Archive pour la catégorie ‘Stiftung’

Das Verschwinden von MNA : kein systematische Meldung an Polizei

5 September 2017

Wie im Rest von Europa, sind auch im Wallis die „Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen (MNA) häufig. Dem Asylamt nach waren es 5 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 der Fälle wurden in 2016 der kantonalen Polizei gemeldet.“

Auszüge aus den Arbeiten der Studierenden der HEVs, Herr Yannick FROSSARD und Herr Samuel MORARD (Bachelorarbeit), Frau Celia MACEIRAS und Frau Noémie MOREND (Wahlfacharbeit), im Auftrag des Stiftung Sarah Oberson.

„Keine Statistik wurde zu diesem Thema offiziell veröffentlicht. (Gemäß dem) Staatssekretariat für Migration (SEM), (…) befindet sich die Rate der unkontrollierten Weggänge aus den Bundeszentren zwischen 5 und 10% aller Asylantragender, Kinder mit inbegriffen. Dabei muss erwähnt werden, dass auf föderalem Niveau die Antragstellenden ihre Verfahren in einem Zentrum des SEM beginnen und im Schnitt 4 bis 5 Wochen dort bleiben. In dieser Zeitspanne zeigt sich ʻaus Erfahrung, dass einige Antragstellende das Zentrum verlassen, ohne anzugeben warum und wohinʼ.“ (TB, S. 70-71)

Den internen Daten des SEM zufolge „haben in 2015 2.739 MNA einen Asylantrag in der Schweiz gestellt und es gab 129 Verschwinden (4.7%); in 2016 waren es 1.999 Asylanträge und 400 Verschwinden (20%). Trotz der sinkenden Zahl der Antragstellenden kann festgestellt werden, dass das Verschwinden ein zunehmendes Phänomen ist. In 2015 wurden 115 getrennte Kinder dem Wallis zugeteilt und 92 in 2016: in diesen Jahren gab es jeweils 11 und 12 Verschwinden (gemäß den Zahlen des SEM).“ Dem Asylamt des Kanton Wallis zufolge (…) gab es 5 Verschwinden von MNA in 2013-2014 und 16 in 2015-2016 vom Wallis aus. „Diese Diskrepanz zu den Daten des SEM (N=23 in 2015-2016) erklärt sich dadurch, da das Asylamt nur jene Verschwinden von Kindern erfasst, die von en kantonalen Betreuungsinstitutionen angezeigt wurden, ʻohne die UMA zu berücksichtigen, die dem Kanton Wallis zugeteilt wurden, aber bereits aus den Registrierungszentren verschwunden sind und niemals im Kanton Wallis angekommen sindʼ“. (TB, S. 71)

„Es existiert (ebenso) eine große Diskrepanz zwischen der Anzahl der verschwundenen Kinder gemäß dem Asylamt und den erfassten Daten im RIPOL (digitalisiertes Fahndungssystem der Polizei). Daraus kann abgeleitet werden, dass die UMA, welche aus den Walliser Ankunftszentren verschwinden nicht systematisch (der Polizei) gemeldet werden. Diese Kinder werden demnach nicht gesucht. Dabei besteht die gesetzliche Meldepflicht auch für andere Bereiche des Lebens (…). Genau wie Hedjam (2010), denken wir, dass die Art und Weise der Behandlung der Verschwinden asylbeantragender Kinder durchaus als eine Form von “Diskriminierung” angesehen werden kann und somit eine Verletzung des Artikel 2 der KRK (UNO, 1989) darstellt.“ (TB, S.71).

Es gilt zu betonen, dass wir hier nur von einer eventuellen Diskriminierung hinsichtlich der Meldung bei der Polizei sprechen nicht aber hinsichtlich der gewährten Pflege und Behandlung der in den Zentren untergebrachten Kinder.

Dazu kommen alle nicht erfassten MNA. „Die Zahlen zu den verschwundenen asylantragstellenden Minderjährigen beziehen sich auf jene, die die Zentren, in denen sie platziert wurden, verlassen haben, ohne dass diese den Behörden gemeldet wurden. Diese Zahlen bleiben daher ungenau, da eine große Anzahl der jungen Personen nicht registriert wurden und demnach nicht als vermisst gemeldet werden können. (Cornaglia, 2016).“ (ML, S. 38)

„… Qualitative Studien werden zum besseren Verständnis des Phänomens der verschwundenen MNA im Wallis benötigt, damit passende Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden und die Kinderrechte besser respektiert werden können.“ (TB, S. 70-71)

Die gesammelten Zahlen müssen durch andere Daten ergänzt werden, damit die Tragweite verstanden werden kann. Die Stiftung Sarah Oberson organisiert die Tagung zum Thema Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens (französich), 18.10.2017, 14h00-17:00, in Stiftung Kurt Bösch, Bramois/Sion. Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

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(1)   Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

HEDJAM, S. (2010). Verschwinden, freiwilliges Verschwinden, Flucht. Zu viele Kinder in Europa? Studien geführt in Belgien, Spanien, Frankreich und der Schweiz zu den Verschwinden von ausländischen unbegleiteten Minderjährigen in Betreuungseinrichtungen. Terre des Hommes. Bern: Stämpfli Publications SA.

CORNAGLIA, A. (2016). Wie viele, wer, wo und warum? Bilanz zu den verschwundenen unbegleiteten ausländischen Minderjährigen in Europa. https://eulogos.blogactiv.eu/2016/05/11/combien-qui-ou-et-pourquoi-le-point-sur-les-mineurs-etrangers-non-accompagnes-disparus-en-europe/. (Besucht am 07.09.2016).

Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens

28 August 2017

Im Wallis gab es zwischen 2014 und 2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

Die Sarah Oberson Stiftung hat zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit der HES-SO Valais-Wallis eine quantitative Studie zu dem Weglaufen im Wallis erstellt. Seit mehreren Jahren verlangt die Stiftung die Einführung nationaler Statistiken zu verschwundenen Kindern. Diese Studie ist ein erster Schritt in diese Richtung (1).

Ziel der Sarah Oberson Stiftung ist es das Ausmaß dieses Phänomens besser einzuschätzen, damit weitere wissenschaftliche Studien angeregt werden können, welche es möglich machen Präventionsstrategien und adäquate Antworten zu entwickeln.

Um die Wichtigkeit dieses Dokuments hervorzuheben und insbesondere die Diskussion zu diesem Thema in unserem Kanton anhand der Studienergebnisse anzuregen, organisiert die Sarah Oberson Stiftung am 18.10.2017 eine halb-halbtägige Tagung (14.00 – 17.00 Uhr) in der universitären Stiftung Kurt Bösch, Bramois (französich). Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

Die SOS nutzt diesen Artikel um den Studierenden für ihre sorgfältige Arbeit; der HES-SO Valais-Wallis für seine Kollaboration; der Walliser Kantonalpolizei sowie dem kantonalen Jugendamt für ihre Hilfe bei dem Zugang zu den notwendigen Daten sowie bei der Erklärung der entsprechenden Protokolle im Falle eines Weglaufens von Kindern, zu danken.

Weiter finden Sie das Resümee der Daten der Studie, durchgeführt von den Herren Yannick Frossard und Samuel  Morard im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ((2), S. 75-76).

Zusammenfassung der Daten:

-    Im Wallis gab es zwischen 2014 und  2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

-    Diese Weglaufen ereignen sich hauptsächlich in Heimen (n=867, gleich 80,7%), von zu Hause aus (n=143, gleich 13.3%) und von pädopsychiatrischen Krankenhäusern aus (n=55, gleich 5.1%). Einige Fälle wurden von Schulen, Pflegefamilien und Aufnahmezentren von unbegleiteten Minderjährigen aus gemeldet.

-    Die Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen sind häufig. Gemäß dem Asylbüro gab es 5 in 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 Fälle wurden der WKP gemeldet, alle davon in 2016.

-    Die Weglaufen werden hauptsächlich von Jungen begangen (n=644, gleich 60%). Von zu Hause aus gibt es genauso viele Weglaufen von Mädchen (n=71) wie von Jungen (n=72), und aus Krankenhäusern viermal mehr Weglaufen von Mädchen (n=44) als von Jungen (n=11); es sind also die Weglaufen von zu Hause aus, welche einen Einfluss auf die maskuline Überrepräsentation haben (n=310; n=557).

-    Insgesamt sind die 1.074 Weglaufen ein Ergebnis von 373 Kindern: das Problem der Rückfälle ist also zentral. Das Weglaufen ist eine einmalige Periode für knapp die Hälfte der davongelaufenen Kinder (45.8%), aber die rückfällig werdenden Kinder machen den Hauptbestandteil der Fälle aus (84.1%). Im Schnitt werden Personen zweimal rückfällig.

-    Ein Anstieg kann im Laufe des studierten Zeitraums festgestellt werden (von 315 in 2014 auf 420 in 2016). Dieser Anstieg manifestiert sich nur in den Heimen (von 234 auf 356, sprich +52.1%).

-    Ein Weglaufen ereignet sich im Durchschnitt alle 30 Stunden von einem Heim aus (n=867).

-    Vom familiären Wohnsitz aus wird im Schnitt einmal pro Woche ein Weglaufen zur Anzeige gebracht (n=143). 91 Kinder sind von zu Hause weggelaufen, ein oder mehrere Male. Mindestens 28 von ihnen wurden danach in Heimen oder Krankenhäusern untergebracht, von wo aus sie wieder wegliefen.

-    Bezüglich des Alters der Weglaufenden befindet sich der Durchschnitt bei 15 Jahren. Es gibt wenige Weglaufen von Kindern unter 12 Jahren (n=8) und der größte Teil der Kinder unter 13 Jahren ist von Heimen aus weggelaufen (n42/45, sprich 93.3%).

-    Das Weglaufen dauert in der Regel 7.4 Tage (n=7919÷1.074): diese Daten sind signifikanten Abweichungen des Geschlechts unterworfen (8.2 Tage bei Jungen und 6.1 Tage bei den Mädchen). Das Alter des Weglaufenden spielt eine wichtige Rolle bei der Dauer eines Weglaufens und schwankt bei den 12-13 Jährigen bei rund 4 Tagen und bei den 17-jährigen bei mehr als 9 Tagen.

-    Die Meisten Weglaufen sind innerhalb einer Woche beendet (n=832, sprich 77.5%). 119 Fluchtmeldungen  wurden am gleichen Tag widerrufen. Ein Tag nach dem Weglaufen wurden ein Drittel der Meldungen widerrufen (n=357). Es gibt auch 16.4%, welche 7 bis 30 Tage dauern (n=176) und 6.1% mehr als 30 Tage (n=66). Der Anteil der langanhaltenden Weglaufen erhöht sich mit dem Alter: er steigt von 16.7% für die 12-14 Jährigen (n=45/269) auf 22.9% für die 15-16 Jährigen (n=137/597) bis zu 30% für die17-jährigen (n=60/200).

-    Die Anzahl der Meldungen hängt von den jeweiligen Monaten ab. So gibt es im Februar (n=62) und im Juli (n=62) zweimal weniger Weglaufen als im Monat Mai (n=119) und im September (n=117).

-    Die Nationalität scheint kein besonderer Risikofaktor zu sein: die Weglaufen sind Akte von Besitzern der schweizerischen Nationalität (61.5%), Bewohnern der Europäischen Union (22.4%), anderen europäischen Ländern (3.5%) und anderen Kontinenten (11.7%).

(1) KONTAKT : Guillaume Grand, Stiftung Sarah Oberson, Vizepräsident des Stiftungsrates, 076 421 39 71, info@sarahoberson.org

(2) Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

Vermisste Kinder in Europa: ein schwer zu bezifferndes Phänomen

6 Juni 2017

Für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern, braucht Europa zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Photo :  achrntatrps, flickr/creative commons

Anlässlich des Internationalen Tages der vermissten Kinder am 25. Mai, haben zwei Organisationen europäische Statistiken veröffentlicht. Eine spricht von 3.536 vermissten Kindern und die andere von 5.742 vermissten Kindern. Warum ein so großer Unterschied? Die Antwort ist einfach. Es gibt bis zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle europäische Statistik zu diesem Thema. Jedes Land klassifiziert und sammelt seine Daten anders. Aus diesem Grund sind Sammlung und Vergleich unmöglich. Diese beiden Organisationen versuchen daher ein Phänomen zu beziffern, das sehr schwer messbar ist.

2016 spricht Amber Alert Europe von 3.536 verschwundenen Kindern. Es handelt sich um Kinder[1], bei denen die Polizei beschlossen hat, das Verschwinden[2] publik zu machen. 22 Staaten haben diese Anzeigen veröffentlicht und 73% dieser Kinder wurden im darauffolgenden Monat wieder gefunden.

In 2016 wurden auch 29 Entführungswarnsysteme[3] in 5 Ländern ausgelöst in der Suche nach 33 Kindern, von denen 32 wiedergefunden wurden – 83% in den ersten 24 Stunden.

Diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder, können aber nicht als Quelle für wissenschaftliche Studien dienen, da die Kriterien für eine öffentliche Anzeige und für die Auslösung des Entführungswarnsystems von Land zu Land unterschiedlich sind.

Auch in 2016 spricht Missing Children Europe von 5.742 verschwundenen Kindern. Sie schöpft ihre Daten aus den behandelten Fällen in 23 Staaten der Hotline 116 000[4]. Von den 5.742 verschwundenen Kindern sind 57% geflohene Kinder; 7% unbegleitete minderjährige Migranten; 23% sind Kinder, die von einem Elternteil entführt wurden; weniger als 1% wurden von Fremden entführt; 13% sind Verloren, Verletzt oder Sonstiges. Leider wird ein Rückgang der zurückkehrenden Kinder vermerkt: nur 42% der Kinder wurden in diesem Jahr wiedergefunden gegenüber 46% in 2015.

Noch einmal, diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder. Die Quellen sind nicht offiziell und hängen von dem Willen der Familie ab, diesen Service zu nutzen. Dennoch können die Ziffern gesammelt und verglichen werden, da Missing Children Europe eine Vereinheitlichung der Datensammlung veranlasst hat.

Europa braucht zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson, 06.06.2017

vollständiger Text auf Französich


[1] Unter 18 Jahre, nach Art. 1 der KRK

[2] Die Anzeigen werden gelöscht, sobald das Kind wieder zurück ist und wenn das Verschwinden länger als einen Monat andauert.

[3] Auf diesem Kontinent in 2006 eingeführt, wurde das Entführungswarnsystem 29 Mal ausgelöst in 2016: 17 Staaten der Europäischen Union sowie die Schweiz verfügen über solch ein System, aber nur 9 haben es bis heute genutzt.“

[4] Bedeutet in 23 Staaten. 31 europäische Länder profitieren von diesem Service, darunter die Schweiz.

25. Mai, der internationale Tag der verschwundenen Kinder

22 Mai 2017

Am 25. Mai ist der internationale Tag der verschwundenen Kinder : Gedenken wir allen vermissten Kindern und deren Familien.

Um diesen Tag zu feiern, hat die Stiftung Sarah Oberson zwei Leitartikel in diesem Monat veröffentlicht :

«Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda»,

Vereinigten Staaten, 08.05.17

Europa, 15.05.17

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (2016), in Frontières

Photo :  fdecomite, flickr/creative commons

Anstieg der « vermissten Kinder » auf die westliche Agenda – Europa

15 Mai 2017

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff „Verschwinden“ heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten (…) spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Europa folgt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Europa folgt dem Beispiel jenseits des Atlantiks mit beinahe einem Jahrzehnt Verzögerung. Tatsächlich entsteht in Belgien 1996 aufgrund der Dutroux Affäre und der darauffolgenden imposanten Volksbewegung, die Idee einer NGO, welche sich speziell für den Kampf gegen das Verschwinden und die sexuelle Ausbeutung von Kindern einsetzt. Die Eltern der Opfer und die belgischen Behörden lassen sich direkt vom NCMEC (Child Focus, undatiert) inspirieren, was in 1998 zu der Entstehung des Europäischen Zentrums für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder führt und heute unter dem Namen Child Focus aktiv ist. In 2001 gründen Child Focus und andere NGOs Missing Children Europe (MCE), ein Dachverband der sich dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Kommission und der „First Ladies“ mehrerer Staaten schnell entwickelt und heute ein Netzwerk bestehend aus 32 Organisationen aktiv in 26 Ländern koordiniert.

Aufgrund dieses Ursprungs basiert daher der europäische Ansatz auf dem USA- Modell. Der Ansatz teilt insbesondere die weitreichende Definition des Problems, eine Vision die auf einer schnellen Intervention und der Assoziierung von Verschwinden mit dem Thema der sexuellen Misshandlung an Kindern, basiert. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo das NCMEC Spezialeinheiten für die Suche nach Kindern und der Gerichtsmedizin hat, kümmern sich die NGOs in Europa nicht direkt um die Suche von Kindern. Sie überlassen diese Aufgabe normalerweise den Einheiten der Polizei, mit welchen sie fortan eng zusammenarbeiten und konzentrieren sich auf die familiäre Unterstützung.

Der Aufschwung hinsichtlich der Thematik zu den „vermissten Kinder“ auf dem europäischen Kontinent ermöglicht es den spezialisierten NGOs enge Kontakte mit den Verfechtern der Kinderrechte zu knüpfen. Diese Verbindungen kreieren sich insbesondere rund um die gemeinsamen Themen, wie dem Menschenhandel, der sexuellen Ausbeutung oder der Gewalt an Kindern. Die Ernennung im Mai 2014 der Präsidentin des MCE, Frau Boer- Buquicchio, ist von großer Bedeutung, da sie den Posten der Sondersprecherin der Vereinten Nationen zum Kindeshandel, zur Prostitution von Kindern und zur Pornographie, welche Kinder zur Schau stellt, innehat und eben dieses ein wichtiger Punkt im UN-Dokument zur Umsetzung der Kinderrechtekonvention (KRK) ist.  Die Präsidentin gibt dem Thema der „vermissten Kinder“ eine starke globale Resonanz und scheint, noch stillschweigend, die von Experten erforschte enge Verbindung zwischen dem Verschwinden und der sexuellen Ausbeutung, sehr ernst zu nehmen.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/


[1] Faire le link avec l’édito sur les Etats-unis

Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda – Die Vereinigten Staaten

8 Mai 2017

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff “Verschwinden” heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten, welche die ersten Gesetze zum Kidnapping während des 20. Jahrhunderts verabschiedet haben, spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Die 80er Jahre sind diesbezüglich ein Wendepunkt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Zwischen 1979 und 1981 wird den USA mit einer Serie von Entführungen und Morden an Kindern durch Unbekannte zugesetzt. Diese Verbrechen resultierten in viel emotionaler Aufregung seitens der Bevölkerung und Eltern organisierten sich, oft in Form von NGOs, um eine stärkere Handlung von Seiten der Regierung zu fordern. Ihre Bemühungen trafen sich mit denen anderer Organisationen, welche tätig werden in Fällen von elterlicher Kindeswegnahme, welche versuchen die Behörden, Presse und die Öffentlichkeit von der Gefahr dieser Handlung zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt entsteht die Idee, verschiedene Situationen einer physischen Trennung zwischen Eltern und Kindern (Bsp. Elterliche Kindesentführung, Entführung durch Fremde, Kidnapping, Flucht) unter dem Begriff „Vermisste Kinder“ (missing Children) zu vereinen. Eine Kategorie, die bis dahin aus der politischen Debatte ausgelassen wurde (Best, 1987, S.105). Es handelt sich dabei einerseits darum die Kriterien zu interpretieren um ein Kindesverschwinden so umfassend wie möglich zu definieren, indem Zusammenhänge zwischen den Phänomenen hergestellt werden, die bis dahin noch getrennt wurden. Andererseits muss jenen bewiesen werden, die meinen, dass eine Flucht oder eine elterliche Kindeswegnahme noch harmlose Formen des Kindesverschwindens sind, dass die betroffenen Kinder tatsächlich gravierenden Risiken von Misshandlung und Ausbeutung ausgesetzt sind.

Anfang der 80er Jahre, ohne Studien zum Phänomen und Vergleichskriterien zum Reflektieren eben dieser, basierte das Plädoyer auf den Zeugenaussagen  der Eltern der vermissten und brutal ermordeten Kinder durch Unbekannte. Auch wenn diese Fälle eher selten vorkommen – findet sich an erster Stelle das Davonlaufen, gefolgt von elterlichen Kindesentführungen  -, hat die Dramatisierung der Probleme  die Macht Kritik zu entkräften. Diese Strategie endet schnell in der Unterzeichnung des Missing Children´s Act (1982) und des Missing Children Assitance Act (1984), welche insbesondere von dem Präsidenten Ronald Reagan unterstützt wurden. Diese legislative Handlung stellt in 1984 die Basis für die Einführung eines nationalen Zentrum für die Unterstützung der Behörden in der Suche von vermissten Kindern und im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern: National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Dank der stetigen Hilfe durch die Regierung  und der Unterstützung mächtiger privater Spender, darunter Google, Honeywell und die Microsoft Corporation, kann das NCMEC heute  ein weitreichendes Netzwerk an Organisationen, die in den USA aktiv sind im Bereich der vermissten Kinder, vorweisen. Es ist zudem ein internationales Modell in diesem Arbeitsfeld.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/

Stiftung Sarah Oberson : Kurzbericht der Aktivitäten 2016

24 April 2017

Aktivitäten 2016, Highlights :

  • Forschung „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“ (2016-2017) in Partnerschaft mit der HES-SO, Lehrgang Soziale Arbeit
  • Projekt Pädagogische Arbeitsblätter „die Kinderrechte im Unterricht“ in Partnerschaft mit dem IDE
  • Auswertung der Sensibilisierungskampagne der Sarah Oberson Stiftung (SSO) in Zusammenarbeit mit dem MIDE der Universität Genf
  • Parlamentarischer Eingriff: „Lagebild zum Weglaufen im Wallis
  • Behandlung aktueller Themen unter dem Gesichtspunkt der Kinderrechte auf dem Blog der SSO

Tätigkeitsbericht 2016 (französich)

 1.   Beitrag zur Verbesserung des Reaktionssystems im Fall verschwundener Kinder

Seit seiner Einführung im Januar 2010, wurde das Entführungswarnsystem niemals in der Schweiz ausgelöst: Fortan setzt sich die Sarah Oberson Stiftung (SSO) dafür ein, dass der Alarm ausgelöst werden kann, ohne dass ihn zu strenge Kriterien daran hindern. Das Kriterium der physischen und psychischen Gefahr für das Kind muss Priorität haben, darin inbegriffen sind wenn nötig, elterliche Entführungen und eigenständiges Weglaufen (siehe Jahresbericht 2016 zur aktuellen Lage in der Schweiz und Europa sowie zu den Prioritäten der Stiftung in diesem Bereich).

Wallis

Forschung „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“

Die SSO hat zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit der HES-SO  das Projekt „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“ gestartet, welches in zwei Etappen erfolgte. 2016 haben sieben Studenten eine Literaturrecherche zu den verschiedenen Arten eines Kindesverschwindens unternommen. Verschiedene Ansatzpunkte werden derzeit von der SSO untersucht damit diese Forschungsarbeit bestmöglich genutzt werden kann.

2017 werden zwei Studenten eine quantitative Forschung über zwei Jahre zu dem Weglaufen von Kindern im Wallis im Rahmen ihrer Bachelorarbeit durchführen. Das langfristige Ziel der SSO ist es, das der Staat Präventionsmaßnahmen und –strategien als Antwort auf die verschiedenen Kategorien von Kindesverschwinden geben kann, welche sich auf hochwertige wissenschaftliche Statistiken und Forschungen stützen.

Weglaufen – Parlamentarischer Eingriff

Eine parlamentarische Interpellation „Lagebild zum Phänomen des Weglaufens im Wallis“ wurde am 10.03.2016 von Frau Nicole Carrupt, parlamentarisch PRL, mit der Zusatzsignierung von Frau Véronique Coppey, vorgelegt. Dieser Antrag verlangt eine stärkere Einsicht in das Phänomen des Weglaufens von Kindern.

Am 8. September 2016 antwortete der Regierungsrat Freysinger teilweise auf diese Interpellation. Die Abgeordneten und die SSO werden diesen Weg weitergehen, indem sie die Ergebnisse der laufenden Forschungen mit der HES-SO miteinfließen lassen.

Sensibilisierungskampagne: Ihr Kind ist nicht heimgekommen?

In 2014 wurde die Informationskampagne zur Problematik des Verschwindens von Kindern lanciert und Anfang 2016 mit einer letzten Pressemeldung zum Fortlaufen von Kindern auf Deutsch beendet (Für weitere Informationen zu den einzelnen Aktionen der Kampagne, kann der Jahresbericht 2015 1.1.3 der SSO eingesehen werden).

Dank der Beteiligung und der Kollaboration von Maximilien Dacheville, Doktorand am Interdisziplinären Zentrum zur Analyse von humanen und sozialen Prozessen der Universität Rennes (Frankreich), hat sich die SSO 2016 daran gemacht, die Auswirkung dieser Sensibilisierungskampagne zu analysieren. Diese Forschung wurde mithilfe des Interdisziplinären Masters in Kinderrecht (MIDE) der Universität Genf initiiert. 2016 haben fünf Studierende 300 Fragebögen von Eltern beantworten lassen, die in Sion wohnhaft sind. Eine erste quantitative Analyse konnte von den Studenten durchgeführt werden. Es bleibt die Frage, ob diese Ergebnisse von dem Doktoranden Dacheville qualitativ analysiert werden können.

2.   Stärkung des Dialoges zu den Verletzungen der Kinderrechte

Projekt der pädagogischen Arbeitsblätter

Der Rat der SSO hat beschlossen das Projekt „pädagogische Arbeitsmaterialien: die Kinderrechte in der Schule: Promotion der Kinderrechtekonvention der Vereinten Nationen (KRK) in der Schweiz für Schüler_innen und Lehrer_innen“ zu unterstützen. Dieses Projekt, geleitet von vom IDE, hat zum Ziel die KRK im schulischen Milieu auf nationaler Ebene zu fördern und umzusetzen.

Internetseite der Stiftung

Auf ihrer Internetseite möchte die Stiftung Platz für Texte, Artikel, Dokumentationen und Aktionen zum Thema der Kinderrechte einräumen. Stets aktualisiert, ist sie ein nationales Portal zu Fragen rund um die Kinderrechte und dem Verschwinden von Kindern.

Blog

2016 wurden 23 Artikel online gestellt. Aktuelle Themen aus Sicht der Kinderrechte sind der SSO besonders wichtig: Kinderrechte generell (Zugang zum Rechtssystem, internationale Konventionen und Protokolle); Verschwinden von Kindern (Entführungsalarmsystem, Entführungen, Weglaufen, unbegleitete Jugendliche, …); Misshandlung von Kindern (darunter Zwangsheiraten); … Im Interesse einer ganzheitlichen Informationsbeschaffung für unsere Leser, werden die von oder für die SSO geschriebenen Artikel durch Texte von anderen Seiten ergänzt, die sich auch mit den Kinderrechten auseinandersetzen (IDE, ISS, ADEM, Schweizerisches Netzwerk für die Kinderrechte, CSDH).

Soziale Netzwerke

Die Stiftung verfügt über eine Facebookseite, ein LinkedIn Konto mit einer SOS Seite und Zugang zu verschiedenen Gruppen; ein Twitter Konto und einem Google+ Konto.

FSO, April 2017

Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2017

19 Dezember 2016

Frohe Weihnachten und ein Gutes Neues Jahr 2017

von Stiftung Sarah Oberson

Photo: lesmoxonphotography/flickr/creative commons

Die europäischen Entführungswarnsysteme unter der Lupe

23 Mai 2016

Am 25. Mai ist der internationale Tag der verschwundenen Kinder: Gedenken wir mit einer Blume allen vermissten Kindern und deren Familien.

Es wird hart dafür gearbeitet dieser Problematik entgegenzuwirken, was sich in der Bewilligung der Schriftlichen Erklärung, vorgeschlagen von AMBER Alert Europe (siehe Editorial SOS 22.02.16) und von einer Mehrheit der Abgeordneten im europäischen Parlament befürwortet, zeigt. Auch die kürzlich erschienene Studie der Universität Portsmouth behandelt dieses Thema und wir präsentieren hier die wichtigsten Ergebnisse.

Zum ersten Mal in Europa, hat sich eine Studie, wenn auch bisher nur vorläufig, mit den Stärken und Schwächen der europäischen Entführungswarnsysteme beschäftigt. Eingeführt in 2006 auf diesem Kontinent, wurde der Entführungsalarm 23 Mal in 2015 ausgelöst: 16 Staaten der Europäischen Union sowie die Schweiz verfügen über dieses System, aber nur 8 benutzen es.

Die Studie arbeitet mit 4 Staaten (Holland, Tschechien, Großbritannien und Polen), die 82% der Alarme ausgelöst haben und untersucht die Meinungen und Erfahrungen jener 14 Polizisten, die  das System mindestens einmal benutzt haben. Diese begrenzte Anzahl ergibt sich vor allem aus den limitierten ausgelösten Alarmen. Trotz des geringen Studienmaterials, welches definitive Aussagen nicht möglichen macht, gleichen sich die Hauptergebnisse mit ähnlichen amerikanischen Studien. Tatsächlich sind die Fälle, in denen der Alarm ausgelöst wurde sowohl in Europa als auch in Amerika ähnlich, was einen Vergleich möglich macht.

Die Studie suggeriert, dass der Entführungsalarm die Möglichkeit bietet, das Kind schnell und sicher wiederzufinden, was seine Hauptaufgabe ist. Aber nicht nur:

-    Er ist eine wertvolle Ergänzung in der Investigationsarbeit: er ermöglicht es, qualitativ wichtige Informationen zu erhalten; erleichtert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeieinheiten und Staaten;…

-    Er verbessert die Beziehung zwischen der Polizei und den betroffenen Familien: er gibt die Sicherheit, dass alles in der Macht mögliche getan wurde; er macht ausreichend Druck, um den verantwortlichen Elternteil zu einer Aussage zu bringen;…

-    Er verbessert die Interaktion von Polizei und Öffentlichkeit: letztere hat den Eindruck helfen zu können; die Motivation ist höher; die Arbeit der Polizei kann so besser verstanden werden;…

Diese Analyse unterstreicht aber auch negative Aspekte, was die positiven Details nicht schwächen soll, welche aber berücksichtigt werden müssen:

-    Das Risiko, die Sicherheit des Kindes zu gefährden, indem der Entführer zu unvorhergesehenen Handlungen veranlasst wird.

-    Der hohen Anzahl an Anrufen nachzugehen und alle freiwilligen Helfenden zu verwalten.

-    Das Risiko von Missverständnissen oder Meinungsverschiedenheiten, wenn die veröffentlichten Informationen nicht mit der Familie abgesprochen wurden.

-    Die hohen Erwartungen der Öffentlichkeit an die Effizienz des Systems.

Diese Studie unterstützt bereits die Diskussion rund um die Anwendung nationaler Entführungsalarme und um die Einführung eines europäischen Alarms. Sie verlangt jedoch weitere profundierte Recherchen, damit die Wirksamkeit dieses Instruments verbessert werden kann.

Photofdecomite, flickr/creative commons

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson

Bericht über die Aktivitäten 2015

12 April 2016

Die Sarah Oberson Stiftung, ohne Erwerbszweck, ist eine Organisation, die mit dem Ziel gegründet wurde, das Schicksal von Kindern durch Anregung des Dialoges zu den Kinderrechten zu verbessern. Seinen Ursprüngen treu geblieben, engagiert sich die SOS auch in der Kollaboration und Intervention mit Schweizer Führungspositionen, damit landesweit ein leistungsstarkes System zur schnellen und wirksamen Bearbeitung von Kindesverschwinden sowie eine effektive Unterstützung für die Familien eingeführt werden können.

Der vollständige Tätigkeitsbericht 2015

1.    Beitrag zur Verbesserung des Antwortsystems im Fall von vermissten Kindern

Seit seiner Operationalisierung im Januar, wurde der Entführungsalarm in der Schweiz nicht ausgelöst: aus diesem Grund engagiert sich die Stiftung dafür, dass der Alarm ausgelöst werden kann, ohne dass ihn zu strenge Kriterien daran hindern. Das Kriterium der Gefährdung der physischen und psychischen Unversehrtheit des Kindes muss Priorität haben, einschließlich der Entführung durch einen Elternteil und des eigenständigen Entfliehens (siehe Tätigkeitsbericht 2015 zur Aktualität in der Schweiz und in Europa sowie den Hauptaufgaben der Stiftung in diesem Bereich).

Wallis

Die Sarah Oberson Stiftung hatte bereits im September 2012 die Chefs der kantonalen Ämter zu einem Arbeitstreffen zum Austausch über Verbesserungen des Antwortsystems auf kantonalem Niveau eingeladen. Die Ergebnisse dieses Treffens wirken noch nach:

  • 2013 haben die durchgeführten Vorgehen ein neues Bewusstsein in den verschiedenen Serviceämtern hervorgerufen, welches von großem Nutzen für das ganze Personal war.
  • In 2014 hat die öffentliche Informationskampagne zum Verschwinden von Kindern begonnen und
  • wird nicht vor 2016 enden.

Aufklärungskampagne: Ihr Kind ist nicht nach Hause gekommen?

Im November 2014 hat die Sarah Oberson Stiftung eine umfangreiche Informationskampagne in den frankophonen Walliser Schulen gestartet. Der Flyer,, welcher in enger Zusammenarbeit mit dem Kanton Wallis entstanden ist, wurde 45.000 Mal versandt. Ziel: Verhinderung einer Kindesentführung, eine schnelle Auslösung des Entführungsalarms wenn nötig, und vor allen Dingen die Beruhigung der Eltern.

Die Verteilung der Flyer konnte einen anderen Teil der Kampagne einleiten: Die Sensibilisierung für weitere Probleme im Zusammenhang mit dem Verschwinden eines Kindes. Demnach hatte die Sarah Oberson Konferenz 2014 folgendes Thema zum Inhalt: Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern. Ende Januar 2015 wurde eine Pressemitteilung zum Thema „wenn Kinder weglaufen“ veröffentlicht. Diese Mitteilung hat das Interesse der Politik (siehe unten) und der Presse – siehe Pressespiegel – auf sich gezogen. Zum internationalen Tag der vermissten Kinder am 25.05.2015 wurde eine weitere Pressemitteilung veröffentlicht, die sich mit dem Entführungsalarm-System befasst. Des Weiteren wurde auf die Notwendigkeit nationaler Statistiken und wissenschaftlicher Forschungen zum Verschwinden von Kindern hingewiesen – siehe Pressespiegel.

Diese letzte zweisprachige Mitteilung hat die Kampagne im Unterwallis beendet und im Oberwallis eröffnet. Im September 2015 wurden 15.000 Flyler in Oberwalliser Schulen verschickt. Am 21. März 2016 wurde eine letzte Pressemitteilung zum Thema weggelaufener Kinder auf Deutsch veröffentlicht. Mit dieser wurde die Aufklärungskampagne beendet.

Weglaufen – parlamentarische Intervention

Nach Erscheinen der Pressemitteilung zum Weglaufen der Kinder, hat Frau Véronique Coppey, Abgeordnete im walliser Grossrat, Kontakt mit der Stiftung aufgenommen, um zu wissen, wie die Politik bei diesem Problem helfen könnte. Seither gibt es parlamentarisches Vorgehen mit dem Ziel wirksame Maßnahmen anzubieten, die der Situation im Wallis entsprechen.

2.    Anregung zum Dialog zu Verletzungen der Kinderrechte

Sarah Oberson Abend 2015

Der  Sarah Oberson Abend 2015 vom 11. November war ein voller Erfolg: mehr als 140 Personen haben  an der Debatte teilgenommen, die da hieß:  „Als Kind arm sein in der Schweiz“. Geht man von den letzten Zahlen aus, sind Kinder die Altersklasse, die am meisten von Armut betroffen ist. Im Rahmen dieses Abends hat die Sarah Oberson Stiftung über die tägliche Realität dieser Kinder nachgedacht und welche Konsequenzen sich aus diesen unsicheren Lebensverhältnissen für die Zukunft der Kinder ergeben sowie welchen Einfluss diese auf die Angemessenheit der gebrachten Antworten haben. Die gesamte Konferenz wurde aufgezeichnet und die qualitative Aufzeichnung AUDIO kann über die Internetseite der Stiftung aufgerufen werden.

Außerdem wurde im Frühling 2015 der Arbeitsbericht zu den Sarah Oberson Abenden 2011 und 2014 unter dem Titel: „Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern“ veröffentlicht. Nachdem das Thema 2011 unter juristischem Deckmantel behandelt wurde, hat die Sarah Oberson Stiftung das Sujet 2014 erneut aufgegriffen und seine psychosozialen Referenten miteinbezogen.

Internetseite der Stiftung

Über ihre Internetseite, möchte die Sarah Oberson Stiftung einen besonderen Bereich für Texte, Artikel, Dokumentationen und Aktionen zum Thema der Kinderrechte und zu verschwundenen Kindern geben, mit dem Ziel die Öffentlichkeit zu diesen Themen zu sensibilisieren. Es soll ein nationales Schaufenster zu den Fragen rund um die Kinderrechte und zum Kindesverschwinden sein. Immer aktualisiert, profitiert die Seite von mehr als 20.000 Besuchern im Jahr.

Blog

Mit einem Angebot von mehreren Editorials im Monat zu unterschiedlichen Themen der Stiftung, bereichert der Blog den Inhalt der Sarah Oberson Stiftung Internetseite.

Soziale Netzwerke

Die Stiftung verfügt nun über eine Seite auf Facebook; einem LinkedIn Konto mit einer Sarah Oberson Stiftung Seite und Zugang zu verschiedenen Gruppen; einem Twitter Account; und einem Google + Konto, welches am 16.06.2015 eröffnet wurde.

Über diese Kanäle kann sich die Öffentlichkeit über den Inhalt der Internetseite informieren ohne diese zwingend zu besuchen. Wir konstatieren zudem einen Anstieg der Besucherzahlen von 121% ausgehend von diesen sozialen Netzwerken.

FSO, April 2015