Vermisste Kinder: die Schweiz gegen die europäische Tendenz

22 Februar 2016

In der Schweiz hat der Bundesrat entschieden, dass die Kriterien, die für die Auslösung einer Entführungsalarm gelten, nicht erbreitet werden müssen. Das geht gegen der europäischen Tendenz. Am 1. Februar 2016 haben tatsächlich 19 europäische Parlamentarier, Repräsentanten der 6 größten Politischen Gruppierungen, eine schriftliche Erklärung vorgelegt (DE 7/2016), welche „den 5 Punkte-Plan der AMBER Alert Europe unterstützt“.

Mit 22 Mitgliedern in 16 europäischen Ländern ist das AMBER Alert Europa „das europäische Warnsystemnetzwerk für vermisste Kinder und Polizeinetz im Bereich vermisster Kinder“.

European Parliament adopts action plan to save missing children in most successful Written Declaration since 2011, Amber Alert Europe, 10.05.2016

Der 5 Punkte-Plan fordert:

  1. Eine Erweiterung und Stärkung des nationalen Warnsystems bei Kindesentführung: Unterstützung weiterer europäischer Länder in der Entwicklung von nationalen Entführungswarnsystemen. Aktuell haben 16 Länder der europäischen Union und die Schweiz das System eingeführt.
  2. Höhere Flexibilität bei den Auslösekriterien der Warnsysteme: Lockerung der bestehenden Kriterien und Ermöglichung der Auslösung des Alarms, wenn spezielle Ermittler festgestellt haben, dass das Leben des Kindes in Gefahr ist, indem von den anderen bisherigen ordinären Kriterien Abstand genommen wird und es sich um eine bewiesene Entführung handelt (Bsp. Frankreich).
  3. Ein besserer Informationsaustausch zwischen den Staaten: Absicherung eines Informationsaustausch bezüglich eines Kindes in Gefahr bei angrenzenden Ländern: Erarbeitung von Protokollen, die einen sofortigen Informationsaustausch zwischen den Polizeikräften der Nachbarländer ermöglichen; Übermittlung der nationalen Warnhinweise an die Medien der benachbarten Länder, um so das breite Publikum jenseits der beiden Ländergrenzen zu informieren (Bsp.: Polen-Deutschland).
  4. Eine bessere Zusammenarbeit der grenzüberschreitenden Polizei: Schaffung eines offiziellen Expertennetzwerkes zu Kindesverschwinden und zu den Alarmsystemen auf nationalem Niveau. AMBER Alert Europe hat ein ähnliches Netzwerk (Police Network on Missing Children) aufgebaut, welches mittlerweile 34 Polizeifachkräfte aus 11 Ländern, inklusive der Schweiz, zählt.
  5. Eine bessere Identifizierung und Schutz von Kindern an den Grenzen: Kinder, die sich in Gefahr befinden, müssen sofort in die Datenbank des Schengen Information System (SIS II) aufgenommen werden, damit die Grenzkontrollen unmittelbar benachrichtigt werden können; Weiterbildung der Grenzkontrollen bezüglich dieses Sujets in Zusammenarbeit mit Frontex.

Die Sarah Oberson Stiftung begrüßt diesen Schritt, welcher dem Mandat und den Aktivitäten der Stiftung entspricht. Schließlich hat sich die Stiftung stark für die Einführung des Entführungswarnsystems in der Schweiz eingesetzt. Sie engagiert sich nun für:

-          Höhere Flexibilität bei den Auslösekriterien der Warnsysteme;

-          Integration der Schweiz in ein mögliches europäisches Entführungswarnsystem;

-          Eine besser Kenntnisnahme des Phänomens des Kindesverschwindens dank der Einführung von nationalen Statistiken zu verschwundenen Kindern und wissenschaftliche Studien, welche das Problem analysieren;

-          Einführung der Notrufnummer 116 000 in der Schweiz.

Ist Ihr Kind nicht nach Hause gekommen?

15 September 2015

Die Sarah-Oberson-Stiftung, die seit vielen Jahren im Bereich des Kinderschutzes tätig ist, lanciert heute eine gross angelegte Informationskampagne in den Oberwalliser Schulen.

Ziel ist es, die Entführung von Kindern zu verhindern, wenn nötig rasch Entführungsalarm auszulösen, vor allem aber auch die Eltern zu beruhigen.

Ab morgen wird die Kampagne fortgesetzt, die letzten Herbst bereits in den Einrichtungen im Unterwallis durchgeführt wurde. Dazu werden 15’000 Flyer der Sarah-Oberson-Stiftung an die Krippen, Kindergärten, Primar- und Orientierungsschulen sowie Fachinstitutionen im Oberwallis verschickt. Der Flyer ist doppelseitig: Eine Seite richtet sich an die Eltern und Lehrpersonen (Ist Ihr Kind nicht nach Hause gekommen?), die andere an die Kinder (Tipps für Kinder). Erstellt wurde er in Zusammenarbeit mit dem Departement für Bildung und Sicherheit (DBS) (genauer gesagt mit der Kantonspolizei, der Dienststelle für Unterrichtswesen und der Kantonalen Dienststelle für die Jugend), der Dienststelle für Gesundheitswesen und der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis.

Der für das Ressort Bildung zuständige Visper Gemeinderat Michael Kreuzer begrüsst diese Aktion: «Es ist wichtig, die Kinder über die Gefahr einer Entführung aufzuklären. Da es auf dem Schulweg tatsächlich zu einer solchen kommen könnte, ist die Kampagne der Sarah-Oberson-Stiftung eine gute Sache. Ausserdem nehmen die Kinder den Flyer mit nach Hause, wodurch auch die Eltern informiert werden.» In Visp gibt es übrigens bereits ein mit der Gemeindepolizei koordiniertes Verfahren für Fälle, in denen ein Kind ohne vorgängige Abmeldung der Eltern nicht in der Schule erscheint.

Das Gerücht des «weissen Kleinbusses»

Ausgangspunkt der Kampagne war eine Feststellung. «Sie können sich nicht vorstellen, wie oft wir von Müttern hören, dass sie einen weissen Kleinbus gesehen hätten, dass in der vorherigen Woche ein Kind vor der Schüle entführt worden sei, sie ihr Kind nicht mehr alleine heimlaufen lassen könnten usw.», erklärt Clara Balestra, wissenschaftliche und administrative Koordinatorin bei der Oberson-Stiftung. «Man kann also sagen, dass der Grundgedanke der Aktion eigentlich war, die Eltern zu beruhigen.»

Es gilt also in erster Linie zu beruhigen, denn die Statistiken sprechen eine klare Sprache: Die Walliser Polizei verzeichnet jedes Jahr durchschnittlich 3 bis 4 vermisste Kinder – die alle generell bei Freunden oder Angehörigen wieder gefunden werden – und 2 bis 3 Meldungen einer Entführung und/oder Freiheitsberaubung. Bis heute sind 7 Kinder (zwischen 0 und 18 Jahren) im Register der Polizei als vermisst registriert. Bei 6 von ihnen wird angenommen, dass sie weggelaufen sind, einen Unfall hatten oder Selbstmord begingen. Nur im Fall von Sarah Oberson, die am 28. September 1985 verschwand, wird vermutet, dass sie von einem Dritten entführt wurde. Eine andere aussagekräftige Statistik stammt von der Waadtländer Polizei: In 88% der Fälle ist für das Verschwinden der Kinder ein Elternteil verantwortlich. Eine Tatsache, die die Oberson-Stiftung kennt und mit der sie sich anlässlich ihrer jährlich stattfindenden Konferenzen 2011 und 2014[1] befasst hat.

Erste Abklärungen durchführen und das Auslösen des Entführungsalarms erleichtern

Die Oberson-Stiftung will also mit ihrer Aktion vor allem beruhigen, gleichzeitig aber auch informieren. Denn in der Stiftung, die nach dem Verschwinden der 5-jährigen Sarah in Saxon gegründet wurde, weiss man nur zu gut: Manchmal kommt es zu regelrechten Dramen. Und jedes Mal ist ein Mal zu viel. «Die Stiftung hat sich deshalb sehr dafür eingesetzt, dass ein nationaler Entführungsalarm in der Schweiz eingerichtet wird», erläutert Jean Zermatten, Präsident des Stiftungsrates. «Dieser besteht nun seit 2010, wurde jedoch noch nie ausgelöst.» Die Oberson-Stiftung erinnert auf dem Flyer daran, welche Abklärungen zuerst gemacht werden sollten, bevor die Polizei alarmiert wird: die Verantwortlichen in der Schule, die Familie, Freunde und Nachbarn anrufen. Ein wertvoller Schritt, der von jenen unternommen wird, die das Kind am besten kennen. Dadurch kann dann ein Verdacht auf Verschwinden und/oder Entführung bestätigt werden oder nicht und allenfalls rasch Alarm ausgelöst werden. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Zeit gegen die Opfer arbeitet. Deshalb gilt es, Zeit zu gewinnen.

Anstoss für den Dialog in der Klasse und Zuhause

Schliesslich richtet sich der Flyer auch an die Kinder und gibt ihnen Tipps, wie sie sich in Gefahrensituationen verhalten sollen oder solche am besten vermeiden: nicht alleine unterwegs sein, immer den gleichen Weg zu oft besuchten Orten nehmen (z.B. zur Schule, zum Training, zu Freunden), schreien und sich wehren, wenn sie angegriffen werden.

«Rund hundert Einrichtungen werden diese Woche ein Paket mit Flyern und einem Schreiben erhalten mit der Aufforderung, diese in der Klasse zu verteilen», erklärt Guillaume Grand, Vizepräsident des Stiftungsrats. «Wir möchten, dass die Kinder diese Informationen den Eltern weiterleiten und so sowohl in der Klasse als auch Zuhause über dieses Thema diskutiert wird. Wir hoffen, dass die Direktionen und Lehrpersonen uns dabei unterstützen und unsere Botschaft ankommt.»

Lehrpersonen, die den Flyer nicht erhalten haben, können sich an info@sarahoberson.org wenden.


[1] «Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern», Bericht zu den Konferenzen der Sarah-Oberson-Stiftung 2011 und 2014.

Unterstützung von Familien, die ein Kind vermissen

10 September 2013

Es ist schwierig, einschlägige wissenschaftliche Texte dazu zu finden. Mit dem Ziel, Berufstätige zu unterstützen, die Familien vermisster Kinder betreuen, hat die Stiftung Sarah Oberson einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zu dem Thema in Auftrag gegeben. Dessen Schlussfolgerungen erschüttern die traditionellen Betreuungsformen und gehen über die obengenannten Unterstützungsmöglichkeiten hinaus.

Jedes Jahr verschwinden Kinder spurlos. Unabhängig davon, ob das Kind ausgerissen ist, von einem Elternteil entführt wurde oder ob es sich um ungeklärte Dramen handelt – der Schmerz des Verschwindens belastet die Familien.

Wie können Familien unterstützt werden, wenn ihr Kind verschwunden ist?

Es gibt wissenschaftliche Texte über die Trauer von Familien, wenn ein Kind verschwindet. Diese behandeln aber in erster Linie Situationen in einem Kontext von Gewalt (Balkankriege, Gewalt in Argentinien…). Ausgehend von den vorhandenen Unterlagen können aber einige Gemeinsamkeiten abgeleitet werden.

Gemäss einigen Autoren und Autorinnen bleiben die Familien in der Schwebe, in der größtmöglichen Ungewissheit, wenn ein geliebter Mensch verschwindet, sei es unter gewaltsamen oder ungeklärten Umständen. Sie verbleiben auf der Schwelle (limen auf Lateinisch) des Todes, der Witwenschaft, der Trauer. Diese Übergangsphase wird von der Stille ständig aufrechterhalten. (Verstraeten, S. 75–76)

Im Fall von Zwangsverschleppungen konnten die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen Faktoren ermitteln, die den betroffenen Personen helfen, wieder ein gewisses Wohlbefinden zu erreichen, zum Beispiel durch kollektive Rituale (wie zum Beispiel die Veranstaltungen der Mütter des Platzes der Mairevolution, die gemeinsamen Gedenkfeiern von Srebrenica, die Denkmäler für vermisste Soldaten) (Verstraeten und Probst Favret).

Zwangsverschleppungen lassen sich in eine historische Periode einbetten. Es handelt sich um eine von einer Gemeinschaft, einer Nation gemeinsam erlebte Situation, ein gemeinsam geteilter Schmerz, was Gedenkfeiern ermöglicht. Der Tod der Vermissten kann aus dem historischen Zusammenhang heraus als wahrscheinlich, wenn auch nicht als sicher, betrachtet werden. Der Sinn, der diesem Verschwinden so gegeben werden kann, kann auf den historischen Zusammenhang bezogen werden. Es muss aber unterstrichen werden, dass diese Faktoren, auch wenn sie den Abschiedsprozess unterstützen, keine Garantie für besseres Wohlbefinden sind (Probst Favret, S. 108).

Bei Kindern oder Erwachsenen, die unter ungeklärten Umständen verschwunden sind, gibt es keine gemeinschaftliche und historische Dimension. Der Schmerz kann nur mit den Angehörigen geteilt werden. Nichts bestätigt, dass der Tod als wahrscheinlich betrachtet werden kann. Die Suche nach dem Sinn des Verschwindens wird durch besondere Umstände geprägt.

Welche Faktoren erlauben es also den Familien, sich darauf einzustellen und durch passende Wege ihre Identität und den Lebenssinn wiederzufinden (Poretti)?

Es ist schwierig, einschlägige wissenschaftliche Texte dazu zu finden. Mit dem Ziel, Berufstätige zu unterstützen, die Familien vermisster Kinder betreuen, hat die Stiftung Sarah Oberson einen Überblick über die wissenschaftliche Literatur zu dem Thema in Auftrag gegeben. Dessen Schlussfolgerungen erschüttern die traditionellen Betreuungsformen und gehen über die obengenannten Unterstützungsmöglichkeiten hinaus.

Die Stiftung Sarah Oberson organisiert eine Konferenz, um die Ergebnisse dieser Untersuchung von Michele Poretti, leitender Wissenschaftler am IUKB und Berater, vorzustellen:

An der Schwelle zur Trauer? Die Ungewissheit der Familien vermisster Kinder

30. September 2013, von 10h00 bis 12h00, im universitären Institut Kurt Bösch in Sitten/Bramois

Der Anthropologe Marc-Antoine Berthod hält einen Vortrag zu dem Thema: „Die Familien gegenüber ihrer Gemeinschaft“ (Les familles face à leur communauté). Denn bei solchen Dramen sind die betroffenen Familien nicht nur ihrem Schmerz und ihrem Verlust ausgesetzt. Sie stehen auch in Austausch mit ihrer Gemeinschaft, mit den Medien und der Auslegung, die letztere des Dramas machen. Auch diese Faktoren beeinflussen die Fähigkeit, den Verlust zu überleben.

Referenz :

Poretti Michele (2013), Au seuil du deuil ? Les familles d’enfants disparus à l’épreuve de l’incertitude. Revue de littérature, Fondation Sarah Oberson, Sion.

Probst Favret Marie-Corinne (2009), «Enfants de père porté disparu: le deuil suspendu», in Betty Goguikian Ratcliff et Olivier Strasser (dir.), Clinique de l’exil. Chroniques d’une pratique engagée, Chêne-Bourg: Editions Georg, pp. 101-110.

Verstraeten Alice (2006), «La “ disparition forcée ” en Argentine. Occultation de la mort, empêchement du deuil, terreur, liminalité», in Frontières, vol. 19, n° 1.

Weglaufen: vom Ritus des Übergangs zum Ruf um Hilfe

21 Mai 2012

Die große Mehrheit des Verschwindens von Kindern in der westlichen Welt fällt unter den Aspekt Weglaufen, also Minderjährige. Das Weglaufen birgt aufgrund seiner Konsequenzen ein gewisses Risiko. Die Jugendlichen müssen folglich möglichst rasch wiedergefunden werden. Und danach? Über das Weglaufen als Übergangsritual hinaus scheint es, dass Kinder vor einer schwierigen Situation davonlaufen. So kann das Weglaufen als ein Ruf um Hilfe betrachtet werden, welcher sich an die Familie, die Institution und die Gesellschaft wendet. Über die Bedeutungen des Weglaufens von Jugendlichen zu nachdenken, um die Betreuung Weggelaufener zu verstärken.

25. Mai, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder

Die große Mehrheit des Verschwindens von Kindern in der westlichen Welt fällt unter den Aspekt Weglaufen, also Minderjährige, welche “freiwillig ihr Wohnsitz, ihre Institution oder ihre Aufnahmefamilie ohne Genehmigung ihrer Eltern oder Erziehungsberechtigten, welche diese ersetzen” verlassen. Die Weglaufer sind hauptsächlich Kinder zwischen 12 und 18 Jahren. Nach internationalen Studien “pendelt die jährliche Anzahl von Minderjährigen, welche den Wohnsitz (elterlich oder Institutionell) verlassen, zwischen 1,1 % und 8,7 % ” (Glowaks, 2004). Gemäss BFS lebten im Januar 2011 in der Schweiz  610 ‘ 166 Kinder im Alter von 12 bis 18 Jahren. Das Delta weggelaufener Kinder läge in der Schweiz folglich zwischen 6 ‘ 712 und 53 ‘ 084 Kinder pro Jahr. Eine abgeleitete und nicht bestätigte Zahl, da es keine nationale Statistik zu diesem Thema (BFS) gibt. Ein weitverbreitetes Phänomen also welches in den letzten Jahren in den angrenzenden Ländern stetig zunahm.

Für gewisse Forscher kann das Weglaufen “als integral zum Entwicklungsprozess gewisser Jugendlicher dazugehörend wahrgenommen werden” (Di Turro, 2009). Das Weglaufen als Übergangsritus; wie ein Ruf zum geheimnisvollen und anziehenden Unbekannten, ohne Autorität und Verantwortlichkeiten; das Weglaufen wie eine Art und Weise, sich der Autorität der Familie oder der Institution zu entziehen um schließlich auf eigenen Beinen zu stehen. Nach dieser Deutung soll das Weglaufen nur in Verbindung zu potentiellen Risiken auf  der Straße begleitet sein.

Die Daten stimmen überein: je länger ein Minderjähriger auf der Straße bleibt, umso mehr sind seine körperliche und psychische Integrität Risiken ausgesetzt. Das Weglaufen birgt also aufgrund seiner Konsequenzen ein gewisses Risiko. Die Jugendlichen müssen folglich möglichst rasch wiedergefunden werden.

Über das Weglaufen als Übergangsritual hinaus scheint es, dass Kinder vor einer schwierigen Situation davonlaufen. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Studien über das Thema zeigen gleichartige Risikofaktoren: eine schwierige Situation innerhalb der Familie, welchem vom Desinteresses der Eltern zu einem offen Konflikt reicht, oder schlimmer noch bis zu Misshandlungen. Man stellt “im Vergleich eine 6 bis 8 Mal höhere Erscheinung von Misshandlungen bei den Weggelaufenen als bei der Kontrollgruppe“ fest (Nervure, 2008). Außerdem “ist die Anzahl von den Weggelaufenen aus Institutionen  höher als diejenige aus  dem elterlichen Umfeld” (Glowaks, 2004). Schliesslich nehmen sie auch Risikofaktoren in Kauf wie Schwierigkeiten in der Schule, eine niedrige Selbstachtung, depressiven Verstimmungen und Selbstmordgedanken.

So kann das Weglaufen als ein Ruf um Hilfe betrachtet werden, welcher sich an die Familie, die Institution und die Gesellschaft wendet, um zu sagen: ” ich brauche Hilfe. Die Situation, in der ich lebe ist zu schwer, als dass ich sie länger ertragen kann und ich habe keine Kraft mehr, ihr zu trotzen, also handle ich, ich fliehe”.

Ansonsten ist das Jugendalter zweifellos eine Durchgangszeit zwischen der Kindheit und dem Erwachsenenalter. Die Jugendlichen beginnen den Prozess der Individualisierung und des Umsetzens von Autonomie. In dieser Periode sind nicht nur die Beziehungen mit der Familie und der Gesellschaft Veränderungen unterworfen, auch körperliche Umwälzungen finden statt, unter anderem in Form neurobiologischer Änderungen im Gehirn eines Jugendlichen. Diese Letzten eröffnen den Jugendlichen zwar große Aktionsmöglichkeiten, geben ihnen jedoch noch nicht die Kompetenz, die Folgen der Handlungen voll und ganz abzuschätzen.  So werden Risikoverhalten, Entscheidungsschwierigkeiten etc. gefördert. (1)

Alle diese Elemente müssen im Falle eines Weglaufens berücksichtigt werden. Jedes Weglaufen ist unterschiedlich und man kann sie nicht auf eine lineare Weise interpretieren.

Die Stiftung Sarah Oberson, welche gegründet wurde um Familien, welche mit dem Verschwinden eines Kindes konfrontiert sind, zu unterstützen, will zur Reflexion über die Bedeutung des Weglaufens von Kindern beitragen. Sie organisiert deshalb am 14. November 2012 eine Soirée de réflexion zum Thema „Weglaufen: Ritus des Übergangs oder Ruf um Hilfe ?
Sie will über die Bedeutungen des Weglaufens von Jugendlichen nachdenken. Dies mit dem Ziel, das Verständnis und die Kenntnis der Eltern und der Fachleute zu erweitern, um die Betreuung Weggelaufener zu verstärken, indem die Erwartungen angepasst werden.

Clara Balestra, 21.05.2012

(1) Boutrel Benjamin (2012), “Vulnérabilité individuelle et vulnérabilité collective à l’origine de la consommation excessive d’alcool à l’adolescence. Point de vue neurobiologique, in Jaffé Ph. et Lachat M., Adolescents et alcool, un cocktail détonnant, IUKB et IDE, p. 37.

Vom verliebten Paar zum Elternpaar ohne Drama ?

6 Februar 2012

Die grosse Herausforderung einer Trennung, in welche Kinder involviert sind, besteht darin, die elterliche Dimension eines Paares zu erhalten, wenn sich die eheliche auflöst. Für die Mehrzahl ist diese Transformation von Erfolg gezeichnet, unter anderem Dank der Instrumente, welche zur Verfügung stehen. Dramen existieren immer, aber der Gesetzgeber hat entschieden, sich Instrumente zu geben, um die Anzahl dieser zu vermindern. Diese Tendenz zeichnet sich noch nicht ab, da es sich leider um eine Problematik von grosser Aktualität handelt.

Synthese der Soirée Sarah Oberson 2011, Working Report

Infolge der Tragödie des Verschwindens von Alessia und Livia hat sich die Stiftung Sarah Oberson anlässlich ihrer Sarah Oberson Konferenz 2011 folgende Frage gestellt: Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern für die Kinder in einem Drama endet?

“In der Schweiz enden mehr als 50% der Ehen in einer Scheidung und mit einem ganzen Strauss von Problemen für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder“, eine Anzahl von schätzungsweise 15‘000 pro Jahr (Comby).Die zu dieser Veranstaltung geladenen Experten sind sich einig, dass es keine Wunderlösung gibt, welche es erlaubt und ermöglicht, dass in sämtlichen Trennungen das Kindeswohl und die Interesse des Kindes vollumfänglich respektiert werden. Dafür existieren Werkzeuge um Konflikte zu verhindern und dramatische Auswirkungen zu vermindern.

Bei einer Trennung gibt es Spannungen, die oft auf Missverständnisse beruhen. Auf diesen Unverständnisse bauen sich oft zukünftige Spannungen auf, welche in einem offenen Konflikt oder gar in einem Drama enden können. Wenn im Rahmen einer Trennung eine qualifizierte Person, ein Mediator hilft, diese Missverständnisse aufzulösen, können viele potentiell explosive Situationen vermieden und entschärft werden (Agazzi).

Seit dem 1. Januar 2011 offiziell Bestandteil des Zivilrechts für Zivilverfahren (Teil 2, Absatz 2) kann die Familienmediation (1) vorteilhaft sein, wenn seitens der Eltern ein wirklicher Wille und die Fähigkeit zu Eigenmitverantwortung besteht. Im Fall aber, wo der Konflikt bereits ausgebrochen ist, kann sie zu einem zusätzlichen Mittel werden, um Meinungsverschiedenheiten zu schüren.

Trotz diesen Einschränkungen erreicht die Familienmediation eine Erfolgsquote von 75% und “schlägt einen anderen Zugang zur Trennung vor, welche die menschliche und affektive Dimension in das Zentrum stellt (…) und welche jedem einzelnen die Möglichkeit gibt, sich als echter Beteiligter angesichts der Trennung zu platzieren. Korrekt und professionell angewandt, erlaubt dieses Vorgehen die Trennung nicht nur so zu verstehen, wie sie von den Juristischen Akteuren übersetzt wird, sondern auch so, wie sie von den betroffenen Angehörigen und Eltern erlebt wird.” (Debons)  Ein anderes Instrument, welches im Parlament diskutiert wird, könnte die Einführung des gemeinsamen Sorgerechts (2) als Regel im Falle einer Scheidung oder einer Trennung sein. Geteilt, ist das Sorgerecht ein Werkzeug, welche es dem Kind erlaubt, von der erzieherischen Unterstützung beider Elternteile zu profitieren.

Diese Situation, ganz wie die Familienmediation, kann helfen, dramatische Fälle zu verhindern indem sie bereits von Beginn an potentiell konfliktgeladene Situationen im Keim erstickt, welche in Dramen, insbesondere Entführungen (3), enden könnten.

Schlachtross des Mouvement pour la Condition Paternelle du Valais (Métrailler) und von allen Experten und Interessengruppen gewünscht, wird das gemeinsame Sorgerecht als Regel vom Schweizerischen Verband alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV) bekämpft.
Die aktuelle Formel setzt voraus, dass die Eltern, welche diese Verantwortung teilen möchten, gemeinsam ein Übereinkommen zur zukünftigen Organisation der Familie ausarbeiten. Sie forciert auf diese Art und Weise die Eltern, gemeinsam zu überlegen, wie sie kommunizieren und über was sie gemeinsam entscheiden wollen. Wenn sie zur Regel wird, wird dieser gemeinsame Reflektionsprozess nicht mehr verlangt. Das Risiko besteht darin, dass der Konflikt fortgeführt wird und “die (ungelösten) Unstimmigkeiten der Eltern auf das Kind übertragen werden” (Agazzi). “In der Tat, um das gemeinsame Sorgerecht einzuführen, braucht es eine grosse Zusammenarbeit zwischen den Eltern. Einem der Elternteile das Sorgerecht aufzuerlegen, scheint mir folglich in der Praxis zufallsbedingt, wenn die Zusammenarbeit nicht naturgemäss im Interesse des Kindes erfolgt.” (Joris).

Somit können sowohl die Familienmediation als auch das gemeinsame Sorgerecht als Regel Dramen verhindern, wenn sie auf einem wirklichen Wille der beiden Elternteile gründen, das verliebte Paar in ein verantwortungsvolles Elternpaar zu transformieren.

Vom 1. Januar 2011 an kann der zuständige Richter, wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, einen Vormund (ein Anwalt des Kindes) bestimmen, welcher die Interesse des Kindes verteidigt (Art. 299 und 300 des Zivilrechts für Zivilverfahren). Dieser neue Akteur ist ein wichtiger Teil des juristischen Verfahrens, er hat die gleichen Rechte wie die Anwälte der anderen Partien: das Recht Rekurs einzulegen, das Recht Schriften abzulegen.

Wenn die Konflikte ausgebrochen sind, wenn die Eltern es nicht schaffen, eine Verständigungsgrundlage zu finden, um zufriedenstellende Lebensgrundlagen für ihre Kinder zu garantieren, ist der Vormund das Verfahrenselement, welches Abstand nimmt und sich auf die Interessen der Kinder konzentriert, ohne sich von der einen oder anderen Partie beeinflussen zu lassen. So kann er Situationen entschärfen, welche sich für die Entwicklung, aber auch die Sicherheit des Kindes, als gefährlich erweisen könnten.
Wenn das Kind von einem leidenden, aber wohlwollenden Elternteil weggenommen wird, findet der internationale Sozialdienst, welcher sich regelmässig solcher Situation gegenüber sieht, lebensfähige Lösungen für die Kinder, indem er mit der Mediation arbeitet. Wie Frau Debons unterstreicht Herr Widmer die Notwendigkeit,  dass der eine oder andere Elternteil einer Mediation zustimmt. Dieser Wille kann durch die Liebe ohne Anschuldigungen und ohne Bewertungen, welche die beiden Elternteile ihren Kindern entgegenbringen, genährt werden.

In einem System der Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Institutionen, muss diese Mediation von kompetenten Personen vorbereitet und durchgeführt werden. Es muss auch abgeklärt werden, ob die in diesem Rahmen getroffenen Entscheidungen im Interesse des Kindes sind. Und es muss eine Weiterverfolgung des Kindes und der getroffenen Entscheidungen garantiert werden, denn “wenn ein neuer Konflikt ausbricht, können die Reaktionen sich für das Kind als schädlich erweisen.”
Gemäss Widmer ist es notwendig, die Familie zu begleiten “auch wenn keine Lösungen, gar keine konkreten Ziele vorhanden sind; denn Menschen, die eine solche Situation erleben, sollten nicht allein gelassen werden.”

Ausserdem ist es utopische zu denken, dass man sämtliche Risiken für dramatische Situationen in unserer Gesellschaft eliminieren kann. Es müssen folglich Massnahmen vorgesehen werden, die extremen Situationen, wie wenn die physische oder psychische Gesundheit eines Kindes bedroht ist, entsprechen.

In diesem Rahmen ist seit Beginn des Jahres 2010 der Entführungsalarm im Einsatz, unteranderem Dank der Stiftung Sarah Oberson. Die Entführung durch ein Elternteil ist aber nicht ein Kriterium für seine Auslösung. Gemäss Varone bleibt das System verbesserungsfähig und die Gefährdung der physischen oder psychischen Integrität eines Kindes, auch durch eines seiner Elternteile, kann zu einer Nutzung dessen führen. Es gilt den Austausch von Informationen zwischen den zuständigen Institutionen und Dienststellen eines Kantons zu verbessern, damit die Gefährdung eines Kindes bestmöglich abgeschätzt werden und so angemessene Reaktionen für das Wohl des Kindes ermöglicht werden können.

Die Stiftung Sarah Oberson wünscht sich des Weiteren, dass die Schweiz rasch die europäische Nummer 11600 (das System wird von Herr Toutounghi auf Seite x beschrieben) übernimmt, damit den Familien, welche mit dem Verschwinden eines Kindes konfrontiert sind, aufmerksames Zuhören, hilfreiche Ratschläge und eine wohlwollende Unterstützung zu teil werden (…). Es handelt sich unserer Meinung nach um eine unentbehrliche Ergänzung des Entführungsalarmsystems.” (Comby)

Die grosse Herausforderung einer Trennung, in welche Kinder involviert sind, besteht darin, die elterliche Dimension eines Paares zu erhalten, wenn sich die eheliche auflöst. Für die Mehrzahl ist diese Transformation von Erfolg gezeichnet, unter anderem Dank der Instrumente, welche zur Verfügung stehen. Dramen existieren immer, aber der Gesetzgeber hat entschieden, sich Instrumente zu geben, um die Anzahl dieser zu vermindern. Diese Tendenz zeichnet sich noch nicht ab, da es sich leider um eine Problematik von grosser Aktualität handelt.

Clara Balestra, 06.02.2012

(1) “Die Familienmediation (…) besteht daraus, dass ein Prozess initiiert wird, in welchem ein neutraler und unparteiischer Dritter – der Familienmediator – den Eltern ein vertrauliches Terrain für Gespräche bietet und diese in der Erarbeitung von zufriedenstellenden Lösungen für alle Beteiligte begleitet (…). Dieses Vorgehen, basierend auf dem Dialog, zielt auf eine Beibehaltung der gemeinsamen Elternschaft über die Trennung hinaus ab und platziert die Interesse des Kindes ins Zentrum des Prozesses.” (Debons)

(2) “Das elterliche Sorgerecht ist die legale Macht der Eltern, notwendige Entscheidungen für das minderjährige Kind zu treffen. Sie beinhaltet insbesondere die Zuständigkeit, über die dem Kind zuteilwerdende Pflege zu bestimmen, seine Erziehung (einschliesslich der religiösen) zu seinem Wohl zu lenken sowie notwendige Entscheidungen zu treffen und über seinen Wohnort zu bestimmen.” (Joris)

(3) “Die überarbeiteten Bestimmungen beziehen sich ebenfalls auf die Bestimmung des Wohnsitzes. Der Elternteil, welcher einen Umzug wünscht, alleine oder mit dem Kind, muss im Prinzip die Zustimmung des anderen Elternteils erhalten, ausser wenn er in der Schweiz bleibt und der Wohnortswechsel die Ausübung des Sorgerechts nicht signifikant betrifft (so z.B. wenn die Distanz, welche die zwei Wohnorte trennt, dadurch nicht wesentlich verändert wird). Bei einem Rechtsstreit ist es am Richter oder des Schutzbeauftragten des Kindes zu unterscheiden.” Medienmitteilungen, Der Bundesrat, 17.11.2011

Redner :
Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson
Frau Doris Agazzi, Koordinatorin des Schweizerischen Verbands alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV)
Mme Christine Debons, unabhängige Mediatorin, im Auftrag des Schweizerischen Dachverbands Mediation (SDM-FSM)
Herr Christophe Joris, Bezirksrichter, Gericht von Martigny und St-Maurice
Herr Frédéric Métrailler, Mitglied des Mouvement de la Condition Paternelles Valais
Frau Patricia Michellod, Anwältin und Vormund im Kanton Genf
Herr Rolf Widmer, Direktor des internationalen Sozialdienstes (SSI), Genf
Herr Christian Varone, Kommandant der Kantonspolizei Wallis
Herr Yves Toutounghi, Generaldirektor der Stiftung Missing Children Switzerland

Auch : La médiation dans l’ordre juridique suisse.

Rede von B. Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson, am 09. November 2011

29 November 2011

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?

Sarah Oberson Konferenz 2011, Begrüssung von Herr Bernard Comby, Präsident der Stiftung Sarah Oberson

Sehr geehrte Damen und Herren,
Herzlich Willkommen.

Die Tragödie des Verschwindens der beiden Zwillinge Alessia und Livia zu Beginn dieses Jahres hat uns alle aufgeschreckt. Innerhalb der Stiftung Sarah Oberson haben wir uns gefragt, was notwendig wäre und was gemacht werden müsste, um zukünftig zu verhindern, dass die Trennung der Eltern für ihre Kinder in einem Drama endet?
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, diese Tagung der Sarah Oberson Stiftung 2011 zu organisieren und dieser aktuellen und wichtigen Problematik zu widmen, indem wir Ihre Aufmerksamkeit auf zu entwickelnde neue Lösungen lenken möchten.

Man muss wissen, dass in der Schweiz mehr als 50% der Heiraten in einer Scheidung enden, mit all ihren Problemen für die Eltern und vor allem für die betroffenen Kinder.
Sicherlich, die Scheidung ist Teil der Entwicklung unserer Gesellschaft und nicht notwendigerweise ein Unglück. Aber sie trägt in sich viel Leid für tausende von Kinder welche unfreiwillig von den Beziehungsbrüchen der Erwachsenen betroffen sind. Jedes Jahr sind ungefähr 15’000 Kinder ohne ihre Zustimmung und ohne ihr Zutun in dieses Abenteuer involviert. Sehr zum Glück, in der grossen Mehrheit dieser Fälle, finden sich für diese Situationen Lösungen auf gütlichem Wege, welche das Wohl der betroffenen Kinder respektieren.
Wir schätzen dass ca. 10% der Scheidungen Kampfscheidungen sind. Wovon einige gar zu extremen Situationen führen. So haben zum Beispiel in der Schweiz im vergangenen Jahr 102 Entführungen durch Eltern stattgefunden. Es handelt sich dabei um zerrissene Bi-nationale Paare, welche Situationen verursachen, wo Kinder durch einer der beiden Elternteile gar als Geisel genommen werden…

Welches sind die Lösungen, die es uns in der Zukunft erlauben, diese delikaten Fragen betreffend der Trennung oder Scheidung der Eltern besser zu regeln? Die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht, der Vormund des Kindes; es handelt sich hier um Lösungen, welche umgesetzt werden müssen um angemessene Antworten auf die gestellten und schmerzhaften Probleme zu geben.

Ich meinerseits denke, dass wir die Familienmediation bezüglich aller Trennungen und Scheidungen generalisieren müssten, in welche Kinder involviert sind. Man müsste sie obligatorisch machen! Die Empirien, welche in Frankreich in diesem Bereich verwirklicht wurden, haben überzeugende Ergebnisse ergeben. In der Schweiz wurden diesbezüglich ebenfalls überzeugende Erfahrungen gemacht. In Falle von Entführungen auf nationalem Niveau, oder gar internationalem Niveau, scheint die Mediation ohne Zweifel die vielversprechendste Lösung anzubieten. Aber man darf auch nicht die Möglichkeit ausschließen, die Kriterien der Auslösung des Entführungsalarmes zu erweitern, wenn die Integrität des Kindes gefährdet ist…

Die Stiftung Sarah Oberson wünscht sich auch, dass die Schweiz sich schnell mit der europäischen Nummer 116000 ausstattet, um ein aufmerksames Abhören, nützliche Ratschläge und eine wohlwollende Unterstützung für die Familien zu gewähren, die mit einer Kindesentführung konfrontiert wurden. Es scheint, dass der Bund ernsthaft dieses Problem aufgreifen will, mit der Unterstützung der in diesem Bereich spezialisierten NGOs. Wir ermutigen sie diesbezüglich von ganzem Herzen. Es handelt sich unserer Meinung nach um eine für das Entführungsalarmsystem unentbehrliche Ergänzung, welches ja in der Schweiz am 1. Januar 2010 in Kraft getreten ist.
Was die Lösung des gemeinsamen Sorgerecht betrifft, welches Thema von aktuellen Debatten ist, so sollte es ohne Zweifel zur Regel in allen Fällen von Trennung und Scheidung werden.
Im Übrigen wurde am 30. September 2011 in diesem Sinne ein Antrag soeben stillschweigend durch den Nationalrat gebilligt, und eine Änderung des Zivilgesetzbuches müsste, gemäss der Bundesrätin Simonetta Sommaruga, schnell erfolgen.
Sicherlich, es handelt sich nicht um ein Allerheilmittel, denn mehrere implizierte Maßnahmen erweisen sich als unentbehrlich, um das Wohl und das Interesse des betroffenen Kindes zu respektieren, gemäß dem internationalen Übereinkommen der Rechte des Kindes, welches durch die Schweiz ratifiziert wurde. Aber es ist Zeit, dass unser Land aus dem gemeinsamen Sorgerecht eine in allen Fällen anzuwendende generelle Regel macht. Persönlich ergreife ich die Gelegenheit dieses Abends, um einen Aufruf zugunsten dieser Lösung zu machen.

Indem das Wohl des Kindes in das Zentrum dieses Gesellschaftsphänomens gelegt wird, will die Tagung Sarah Oberson 2011 einige Vorrichtungen, welche teilweise oder experimentell in diesem Land umgesetzt wurden, sei es unteranderem die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht oder die Vormundschaft des Kindes, reflektieren.
Indem diese Praktiken mit der Realität des Alltages konfrontiert werden, werden uns die Vorträge wie auch der Runde Tisch zweifelslos die gewünschten Antworten liefern.
Bereits jetzt danke ich herzlich allen Rednern dieses Abends, die uns die Ehre ihrer Anwesenheit machen und so ihre Freundschaft ausdrücken und möchte Ihnen allen diesen Gedanken von Félon widmen :

“Das Kind ist wie eine angezündete Kerze, welche im Wind steht : sein Licht flackert ununterbrochen. »

News um jeden Preis

3 August 2011

News of the world legt sich mit der Familie eines vermissten Kindes an.

Die Familie von Milly (Amanda Jane) Dowler hat neulich eine Schadenersatzklage gegen die Zeitung News of the world eingereicht. Der Skandal der missbräuchlichen Abhörungen, der derzeit ganz Grossbritannien erschüttert, verschont auch die Familie dieses vermissten Kindes nicht.

Im März 2002 verschwand die 13-jährige Milly Dowler, als sie von der Schule auf dem Heimweg war. Sobald ihr Verschwinden bekannt wurde, beauftragte das Blatt News of the world einen privaten Ermittler, ihm die Telefonnummern der Familie zu beschaffen. Dank diesen unrechtmässig erlangten Informationen knackte das Blatt das Mobiltelefon von Milly und fing deren Meldungen ab. Versuchten Eltern und Freunde, mit dem Mädchen über deren Mobiltelefon in Kontakt zu treten, so nahmen die Journalisten die Botschaften auf.

Bereits in den ersten Tagen nach dem Verschwinden des Mädchens war die Combox bald einmal voll und nahm keine zusätzlichen Anrufe mehr auf. Da die erlangten Information News of the World nicht genügten, leerte das Blatt kurzerhand die Combox des Telefons.

Die Folgen waren scheusslich. Einerseits hatten die Ermittler keinen Zugang zu den Informationen, die für den Verlauf der Untersuchung entscheidend hätten sein können. Andererseits weckte das Blatt bei der Familie unberechtigt Hoffnung, indem sie glaubhaft machte, Milly habe ihre Combox selber gelöscht, und so den Schluss zuliess, sie sei möglicherweise noch am Leben. Leider war Milly zu diesem Zeitpunkt bereits tot. Das Urteilsverhandlungen des Mörders fanden im Juni 2011 statt.
Weiterhin auf der Suche nach Sensationen führte die Zeitung mit der Familie ein Exklusivinterview. Diese brachte darin prompt das Wiederaufleben der Hoffnung zur Sprache, das in Wirklichkeit jedoch auf die seltsamen Praktiken der Zeitung zurückging.

Nach den Enthüllungen über die Rolle der Zeitung in den ersten Tagen der Ermittlungen haben die Eltern von Milly Dowler entschieden, das Blatt vor Gericht zur Rechenschaft zu ziehen, weil es in die Nachforschungen über den Aufenthalt ihrer Tochter eingegriffen und so durch sein Tun bei den Eltern falsche Hoffnungen geweckt hatte.

Die ungeheure Reaktion der britannischen Öffentlichkeit auf diese Enthüllungen hat zur Schliessung der Zeitung geführt. Sie hat im Weiteren bewirkt, dass eine Lawine von Ermittlungen und Untersuchungen über die Praxis des Knackens von Mobiltelefonen und über die Ethik des Journalismus losging, die weit über den Platz der betroffenen Zeitung hinausgeht und die höchsten Schichten der britischen Staatsgewalt betrifft.

Information aus dern Artikel Missing Milly Dowler’s voicemail was hacked by News of the World, The Guardian vom 4. Juli 2011, und aus  Murder of Milly Dowler, Wikipedia

Wie leben mit einem vermissten Kind ?

18 Juli 2011

Wie leben mit einem vermissten Kind ? Um besser verstehen und helfen zu können, bessere wissenschaftliche Erkenntnisse betreffend der  spezifischen Besonderheiten dieser von Familien erlebten Situationen des Vermissens eines Kindes in ungeklärten Umständen und über eine lange Zeitdauer. Diese Fälle sind glücklicherweise selten, was andererseits aber auch die wissenschaftliche Forschung einschränkt. Die Fondation Sarah Oberson appelliert trotzdem an die Wissenschaft, sich dieser Frage anzunehmen.

Verschiedene Schritte wurden von der Fondation Sarah Oberson unternommen,  um wissenschaftliches Material bezüglich der „Trauer in der Schwebe“ zusammenzutragen. Eine Situation, welche von Familien, deren Kinder unter ungeklärten Umständen vermisst werden und welche seit langer Zeit auf Nachricht warten, erlebt wird.

Texte über die Trauer von Familien welche Angehörige vermissen existieren, aber sie greifen oft nur Gewaltsituationen auf – wie zum Beispiel Entführungen (Argentinien, Balkan). Trotzdem können solche Texte helfen, die Situation eines ungeklärten Verschwindens eines Menschen besser zu verstehen, da sie sich in einem Punkt ähnlich sind, nämlich im Mangel an Informationen über die Abwesenheit der geliebten Person.

“Im traditionellen Gedankengut haben die Trauerriten zum Ziel, die Seele des Verstorbenen zu beruhigen und sie in die Welt der Toten zu geleiten und dort zu belassen, damit sie nicht zurückkehrt, um die Überlebenden zu quälen und ihnen zum Nachteil zu gereichen ” (Probst Favret, S. 109).
Wenn jedoch ein geliebter Mitmensch vermisst wird “bleiben die Familien in der Schwebe, in der größtmöglichen Ungewissheit. Wenn ihre vermissten Angehörigen kein Lebenszeichen mehr geben, sind sie zweifellos gestorben. Aber nichts lässt den Tod als Tatsache, als Begebenheit festhalten: weder Sprache, noch Bilder, noch Ritual. (…) Die Familien verbleiben auf der Schwelle (in Latein limen) des Todes, der Witwenschaft, der Trauer. Und diese transitorische Etappe wird, von der Stille, ständig aufrechterhalten” (Verstraten, S. 75-76).
“Wie kann jedoch in dieser schwebenden Trauer eine mentale Auseinandersetzung mit der Trennung stattfinden?” (Probst Favret, S. 108) ” Kann man wirklich von Trauer sprechen, in dem Sinne als zu keinem Zeitpunkt der Tod erwiesen war, und insofern auch nicht als Ausgangspunkt für eine Trauerarbeit zur Verfügung stand?“ (Probst Favret, S. 102)

Betreffend Entführungen unterstreichen Verstraten und Probst Favret die Bedeutung der kollektiven Praktiken der Ritualisierung  welche den Familien helfen, den Verlust und die Ungewissheit zu überleben. Die Manifestationen von den Müttern de la Plaza de Mayo ermöglichten es während der Diktatur den Menschen, welche in der Stille des Regimes verschwanden, ein Gesicht und Wirklichkeit zu geben (Verstraten). Die gemeinsamen Gedenken in Srebrenica erlaubten es den Familien anhand einer Zeremonie, der Erinnerung an ihre geliebten Vermissten auch ohne Beerdigung Ausdruck zu verleihen (Probst Favret). Die zahlreichen Monumente der Erinnerung, welche überall auf dieser Welt errichtet wurden, sind ebenfalls Zeugen dieser Notwendigkeit, die Abwesenden zu repräsentieren.
Die gemeinsamen Praktiken der Ritualisierung unterliegen einem historischen Moment, einer von der Gemeinschaft, von der Nation erlebten Situation. Der Tod von Vermissten kann aus dem historischen Zusammenhang heraus, als wahrscheinlich, wenn auch nicht sicher, betrachtet werden.

So beschreibt Probst Favret in seinem Artikel den Prozess der Besänftigung einer Familie, deren Vater in Srebrenica verschwunden ist. Dieser Familie ist es gelungen ” durch einen Abschied- und Trauerprozess zu gehen, jedoch den einer besonderen Trauer, nämlich die “einer auf die Abwesenheit zentrierte Trauer” (…). Diese besondere Form der Trauer, die auf einer starken Vermutungen eines möglichen Todesfalles beruht, hat es in der Therapie erlaubt, ohne Zweideutigkeiten an den Vermissten zu erinnern und somit der Familie zu ermöglichen, psychisch wie auch sozial diese Abwesenheit, mit ihren Dimensionen von Verlust und von Vermutungen betreffend des Todes, zu verarbeiten.  Dieses Andenken erlaubte den Ausdruck von Gefühlen und Bindung, wie auch die Suche nach Erinnerungen, welche die Verinnerlichung des Bandes, trotz Abwesenheit in der Realität, ermöglichte” (S. 109).

Es muss erwähnt werden, dass die Anerkennung der Existenz dieser Vermissten, deren Gedenken und die innere Verbindung mit ihnen zwar erlaubt, in dem Abschiedsprozeß vorwärts zu schreiten, gleichzeitig aber keine endgültige Antwort bringen kann, da “die Abwesenheit (des Körpers) immer eine Hoffnung von Überleben erzeugt, wenn auch nicht immer im positiven Sinne” (Probst Favret, S. 108).

Für Kinder oder Erwachsenen, welche unter ungeklärten Umständen verschwanden, finden gemeinsame und historische Dimensionen nicht statt. Zudem kann der Tod weder als sicher noch als wahrscheinlich betrachtet werden.

Wie kann also das Warten ritualisiert werden, ohne symbolisch die verschwundene Person “zu töten”? Wenige Antworten konnten dazu zurzeit in der wissenschaftlichen Literatur gefunden werden.
Nach Bowers und Boss haben die Familien ohne Informationen bezüglich einer Klärung der Situation keine andere Wahl, als mit dem Paradox der Anwesenheit-Abwesenheit der geliebten Person zu leben. Der einzige Faktor, welcher die Eltern denken  lassen könnte, dass ihr Kind gestorben ist, ist ihr persönlicher Entscheid, dies zu tun. Wenn jedoch diese Wahl getroffen wird, besteht die Möglichkeit, dass die Eltern den Eindruck erhalten, dass sie selber ihr Kind „töten“. Und was wäre, bestände auch nur der kleinste Hoffnungsschimmer, ihr Kind lebend wiederzufinden? Nach Boss können diese Familien jedoch, durch Unterstützung und Widerstandskraft, die Fähigkeit zu betrauern, was verloren ging, und gleichzeitig anzuerkennen, was möglich ist, erlernen. (DeYoung,S. 359)

Gemäss Boss braucht es, um besser verstehen und helfen zu können, bessere wissenschaftliche Erkenntnisse betreffend der  spezifischen Besonderheiten dieser von Familien erlebten Situationen des Vermissens eines Kindes in ungeklärten Umständen und über eine lange Zeitdauer. Diese Fälle sind glücklicherweise selten, was andererseits aber auch die wissenschaftliche Forschung einschränkt. Die Fondation Sarah Oberson appelliert trotzdem an die Wissenschaft, sich dieser Frage anzunehmen.

Clara Balestra, 18.07.11


Boss, P. (1999). Ambiguous loss: Learning to live with unresolved grief. Cambridge, MA: Harvard University Press.

Bowers Duane T. (2007), A Child Is Missing : Providing Support for Families of Missing Children, National Center for Missing and Exploited Children, Alexandria, Virginia.

CICR (2003) «Les disparus: Action pour résoudre le problème des personnes portées disparues dans le cadre d’un conflit armé ou d’une situation de violence interne et pour venir en aide à leurs familles», Conférence internationale d’experts gouvernementaux et non-gouvernementaux Genève, 19 – 21 février 2003. http://www.icrc.org/fre/assets/files/other/irrc_849_disparus.pdf

Probst Favret Marie-Corinne (2009), «Enfants de père porté disparu: le deuil suspendu», in Betty Goguikian Ratcliff et Olivier Strasser (dir.), Clinique de l’exil. Chroniques d’une pratique engagée, Chêne-Bourg: Editions Georg, pp. 101-110.

Verstraeten Alice (2006), «La “ disparition forcée ” en Argentine. Occultation de la mort, empêchement du deuil, terreur, liminalité», Frontières, vol. 19, n° 1.

Young Robert, Buzzi Barbara (2003), Coping Strategies : the Differences among Parents of Murdered or abducted, Long-term Missing Children, Saint Thomas University, Miami, Florida, Omega, Vol. 47(4), p. 343-360.

Links
International Comittee of the Red Cross, Missing persons.

Letzte Aufforderung für die Umsetzung der 116 000

30 November 2010

…14 Mitgliedstaaten der EU wurden dazu aufgerufen, durch die Europäische Kommission zu handeln, “damit sie die europäische Rufnummer 116 000 sobald wie möglich in Betrieb nehmen…”

In einer Mitteilung vom 17. November 2010 sind vierzehn Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) dazu aufgerufen worden, durch die Europäische Kommission zu handeln, „damit sie sobald wie möglich die europäische Rufnummer 116 000 – die Hotlinenummer, welche der Meldung vermisster Kinder dient – in Betrieb nehmen. Es handelt sich um eine einheitliche Rufnummer, welche es den vermissten Kindern und ihren Eltern erlaubt, im gesamten EU-Raum Hilfe zu erhalten“. Falls diese letzte Mahnung zwecklos bleibt, zieht die Kommission in Betracht, gesetzliche Massnahmen zu ergreifen.

2007 hat die EU dafür gesorgt (Entscheidung 2007/116/EG), dass die Nummer 116 000 von allen EU-Mitgliedstaaten als Hotline reserviert wird. 2009 (Richtlinie 2009/136/EG) verlangt sie, dass alles daran gesetzt wird, die Inbetriebnahme der Hotline 116 000 bis 25. Mai 2011 zu gewährleisten. Sie verlangt ebenfalls von ihren Mitgliedern, dass sie dazu wirkungsvolle Informationen zur Verfügung stellen. Mehrere europäische Staaten verfügen bereits über eine Rufnummer für vermisste Kinder. Da die ersten Stunden nach einem Verschwinden besonders wichtig sind, versucht die EU durch diese Richtlinie, die Hilfsdienstleistungen unter einer einzigen Nummer zusammenzuführen, damit den Eltern und Kindern, die ausserhalb ihres Heimatstaates reisen, die Behördengänge erleichtern werden.

Trotz der Bemühungen der Kommission, verfügen im November 2010 nur 12 Staaten über einen solchen Dienst (im Vereinigten Königreich ist dieser Dienst nur teilweise in Betrieb).

Nach Ansicht der Europäischen Kommission verzögern zwei Hindernisse die Inbetriebnahme der einheitlichen Rufnummer für vermisste Kinder auf dem ganzen Kontinent:

- Die unzureichende Information der Öffentlichkeit und der Betreiber bei der Inbetriebnahme des Systems, sobald die Nummer freigeschaltet ist;

- Die fälligen Kosten: bei einer Freischaltung von 24 Stunden am Tag und 7 Tagen die Woche, der Notwendigkeit von qualifizierten Mitarbeitern und der Notwendigkeit eines mehrsprachigen Dienstes.

In ihrer Mitteilung vom 17.November 2010 drängt die Kommission alle ihre Mitglieder dazu, ihre Richtlinie umzusetzen, indem sie dafür sorgt, dass „alle Mitgliedstaaten die gleiche Qualitätsdienstleistung erbringen“. Zu diesem Zweck schlägt sie minimale gemeinsame Normen vor:

- Der Dienst muss in der(n) Sprache(n) des Mitgliedstaats und zumindest in Englisch zur Verfügung stehen.

- Entsprechend geschulte Mitarbeiter.

- Grenzübergreifende Fälle müssen an die zuständigen Behörden weiterverwiesen werden.

- Gegebenenfalls müssen nach Erledigung des Falls weitere Leistungen angeboten werden.

- Der Diensteanbieter muss mit den nationalen Strafverfolgungsbehörden und/oder Justizbehörden eine Kooperationsvereinbarung schliessen.

Die Kommission unterstützt ihr Vorgehen, indem sie den Austausch bewährter Verfahren durch periodische Beurteilungen und die Organisation jährlicher Zusammenkünfte auf hohem Niveau erleichtert.

Angesichts ihrer von EU-Staaten umgebenen geographischen Lage, muss die Schweiz in Betracht ziehen, in dieser Richtung zu handeln. Nach der Einführung des Entführungsalarmsystems am 01.01.2010, scheint der nächste logischste Schritt die Inbetriebnahme einer einheitlichen Rufnummer 116 000, zur Hilfe und Unterstützung der Kinder und Eltern im Falle eines Verschwindens des Kindes zu sein. Wird man eine weitere Tragödie in der Art derjenigen, welche der Einführung des Entführungsalarmsystems vorausgegangen ist (siehe Ein Drama um die Dinge voranzutreiben) abwarten müssen?

Wichtige Links:

- Missing Child Europe

- 116’000 hotline

- «The European Telephone Number for Missing Children : Best Practices and Recommendations »

(Français) LA SUISSE SORT ENFIN DE SA LETHARGIE EN MATIERE D’ALERTE-ENLVEMENT

8 April 2009

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