Eine Tracht Prügel um Aufmerksamkeit zu erregen

22 November 2016

Das Verbot von Prügel ist in der Schweiz eine immer wiederkehrende Debatte. Sich öffentlich gegen das Verbot von Prügel zu bekennen ist zu einer politisch nicht korrekten aber auch nicht unkorrekten Stellungnahme geworden.

Immer wieder als ineffizient und schadend für das Kind und seiner Erziehung begutachtet (Konsequenzen für das Kind, S. 44); von Experten der Kindheit beklagt; von den internationalen Übereinkommen, welche die Schweiz unterzeichnet hat, verboten (Internationale Forderungen, 2012); in immer mehr Ländern verboten; Prügel wird in unserem Land noch immer akzeptiert und fast gewollt von Verteidigern der autoritären Erziehung und von einer populistischen Mehrheit, die die Prügel dem Kind als König gegenüberstellt.

Beweis dafür ist die Zurückweisung mehrerer parlamentarischer Anträge zum Verbot von Prügel, darunter auch eine Berner Schülerpetition, welche 2016 vom Tisch gefegt wurde.

Diese Uneinigkeit ermöglicht es einigen Personen Aufmerksamkeit zu erregen. Sei es nun ein Walliser Psychologe oder ein Deutschschweizer Rocksänger, die Tatsache, dass man öffentlich sagen kann, dass Prügel nicht schadet und ganz im Gegenteil genau die Lösung all der Probleme sei… das ist zwar ausreichend politisch inkorrekt um dass die Medien darauf reagieren aber noch ausreichend politisch korrekt, sodass es keinen Imageschaden gibt.

Interessant sind hingegen die Reaktionen auf diese Aussagen. In der Westschweiz kam es zu Reaktionen, die über die Arbeit von NGOs zum Schutz der Kinderrechte hinausgehen und sich zu Bürger- und Familien- und Kindheitsexperteninitiativen ausweiteten, wie etwa der „offene Brief zur Warnung vor schadenden Theorien…“, welcher von einem Sonderpädagogen verfasst und von mehreren Organisationen und Experten unterzeichnet wurde.

Es wäre interessant mit der Deutschschweiz zusammenzuarbeiten, damit ein Konsens rund um das Verbot von körperlicher Misshandlung und von erniedrigender Erziehung von Kindern gefunden werden kann… und damit solche Aussagen nicht erneut solch große Aufmerksamkeit erhalten.

Clara Balestra, Sarah Oberson Stiftung, 22.11.16