Letzte Aufforderung für die Umsetzung der 116 000

30 November 2010

…14 Mitgliedstaaten der EU wurden dazu aufgerufen, durch die Europäische Kommission zu handeln, “damit sie die europäische Rufnummer 116 000 sobald wie möglich in Betrieb nehmen…”

In einer Mitteilung vom 17. November 2010 sind vierzehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) dazu aufgerufen worden, durch die Europäische Kommission zu handeln, „damit sie sobald wie möglich die europäische Rufnummer 116 000 – die Hotlinenummer, welche der Meldung vermisster Kinder dient – in Betrieb nehmen. Es handelt sich um eine einheitliche Rufnummer, welche es den vermissten Kindern und ihren Eltern erlaubt, im gesamten EU-Raum Hilfe zu erhalten“. Falls diese letzte Mahnung zwecklos bleibt, zieht die Kommission in Betracht, gesetzliche Massnahmen zu ergreifen.

2007 hat die EU dafür gesorgt (Entscheidung 2007/116/EG), dass die Nummer 116 000 von allen EU-Mitgliedstaaten als Hotline reserviert wird. 2009 (Richtlinie 2009/136/EG) verlangt sie, dass alles daran gesetzt wird, die Inbetriebnahme der Hotline 116 000 bis 25. Mai 2011 zu gewährleisten. Sie verlangt ebenfalls von ihren Mitgliedern, dass sie dazu wirkungsvolle Informationen zur Verfügung stellen. Mehrere europäische Staaten verfügen bereits über eine Rufnummer für vermisste Kinder. Da die ersten Stunden nach einem Verschwinden besonders wichtig sind, versucht die EU durch diese Richtlinie, die Hilfsdienstleistungen unter einer einzigen Nummer zusammenzuführen, damit den Eltern und Kindern, die ausserhalb ihres Heimatstaates reisen, die Behördengänge erleichtern werden.

Trotz der Bemühungen der Kommission, verfügen im November 2010 nur 12 Staaten über einen solchen Dienst (im Vereinigten Königreich ist dieser Dienst nur teilweise in Betrieb).

Nach Ansicht der Europäischen Kommission verzögern zwei Hindernisse die Inbetriebnahme der einheitlichen Rufnummer für vermisste Kinder auf dem ganzen Kontinent:

- Die unzureichende Information der Öffentlichkeit und der Betreiber bei der Inbetriebnahme des Systems, sobald die Nummer freigeschaltet ist;

- Die fälligen Kosten: bei einer Freischaltung von 24 Stunden am Tag und 7 Tagen die Woche, der Notwendigkeit von qualifizierten Mitarbeitern und der Notwendigkeit eines mehrsprachigen Dienstes.

In ihrer Mitteilung vom 17.November 2010 drängt die Kommission alle ihre Mitglieder dazu, ihre Richtlinie umzusetzen, indem sie dafür sorgt, dass „alle Mitgliedstaaten die gleiche Qualitätsdienstleistung erbringen“. Zu diesem Zweck schlägt sie minimale gemeinsame Normen vor:

- Der Dienst muss in der(n) Sprache(n) des Mitgliedstaats und zumindest in Englisch zur Verfügung stehen.

- Entsprechend geschulte Mitarbeiter.

- Grenzübergreifende Fälle müssen an die zuständigen Behörden weiterverwiesen werden.

- Gegebenenfalls müssen nach Erledigung des Falls weitere Leistungen angeboten werden.

- Der Diensteanbieter muss mit den nationalen Strafverfolgungsbehörden und/oder Justizbehörden eine Kooperationsvereinbarung schliessen.

Die Kommission unterstützt ihr Vorgehen, indem sie den Austausch bewährter Verfahren durch periodische Beurteilungen und die Organisation jährlicher Zusammenkünfte auf hohem Niveau erleichtert.

Angesichts ihrer von EU-Staaten umgebenen geographischen Lage, muss die Schweiz in Betracht ziehen, in dieser Richtung zu handeln. Nach der Einführung des Entführungsalarmsystems am 01.01.2010, scheint der nächste logischste Schritt die Inbetriebnahme einer einheitlichen Rufnummer 116 000, zur Hilfe und Unterstützung der Kinder und Eltern im Falle eines Verschwindens des Kindes zu sein. Wird man eine weitere Tragödie in der Art derjenigen, welche der Einführung des Entführungsalarmsystems vorausgegangen ist (siehe Ein Drama um die Dinge voranzutreiben) abwarten müssen?

Wichtige Links:

- Missing Child Europe

- 116’000 hotline

- «The European Telephone Number for Missing Children : Best Practices and Recommendations »