Rede von B. Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson, am 09. November 2011

29 November 2011

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?

Sarah Oberson Konferenz 2011, Begrüssung von Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson

Sehr geehrte Damen und Herren,
Herzlich Willkommen.

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, diese Tagung der Sarah Oberson Stiftung 2011 zu organisieren und dieser aktuellen und wichtigen Problematik zu widmen, indem wir Ihre Aufmerksamkeit auf zu entwickelnde neue Lösungen lenken möchten.

Man muss wissen, dass in der Schweiz mehr als 50% der Heiraten in einer Scheidung enden, mit all ihren Problemen für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder.
Sicherlich, die Scheidung ist Teil der Entwicklung unserer Gesellschaft und nicht notwendigerweise ein Unglück. Aber sie trägt in sich viel Leid für tausende von Kinder welche unfreiwillig von den Beziehungsbrüchen der Erwachsenen betroffen sind. Jedes Jahr sind ungefähr 15’000 Kinder ohne ihre Zustimmung und ohne ihr Zutun in dieses Abenteuer involviert. Sehr zum Glück, in der grossen Mehrheit dieser Fälle, finden sich für diese Situationen Lösungen auf gütlichem Wege, welche das Wohl der betroffenen Kinder respektieren.
Wir schätzen dass ca. 10% der Scheidungen Kampfscheidungen sind. Wovon einige gar zu extremen Situationen führen. So haben zum Beispiel in der Schweiz im vergangenen Jahr 102 Entführungen durch Eltern stattgefunden. Es handelt sich dabei um zerrissene Bi-nationale Paare, welche Situationen verursachen, wo Kinder durch einer der beiden Elternteile gar als Geisel genommen werden…

Welches sind die Lösungen, die es uns in der Zukunft erlauben, diese delikaten Fragen betreffend der Trennung oder Scheidung der Eltern besser zu regeln? Die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht, der Vormund des Kindes; es handelt sich hier um Lösungen, welche umgesetzt werden müssen um angemessene Antworten auf die gestellten und schmerzhaften Probleme zu geben.

Ich meinerseits denke, dass wir die Familienmediation bezüglich aller Trennungen und Scheidungen generalisieren müssten, in welche Kinder involviert sind. Man müsste sie obligatorisch machen! Die Empirien, welche in Frankreich in diesem Bereich verwirklicht wurden, haben überzeugende Ergebnisse ergeben. In der Schweiz wurden diesbezüglich ebenfalls überzeugende Erfahrungen gemacht. In Falle von Entführungen auf nationalem Niveau, oder gar internationalem Niveau, scheint die Mediation ohne Zweifel die vielversprechendste Lösung anzubieten. Aber man darf auch nicht die Möglichkeit ausschließen, die Kriterien der Auslösung des Entführungsalarmes zu erweitern, wenn die Integrität des Kindes gefährdet ist…

Die Stiftung Sarah Oberson wünscht sich auch, dass die Schweiz sich schnell mit der europäischen Nummer 116000 ausstattet, um ein aufmerksames Abhören, nützliche Ratschläge und eine wohlwollende Unterstützung für die Familien zu gewähren, die mit einer Kindesentführung konfrontiert wurden. Es scheint, dass der Bund ernsthaft dieses Problem aufgreifen will, mit der Unterstützung der in diesem Bereich spezialisierten NGOs. Wir ermutigen sie diesbezüglich von ganzem Herzen. Es handelt sich unserer Meinung nach um eine für das Entführungsalarmsystem unentbehrliche Ergänzung, welches ja in der Schweiz am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist.
Was die Lösung des gemeinsamen Sorgerecht betrifft, welches Thema von aktuellen Debatten ist, so sollte es ohne Zweifel zur Regel in allen Fällen von Trennung und Scheidung werden.
Im Übrigen wurde am 30. September 2011 in diesem Sinne ein Antrag soeben stillschweigend durch den Nationalrat gebilligt, und eine Änderung des Zivilgesetzbuches müsste, gemäss der Bundesrätin Simonetta Sommaruga, schnell erfolgen.
Sicherlich, es handelt sich nicht um ein Allerheilmittel, denn mehrere implizierte Maßnahmen erweisen sich als unentbehrlich, um das Wohl und das Interesse des betroffenen Kindes zu respektieren, gemäß dem internationalen Übereinkommen der Rechte des Kindes, welches durch die Schweiz ratifiziert wurde. Aber es ist Zeit, dass unser Land aus dem gemeinsamen Sorgerecht eine in allen Fällen anzuwendende generelle Regel macht. Persönlich ergreife ich die Gelegenheit dieses Abends, um einen Aufruf zugunsten dieser Lösung zu machen.

Indem das Wohl des Kindes in das Zentrum dieses Gesellschaftsphänomens gelegt wird, will die Tagung Sarah Oberson 2011 einige Vorrichtungen, welche teilweise oder experimentell in diesem Land umgesetzt wurden, sei es unteranderem die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht oder die Vormundschaft des Kindes, reflektieren.
Indem diese Praktiken mit der Realität des Alltages konfrontiert werden, werden uns die Vorträge wie auch der Runde Tisch zweifelslos die gewünschten Antworten liefern.
Bereits jetzt danke ich herzlich allen Rednern dieses Abends, die uns die Ehre ihrer Anwesenheit machen und so ihre Freundschaft ausdrücken und möchte Ihnen allen diesen Gedanken von Félon widmen :

“Das Kind ist wie eine angezündete Kerze, welche im Wind steht : sein Licht flackert ununterbrochen. »

(Français) Mobilisons-nous contre la disparition d’enfants

8 November 2011

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.

Hotline 0848 116 000 für verschwundene Kinder: für eine baldige Einrichtung in der Schweiz

7 Oktober 2011

Die Stiftung Sarah Oberson und die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes setzen sich über “Missing Children Switzerland” mit grossem Engagement für die Einrichtung der 0848 116 000 in der Schweiz ein.

Die Stiftung Sarah Oberson, die Schweizerische Stiftung des Internationalen Sozialdienstes und die Stiftung Missing Children Switzerland vereinen ihre Kräfte, damit die europäische Notruf-Hotline 116 000 für vermisste Kinder auch in der Schweiz eingerichtet wird. Unter dieser Nummer erhalten betroffene Familien Auskunft, hier finden sie rund um die Uhr ein offenes Ohr und fachliche Unterstützung. Die Hotline ist eine notwendige Ergänzung zum Entführungsalarmsystem, das 2010 in der Schweiz eingeführt wurde.

Die 116 000 ist eine kostenlose Notrufnummer und nimmt 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche Anrufe in allen Sprachen entgegen. Sie bietet Beratung durch Fachpersonen und soll den Behörden erlauben, die Suche nach vermissten Kindern auf nationaler und europäischer Ebene besser zu koordinieren. Die Nummer ist in 17 europäischen Ländern – u.a. Frankreich, Italien und Deutschland – bereits in Betrieb.

Zudem werden in allen Kantonen Korrespondenten im Einsatz sein, die mit den Behörden – und insbesondere der Kantonspolizei – zusammenarbeiten werden. Und schliesslich soll ein Begleitausschuss eingerichtet werden, der sich aus Vertretern der diversen Partnerorganisationen zusammensetzen wird.

Medienmitteilung

Fondation Sarah Oberson
www.sarahoberson.org
Bernard COMBY
Président

Fondation Missing Children Switzerland International
www.missingchildren.ch
Irina LUCIDI
Présidente

Fondation suisse du Service Social
www.ssiss.ch
Rolf WIDMER
Directeur

Also :

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

Letzte Aufforderung für die Umsetzung der 116 000

(Français) 116 000, un complément au dispositif d’Alerte enlèvement ?

 

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

24 Mai 2011

25. Mai 2010, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder : Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Seit drei Jahren weist die Sarah Oberson Stiftung mittels eines Artikels auf ihrem Blog auf den internationalen Tag vermisster Kinder, den 25. Mai, hin. Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Myosotis.scorpioides

Während den vergangenen drei Jahren wurde das Reaktionsangebot bei einer Vermisstmeldung eines Kindes in der Schweiz mit dem Entführungsalarmsystem versehen, ein System welches sich ohne Unterlass immer weiter perfektioniert. Seit dem 1. Februar dieses Jahres erstreckt sich die Ausdehnung des Verteilungsnetzes der Vermisstmeldungsnachrichten auf die Handys der auf der Verteilerliste eingeschriebenen Personen. (Tragen Sie sich ein!)

Die Europäische Union (EU) bemüht sich ebenfalls um die Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems.
Dies bedeutet, dass unter anderem die Idee eines Entführungsalarmsystems auf europäischem Niveau, für welches die Familie McCann viel Mühe aufgewendet hat, sich auf dem Weg der Realisation befindet.
In Zukunft werden 6 europäische Länder über ein Entführungsalarmsystem verfügen. Des Weiteren hat sich Frankreich im Rahmen des europäischen LADS.eu-Projekts (Lutte Anti-Disparitions dans l’Union européenne) mit Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammengeschlossen.
Dieses Programm, welches durch die Europäische Kommission mitfinanziert wird, hat die Verstärkung der Kompatibilität und der Koordination des Entführungsalarmsystems zwischen Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien zum Ziel.

Andererseits, dank verfügten Normen und der Unterstützung der EU, verfügen fünfzehn europäische Länder, darunter Frankreich und Italien (in Großbritannien ist dieses Angebot nur teilweise verfügbar), über die einzigartige Rufnummer 116 000. Es handelt sich um eine Nummer, welche dazu dient, die Familien verschwundener, entlaufener oder weggenommener Kinder anzuhören und zu begleiten. Diese gemeinsame und kostenlose Nummer, während 7 Tagen und 24 Stunden zugänglich, will eine besser Koordination der Forschung seitens der zuständigen Behörden und Experten auf europäischem Niveau gewährleisten.
Die Nummer 116 000 erlaubt aber auch den Familien von vermissten Kindern Zugang zu Informationen, angehört zu werden und eine professionelle, zugängliche und verfügbare Unterstützung zu erhalten. Diese gemeinsame Nummer wird von Experten mehrsprachig geführt.

In Anbetracht der großen Mobilität seitens der Schweizer- und Europabürger könnte die Schweiz ihres System optimieren und sich in das europäische Netzwerk einschreiben, um damit das Entführungsalarmsystem zu ergänzen und die notwendigen Schritte der Familien und der zuständigen Behörden zu erleichtern.

Sarah Oberson Stiftung, 24.05.2011

- Entführungsalarm-System Internationale Situation, Sarah Oberson Stiftung
- Europa : Missing Children Europe calls for Enhancement of the Professional Standard of 116 000 Hotlines for Missing Children, 20.05.11
A practical guide for 116 000 hotlines, 05.2011
- Frankreich : 9ème Journée internationale des enfants disparus, 19.05.2011
- ‘Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2010
- ‘Une fleur, message d’espoir et de solidarité‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2009

(Français) 116 000, un complément au dispositif d’Alerte enlèvement ?

17 Juni 2009

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.