In St-Maurice Schule wird die Vielfalt gefeiert

14 November 2017

Am 20. November 2017 feiern die Grundschule St-Maurice/Lavey und die Sarah Oberson Stiftung (SOS) den internationalen Tag der Kinderrechte und die 20 Jahre seit der Ratifizierung der Kinderrechtekonvention durch die Schweiz zum Thema der Diversität.

Seit Schulbeginn und den ganzen Herbst über arbeiten die Lehrenden und die SOS zusammen um diese Feier zu organisieren. Mithilfe der pädagogischen Arbeitsmaterialien zum Thema Vielfalt – ein Werkzeug des IDE, welches zum Ziel hat die Kinderrechtekonvention im schulischen Umfeld auf nationalem Niveau in die Praxis umzusetzen – haben die Schüler verschiedenste Aktivitäten entwickelt : Fotowände, Malereien, Lieder, Verkostungen, Fotoromane, Autoportraits etc.

Diese Aktivitäten und noch mehr – der Bibliobus wird auch dabei sein – werden den Familien und der Gemeinde von St-Maurice im Rahmen einer Feier präsentiert am

20. November 2017 zwischen 17.00 – 19.00 Uhr

in der Grundschule St-Maurice

Je nach Erfolg dieses Projekts, erwägt die SOS diese Aktion mit anderen Gemeinden des Kantons, darunter das Oberwallis, in den kommenden Jahren weiterzuführen.

Die Sarah Oberson Stiftung will dadurch beweisen, dass die Kinderrechte nicht nur eine Liste auf einem Dokument ist, sondern dass diese im Alltag nützliche Instrumente sind, welche ein „Zusammenleben“ in Respekt für das Gegenüber im familiären, schulischen Bereich sowie auf Ebene der Gemeinde und der Gesellschaft generell ermöglichen.

Da die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräusserlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet“

(Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte).

 Photo : bDom, flickr/creative commons

Das Verschwinden von MNA : kein systematische Meldung an Polizei

5 September 2017

Wie im Rest von Europa, sind auch im Wallis die „Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen (MNA) häufig. Dem Asylamt nach waren es 5 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 der Fälle wurden in 2016 der kantonalen Polizei gemeldet.“

Auszüge aus den Arbeiten der Studierenden der HEVs, Herr Yannick FROSSARD und Herr Samuel MORARD (Bachelorarbeit), Frau Celia MACEIRAS und Frau Noémie MOREND (Wahlfacharbeit), im Auftrag des Stiftung Sarah Oberson.

„Keine Statistik wurde zu diesem Thema offiziell veröffentlicht. (Gemäß dem) Staatssekretariat für Migration (SEM), (…) befindet sich die Rate der unkontrollierten Weggänge aus den Bundeszentren zwischen 5 und 10% aller Asylantragender, Kinder mit inbegriffen. Dabei muss erwähnt werden, dass auf föderalem Niveau die Antragstellenden ihre Verfahren in einem Zentrum des SEM beginnen und im Schnitt 4 bis 5 Wochen dort bleiben. In dieser Zeitspanne zeigt sich ʻaus Erfahrung, dass einige Antragstellende das Zentrum verlassen, ohne anzugeben warum und wohinʼ.“ (TB, S. 70-71)

Den internen Daten des SEM zufolge „haben in 2015 2.739 MNA einen Asylantrag in der Schweiz gestellt und es gab 129 Verschwinden (4.7%); in 2016 waren es 1.999 Asylanträge und 400 Verschwinden (20%). Trotz der sinkenden Zahl der Antragstellenden kann festgestellt werden, dass das Verschwinden ein zunehmendes Phänomen ist. In 2015 wurden 115 getrennte Kinder dem Wallis zugeteilt und 92 in 2016: in diesen Jahren gab es jeweils 11 und 12 Verschwinden (gemäß den Zahlen des SEM).“ Dem Asylamt des Kanton Wallis zufolge (…) gab es 5 Verschwinden von MNA in 2013-2014 und 16 in 2015-2016 vom Wallis aus. „Diese Diskrepanz zu den Daten des SEM (N=23 in 2015-2016) erklärt sich dadurch, da das Asylamt nur jene Verschwinden von Kindern erfasst, die von en kantonalen Betreuungsinstitutionen angezeigt wurden, ʻohne die UMA zu berücksichtigen, die dem Kanton Wallis zugeteilt wurden, aber bereits aus den Registrierungszentren verschwunden sind und niemals im Kanton Wallis angekommen sindʼ“. (TB, S. 71)

„Es existiert (ebenso) eine große Diskrepanz zwischen der Anzahl der verschwundenen Kinder gemäß dem Asylamt und den erfassten Daten im RIPOL (digitalisiertes Fahndungssystem der Polizei). Daraus kann abgeleitet werden, dass die UMA, welche aus den Walliser Ankunftszentren verschwinden nicht systematisch (der Polizei) gemeldet werden. Diese Kinder werden demnach nicht gesucht. Dabei besteht die gesetzliche Meldepflicht auch für andere Bereiche des Lebens (…). Genau wie Hedjam (2010), denken wir, dass die Art und Weise der Behandlung der Verschwinden asylbeantragender Kinder durchaus als eine Form von “Diskriminierung” angesehen werden kann und somit eine Verletzung des Artikel 2 der KRK (UNO, 1989) darstellt.“ (TB, S.71).

Es gilt zu betonen, dass wir hier nur von einer eventuellen Diskriminierung hinsichtlich der Meldung bei der Polizei sprechen nicht aber hinsichtlich der gewährten Pflege und Behandlung der in den Zentren untergebrachten Kinder.

Dazu kommen alle nicht erfassten MNA. „Die Zahlen zu den verschwundenen asylantragstellenden Minderjährigen beziehen sich auf jene, die die Zentren, in denen sie platziert wurden, verlassen haben, ohne dass diese den Behörden gemeldet wurden. Diese Zahlen bleiben daher ungenau, da eine große Anzahl der jungen Personen nicht registriert wurden und demnach nicht als vermisst gemeldet werden können. (Cornaglia, 2016).“ (ML, S. 38)

„… Qualitative Studien werden zum besseren Verständnis des Phänomens der verschwundenen MNA im Wallis benötigt, damit passende Präventionsmaßnahmen umgesetzt werden und die Kinderrechte besser respektiert werden können.“ (TB, S. 70-71)

Die gesammelten Zahlen müssen durch andere Daten ergänzt werden, damit die Tragweite verstanden werden kann. Die Stiftung Sarah Oberson organisiert die Tagung zum Thema Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens (französich), 18.10.2017, 14h00-17:00, in Stiftung Kurt Bösch, Bramois/Sion. Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

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(1)   Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

HEDJAM, S. (2010). Verschwinden, freiwilliges Verschwinden, Flucht. Zu viele Kinder in Europa? Studien geführt in Belgien, Spanien, Frankreich und der Schweiz zu den Verschwinden von ausländischen unbegleiteten Minderjährigen in Betreuungseinrichtungen. Terre des Hommes. Bern: Stämpfli Publications SA.

CORNAGLIA, A. (2016). Wie viele, wer, wo und warum? Bilanz zu den verschwundenen unbegleiteten ausländischen Minderjährigen in Europa. https://eulogos.blogactiv.eu/2016/05/11/combien-qui-ou-et-pourquoi-le-point-sur-les-mineurs-etrangers-non-accompagnes-disparus-en-europe/. (Besucht am 07.09.2016).

Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens

28 August 2017

Im Wallis gab es zwischen 2014 und 2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

Die Sarah Oberson Stiftung hat zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit der HES-SO Valais-Wallis eine quantitative Studie zu dem Weglaufen im Wallis erstellt. Seit mehreren Jahren verlangt die Stiftung die Einführung nationaler Statistiken zu verschwundenen Kindern. Diese Studie ist ein erster Schritt in diese Richtung (1).

Ziel der Sarah Oberson Stiftung ist es das Ausmaß dieses Phänomens besser einzuschätzen, damit weitere wissenschaftliche Studien angeregt werden können, welche es möglich machen Präventionsstrategien und adäquate Antworten zu entwickeln.

Um die Wichtigkeit dieses Dokuments hervorzuheben und insbesondere die Diskussion zu diesem Thema in unserem Kanton anhand der Studienergebnisse anzuregen, organisiert die Sarah Oberson Stiftung am 18.10.2017 eine halb-halbtägige Tagung (14.00 – 17.00 Uhr) in der universitären Stiftung Kurt Bösch, Bramois (französich). Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

Die SOS nutzt diesen Artikel um den Studierenden für ihre sorgfältige Arbeit; der HES-SO Valais-Wallis für seine Kollaboration; der Walliser Kantonalpolizei sowie dem kantonalen Jugendamt für ihre Hilfe bei dem Zugang zu den notwendigen Daten sowie bei der Erklärung der entsprechenden Protokolle im Falle eines Weglaufens von Kindern, zu danken.

Weiter finden Sie das Resümee der Daten der Studie, durchgeführt von den Herren Yannick Frossard und Samuel  Morard im Rahmen ihrer Bachelorarbeit ((2), S. 75-76).

Zusammenfassung der Daten:

-    Im Wallis gab es zwischen 2014 und  2016 insgesamt 1.074 Weglaufen, welche im nationalen Verzeichnis der elektronischen Fahndung der RiPol Polizei erfasst wurden. Dies bedeutet, dass permanent durchschnittlich 7 Weggelaufene als vermisst gemeldet werden.

-    Diese Weglaufen ereignen sich hauptsächlich in Heimen (n=867, gleich 80,7%), von zu Hause aus (n=143, gleich 13.3%) und von pädopsychiatrischen Krankenhäusern aus (n=55, gleich 5.1%). Einige Fälle wurden von Schulen, Pflegefamilien und Aufnahmezentren von unbegleiteten Minderjährigen aus gemeldet.

-    Die Verschwinden von unbegleiteten Minderjährigen sind häufig. Gemäß dem Asylbüro gab es 5 in 2013-2014 und 16 in 2015-2016. Nur 4 Fälle wurden der WKP gemeldet, alle davon in 2016.

-    Die Weglaufen werden hauptsächlich von Jungen begangen (n=644, gleich 60%). Von zu Hause aus gibt es genauso viele Weglaufen von Mädchen (n=71) wie von Jungen (n=72), und aus Krankenhäusern viermal mehr Weglaufen von Mädchen (n=44) als von Jungen (n=11); es sind also die Weglaufen von zu Hause aus, welche einen Einfluss auf die maskuline Überrepräsentation haben (n=310; n=557).

-    Insgesamt sind die 1.074 Weglaufen ein Ergebnis von 373 Kindern: das Problem der Rückfälle ist also zentral. Das Weglaufen ist eine einmalige Periode für knapp die Hälfte der davongelaufenen Kinder (45.8%), aber die rückfällig werdenden Kinder machen den Hauptbestandteil der Fälle aus (84.1%). Im Schnitt werden Personen zweimal rückfällig.

-    Ein Anstieg kann im Laufe des studierten Zeitraums festgestellt werden (von 315 in 2014 auf 420 in 2016). Dieser Anstieg manifestiert sich nur in den Heimen (von 234 auf 356, sprich +52.1%).

-    Ein Weglaufen ereignet sich im Durchschnitt alle 30 Stunden von einem Heim aus (n=867).

-    Vom familiären Wohnsitz aus wird im Schnitt einmal pro Woche ein Weglaufen zur Anzeige gebracht (n=143). 91 Kinder sind von zu Hause weggelaufen, ein oder mehrere Male. Mindestens 28 von ihnen wurden danach in Heimen oder Krankenhäusern untergebracht, von wo aus sie wieder wegliefen.

-    Bezüglich des Alters der Weglaufenden befindet sich der Durchschnitt bei 15 Jahren. Es gibt wenige Weglaufen von Kindern unter 12 Jahren (n=8) und der größte Teil der Kinder unter 13 Jahren ist von Heimen aus weggelaufen (n42/45, sprich 93.3%).

-    Das Weglaufen dauert in der Regel 7.4 Tage (n=7919÷1.074): diese Daten sind signifikanten Abweichungen des Geschlechts unterworfen (8.2 Tage bei Jungen und 6.1 Tage bei den Mädchen). Das Alter des Weglaufenden spielt eine wichtige Rolle bei der Dauer eines Weglaufens und schwankt bei den 12-13 Jährigen bei rund 4 Tagen und bei den 17-jährigen bei mehr als 9 Tagen.

-    Die Meisten Weglaufen sind innerhalb einer Woche beendet (n=832, sprich 77.5%). 119 Fluchtmeldungen  wurden am gleichen Tag widerrufen. Ein Tag nach dem Weglaufen wurden ein Drittel der Meldungen widerrufen (n=357). Es gibt auch 16.4%, welche 7 bis 30 Tage dauern (n=176) und 6.1% mehr als 30 Tage (n=66). Der Anteil der langanhaltenden Weglaufen erhöht sich mit dem Alter: er steigt von 16.7% für die 12-14 Jährigen (n=45/269) auf 22.9% für die 15-16 Jährigen (n=137/597) bis zu 30% für die17-jährigen (n=60/200).

-    Die Anzahl der Meldungen hängt von den jeweiligen Monaten ab. So gibt es im Februar (n=62) und im Juli (n=62) zweimal weniger Weglaufen als im Monat Mai (n=119) und im September (n=117).

-    Die Nationalität scheint kein besonderer Risikofaktor zu sein: die Weglaufen sind Akte von Besitzern der schweizerischen Nationalität (61.5%), Bewohnern der Europäischen Union (22.4%), anderen europäischen Ländern (3.5%) und anderen Kontinenten (11.7%).

(1) KONTAKT : Guillaume Grand, Stiftung Sarah Oberson, Vizepräsident des Stiftungsrates, 076 421 39 71, info@sarahoberson.org

(2) Yannick Frossard et Samuel Morard (2017), Fugues en sol valaisan : phénomène mineur ?, mandaté par la Fondation Sarah Oberson, Travail de Bachelor pour l’obtention du diplôme Bachelor of Arts HES·SO en travail social Haute École de Travail Social − HES·SO//Valais – Wallis

Anstieg der « vermissten Kinder » auf die westliche Agenda – Europa

15 Mai 2017

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff „Verschwinden“ heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten (…) spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Europa folgt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Europa folgt dem Beispiel jenseits des Atlantiks mit beinahe einem Jahrzehnt Verzögerung. Tatsächlich entsteht in Belgien 1996 aufgrund der Dutroux Affäre und der darauffolgenden imposanten Volksbewegung, die Idee einer NGO, welche sich speziell für den Kampf gegen das Verschwinden und die sexuelle Ausbeutung von Kindern einsetzt. Die Eltern der Opfer und die belgischen Behörden lassen sich direkt vom NCMEC (Child Focus, undatiert) inspirieren, was in 1998 zu der Entstehung des Europäischen Zentrums für vermisste und sexuell ausgebeutete Kinder führt und heute unter dem Namen Child Focus aktiv ist. In 2001 gründen Child Focus und andere NGOs Missing Children Europe (MCE), ein Dachverband der sich dank der finanziellen Unterstützung der Europäischen Kommission und der „First Ladies“ mehrerer Staaten schnell entwickelt und heute ein Netzwerk bestehend aus 32 Organisationen aktiv in 26 Ländern koordiniert.

Aufgrund dieses Ursprungs basiert daher der europäische Ansatz auf dem USA- Modell. Der Ansatz teilt insbesondere die weitreichende Definition des Problems, eine Vision die auf einer schnellen Intervention und der Assoziierung von Verschwinden mit dem Thema der sexuellen Misshandlung an Kindern, basiert. Im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten, wo das NCMEC Spezialeinheiten für die Suche nach Kindern und der Gerichtsmedizin hat, kümmern sich die NGOs in Europa nicht direkt um die Suche von Kindern. Sie überlassen diese Aufgabe normalerweise den Einheiten der Polizei, mit welchen sie fortan eng zusammenarbeiten und konzentrieren sich auf die familiäre Unterstützung.

Der Aufschwung hinsichtlich der Thematik zu den „vermissten Kinder“ auf dem europäischen Kontinent ermöglicht es den spezialisierten NGOs enge Kontakte mit den Verfechtern der Kinderrechte zu knüpfen. Diese Verbindungen kreieren sich insbesondere rund um die gemeinsamen Themen, wie dem Menschenhandel, der sexuellen Ausbeutung oder der Gewalt an Kindern. Die Ernennung im Mai 2014 der Präsidentin des MCE, Frau Boer- Buquicchio, ist von großer Bedeutung, da sie den Posten der Sondersprecherin der Vereinten Nationen zum Kindeshandel, zur Prostitution von Kindern und zur Pornographie, welche Kinder zur Schau stellt, innehat und eben dieses ein wichtiger Punkt im UN-Dokument zur Umsetzung der Kinderrechtekonvention (KRK) ist.  Die Präsidentin gibt dem Thema der „vermissten Kinder“ eine starke globale Resonanz und scheint, noch stillschweigend, die von Experten erforschte enge Verbindung zwischen dem Verschwinden und der sexuellen Ausbeutung, sehr ernst zu nehmen.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/


[1] Faire le link avec l’édito sur les Etats-unis

Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda – Die Vereinigten Staaten

8 Mai 2017

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff “Verschwinden” heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten, welche die ersten Gesetze zum Kidnapping während des 20. Jahrhunderts verabschiedet haben, spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Die 80er Jahre sind diesbezüglich ein Wendepunkt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Zwischen 1979 und 1981 wird den USA mit einer Serie von Entführungen und Morden an Kindern durch Unbekannte zugesetzt. Diese Verbrechen resultierten in viel emotionaler Aufregung seitens der Bevölkerung und Eltern organisierten sich, oft in Form von NGOs, um eine stärkere Handlung von Seiten der Regierung zu fordern. Ihre Bemühungen trafen sich mit denen anderer Organisationen, welche tätig werden in Fällen von elterlicher Kindeswegnahme, welche versuchen die Behörden, Presse und die Öffentlichkeit von der Gefahr dieser Handlung zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt entsteht die Idee, verschiedene Situationen einer physischen Trennung zwischen Eltern und Kindern (Bsp. Elterliche Kindesentführung, Entführung durch Fremde, Kidnapping, Flucht) unter dem Begriff „Vermisste Kinder“ (missing Children) zu vereinen. Eine Kategorie, die bis dahin aus der politischen Debatte ausgelassen wurde (Best, 1987, S.105). Es handelt sich dabei einerseits darum die Kriterien zu interpretieren um ein Kindesverschwinden so umfassend wie möglich zu definieren, indem Zusammenhänge zwischen den Phänomenen hergestellt werden, die bis dahin noch getrennt wurden. Andererseits muss jenen bewiesen werden, die meinen, dass eine Flucht oder eine elterliche Kindeswegnahme noch harmlose Formen des Kindesverschwindens sind, dass die betroffenen Kinder tatsächlich gravierenden Risiken von Misshandlung und Ausbeutung ausgesetzt sind.

Anfang der 80er Jahre, ohne Studien zum Phänomen und Vergleichskriterien zum Reflektieren eben dieser, basierte das Plädoyer auf den Zeugenaussagen  der Eltern der vermissten und brutal ermordeten Kinder durch Unbekannte. Auch wenn diese Fälle eher selten vorkommen – findet sich an erster Stelle das Davonlaufen, gefolgt von elterlichen Kindesentführungen  -, hat die Dramatisierung der Probleme  die Macht Kritik zu entkräften. Diese Strategie endet schnell in der Unterzeichnung des Missing Children´s Act (1982) und des Missing Children Assitance Act (1984), welche insbesondere von dem Präsidenten Ronald Reagan unterstützt wurden. Diese legislative Handlung stellt in 1984 die Basis für die Einführung eines nationalen Zentrum für die Unterstützung der Behörden in der Suche von vermissten Kindern und im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern: National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Dank der stetigen Hilfe durch die Regierung  und der Unterstützung mächtiger privater Spender, darunter Google, Honeywell und die Microsoft Corporation, kann das NCMEC heute  ein weitreichendes Netzwerk an Organisationen, die in den USA aktiv sind im Bereich der vermissten Kinder, vorweisen. Es ist zudem ein internationales Modell in diesem Arbeitsfeld.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/

Stiftung Sarah Oberson : Kurzbericht der Aktivitäten 2016

24 April 2017

Aktivitäten 2016, Highlights :

  • Forschung „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“ (2016-2017) in Partnerschaft mit der HES-SO, Lehrgang Soziale Arbeit
  • Projekt Pädagogische Arbeitsblätter „die Kinderrechte im Unterricht“ in Partnerschaft mit dem IDE
  • Auswertung der Sensibilisierungskampagne der Sarah Oberson Stiftung (SSO) in Zusammenarbeit mit dem MIDE der Universität Genf
  • Parlamentarischer Eingriff: „Lagebild zum Weglaufen im Wallis
  • Behandlung aktueller Themen unter dem Gesichtspunkt der Kinderrechte auf dem Blog der SSO

Tätigkeitsbericht 2016 (französich)

 1.   Beitrag zur Verbesserung des Reaktionssystems im Fall verschwundener Kinder

Seit seiner Einführung im Januar 2010, wurde das Entführungswarnsystem niemals in der Schweiz ausgelöst: Fortan setzt sich die Sarah Oberson Stiftung (SSO) dafür ein, dass der Alarm ausgelöst werden kann, ohne dass ihn zu strenge Kriterien daran hindern. Das Kriterium der physischen und psychischen Gefahr für das Kind muss Priorität haben, darin inbegriffen sind wenn nötig, elterliche Entführungen und eigenständiges Weglaufen (siehe Jahresbericht 2016 zur aktuellen Lage in der Schweiz und Europa sowie zu den Prioritäten der Stiftung in diesem Bereich).

Wallis

Forschung „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“

Die SSO hat zusammen mit dem Studiengang Soziale Arbeit der HES-SO  das Projekt „Statistiken zum Verschwinden von Kindern im Wallis“ gestartet, welches in zwei Etappen erfolgte. 2016 haben sieben Studenten eine Literaturrecherche zu den verschiedenen Arten eines Kindesverschwindens unternommen. Verschiedene Ansatzpunkte werden derzeit von der SSO untersucht damit diese Forschungsarbeit bestmöglich genutzt werden kann.

2017 werden zwei Studenten eine quantitative Forschung über zwei Jahre zu dem Weglaufen von Kindern im Wallis im Rahmen ihrer Bachelorarbeit durchführen. Das langfristige Ziel der SSO ist es, das der Staat Präventionsmaßnahmen und –strategien als Antwort auf die verschiedenen Kategorien von Kindesverschwinden geben kann, welche sich auf hochwertige wissenschaftliche Statistiken und Forschungen stützen.

Weglaufen – Parlamentarischer Eingriff

Eine parlamentarische Interpellation „Lagebild zum Phänomen des Weglaufens im Wallis“ wurde am 10.03.2016 von Frau Nicole Carrupt, parlamentarisch PRL, mit der Zusatzsignierung von Frau Véronique Coppey, vorgelegt. Dieser Antrag verlangt eine stärkere Einsicht in das Phänomen des Weglaufens von Kindern.

Am 8. September 2016 antwortete der Regierungsrat Freysinger teilweise auf diese Interpellation. Die Abgeordneten und die SSO werden diesen Weg weitergehen, indem sie die Ergebnisse der laufenden Forschungen mit der HES-SO miteinfließen lassen.

Sensibilisierungskampagne: Ihr Kind ist nicht heimgekommen?

In 2014 wurde die Informationskampagne zur Problematik des Verschwindens von Kindern lanciert und Anfang 2016 mit einer letzten Pressemeldung zum Fortlaufen von Kindern auf Deutsch beendet (Für weitere Informationen zu den einzelnen Aktionen der Kampagne, kann der Jahresbericht 2015 1.1.3 der SSO eingesehen werden).

Dank der Beteiligung und der Kollaboration von Maximilien Dacheville, Doktorand am Interdisziplinären Zentrum zur Analyse von humanen und sozialen Prozessen der Universität Rennes (Frankreich), hat sich die SSO 2016 daran gemacht, die Auswirkung dieser Sensibilisierungskampagne zu analysieren. Diese Forschung wurde mithilfe des Interdisziplinären Masters in Kinderrecht (MIDE) der Universität Genf initiiert. 2016 haben fünf Studierende 300 Fragebögen von Eltern beantworten lassen, die in Sion wohnhaft sind. Eine erste quantitative Analyse konnte von den Studenten durchgeführt werden. Es bleibt die Frage, ob diese Ergebnisse von dem Doktoranden Dacheville qualitativ analysiert werden können.

2.   Stärkung des Dialoges zu den Verletzungen der Kinderrechte

Projekt der pädagogischen Arbeitsblätter

Der Rat der SSO hat beschlossen das Projekt „pädagogische Arbeitsmaterialien: die Kinderrechte in der Schule: Promotion der Kinderrechtekonvention der Vereinten Nationen (KRK) in der Schweiz für Schüler_innen und Lehrer_innen“ zu unterstützen. Dieses Projekt, geleitet von vom IDE, hat zum Ziel die KRK im schulischen Milieu auf nationaler Ebene zu fördern und umzusetzen.

Internetseite der Stiftung

Auf ihrer Internetseite möchte die Stiftung Platz für Texte, Artikel, Dokumentationen und Aktionen zum Thema der Kinderrechte einräumen. Stets aktualisiert, ist sie ein nationales Portal zu Fragen rund um die Kinderrechte und dem Verschwinden von Kindern.

Blog

2016 wurden 23 Artikel online gestellt. Aktuelle Themen aus Sicht der Kinderrechte sind der SSO besonders wichtig: Kinderrechte generell (Zugang zum Rechtssystem, internationale Konventionen und Protokolle); Verschwinden von Kindern (Entführungsalarmsystem, Entführungen, Weglaufen, unbegleitete Jugendliche, …); Misshandlung von Kindern (darunter Zwangsheiraten); … Im Interesse einer ganzheitlichen Informationsbeschaffung für unsere Leser, werden die von oder für die SSO geschriebenen Artikel durch Texte von anderen Seiten ergänzt, die sich auch mit den Kinderrechten auseinandersetzen (IDE, ISS, ADEM, Schweizerisches Netzwerk für die Kinderrechte, CSDH).

Soziale Netzwerke

Die Stiftung verfügt über eine Facebookseite, ein LinkedIn Konto mit einer SOS Seite und Zugang zu verschiedenen Gruppen; ein Twitter Konto und einem Google+ Konto.

FSO, April 2017

Sexueller Missbrauch an Kindern: Schützt Sprechen? Ist es unerlässlich für den Heilungsprozess?

23 Februar 2017

Die Stille von missbrauchten Kindern ist ein komplexes Phänomen, das behandelt werden muss. Die Aufdeckung dieser Situationen ist ein Schutzelement des Kindes, das Gewalt erfahren hat. Sie darf nicht mit dem Reden um jeden Preis in einer therapeutischen Maßnahme mit einem Kind das sexuell genötigt wurde, verwechselt werden.

„Solange man diese Gewalt des sexuellen Missbrauchs nicht kennt, kann man sie auch nicht bekämpfen“ (de Lajudie)

Die Realität konfrontiert uns aber mit einer Mauer des Schweigens, welche die Opfer nach einem Missbrauch aufbauen: „In dem Moment, indem sie sexuelle Gewalt erleben, beginnen 56% der Opfer“ mit dem Schweigen. Diese Stille kann von Dauer oder aber nur eine Phase sein. „Ein Kind, dass über seine sexuelle Nötigung spricht, ist ein Kind dessen sich der Bedeutung eines Geheimnisses nicht oder nicht mehr bewusst ist. De Lajudie gibt das Beispiel eines Kindes, welches sich der Gewalt dieser Verhältnisse erst durch Programme zur sexuellen Erziehung bewusst wird.

Von dieser Idee ausgehend ist „die Kenntnis der verschiedene Gründe, weshalb ein Kind lieber schweigt (…) notwendig, wenn man die Form der sexuellen Gewalt herausfinden möchte und sie somit früh genug stoppen kann“. Also hat de Lajudie die Hintergründe des Schweigens bei 69 Kindern und Jugendlichen, die sexuell missbraucht wurden, untersucht und stellt Elemente aus dem Erlebten der Kinder vor. So schlägt sie 3 Faktorkategorien vor:

  1.  Faktoren zu der Abhängigkeit des Kindes: seine Persönlichkeit, seine vorherigen Erfahrungen, sein Entwicklungsstand; seine Unwissenheit zur Sexualität, welche dazu führt, dass es erst spät erfährt, dass das was es erfahren hat schlecht ist (die Erkenntnisgewinnung kann sich über 10-20-30 Jahre hinziehen; seine Kommunikationsmöglichkeiten und seine Öffnungen gegenüber Erwachsenen; das Vergessen, welches bei solchen Erlebnissen einsetzt; Gefühle von Verantwortlichkeit und Schuld; „die Angst der Demütigung, Stigmatisierung, von nun an nur noch das missbrauchte Kind für andere zu sein!“;
  2. Faktoren in Zusammenhang mit den Misshandlungsmomenten und dem Misshandelnden: die vorherige Bindung zum Täter; die Nötigung und Erpressung; die Angst davor, dass der Täter seine Erpressungen in die Tat umsetzt bedrängt das Kind und fördert sein Schweigen: Drohung die Mutter zu töten, sich zu töten oder das Kind zu verlassen…“;der Druck der Gefühle, denn die Situation ist zu verworren um darüber reden zu können; die Geschenke oder Privilegien, die Verführung, die Lüge (der Täter tut so als wäre der Missbrauch normal und lässt das Kind denken, dass es selbst dafür verantwortlich ist), das Mitleid,… von Seiten des Täters;
  3. Faktoren im Zusammenhang mit dem Umfeld des Kindes und wie es dieses empfindet: „die Qualität des unterstützenden Umfeldes fließt nur indirekt in die Situation mit ein, je nachdem wie das Kind diese wahrnimmt und wie es glaubt, wie seine Umgebung auf das Erlebte reagieren würde.“; wenn die Familie andere Probleme hat, möchte das Kind nicht noch eines hinzufügen; es möchte seine familiäre Umgebung vor dem Horror bewahren und schweigt um sie zu schützen; die Angst davor, dass die Erwachsenen seine Enthüllungen nicht ernst nehmen; die Angst vor einer Überreaktion seiner Eltern „Um sich jemandem anzuvertrauen, braucht es eine Person, die nicht nur das Erlebte glaubt, sondern von der das Kind auch erwarten kann, dass sie es immer noch als „menschliches Wesen“ wahrnimmt indem sie es in den Kontext der Handlung setzt und nur dort als Opfer sieht“;…

Die Stille von missbrauchten Kindern ist ein komplexes Phänomen, das behandelt werden muss. Die Aufdeckung dieser Situationen ist ein Schutzelement des Kindes, das Gewalt erfahren hat. Sie darf nicht mit dem Reden um jeden Preis in einer therapeutischen Maßnahme mit einem Kind das sexuell genötigt wurde, verwechselt werden.

Tatsächlich hinterfragen Van Gijseghem und Gauthier die Ergebnisse zweier Studien, welche den therapeutischen Wert des Redens in Frage stellen. Sie unterstreichen die Notwendigkeit der Aufdeckung, da diese die Missbräuche beenden und somit das Kind schützen kann. Sie hinterfragen allerdings das Reden um jeden Preis als für die Heilung notwendige therapeutische Maßnahme.

Sie sagen, „nach der Enthüllung, hat die intervenierende Person zuallererst und vor allem den Bedürfnissen des Kindes zuzuhören. Die Gefahr besteht darin, dass der Intervent vor allen Dingen glaubt, das Kind zu kennen, nicht nur als Individuum, sondern als Teil einer Kategorie: „Die Kinder der Schande“.“

Ähnliche Befürchtungen werden 20 Jahre später von Bullens angeführt: „Ein Kind, dass kommuniziere würde als „geheilt“ angesehen werden, da es sich von seinen Sorgen befreien konnte. Jene, die mysteriös bleiben sind daher noch nicht geheilt und hochgradig traumatisiert. Wir möchten dieser Lektüre einen Haken verpassen auch wenn sie teilweise wahrheitsgemäß ist, kann sie sich, unserer Meinung nach, als nachteilig erweisen, wenn sie nicht reflektiert genutzt wird.“ (2010)

Daher also Ja zum Sprechen, aber als Schutzinstrument und nicht als alleinige therapeutische Waffe wenn es um sexuellen Missbrauch geht. Den Bedürfnissen jedes einzelnen Kindes muss zugehört werden.

Clara Balestra, 23.02.17

Referat :

Martine de Lajudie (1996), «Le secret et l’enfant victime de maltraitance sexuelle», in «Reflets : revue d’intervention sociale et communautaire», vol. 2, n° 1, 1996, p. 69-95.

Jean-Paul Mugnier (2010) «D’un silence partagé à un récit mis en commun : de la nécessité de bien pouvoir se raconter», in Loyautés familiales et éthique en psychothérapie, Cahiers critiques de thérapie familiale et de pratiques de réseaux, 2010/1 (n° 44), p. 79-

Hubert Van Gijseghem et Louisiane Gauthier (1992), «De la psychothérapie de l’enfant incestué : les dangers d’un viol psychique», in Santé mentale au Québec, vol. 17, n° 1, 1992, p. 19-30.

Quentin Bullens (2010), «Les remparts de l’intime : hypothèse sur les non-dits dans le processus de (méta-)révélation chez l’enfant victime d’abus sexuel», in CAIRN, p. 431-452

Der Zugang zur Justiz gestaltet sich für Kinder

5 Dezember 2016

16.3626 Motion. RK-N. Konkreter Aktionsplan für den Schutz vor Diskriminierung

Inhalt Der Bundesrat wird ersucht, auf der Grundlage des Berichts und der Empfehlungen der Studie «Zugang zur Justiz in Diskriminierungsfällen» des Schweizerischen Kompetenzzentrums für Menschenrechte (SKMR) einen konkreten Aktionsplan zur Behebung der in dieser Studie aufgezeigten Mängel auszuarbeiten.

Auszüge aus dem Wintersession 2016 : Empfehlungen von Kinderschutz Schweiz, S. 6

Empfehlung Kinderschutz Schweiz empfiehlt Annahme der Motion.

Begrundung Der Zugang zur Justiz gestaltet sich für Minderheiten, die von Diskriminierung betroffen sind, ungemein schwierig. Handelt es sich dabei um Kinder, ist die Chance, dass sie wirksame Rechtsbehelfe nutzen können und eine angemessene Rechtsvertretung im Verfahren haben, noch kleiner. Für Kinderschutz Schweiz ist es von grosser Bedeutung, dass das Recht auf Schutz vor Diskriminierung (Art. 2 UNO-KRK) in der Schweizer Gesetzgebung verankert ist. Nun geht es darum, den Betroffenen den Zugang zur Justiz zu erleichtern, insbesondere für die Kinder. Durch einen konkreten Aktionsplan zum Schutz vor Diskriminierung kann den hindernden Elementen entgegengewirkt werden, die dazu führen, dass Art. 261bis StGB nur selten zur Anwendung kommt. Besonders zu erwähnen ist das Beschwerderecht von Minderheitenorganisationen (15.460), das unbedingt in den Aktionsplan miteinfliessen soll

Genehmigung: Fakultativprotokoll von 2011 zum Ubereinkommen uber die Rechte des Kindes

29 November 2016

Auszüge aus dem Wintersession 2016 : Empfehlungen von Kinderschutz Schweiz, S. 5

15.085 Geschäft des Bundesrates : Fakultativprotokoll von 2011 zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes. Genehmigung

Inhalt Botschaft vom 11. Dezember 2015 zur Genehmigung des Fakultativprotokolls vom 19. Dezember 2011 zum Übereinkommen über die Rechte des Kindes vom 20. November 1989 betreffend ein Mitteilungsverfahren.

Empfehlung Kinderschutz Schweiz empfiehlt Annahme des Entwurfes und die Ratifizierung des Fakultativprotokolls.

Begrundung Das dritte Fakultativprotokoll ermöglicht im Einzelfall die Überprüfung der Einhaltung der Kinderrechte durch den UNO-Kinderrechtsauschuss. Das Fakultativprotokoll betreffend ein Mitteilungsverfahren ergänzt die Möglichkeit zur Durchsetzung der Kinderrechtskonvention und deren Garantien. Kinderschutz Schweiz begrüsst einen Beitritt der Schweiz zum Fakultativprotokoll ausdrücklich. Voraussetzung für die Prüfung einer Mitteilung durch den Kinderrechtsausschuss ist die Ausschöpfung des innerstaatlichen Instanzenzugs. Es ist daher wichtig, gleichzeitig die Bemühungen in der Schweiz für eine kinderfreundliche Justiz auszubauen und Hürden für den Zugang zur Justiz zu beseitigen. Kinder haben das Recht auf Mitwirkung, auf Information über alle Aspekte eines sie betreffenden Verfahrens, auf anwaltschaftliche Vertretung und die Kenntnis aller Rechtsbehelfe. Verfahren sollen für Kinder zugänglich, altersgerecht, rasch und auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sein. Die Leitlinien des Europarates für eine kinderfreundliche Justiz bieten dazu eine wichtige Grundlage.

Eine Tracht Prügel um Aufmerksamkeit zu erregen

22 November 2016

Das Verbot von Prügel ist in der Schweiz eine immer wiederkehrende Debatte. Sich öffentlich gegen das Verbot von Prügel zu bekennen ist zu einer politisch nicht korrekten aber auch nicht unkorrekten Stellungnahme geworden.

Immer wieder als ineffizient und schadend für das Kind und seiner Erziehung begutachtet (Konsequenzen für das Kind, S. 44); von Experten der Kindheit beklagt; von den internationalen Übereinkommen, welche die Schweiz unterzeichnet hat, verboten (Internationale Forderungen, 2012); in immer mehr Ländern verboten; Prügel wird in unserem Land noch immer akzeptiert und fast gewollt von Verteidigern der autoritären Erziehung und von einer populistischen Mehrheit, die die Prügel dem Kind als König gegenüberstellt.

Beweis dafür ist die Zurückweisung mehrerer parlamentarischer Anträge zum Verbot von Prügel, darunter auch eine Berner Schülerpetition, welche 2016 vom Tisch gefegt wurde.

Diese Uneinigkeit ermöglicht es einigen Personen Aufmerksamkeit zu erregen. Sei es nun ein Walliser Psychologe oder ein Deutschschweizer Rocksänger, die Tatsache, dass man öffentlich sagen kann, dass Prügel nicht schadet und ganz im Gegenteil genau die Lösung all der Probleme sei… das ist zwar ausreichend politisch inkorrekt um dass die Medien darauf reagieren aber noch ausreichend politisch korrekt, sodass es keinen Imageschaden gibt.

Interessant sind hingegen die Reaktionen auf diese Aussagen. In der Westschweiz kam es zu Reaktionen, die über die Arbeit von NGOs zum Schutz der Kinderrechte hinausgehen und sich zu Bürger- und Familien- und Kindheitsexperteninitiativen ausweiteten, wie etwa der „offene Brief zur Warnung vor schadenden Theorien…“, welcher von einem Sonderpädagogen verfasst und von mehreren Organisationen und Experten unterzeichnet wurde.

Es wäre interessant mit der Deutschschweiz zusammenzuarbeiten, damit ein Konsens rund um das Verbot von körperlicher Misshandlung und von erniedrigender Erziehung von Kindern gefunden werden kann… und damit solche Aussagen nicht erneut solch große Aufmerksamkeit erhalten.

Clara Balestra, Sarah Oberson Stiftung, 22.11.16