen eines Kantons zu verbessern, damit die Gefährdung eines Kindes bestmöglich abgeschätzt werden und so angemessene Reaktionen für das Wohl des Kindes ermöglicht werden können.

Die Stiftung Sarah Oberson wünscht sich des Weiteren, dass die Schweiz rasch die europäische Nummer 11600 (das System wird von Herr Toutounghi auf Seite x beschrieben) übernimmt, damit den Familien, welche mit dem Verschwinden eines Kindes konfrontiert sind, aufmerksames Zuhören, hilfreiche Ratschläge und eine wohlwollende Unterstützung zu teil werden (…). Es handelt sich unserer Meinung nach um eine unentbehrliche Ergänzung des Entführungsalarmsystems.” (Comby)

Die grosse Herausforderung einer Trennung, in welche Kinder involviert sind, besteht darin, die elterliche Dimension eines Paares zu erhalten, wenn sich die eheliche auflöst. Für die Mehrzahl ist diese Transformation von Erfolg gezeichnet, unter anderem Dank der Instrumente, welche zur Verfügung stehen. Dramen existieren immer, aber der Gesetzgeber hat entschieden, sich Instrumente zu geben, um die Anzahl dieser zu vermindern. Diese Tendenz zeichnet sich noch nicht ab, da es sich leider um eine Problematik von grosser Aktualität handelt.

Clara Balestra, 06.02.2012

(1) “Die Familienmediation (…) besteht daraus, dass ein Prozess initiiert wird, in welchem ein neutraler und unparteiischer Dritter – der Familienmediator – den Eltern ein vertrauliches Terrain für Gespräche bietet und diese in der Erarbeitung von zufriedenstellenden Lösungen für alle Beteiligte begleitet (…). Dieses Vorgehen, basierend auf dem Dialog, zielt auf eine Beibehaltung der gemeinsamen Elternschaft über die Trennung hinaus ab und platziert die Interesse des Kindes ins Zentrum des Prozesses.” (Debons)

(2) “Das elterliche Sorgerecht ist die legale Macht der Eltern, notwendige Entscheidungen für das minderjährige Kind zu treffen. Sie beinhaltet insbesondere die Zuständigkeit, über die dem Kind zuteilwerdende Pflege zu bestimmen, seine Erziehung (einschliesslich der religiösen) zu seinem Wohl zu lenken sowie notwendige Entscheidungen zu treffen und über seinen Wohnort zu bestimmen.” (Joris)

(3) “Die überarbeiteten Bestimmungen beziehen sich ebenfalls auf die Bestimmung des Wohnsitzes. Der Elternteil, welcher einen Umzug wünscht, alleine oder mit dem Kind, muss im Prinzip die Zustimmung des anderen Elternteils erhalten, ausser wenn er in der Schweiz bleibt und der Wohnortswechsel die Ausübung des Sorgerechts nicht signifikant betrifft (so z.B. wenn die Distanz, welche die zwei Wohnorte trennt, dadurch nicht wesentlich verändert wird). Bei einem Rechtsstreit ist es am Richter oder des Schutzbeauftragten des Kindes zu unterscheiden.” Medienmitteilungen, Der Bundesrat, 17.11.2011

Redner :
Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson
Frau Doris Agazzi, Koordinatorin des Schweizerischen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV)
Mme Christine Debons, unabhängige Mediatorin, im Auftrag des Schweizerischen Dachverbands Mediation (SDM-FSM)
Herr Christophe Joris, Bezirksrichter, Gericht von Martigny und St-Maurice
Herr Frédéric Métrailler, Mitglied des Mouvement de la Condition Paternelles Valais
Frau Patricia Michellod, Anwältin und Vormund im Kanton Genf
Herr Rolf Widmer, Direktor des internationalen Sozialdienstes (SSI), Genf
Herr Christian Varone, Kommandant der Kantonspolizei Wallis
Herr Yves Toutounghi, Generaldirektor der Stiftung Missing Children Switzerland

Auch : La médiation dans l’ordre juridique suisse.

Rede von B. Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson, am 09. November 2011

29 November 2011

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?

Sarah Oberson Konferenz 2011, Begrüssung von Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson

Sehr geehrte Damen und Herren,
Herzlich Willkommen.

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, diese Tagung der Sarah Oberson Stiftung 2011 zu organisieren und dieser aktuellen und wichtigen Problematik zu widmen, indem wir Ihre Aufmerksamkeit auf zu entwickelnde neue Lösungen lenken möchten.

Man muss wissen, dass in der Schweiz mehr als 50% der Heiraten in einer Scheidung enden, mit all ihren Problemen für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder.
Sicherlich, die Scheidung ist Teil der Entwicklung unserer Gesellschaft und nicht notwendigerweise ein Unglück. Aber sie trägt in sich viel Leid für tausende von Kinder welche unfreiwillig von den Beziehungsbrüchen der Erwachsenen betroffen sind. Jedes Jahr sind ungefähr 15’000 Kinder ohne ihre Zustimmung und ohne ihr Zutun in dieses Abenteuer involviert. Sehr zum Glück, in der grossen Mehrheit dieser Fälle, finden sich für diese Situationen Lösungen auf gütlichem Wege, welche das Wohl der betroffenen Kinder respektieren.
Wir schätzen dass ca. 10% der Scheidungen Kampfscheidungen sind. Wovon einige gar zu extremen Situationen führen. So haben zum Beispiel in der Schweiz im vergangenen Jahr 102 Entführungen durch Eltern stattgefunden. Es handelt sich dabei um zerrissene Bi-nationale Paare, welche Situationen verursachen, wo Kinder durch einer der beiden Elternteile gar als Geisel genommen werden…

Welches sind die Lösungen, die es uns in der Zukunft erlauben, diese delikaten Fragen betreffend der Trennung oder Scheidung der Eltern besser zu regeln? Die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht, der Vormund des Kindes; es handelt sich hier um Lösungen, welche umgesetzt werden müssen um angemessene Antworten auf die gestellten und schmerzhaften Probleme zu geben.

Ich meinerseits denke, dass wir die Familienmediation bezüglich aller Trennungen und Scheidungen generalisieren müssten, in welche Kinder involviert sind. Man müsste sie obligatorisch machen! Die Empirien, welche in Frankreich in diesem Bereich verwirklicht wurden, haben überzeugende Ergebnisse ergeben. In der Schweiz wurden diesbezüglich ebenfalls überzeugende Erfahrungen gemacht. In Falle von Entführungen auf nationalem Niveau, oder gar internationalem Niveau, scheint die Mediation ohne Zweifel die vielversprechendste Lösung anzubieten. Aber man darf auch nicht die Möglichkeit ausschließen, die Kriterien der Auslösung des Entführungsalarmes zu erweitern, wenn die Integrität des Kindes gefährdet ist…

Die Stiftung Sarah Oberson wünscht sich auch, dass die Schweiz sich schnell mit der europäischen Nummer 116000 ausstattet, um ein aufmerksames Abhören, nützliche Ratschläge und eine wohlwollende Unterstützung für die Familien zu gewähren, die mit einer Kindesentführung konfrontiert wurden. Es scheint, dass der Bund ernsthaft dieses Problem aufgreifen will, mit der Unterstützung der in diesem Bereich spezialisierten NGOs. Wir ermutigen sie diesbezüglich von ganzem Herzen. Es handelt sich unserer Meinung nach um eine für das Entführungsalarmsystem unentbehrliche Ergänzung, welches ja in der Schweiz am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist.
Was die Lösung des gemeinsamen Sorgerecht betrifft, welches Thema von aktuellen Debatten ist, so sollte es ohne Zweifel zur Regel in allen Fällen von Trennung und Scheidung werden.
Im Übrigen wurde am 30. September 2011 in diesem Sinne ein Antrag soeben stillschweigend durch den Nationalrat gebilligt, und eine Änderung des Zivilgesetzbuches müsste, gemäss der Bundesrätin Simonetta Sommaruga, schnell erfolgen.
Sicherlich, es handelt sich nicht um ein Allerheilmittel, denn mehrere implizierte Maßnahmen erweisen sich als unentbehrlich, um das Wohl und das Interesse des betroffenen Kindes zu respektieren, gemäß dem internationalen Übereinkommen der Rechte des Kindes, welches durch die Schweiz ratifiziert wurde. Aber es ist Zeit, dass unser Land aus dem gemeinsamen Sorgerecht eine in allen Fällen anzuwendende generelle Regel macht. Persönlich ergreife ich die Gelegenheit dieses Abends, um einen Aufruf zugunsten dieser Lösung zu machen.

Indem das Wohl des Kindes in das Zentrum dieses Gesellschaftsphänomens gelegt wird, will die Tagung Sarah Oberson 2011 einige Vorrichtungen, welche teilweise oder experimentell in diesem Land umgesetzt wurden, sei es unteranderem die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht oder die Vormundschaft des Kindes, reflektieren.
Indem diese Praktiken mit der Realität des Alltages konfrontiert werden, werden uns die Vorträge wie auch der Runde Tisch zweifelslos die gewünschten Antworten liefern.
Bereits jetzt danke ich herzlich allen Rednern dieses Abends, die uns die Ehre ihrer Anwesenheit machen und so ihre Freundschaft ausdrücken und möchte Ihnen allen diesen Gedanken von Félon widmen :

“Das Kind ist wie eine angezündete Kerze, welche im Wind steht : sein Licht flackert ununterbrochen. »

(Français) Mobilisons-nous contre la disparition d’enfants

8 November 2011

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.

Hotline 0848 116 000 für verschwundene Kinder: für eine baldige Einrichtung in der Schweiz

7 Oktober 2011

Die Stiftung Sarah Oberson und die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes setzen sich über “Missing Children Switzerland” mit grossem Engagement für die Einrichtung der 0848 116 000 in der Schweiz ein.

Die Stiftung Sarah Oberson, die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes und die Stiftung Missing Children Switzerland vereinen ihre Kräfte, damit die europäische Notruf-Hotline 116 000 für vermisste Kinder auch in der Schweiz eingerichtet wird. Unter dieser Nummer erhalten betroffene Familien Auskunft, hier finden sie rund um die Uhr ein offenes Ohr und fachliche Unterstützung. Die Hotline ist eine notwendige Ergänzung zum Entführungsalarmsystem, das 2010 in der Schweiz eingeführt wurde.

Die 116 000 ist eine kostenlose Notrufnummer und nimmt 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Anrufe in allen Sprachen entgegen. Sie bietet Beratung durch Fachpersonen und soll den Behörden erlauben, die Suche nach vermissten Kindern auf nationaler und europäischer Ebene besser zu koordinieren. Die Nummer ist in 17 europäischen Ländern – u.a. Frankreich, Italien und Deutschland – bereits in Betrieb.

Zudem werden in allen Kantonen Korrespondenten im Einsatz sein, die mit den Behörden – und insbesondere der Kantonspolizei – zusammenarbeiten werden. Und schliesslich soll ein Begleitausschuss eingerichtet werden, der sich aus Vertretern der diversen Partnerorganisationen zusammensetzen wird.

Medienmitteilung

Fondation Sarah Oberson
www.sarahoberson.org
Bernard COMBY
Président

Fondation Missing Children Switzerland International
www.missingchildren.ch
Irina LUCIDI
Présidente

Fondation suisse du Service Social
www.ssiss.ch
Rolf WIDMER
Directeur

Also :

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

Letzte Aufforderung für die Umsetzung der 116 000

(Français) 116 000, un complément au dispositif d’Alerte enlèvement ?

 

Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern in einem Drama für die Kinder endet?

6 September 2011

Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern in einem Drama für die Kinder endet? Das Interesse des Kindes ins Zentrum dieses Phänomens stellend, will der Sarah Oberson Konferenz 2011 über einzelne dieser Dispositive reflektieren: die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht und die Vormundschaft des Kindes.  Durch die Einladung von Experten, welche mit diesen Instrumenten arbeiten, versucht die Stiftung diese Praktiken mit der Realität zu konfrontieren.

Jedes Jahr enden ungefähr 50% der Heiraten in einer Scheidung. Man schätzt, dass 15‘000 Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind, und dies ohne Einbezug der Trennungen ohne Heiratsschein. Trotz der steigenden sozialen Akzeptanz der letzten Jahrzehnte bringen diese Trennungen viel Leid mit sich, für die betroffenen Elternteile aber auch für die Kinder aus diesen Verbindungen.

Die grosse Mehrheit dieser Situationen regeln sich auf friedliche Art und Weise.  Man schätzt, dass nur 10% der Scheidungsfälle mit Streitigkeiten verbunden sind. Es gilt aber zu bedenken, dass unter diesen Trennungen, verbunden mit Streitigkeiten, Extremfälle vorkommen. Im Jahr 2010 sind in der Schweiz 102 neue Fälle von elterlicher Kindesentführung registriert worden – und diese Zahl beinhaltet nur die internationalen Entführungen. Die Medien informieren uns regelmäßig über Fälle von Totschlag von Kindern durch einen Elternteil, oft verbunden mit einem anschließenden Selbstmordversuch. Die Trennung der Eltern wird manchmal von Kindern teuer bezahlt.

Frankreich hat Familiengerichte eingeführt, welche eine Spezialisierung der Zuständigkeiten und eine Einbettung der Familien erlauben. Die Schweiz hat entschieden, dieses Phänomen mit der Einführung von Mechanismen, welche versuchen die negativen Auswirkungen die diese Trennungen, vor allem für die Kinder, mit sich bringen, zu mildern. Das Interesse des Kindes ins Zentrum dieses Phänomens stellend, will der Sarah Oberson Reflexionsabend 2011 über einzelne dieser Dispositive reflektieren: die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht und die Vormundschaft des Kindes.  Durch die Einladung von Experten, welche mit diesen Instrumenten arbeiten, versucht die Stiftung diese Praktiken mit der Realität zu konfrontieren.

Die Familienmediation gehört zu den gerichtlichen wie auch außergerichtlichen Schritten einer Trennung. Kann die Mediation aber, als treibende Kraft der Trennung auf Verhandlungsbasis, im Falle einer Trennung einer Familie, welche nicht auf einem egalitären und demokratischen Verständnis basiert, ein Resultat erreichen, welches ein besserer Schutz der Minderjährigen garantiert?
Das gemeinsame Sorgerecht, in den Nachbarländern als auch in der Schweiz immer öfters praktiziert, wird in der Schweiz seit zwei Jahren debattiert. Ist es aber ein angemessenes Instrument um das Kind in der täglichen Praxis und in einer Situation, in welcher sich ein Paar im Konflikt trennt, vom erzieherischen Beitrag beider Elternteile profitieren zu lassen oder hält es nicht eher Unstimmigkeiten aufrecht, und trägt so zu einer Verschlechterung des Lebenskontextes des Kindes bei?
Der Vormund ist ein neuer juristischer Akteur, welcher die Rechte des Kindes vertritt. Welche Fundamente existieren um die Legitimation dieser Repräsentation zu garantieren, vor allem, wenn das Kind die Fähigkeit zu abstrahieren noch nicht voll entwickelt hat? Und auf welche Art und Weise ermöglicht die Verteidigung der Rechte des Kindes, einem gleichwertigen Mitglied einer Familie in einer Konfliktsituation, diesem die Garantie eines besseren Schutzes?

In der Absicht, die Komplexität und Diversität von Trennungssituationen zu widerspiegeln und realistische Lösungswege anzuvisieren, organisiert die Stiftung Sarah Oberson nach den Präsentationen der Experten einen Runden Tisch. Dieser Runde Tisch soll gleichzeitig widersprüchlich aber auch konstruktiv die Stimmen nicht nur der Berufstätigen in diesem Sektor, sondern auch die Stimmen und Erfahrungen der Eltern mit und ohne Sorgerecht, die Stimmen von Repräsentanten des Schweizerischen Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV) und der Bewegung Mouvement de la Condition Paternelle Valais (MCPV) zusammenführen.

DIE STIFTUNG SARAH OBERSON,
DAS INTERNATIONALE KINDERRECHTSINSTITUT

organisieren
eine Tagung zum Thema:

Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern: mögliche Ansätze

Mittwoch, den 9. November 2011
im Casino von Saxon, Wallis

Prospekt

Anmeldeformular

Die Stiftung Sarah Oberson organisiert jedes Jahr einen Reflexionstag zu aktuellen Themen in Zusammenhang mit dem Schutz der Kindheit. Diese Jahr präsentiert die Stiftung ein neuer Ablauf mit dem Ziel, diesen Moment der Reflexion für Experten und Eltern besser zugänglich zu machen. Sie präsentiert deshalb 4 Interventionen von Experten à je 15 Minuten und einen Runden Tisch, welcher sich dem Austausch von Ideen öffnen will.

News um jeden Preis

3 August 2011

News of the world legt sich mit der Familie eines vermissten Kindes an.

Die Familie von Milly (Amanda Jane) Dowler hat neulich eine Schadenersatzklage gegen die Zeitung News of the world eingereicht. Der Skandal der missbräuchlichen Abhörungen, der derzeit ganz Grossbritannien erschüttert, verschont auch die Familie dieses vermissten Kindes nicht.

Im März 2002 verschwand die 13-jährige Milly Dowler, als sie von der Schule auf dem Heimweg war. Sobald ihr Verschwinden bekannt wurde, beauftragte das Blatt News of the world einen privaten Ermittler, ihm die Telefonnummern der Familie zu beschaffen. Dank diesen unrechtmässig erlangten Informationen knackte das Blatt das Mobiltelefon von Milly und fing deren Meldungen ab. Versuchten Eltern und Freunde, mit dem Mädchen über deren Mobiltelefon in Kontakt zu treten, so nahmen die Journalisten die Botschaften auf.

Bereits in den ersten Tagen nach dem Verschwinden des Mädchens war die Combox bald einmal voll und nahm keine zusätzlichen Anrufe mehr auf. Da die erlangten Information News of the World nicht genügten, leerte das Blatt kurzerhand die Combox des Telefons.

Die Folgen waren scheusslich. Einerseits hatten die Ermittler keinen Zugang zu den Informationen, die für den Verlauf der Untersuchung entscheidend hätten sein können. Andererseits weckte das Blatt bei der Familie unberechtigt Hoffnung, indem sie glaubhaft machte, Milly habe ihre Combox selber gelöscht, und so den Schluss zuliess, sie sei möglicherweise noch am Leben. Leider war Milly zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Das Urteilsverhandlungen des Mörders fanden im Juni 2011 statt.
Weiterhin auf der Suche nach Sensationen führte die Zeitung mit der Familie ein Exklusivinterview. Diese brachte darin prompt das Wiederaufleben der Hoffnung zur Sprache, das in Wirklichkeit jedoch auf die seltsamen Praktiken der Zeitung zurückging.

Nach den Enthüllungen über die Rolle der Zeitung in den ersten Tagen der Ermittlungen haben die Eltern von Milly Dowler entschieden, das Blatt vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen, weil es in die Nachforschungen über den Aufenthalt ihrer Tochter eingegriffen und so durch sein Tun bei den Eltern falsche Hoffnungen geweckt hatte.

Die ungeheure Reaktion der britannischen Öffentlichkeit auf diese Enthüllungen hat zur Schliessung der Zeitung geführt. Sie hat im Weiteren bewirkt, dass eine Lawine von Ermittlungen und Untersuchungen über die Praxis des Knackens von Mobiltelefonen und über die Ethik des Journalismus losging, die weit über den Platz der betroffenen Zeitung hinausgeht und die höchsten Schichten der britischen Staatsgewalt betrifft.

Information aus dern Artikel Missing Milly Dowler’s voicemail was hacked by News of the World, The Guardian vom 4. Juli 2011, und aus  Murder of Milly Dowler, Wikipedia

Wie leben mit einem vermissten Kind ?

18 Juli 2011

Wie leben mit einem vermissten Kind ? Um besser verstehen und helfen zu können, bessere wissenschaftliche Erkenntnisse betreffend der  spezifischen Besonderheiten dieser von Familien erlebten Situationen des Vermissens eines Kindes in ungeklärten Umständen und über eine lange Zeitdauer. Diese Fälle sind glücklicherweise selten, was andererseits aber auch die wissenschaftliche Forschung einschränkt. Die Fondation Sarah Oberson appelliert trotzdem an die Wissenschaft, sich dieser Frage anzunehmen.

Verschiedene Schritte wurden von der Fondation Sarah Oberson unternommen,  um wissenschaftliches Material bezüglich der „Trauer in der Schwebe“ zusammenzutragen. Eine Situation, welche von Familien, deren Kinder unter ungeklärten Umständen vermisst werden und welche seit langer Zeit auf Nachricht warten, erlebt wird.

Texte über die Trauer von Familien welche Angehörige vermissen existieren, aber sie greifen oft nur Gewaltsituationen auf – wie zum Beispiel Entführungen (Argentinien, Balkan). Trotzdem können solche Texte helfen, die Situation eines ungeklärten Verschwindens eines Menschen besser zu verstehen, da sie sich in einem Punkt ähnlich sind, nämlich im Mangel an Informationen über die Abwesenheit der geliebten Person.

“Im traditionellen Gedankengut haben die Trauerriten zum Ziel, die Seele des Verstorbenen zu beruhigen und sie in die Welt der Toten zu geleiten und dort zu belassen, damit sie nicht zurückkehrt, um die Überlebenden zu quälen und ihnen zum Nachteil zu gereichen ” (Probst Favret, S. 109).
Wenn jedoch ein geliebter Mitmensch vermisst wird “bleiben die Familien in der Schwebe, in der größtmöglichen Ungewissheit. Wenn ihre vermissten Angehörigen kein Lebenszeichen mehr geben, sind sie zweifellos gestorben. Aber nichts lässt den Tod als Tatsache, als Begebenheit festhalten: weder Sprache, noch Bilder, noch Ritual. (…) Die Familien verbleiben auf der Schwelle (in Latein limen) des Todes, der Witwenschaft, der Trauer. Und diese transitorische Etappe wird, von der Stille, ständig aufrechterhalten” (Verstraten, S. 75-76).
“Wie kann jedoch in dieser schwebenden Trauer eine mentale Auseinandersetzung mit der Trennung stattfinden?” (Probst Favret, S. 108) ” Kann man wirklich von Trauer sprechen, in dem Sinne als zu keinem Zeitpunkt der Tod erwiesen war, und insofern auch nicht als Ausgangspunkt für eine Trauerarbeit zur Verfügung stand?“ (Probst Favret, S. 102)

Betreffend Entführungen unterstreichen Verstraten und Probst Favret die Bedeutung der kollektiven Praktiken der Ritualisierung  welche den Familien helfen, den Verlust und die Ungewissheit zu überleben. Die Manifestationen von den Müttern de la Plaza de Mayo ermöglichten es während der Diktatur den Menschen, welche in der Stille des Regimes verschwanden, ein Gesicht und Wirklichkeit zu geben (Verstraten). Die gemeinsamen Gedenken in Srebrenica erlaubten es den Familien anhand einer Zeremonie, der Erinnerung an ihre geliebten Vermissten auch ohne Beerdigung Ausdruck zu verleihen (Probst Favret). Die zahlreichen Monumente der Erinnerung, welche überall auf dieser Welt errichtet wurden, sind ebenfalls Zeugen dieser Notwendigkeit, die Abwesenden zu repräsentieren.
Die gemeinsamen Praktiken der Ritualisierung unterliegen einem historischen Moment, einer von der Gemeinschaft, von der Nation erlebten Situation. Der Tod von Vermissten kann aus dem historischen Zusammenhang heraus, als wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher, betrachtet werden.

So beschreibt Probst Favret in seinem Artikel den Prozess der Besänftigung einer Familie, deren Vater in Srebrenica verschwunden ist. Dieser Familie ist es gelungen ” durch einen Abschied- und Trauerprozess zu gehen, jedoch den einer besonderen Trauer, nämlich die “einer auf die Abwesenheit zentrierte Trauer” (…). Diese besondere Form der Trauer, die auf einer starken Vermutungen eines möglichen Todesfalles beruht, hat es in der Therapie erlaubt, ohne Zweideutigkeiten an den Vermissten zu erinnern und somit der Familie zu ermöglichen, psychisch wie auch sozial diese Abwesenheit, mit ihren Dimensionen von Verlust und von Vermutungen betreffend des Todes, zu verarbeiten.  Dieses Andenken erlaubte den Ausdruck von Gefühlen und Bindung, wie auch die Suche nach Erinnerungen, welche die Verinnerlichung des Bandes, trotz Abwesenheit in der Realität, ermöglichte” (S. 109).

Es muss erwähnt werden, dass die Anerkennung der Existenz dieser Vermissten, deren Gedenken und die innere Verbindung mit ihnen zwar erlaubt, in dem Abschiedsprozeß vorwärts zu schreiten, gleichzeitig aber keine endgültige Antwort bringen kann, da “die Abwesenheit (des Körpers) immer eine Hoffnung von Überleben erzeugt, wenn auch nicht immer im positiven Sinne” (Probst Favret, S. 108).

Für Kinder oder Erwachsenen, welche unter ungeklärten Umständen verschwanden, finden gemeinsame und historische Dimensionen nicht statt. Zudem kann der Tod weder als sicher noch als wahrscheinlich betrachtet werden.

Wie kann also das Warten ritualisiert werden, ohne symbolisch die verschwundene Person “zu töten”? Wenige Antworten konnten dazu zurzeit in der wissenschaftlichen Literatur gefunden werden.
Nach Bowers und Boss haben die Familien ohne Informationen bezüglich einer Klärung der Situation keine andere Wahl, als mit dem Paradox der Anwesenheit-Abwesenheit der geliebten Person zu leben. Der einzige Faktor, welcher die Eltern denken  lassen könnte, dass ihr Kind gestorben ist, ist ihr persönlicher Entscheid, dies zu tun. Wenn jedoch diese Wahl getroffen wird, besteht die Möglichkeit, dass die Eltern den Eindruck erhalten, dass sie selber ihr Kind „töten“. Und was wäre, bestände auch nur der kleinste Hoffnungsschimmer, ihr Kind lebend wiederzufinden? Nach Boss können diese Familien jedoch, durch Unterstützung und Widerstandskraft, die Fähigkeit zu betrauern, was verloren ging, und gleichzeitig anzuerkennen, was möglich ist, erlernen. (DeYoung,S. 359)

Gemäss Boss braucht es, um besser verstehen und helfen zu können, bessere wissenschaftliche Erkenntnisse betreffend der  spezifischen Besonderheiten dieser von Familien erlebten Situationen des Vermissens eines Kindes in ungeklärten Umständen und über eine lange Zeitdauer. Diese Fälle sind glücklicherweise selten, was andererseits aber auch die wissenschaftliche Forschung einschränkt. Die Fondation Sarah Oberson appelliert trotzdem an die Wissenschaft, sich dieser Frage anzunehmen.

Clara Balestra, 18.07.11


Boss, P. (1999). Ambiguous loss: Learning to live with unresolved grief. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Bowers Duane T. (2007), A Child Is Missing : Providing Support for Families of Missing Children, National Center for Missing and Exploited Children, Alexandria, Virginia.

CICR (2003) «Les disparus: Action pour résoudre le problème des personnes portées disparues dans le cadre d’un conflit armé ou d’une situation de violence interne et pour venir en aide à leurs familles», Conférence internationale d’experts gouvernementaux et non-gouvernementaux Genève, 19 – 21 février 2003. http://www.icrc.org/fre/assets/files/other/irrc_849_disparus.pdf

Probst Favret Marie-Corinne (2009), «Enfants de père porté disparu: le deuil suspendu», in Betty Goguikian Ratcliff et Olivier Strasser (dir.), Clinique de l’exil. Chroniques d’une pratique engagée, Chêne-Bourg: Editions Georg, pp. 101-110.

Verstraeten Alice (2006), «La “ disparition forcée ” en Argentine. Occultation de la mort, empêchement du deuil, terreur, liminalité», Frontières, vol. 19, n° 1.

Young Robert, Buzzi Barbara (2003), Coping Strategies : the Differences among Parents of Murdered or abducted, Long-term Missing Children, Saint Thomas University, Miami, Florida, Omega, Vol. 47(4), p. 343-360.

Links
International Comittee of the Red Cross, Missing persons.

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

24 Mai 2011

25. Mai 2010, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder : Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Seit drei Jahren weist die Sarah Oberson Stiftung mittels eines Artikels auf ihrem Blog auf den internationalen Tag vermisster Kinder, den 25. Mai, hin. Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Myosotis.scorpioides

Während den vergangenen drei Jahren wurde das Reaktionsangebot bei einer Vermisstmeldung eines Kindes in der Schweiz mit dem Entführungsalarmsystem versehen, ein System welches sich ohne Unterlass immer weiter perfektioniert. Seit dem 1. Februar dieses Jahres erstreckt sich die Ausdehnung des Verteilungsnetzes der Vermisstmeldungsnachrichten auf die Handys der auf der Verteilerliste eingeschriebenen Personen. (Tragen Sie sich ein!)

Die Europäische Union (EU) bemüht sich ebenfalls um die Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems.
Dies bedeutet, dass unter anderem die Idee eines Entführungsalarmsystems auf europäischem Niveau, für welches die Familie McCann viel Mühe aufgewendet hat, sich auf dem Weg der Realisation befindet.
In Zukunft werden 6 europäische Länder über ein Entführungsalarmsystem verfügen. Des Weiteren hat sich Frankreich im Rahmen des europäischen LADS.eu-Projekts (Lutte Anti-Disparitions dans l’Union européenne) mit Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammengeschlossen.
Dieses Programm, welches durch die Europäische Kommission mitfinanziert wird, hat die Verstärkung der Kompatibilität und der Koordination des Entführungsalarmsystems zwischen Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien zum Ziel.

Andererseits, dank verfügten Normen und der Unterstützung der EU, verfügen fünfzehn europäische Länder, darunter Frankreich und Italien (in Großbritannien ist dieses Angebot nur teilweise verfügbar), über die einzigartige Rufnummer 116 000. Es handelt sich um eine Nummer, welche dazu dient, die Familien verschwundener, entlaufener oder weggenommener Kinder anzuhören und zu begleiten. Diese gemeinsame und kostenlose Nummer, während 7 Tagen und 24 Stunden zugänglich, will eine besser Koordination der Forschung seitens der zuständigen Behörden und Experten auf europäischem Niveau gewährleisten.
Die Nummer 116 000 erlaubt aber auch den Familien von vermissten Kindern Zugang zu Informationen, angehört zu werden und eine professionelle, zugängliche und verfügbare Unterstützung zu erhalten. Diese gemeinsame Nummer wird von Experten mehrsprachig geführt.

In Anbetracht der großen Mobilität seitens der Schweizer- und Europabürger könnte die Schweiz ihres System optimieren und sich in das europäische Netzwerk einschreiben, um damit das Entführungsalarmsystem zu ergänzen und die notwendigen Schritte der Familien und der zuständigen Behörden zu erleichtern.

Sarah Oberson Stiftung, 24.05.2011

- Entführungsalarm-System Internationale Situation, Sarah Oberson Stiftung
- Europa : Missing Children Europe calls for Enhancement of the Professional Standard of 116 000 Hotlines for Missing Children, 20.05.11
A practical guide for 116 000 hotlines, 05.2011
- Frankreich : 9ème Journée internationale des enfants disparus, 19.05.2011
- ‘Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2010
- ‘Une fleur, message d’espoir et de solidarité‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2009

Statistik zur internationalen Kindesentführung, offene Fragen zum Gesetz

4 April 2011

Das Bundesamt für Justiz schreibt den Vollzug des Bundesgesetzes über internationale Kindesentführung schön.

Dieser Artikel ist am 03.02.2011  im Netzwerk Kinderrechte Schweiz.

Das Bundesamt für Justiz hat die Statistik über internationale Kindesentführungen im Jahr 2010 veröffentlicht. Gemäss der Medienmitteilung gewährleistet das neue Bundesgesetz über internationale Kindesentführung kindesgerechte Verfahren. Das beschönigt die Praxis zum Gesetz. Das Netzwerk Kinderrechte Schweiz hatte den Erlass im 2. NGO-Bericht als vielversprechenden Schritt begrüsst. Leider werden die kinderrechtlichen Innovationen nur zögerlich umgesetzt.

Im Interesse kindsgerechter Verfahren sieht das neue Gesetz namentlich vor, das Rückführungsverfahren mit einer Mediationsphase zu beginnen, ein interdisziplinäres Interventionsnetz von Fachpersonen aufzubauen und für betroffene Kinder unabhängige Vertreter einzusetzen. Bisherige Erfahrungen zeigen aber, dass es an der nötigen Sensibilität für den konsequenten Vollzug des Paradigmawechsels zum Kindeswohl nach wie vor mangelt.

Die behördlich-gerichtlichen Phasen des Verfahrens stehen weiterhin im Zentrum, mit wenig Verständnis für die unabhängige Mediation oder den Beizug unabhängiger Fachpersonen. Der nötige Wille und die nötigen Ressourcen für den Aufbau und die Pflege eines wirksamen Interventionsnetzes von Fachpersonen fehlen. Die systematische Einsetzung unabhängiger Kindesvertretungen ist nicht gewährleistet. Neuere Bundesgerichtsentscheide und die Praxis der Gerichte zum Anhörungsrecht der Kinder werden von Prof. Andreas Bucher, der die Expertenkommission zur Erarbeitung des Gesetzesentwurfs präsidierte, kritisiert.

In dieser Logik irritiert auch, wie das Bundesamt kommunikativ die Medienschlagzeile „Mütter entführen Kinder häufiger“ provoziert. Werden auch Verfahren mit Nichtvertragsstaaten berücksichtigt, dürfte die Geschlechterparität wieder nahe sein. Für betroffene Kinder ist ohnehin weniger wichtig, wer der entführende Elterteil ist. Entscheidend ist vielmehr, dass im Rückführungsverfahren die konkrete Familiensituation berücksichtigt wird.

Leider präsentiert das Bundesamt für Justiz die Zahlen ohne kritische Standortbestimmung zur Umsetzung des Bundesgesetzes. Inzwischen liegt die Antwort auf eine Interpellation 10.4017 von Nationalrätin Anita Thanei zum Vollzug des Bundesgesetzes über internationale Kindesentführung vor.

10.4017 (Interpellation Thanei): Konkrete Handhabung des Bundesgesetzes über internationale Kindesentführung. Diskussion verschoben.

Weitere informationen unter :
Endlich eine Verbesserung für entführte Kinder?, Blog Sarah Oberson Stiftung, 31.08.2010 0
Suisse : Enlèvements d’enfants : une nouvelle loi pour remettre l’enfant au centre de la procédure
, Blog Sarah Oberson Stiftung, 17 août 2009
Une nouvelle loi sur l’enlèvement international d’enfant centrée sur l’intérêt supérieur de l’enfant, Blog Sarah Oberson Stiftung, 1 juillet 2009

200 vermisste Kinder pro Tag in China

21 Februar 2011

Als Massnahme gegen die vielen Kindesentführungen in China schlägt das Rote Kreuz GPS vor.

In China ist die Kindesentführung zu einer wahren Landplage geworden. Nach der Meinung der Journalisten von Sept à Huit des Senders TF1, werden im gesamten chinesischen Raum täglich 200 Kinder geraubt. Nach Angaben des chinesischen Roten Kreuzes zählt man 60’000 Vermisstenfälle pro Jahr.

Der Kauf von Kindern durch chinesische Familien scheint die Hauptgewinnquelle dieses Schwarzmarktes zu sein. In einer Gesellschaft in der die Tradition verlangt, dass der Sohn sich um die betagten Eltern kümmert (die Tochter wird der Familie des Ehemannes gehören), sehen sich die Paare zwischen dem Wunsch eingezwängt Söhne zu bekommen und der Unmöglichkeit sie wegen der Unfruchtbarkeit – aber vor allem wegen der Einkindpolitik – zeugen zu können.

Diese seit 1979 in Kraft getretene Politik ist nunmehr wegen den Folgen (Altern der Bevölkerung, Gewalt gegen Frauen, Kind-Könige, Sans-Papiers-Kinder…), die sie nach sich gezogen hat wieder in Frage gestellt. Seit ihrer Einführung zum Beispiel, schätzt man die durchgeführten selektiven Schwangerschaftsabbrüche auf 40 Millionen. Das Ergebnis ist ein Mangel an Frauen im Heiratsalter. Eine weitere Möglichkeit die Einkindpolitik zu umgehen ist der Kauf und Verkauf von Kindern, mit deren verbreitetem Raub als Folge:

-    Um die Zufallsabhängigkeit der Schwangerschaften zu vermeiden, kaufen die Familien unter 4-jährige Jungen, die sich nicht an ihre ursprüngliche Familie erinnern werden;

-    Reiche Familien kaufen junge Mädchen, um dem Problem des Mangels an heiratsfähigen Mädchen auszuweichen. Sie ziehen sie bis zum Alter von 10 Jahren gross; das Alter in dem sie sie an ihre Söhne verheiraten können;

-    Sie kaufen auch ältere Mädchen, die sofort verheiratet und von ihrer Familie getrennt und die dann – die Erfahrung beweist es – grösstenteils missbraucht werden;

-    Schliesslich die unfruchtbaren Paare, die sich aus finanziellen Gründen den legalen Weg der Adoption nicht leisten können und Kinder auf dem Schwarzmarkt kaufen.

In China ist der Kindsraub unter Todesstrafe gestellt. Nach dem Artikel von Infancia Hoy, hat die Polizei zwischen 2009 und 2010 18’000 Schwarzhändler ergriffen und 3’000 Mafias zerschlagen. Manchmal gelingt es ihr, geraubte Kinder wiederzufinden; aber die Wiedervereinigungen sind verglichen mit den Fällen des Verschwindens selten. Im Gegenteil: der vom Sender TF1 vorgestellte Dokumentarfilm bemängelt, dass „die Polizei nicht viel tut, um die Schuldigen zu verhaften. (…) die Behörden möchten es möglichst vermeiden, ein Thema bekannt zu machen, das dem Image des Landes schadet“. Die Familien der Vermissten sehen sich durch diesen Verheimlichungswillen angesichts des Fahndungsvorgehens alleine gelassen. Manchmal  organisieren sie sich innerhalb von Zusammenschlüssen, um sich gegenseitig zu unterstützen (psychologische Unterstützung, Plakate, Kartenspiele mit den Fotos der vermissten Kinder, …). Der Sender TF1 spricht sogar von Mobbing der politischen Polizei gegen diese Familien, die sich weigern zum Verlust ihrer Kinder zu schweigen.

Angesichts der Grösse des Phänomens ist das Vertuschen schwierig, wie es die Mobilisierung des nationalen Roten Kreuzes zur Prävention des Kindsraubs aufzeigt. Diese wohltätige Organisation beweist Originalität. Nach geglückten Versuchen in verschiedenen Schulklassen der Landeshauptstadt, wird sie den Familien helfen, indem sie 20’000 Handy-Uhren mit GPS an Schüler die Primar- und Sekundarschulen besuchen verteilt.

Die Zahlen der Fälle von Kinderverschwinden in China verdankt man einer spezifischen politischen und sozialen Sachlage, welche die Anträge seitens der Familien schürt und somit einen Schwarzmarkt nährt.

Leider gibt es das Kinderverschwinden in der Schweiz. Man spricht jedoch von vereinzelten Fällen. Die Debatte über die Notwendigkeit unsere Kinder mit GPS auszustatten kommt regelmässig auf – ein Informatikchip, der unter die Haut des Kindes eingesetzt wird, GPS in den Schuhen, … – es bleibt jedoch ein Familienentschluss. Die Behörden, sowie auch die Sarah Oberson Stiftung, pflichten nicht dieser Richtung bei, die nur ein Klima der Panikmache heraufbeschwören würde, wozu kein Anlass besteht.

Clara Balestra, 21.02.2011

Quellen:

- Enfants volés, Emission Sept à Huit, TF1, 22.08.10

- Entregan celulares con GPS a niños para evitar secuestros, Infancia Hoy, 09.01.11

- Photographiez et sauvez des enfants mendiants !, Courrier international, 14.02.11

- Babies for sale: The scandal of China’s brutal single child policy, MailOnline, 06.10.07

- Des mères chinoises racontent l’abandon de leurs filles, Rue 89, 07.02.11

Links :

- Chine : Enfants disparus, une tragédie nationale, Courrier international, 01.10.12

- Reports of Forced Abortions Fuel Push to End Chinese Law, New Yorker Times, 22.07.12

- China’s stolen children: internal child trafficking in the People’s Republic of China, 2012