Kindesverbringung durch einen Elternteil: Eine Internetseite um Sie zu unterstützen

21 November 2016

Familienkonflikte und Familienmediation auf internationalem NiveauUnterstützt durch die Staaten, Staatsorganisationen wie die Europäische Union und die Den Haag Konferenz zum internationalen Privatrecht, entwickelt sich diese bevorzugte Form der Resolution weiter und wird auf globaler Ebene professioneller um Familien zu helfen, die eine Kindeswegnahme oder eine Kindestrennung durch den Wegzug eines Familienteils ins Ausland erleben.

Editorial von Cilgia Caratsch, Koordinatorin der Unité Médiation, Internationaler Sozialdienst (SSI), Generalsekretariat.

Nur wenige Familien und Professionelle kennen die Möglichkeit einer Mediation für grenzüberschreitende Konflikte. Man geht der Annahme, dass sich solche seriösen länderübergreifende Konflikte nur durch rechtliche und juristische Prozesse klären ließen. Dabei kann eine erfolgreiche Mediation den elterlichen Streit schlichten, was zu einer Verbesserung im Kontakt mit dem Kind führt und die Abmachungen zum Kindesunterhalt und zu Besuchsrechten erleichtern.

Zusätzlich zum juristischen Weg kann die Familienmediation dabei helfen, diese beiden Rechtspunkte besser zu regeln. Die Vereinbarungen können die Eltern mithilfe eines Vermittlers selbst bestimmen und an ihre richterlichen Berater weitergeben. Diese Vereinbarungen entsprechen der geographischen und finanziellen Realität der Familien und den Bedürfnissen und der Disponibilität der Elternteile. Ein Übereinkommen durch Mediation kann für alle durch den Konflikt betroffenen Länder vereinbart werden und spart dadurch Kosten und Ressourcen, sowohl für die Familie als auch für die Behörden.

„Die Prozesse waren komplex und lang, mit viel Hin und Her zwischen den beiden Ländern. […] Wir haben uns für eine Mediation entschieden, weil wir die Dinge etwas beschleunigen wollten. Jetzt haben wir es geschafft über alles zu reden und Fragen zu regeln, die wahrscheinlich erst später aufgetaucht wären. […] Wie etwa die Organisation der Ferien.“

Eine Mutter und ein Vater

Der Internationale Sozialdienst (SSI) hat eine Internetseite veröffentlich, die multilingual ist und sich komplett der internationalen Familienmediation widmet. Sie informiert Familien und Professionelle, die sie begleiten – Juristen, Psychologen, Sozialarbeiter – wie eine Mediation funktioniert, wie man sich darauf vorbereiten kann, wie sie mit dem Gesetz vereinbar ist, und was eine Mediationsvereinbarung beinhalten kann. Ein Abschnitt zur Kindesverbringung sensibilisiert hinsichtlich des psychologischen Einflusses auf alle Familienmitglieder nach einem solchen Erlebnis. Zahlreiche Betroffene berichten über die Vorteile und Grenzen dieses Lösungsansatzes.

„Auch wenn wir nicht mehr verheiratet sind, sind wir dennoch in der Lage uns gemeinsam um unsere Tochter zu kümmern. Sie ist aufgewachsen ohne uns gegenüber verbittert zu sein. Die Mediation macht es möglich den Respekt und die Würde in einer Familie aufrecht zu erhalten, auch wenn die Beziehung eines Paares leider nicht mehr funktioniert.“

Ein Vater

www.ifm.fmi.org ist ein nützliches Hilfsmittel… Die Internetseite ist eine neue Ressource, welche freien Zugang zu öffentlichen Services, zu Familienberatungsstellen und zu einem Netzwerk an spezialisierten Mediateuren bietet, welche sich pro Land aufgelistet wiederfinden und die wichtigsten Kontakte und Informationen zum rechtlichen Rahmen einer solchen Situation beinhalten.

Dieses Projekt ist Teil des Programmes des SSI und dient der Institutionalisierung der internationalen Familienmediation (IFM) indem es auf die dringenden Bedürfnisse der, in grenzüberschreitenden Konflikte, beteiligten Personen (die Familie, die Mediationsexperten und Amtsmitarbeiter und Rechtsbeistände in den verschiedenen Ländern) eingeht.

Die institutionelle Unterstützung der IFM Praxis ermöglicht es auf globaler Ebene, einer wachsenden Mobilität durch ins Ausland abwandernde Fachkräfte und dem Phänomen der binationalen und auswandernden Familien gewachsen zu sein. Letztere führen zu immer mehr Kindeswegnahmen und grenzüberschreitende Scheidungen.

Das SSI unterstützt Familien und Kinder, welche sich mit sozialen Problemen aufgrund eines internationalen Umzuges oder eine Auswanderung konfrontiert sehen. Es besteht aus einem nationalen Netzwerk in mehr als 100 Ländern und unterstützt jährlich mehr als 50.000 getrennte Familien weltweit. Gleichzeitig engagiert es sich für den Schutz der Kindesinteressen und unterhält Projekte zur Stärkung des Schutzes und des Respekts ihrer Rechte. Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite www.iss-ssi.org.

Wir leiten Familien, Professionelle und Amtsmitarbeiter an die kompetenten Dienste, welch sich um grenzüberschreitende Familienkonflikte kümmern, weiter. In der Schweiz bietet die Schweizerische Stiftung des SSI eine psychosoziale und rechtliche Unterstützung sowie eine internationale Familienmediation für betroffene Familien an.

Zögern Sie nicht uns zu kontaktieren:

Mediation@iss-ssi.org

+41229067700

Photo : Laurent Michel, flickr/creative commons

Familiäre Armut darf kein Grund für eine Kindeswegnahme sein

7 November 2016

Herr Nigel Catwell in seiner Präsentation der Richtlinien in Bezug auf den Schutz von der Wegnahme von Kindern, dass die familiäre Armut allein niemals ein Grund sein darf für die Kindeswegnahme.

Während der einführenden Vorträge der „internationalen Konferenz zu alternativen Betreuungsmaßnahmen“ unterstrich Herr Nigel Catwell in seiner Präsentation der Richtlinien in Bezug auf den Schutz von der Wegnahme von Kindern (2012), dass die familiäre Armut allein niemals ein Grund sein darf für die Kindeswegnahme.

In der Tat, so bestätigt Herr Zermatten, Präsident des Kinderrechtekomitees der Vereinten Nationen zum Zeitpunkt der Verabschiedung der Richtlinien, die „hohe Anzahl an Kindern, welche in alternative Betreuungseinrichtungen in verschiedenen Ländern geschickt werden und dass oft die materielle Armut der Familie Hauptgrund dafür ist…“.

Die Richtlinien verteidigen dieses Verbot mit unterschiedlichen Argumenten. Einerseits und in Übereinstimmung mit der KRK, sehen sie die Familie als „ Milieu, indem das Aufwachsen und das Wohl aller ihrer Mitglieder und insbesondere der Kinder, am natürlichsten ist“ (Präambel KRK).

Andererseits legen sie fest (10.), dass „ spezielle Maßnahmen getroffen werden müssen, um gegen Diskriminierung vorzugehen, welche sich auf den Status des Kindes oder seiner Eltern, egal aus welchem Grund, und die Armut miteingenommen,… gründet“. Mit diesem Artikel zeigen sich die Verfasser misstrauisch gegenüber der unkritischen Akzeptanz von „konventionellen Lebensweisheiten“ (Catwell), welche so oft Grund für Institutionen waren Kinder von ihren Familien zu trennen und sie nach den verschiedenen Prinzipien zu erziehen, welche sie als schädlich erachten (die Nomaden in der Schweiz[1], die Aborigines in Australien,… und die Armen überall in den westlichen Ländern seit dem 19. Jahrhundert).

Außerdem nennen die Richtlinien klar (15.) dieses Verbot und versichern, dass die Staaten die Familien in finanziellen Schwierigkeiten mit angepassten Programmen im Kampf gegen die Armut unterstützen müssen. Letztere, wenn wirksam, verhindern zusätzlich, dass das Kind von der eigenen Familie verlassen wird.

…und die Schweiz?

Im Rahmen des Sarah Oberson Abends 2015 „Armes Kind sein in der Schweiz“ bereitete dem Präsidenten von ATD Vierte Welt insbesondere Sorgen, „dass in der Schweiz und im Rest der Welt, die Konzeption des 19. Jahrhunderts, welche den Kreislauf der Armut durch Trennung der Kinder von ihren Eltern durchbrechen sollte,  trotz der Entwicklung der internationalen Rechtslage und professioneller Praktiken, für die Ärmsten weiterhin gilt.“

In der Schweiz, in welcher dem Kinderrechtekomitee nach „ tiefe Unterschiede zwischen den Kantonen hinsichtlich der Auswahlkriterien beobachtet werden konnten,…“; welche Auswirkung hat die Armut auf die Platzierung von Kindern und welchen Einfluss das Nationale Programm zur Prävention und Bekämpfung von Armut 2014-2018?

Clara Balestra, 17.10.16

[1] In der Schweiz war es bis in den 1970er Jahren das Ziel der öffentlichen Behörden, jedes Nomadenleben zu beseitigen, indem die Kinder weggenommen wurden (Projekt „Kinder der großen Straße“ umgesetzt von der Stiftung ProJuventute).“ Am 11.10.16: http://www.ekr.admin.ch/themes/f129.html

International Day for the Eradication of Poverty 17 October

17 Oktober 2016
“Poverty is not simply measured by inadequate income. It is manifested in restricted access to health, education and other essential services and, too often, by the denial or abuse of other fundamental human rights [...] Let us listen to and heed the voices of people living in poverty. Let us commit to respect and defend the human rights of all people and end the humiliation and social exclusion that people living in poverty face every day by promoting their involvement in global efforts to end extreme poverty once and for all.” — UN Secretary-General, Ban Ki-moon

2016 Theme: Moving from humiliation and exclusion to participation: Ending poverty in all its forms

The United Nations Sustainable Development Goal to “end poverty in all its forms everywhere” explicitly recognizes that poverty results not from the lack of just one thing but from many different interrelated factors that affect the lives of people living in poverty.

This means we must go beyond seeing poverty merely as the lack of income or what is necessary for material well-being — such as food, housing, land, and other assets – in order to fully understand poverty in its multiple dimensions.

The theme this year – selected in consultation with activists, civil society and non-governmental organizations – highlights how important it is to recognize and address the humiliation and exclusion endured by many people living in poverty.

Von website ONU, 17.10.16

International Day of the Girl Child 11 October

11 Oktober 2016

Secretary-General‘s Message for 2016

The theme of this year’s International Day of the Girl is based on the seventeen Sustainable Development Goals. The slogan is: Girls’ Progress equals Goals’ Progress: What Counts for Girls.

The wellbeing, human rights and empowerment of the world’s 1.1 billion girls are central to achieving the 2030 Sustainable Development Agenda. When we agreed on that agenda, we promised girls quality education and health services.

We committed to ending discrimination and violence against girls, and harmful practices like child marriage. We pledged to leave no one behind.

Too often, in villages, shanty towns and refugee camps around the world, girls are the ones left behind: without nutritious food, healthcare or quality education, and at risk of sexual violence.

Investing in girls is both the right thing to do, and the smart thing to do. It has a powerful ripple effect across all areas of development, and reaches forward to future generations.

But what cannot be measured cannot be managed. If we do not gather the data we need, we will never know if we are delivering on our promises.

We need to make sure that our initiatives are reaching all girls: girls in extreme poverty; girls in isolated rural areas; girls living with disabilities; girls in indigenous communities; girls who are refugees or displaced within their own countries.

Timely, high-quality data is vital so that we know where we are meeting our promises, and where we are falling behind.

Let us all work hard to make sure we count all girls, because all girls count.

Ban Ki-moon

Zwangsheiraten mit Kinder in der Schweiz nehmen zu

4 Oktober 2016

Seit Beginn 2016 könne man eine Verschlimmerung der Zwangsheiraten Fälle in denen Kinder impliziert sind (119) feststellen, darunter auch jünger als 16 Jahre (26). „Diese Statistiken nehmen seit 2015 stetig zu und es wurden mindestens 60 Fälle gemeldet.“

Die Studie von 2012  „Zwangsheiraten“ in der Schweiz: Ursachen, Formen und Ausmaß“, welche von der Konföderation in Auftrag gegeben wurde, zeigt eine beunruhigende Realität: Ungefähr 1400 Personen in zwei Jahren. Und die Kinder werden nicht verschont: ein Drittel der Personen, die zur Heirat gezwungen werden oder denen eine Trennung verweigert wird, sind Minderjährig; 5% der Personen, die dazu gezwungen werden auf eine Scheidung zu verzichten, sind unter 18 Jahre.

Auf diese Studie reagierend, hat das schweizerische Parlament ein neues Gesetz im Kampf gegen die Zwangsheiraten verabschiedet, welches 2013 in Kraft getreten ist. Die Legislative sieht vor, dass „im Falle einer Heirat ohne Zustimmung beider Parteien, der Standesbeamte die Union nicht nur nicht anerkennen darf, sondern den Fall auch den Verantwortlichen der Strafverfolgung melden muss. Die Einführung dieses neuen Artikels 181a im Strafgesetz garantiert somit, dass jede Heirat, die unter Gewalt, Bedrohung oder Erpressung eingegangen wurde als ungültig erklärt wird und eine Gefängnisstrafe von bis zu 5 Jahren zur Folge hat.“ „In 2014 und 2015 wurden zwei Fälle von Zwangsheirat vor Gericht gebracht“.

Für Kinder gilt, in Übereinstimmung mit der General Observation Nr. 18  zu den benachteiligenden traditionellen Praktiken ((6.2, 19) CRC/C/GC/18), dass die Schweiz jede Heirat, geschlossen in der Schweiz oder im Ausland, mit einem Minderjährigen annulliert.

Als Ergänzung zu diesem neuen Gesetz und in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Autoren der genannten Studie, hat die Konföderation für die Einführung und Finanzierung eines Fünfjahresplans im Kampf gegen die Zwangsheiraten (2013-2017) gestimmt. Dieser beinhaltet die „Bereiche der Vorbeugung, der Begleitung, des Schutzes und der Ausbildung“. Das Programm basiert auf einer in der Studie genannten Theorie, welche diese Problematik in den „Bereich der häuslichen Gewalt und der Gleichheit zwischen Männern und Frauen sowie der Integration und Migration“ verortet.

Trotz dieser Verbesserungen, schlägt das Zentrum für Hilfe und Betreuung für Opfer von Zwangsheiraten in Zürich Alarm: Seit Beginn 2016 könne man eine Verschlimmerung der Fälle in denen Kinder impliziert sind (119) feststellen, darunter auch jünger als 16 Jahre (26). „Diese Statistiken nehmen seit 2015 stetig zu und es wurden mindestens 60 Fälle gemeldet.“

Der Präsident des Zentrums erklärt sich diese Situation mit der Zunahme der Migrationsströme, aber auch durch die breitere Kenntnis der Problematik durch Experten, die qualifizierter in der Aufdeckung der Fälle sind.

Nichtsdestotrotz beeindrucken die Zahlen und Experten empfehlen andere mögliche Maßnahmen:

-          „Die jungen nicht-schweizerischen Opfer, welche im Ausland durch ihre Eltern während der Ferien verheiratet wurden, verlieren ihr Aufenthaltsrecht bereits nach 6 Monaten.“ Die deutsche Lösung (verabschiedet in 2011), welche eine „Möglichkeit zur Rückkehr nach 10 Jahren“ vorsieht, könnte auch eine Lösung für die Schweiz sein.

-          Eine weitere interessante Möglichkeit, verabschiedet in Großbritannien: „Jede Person, die an einer Zwangsheirat beteiligt war wird individuell betreut, teilweise auch außerhalb der nationalen Grenzen“.

-          Abschließend sagt Anu Sivaganesan, „müsse die Schweiz enger mit anderen Ländern zusammenarbeiten. Es handelt sich um ein transnationales Phänomen, dass eine bemühte Organisation auf diesem Niveau braucht.“

Clara Balestra, 04.10.2016

Photo : http://www.gegen-zwangsheirat.ch/F/

Mehr Info : http://www.familienrecht.net/zwangsheirat/

Schweiz – Ombudsstelle für Kinderrechte?

26 September 2016

Brief an die Bundesparlamentarier, 15. September 2016. 

Artikel von IDE, 16. September 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

Müssen wir in der Schweiz eine Ombudsstelle für die Rechte des Kindes schaffen?

In einigen Tagen wird der Nationalrat mit der im Titel genannten Motion über diese Frage entscheiden. Die Schweiz gehört zu den wenigen Staaten, die bis heute über keine nationale Institution für Menschenrechte verfügt – weder für Erwachsene noch für Kinder. Derweil entwickelten sich in unseren Nachbarländern Ombudsstellen für die Rechte des Kindes (Italien, Frankreich, Österreich, Norwegen, Dänemark, Grossbritannien, Belgien, Luxemburg, etc.) und sind zu unverzichtbaren Instrumenten zur Förderung und Umsetzung der Kinderrechte geworden.

Zum wiederholten Male empfahl im Januar 2015 der Ausschuss für die Rechte des Kindes – die UNO-Instanz, welche die Umsetzung der Kinderrechte in der Schweiz begutachtet – eine nationale Menschenrechtsinstitution zu schaffen, welche die Fortschritte im Kinderrecht in der Schweiz überwachen und evaluieren soll. Gemäss dem Ausschuss ist diese Institution aus verschiedenen Gründen absolut notwendig:

  • Kinder sind aufgrund ihres Entwicklungsstadiums besonders anfällig für Verletzungen ihrer Rechte;
  • der Meinung von Kindern wird wenig Beachtung geschenkt;
  • Kinder sind nicht stimmberechtigt und spielen im politischen Diskurs keine Rolle;
  • sachliche Grenzen hindern Kinder daran, sich im Rahmen des Rechtssystems oder bei Organisationen zum Schutz ihrer Rechte zu beschweren;
  • in vielen Fällen ist es Kindern unmöglich, als Opfer angehört oder entschädigt zu werden.

Warum respektiert die Schweiz die Grundsätze nicht, denen sie sich mit der Unterzeichnung der Kinderrechtskonvention verpflichtet hat? Wovon fürchtet sich unser Land? Die Motion Bulliard erinnert den Bundesrat an seine Verpflichtungen gegenüber den Kindern und unterstreicht, dass weder das Bundesamt für Sozialversicherungen, noch die Eidgenössische Kommission für Kinder- und Jugendfragen oder das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte heute dazu in der Lage sind, die Kinderrechte zu fördern, zu verteidigen oder im Beschwerdefall bei Missachtung durchzusetzen.

Vielfach entgegnen unsere Bundesbehörden, dass eine Ombudsstelle für Kinder Angelegenheit der Kantone sei. Tatsächlich wäre denkbar, dass jeder Kanton eine entsprechende Ombudsstelle einrichtet. Seltsamerweise hat das bisher aber kein einziger Kanton getan. Doch selbst wenn dies der Fall wäre, ist eine nationale Ombudsstelle für Kinderrechte in einem föderalen Land unverzichtbar für die Koordination und um Ungleichheiten zu überwachen, mit denen Kinder in verschiedenen Regionen leben.

Zudem würde eine schweizerische Ombudsstelle erlauben, den Grossteil der Verstösse gegen die Rechte des Kindes intern zu regeln. Sie ist ein eidgenössischer Garant für die Anerkennung der Rechte unserer Kinder in ihrem eigenen Land.

Sehr geehrte Damen und Herren, die Schaffung einer Ombudsstelle ist ein Zeichen des Vertrauens in unsere Jugend und beweist, dass wir erwachsene Bürgerinnen und Bürger gross genug sind und noch besser gewährleisten wollen, dass unsere Kinder von allen Teilen unserer Gesellschaft respektiert werden.

Eine schweizerische Ombudsstelle gibt allen Kindern eine Stimme, die unter die Schweizer Rechtsprechung fallen!

Jean Zermatten, ehemaliger Präsident des UNO-Ausschusses für die Rechte des Kindes

Philip D. Jaffé, Professor an der Universität Genf

Paola Riva Gapany, Direktorin des Internationalen Instituts der Kinderrechte

Michel Lachat, ehemaliger Jugendrichter des Kantons Freiburg

Anhang: umfassendes Dokument pdfUne Institution indépendante des droits de l’enfant en Suisse (4 Seiten)

Kinder in schweizerischen Städten: Haben sie die gleichen Chancen?

6 September 2016

“Durch die Beschreibung einer Kindheit, die nicht nur plural ist, sondern auch weitgehend ungerecht, startet diese Studie eine Analyse der Kapazität in der Schweiz, Chancengleichheit für alle zu garantieren.”

Auszüge aus dem Bericht von M. Michele Poretti, „Stadtkinder und öffentliche Politik: Blickwechsel auf die Kinder aus verschiedenen Vierteln der Stadt Sitten“, 2016. Der Autor behandelt in diesem Bericht Themen, die über den Diskriminierungsaspekt hinausgehen.

Photo : Franck Michel, flickr/creative commons

Porettis Essay „präsentiert die Ergebnisse einer partizipativen Studie, welche mit rund einhundert Kindern zwischen 8 und 10 Jahren in der Stadt Sitten durchgeführt wurde“ (Beispielhaft für andere Städte). „Die Studie (…) wurde an Schulen in drei verschiedenen Vierteln (Stadtzentrum, einfache Vororte, „Villenviertel“) durchgeführt und (…) hat unterschiedliche Methoden benutzt (Bsp. Spaziergänge durch die Viertel, Zeichnungen, Interviews, Umfrage)“. (S. XI)

„Auch wenn die Teilnehmer_innen dieser Studie einige ähnliche Erfahrungen teilen, wie etwa einen Lebensrhythmus bestehend aus Schule und Freizeit, unterstreicht diese Studie (…)dass die Kindheit eine vielseitige Erfahrung ist, welche sich durch die Lebensräume, den sozioökonomischen Stand und das Geschlecht bestimmt. In vielfacher Hinsicht ist das Leben der besser behüteten Mädchen und Jungen aus den „Villenvierteln“ komplett anders als jenes Leben der benachteiligten Kinder aus den einfachen Vororten.“ (S. XII) „Dort, wo für die einen das Viertel aus dem privaten Garten besteht, wird für andere der Schulhof, die Straße oder die öffentlichen Sportanlage zum Spielraum.“ (S. XI) „ Wo Mädchen und Jungen aus wohlhabenden Verhältnissen generell in mehrere außerschulische Betätigungen pro Woche involviert sowie in familiären Beschäftigungen integriert sind, besteht die Freizeit der benachteiligten Kinder oft aus dem freien Spiel im Viertel, wenn es die Möglichkeit dazu gibt.“ (S. XI)

„Durch die Beschreibung einer Kindheit, die nicht nur plural ist, sondern auch weitgehend ungerecht, startet diese Studie eine Analyse der Kapazität in der Schweiz, Chancengleichheit für alle zu garantieren.“ (S.XII)

Die Schweiz hat sich engagiert „die Rechte, wie sie in der Kinderrechtskonvention dargelegt sind, zu respektieren und jedem Kind zu garantieren“ (Art. 2.1). Diesbezüglich empfiehlt das Kinderrechtekomitee in seinen Final Observations 2015 „ (der Schweiz), die Bemühungen zur Beseitigung von Diskriminierung gegenüber Kindern zu verstärken.“ (25).[1]

Um diese Differenzen zu beseitigen, muss man diese nach Poretti zunächst identifizieren indem „partizipative Prozesse (…),zur Deutlichmachung der verschiedenen Kindheiten (…und zum) besseren Verständnis der Lebensumstände in denen die Kinder leben…“, angewendet werden. Danach müssen die gewonnenen Erkenntnisse aus den partizipativen Workshops in die Entscheidungen der Politik, welche die „sektorielle Kinder-und Jugendpolitik überschreiten, miteinfließen damit wahrhaftige „transversale“ Politiken umgesetzt werden können. Dadurch können enge Verbindungen zwischen der Situation der Kinder und der Politik auf Niveau der Freizeit, der Stadtplanung, der Mobilität, der Schule sowie mit der wirtschaftlichen und sozialen Politik im weiteren Sinne geknüpft werden.“ (S. XII)


[1] In diesem Abschlussbericht wird insbesondere auf die „Migrantenkinder, Geflüchteten und Asylantragenden, Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne Dokumente.“ verwiesen, ohne aber andere Gruppen auszuschließen (zwischen den Kantonen (28) und sozialen Klasse (65)…).

Pro Juventute veröffentlicht 5-Jahres-Statistik der “Beratung + Hilfe 147″

6 Juni 2016

2015 haben Kinder und Jugendliche die 147 160’000 Mal gewählt. Seit 2011 hat sich der Fokus von Fragen rund um Sexualität zu schwerwiegenden persönlichen Problemen, inklusive Suizid, verschoben.

Artikel von Netzwerk Kinderrechte Schweiz, 23.05.16

Im Vergleich über die letzten 5 Jahre haben Anfragen zu persönlichen Problemen am stärksten zugenommen (2015: 22,9% aller Anfragen, 2011: 15.5%), dabei insbesondere Themen wie psychische Erkrankungen und depressive Stimmung, Essstörungen, persönliche Krisen oder das Selbstwertgefühl. 2015 haben fast 1‘000 Jugendliche zum Thema Suizid angerufen, im Vergleich zu 617 im Jahr 2011. Für Pro Juventute ist dies ein Zeichen, dass die Jugendlichen wissen, wo sie Hilfe suchen können und diese tatsächlich auch in Anspruch nehmen.

Der Bund bezieht sich gegenüber internationalen Organen regelmässig auf die Existenz der 147, so beispielsweise in seiner Antwort auf die Frage des UN-Kinderrechtsausschusses, was die Schweiz gegen die relativ hohe Suizidrate bei Kindern und Jugendlichen unternimmt. Die 147 wird allerdings mehrheitlich durch Spenden aus der Bevölkerung und Unterstützung durch Wirtschaft und Politik finanziert. Bund und Kantone übernehmen je etwa ein Fünftel der Kosten.

Handbuch zur Betreuung unbegleiteter Minderjähriger in der Schweiz : Praxisorientierter Leitfaden für Fachleute

9 Mai 2016

In neun Etappen stellt der Leitfaden Ratschläge und praktische Werkzeuge für die in diesem Bereich tätige Akteure bereit. Der Fokus liegt dabei insbesondere auf der Identifizierung, der Betreuung, der Situationsabklärung und der Begleitung im Übergang zur Volljährigkeit dieser unbegleiteten Minderjährigen und Jugendlichen.

Dieses Handbuch entstand im Zuge einer engen Zusammenarbeit mit Fachpersonen aus der Westschweiz, die mit unbegleiteten Minderjährigen arbeiten (rechtliche Vertretungen, Sozialarbeiter und –Pädagogen, Zentrumsverantwortliche, Ärzte, Psychiater und Psychologen) sowie in Beteiligung verschiedener Fachorganisationen aus den Bereichen Kinderrechte und Migration. Die in diesem Handbuch vorgestellte Methode bietet einen Bezugsrahmen für die Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen.

Das Handbuch wurde von der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes publiziert (2016).

Von Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes, Einleitung in „Handbuch zur Betreuung unbegleiteter Minderjähriger in der Schweiz“, 2016, S. 4-5.

Einleitung

Der Ausdruck «unbegleitete Minderjährige» bezeichnet Kinder und Jugendliche, die sich aus unterschiedlichen Gründen von ihrem ursprünglichen familiären Umfeld entfernt haben. Die Lage dieser jungen Migranten ist oftmals komplex und erfordert eine individuelle Abklärung. Es liegt im Verantwortungsbereich der Gastländer, unbegleiteten Minderjährigen eine angemessene Betreuung zu bieten und dabei auf die Einhaltung der Grundsätze der Kinderrechtskonvention,  welche von der Schweiz 1997 ratifiziert wurde, zu achten. Dieses Übereinkommen unterstreicht insbesondere die Notwendigkeit, das übergeordnete Interesse des Kindes zu berücksichtigen (Artikel 3)und ihm das Mitspracherecht bei allen es betreffenden Angelegenheiten zu erteilen (Artikel 12).Die Staaten sind folglich verpflichtet, Verfahrensweisen einzurichten, in denen das Kind nicht nur als «minderjährige Person mit spezifischen Bedürfnissen» betrachtet wird, sondern auch als «Akteur»seines eigenen Lebens respektiert wird. Jeder Minderjährige hat folglich den Anspruch auf die Abklärung und Berücksichtigung seiner persönlichen Situation bei sämtlichen, sein Leben betreffenden Veränderungen. Die Organisation der Betreuung unbegleiteter Minderjähriger fällt in der Schweiz in den Zuständigkeitsbereich der Kantone, des halb können die einzelnen Betreuungsverfahren je nach Kanton erhebliche Abweichungen aufweisen.

Dieses Handbuch hat zum Ziel, die Grundlagen eines einheitlichen Verfahrens in neun Etappen zu erläutern, wobei die Einhaltung der Kinderrechte und die Suche nach einer dauerhaften individuellen Lösung in den Mittelpunkt gestellt werden. In der Regel gibt es drei Arten dauerhafter Lösungen, die auf einer individuellen Abklärung des übergeordneten Interesses des Kindes beruhen:

- Die Reintegration im Herkunftsland

- Die Integration im Gastland

- Die Umsiedlung in einen Drittstaat

Eine dauerhafte Lösung ist eine «langfristige Lösung, die dem unbegleiteten Minderjährigen die Möglichkeit bietet, sich bis zum Erwachsenenalter in einer Umgebung zu entwickeln, die seinen Bedürfnissen entspricht und seine Rechte gewährleistet, wie sie in der KRK definiert sind, und die das Kind nicht dem Risiko einer Verfolgung oder einer schweren Notlage aussetzt».

Dieses Handbuch entstand im Zuge einer engen Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der französischen Schweiz, die für die Betreuung unbegleiteter Minderjähriger zuständig sind (gesetzliche Vertreter, Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Heimleiter, Ärzte, Psychiater und Psychologen) und unter Beteiligung diverser Organisationen aus den Bereichen Kinderrechte und Migration.

Die Suche nach dauerhaften Lösungen zusammen mit unbegleiteten Minderjährigen stellt ein neues Paradigma dar, und es ist die Aufgabe des Gastlandes, der Fachleute und auch der Zivilgesellschaft, Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Kindern und Jugendlichen in Not ermöglichen, in Sicherheit aufzuwachsen, sich in einem stabilen Umfeld zu entwickeln und  Perspektiven für die Zukunft aufzubauen.

‘Für ein Verbot der Ohrfeige’: es braucht ein Gesetz!

18 April 2016

Auf internationalem Niveau, haben die verschiedenen Instanzen aus diesem Gesetz ein Aushängeschild gemacht, um wirksam gegen die Misshandlung und für die Menschenrechte einzutreten- Kinder sind die einzigen Bewohner in der Schweiz, die man auf den Po hauen oder ohrfeigen kann.

Nun müssen schweizerische Entscheidungsträger Position beziehen.

Die Gerichtskommission des Nationalrats hat am 08.04.16 beschlossen der Petition ‘Zum Verbot von Ohrfeigen’ durch die Schüler von Gäbelbach nicht stattzugeben. Die Gerichtskommission sieht die Erlassung einer solch expliziten Norm in diesem Bereich als nicht notwendig an…

Nach Ziegert ist die Ausübung von körperlichen Bestrafungen innerhalb von Familien insbesondere darauf zurückzuführen, dass dieses Phänomen in den sozialen Werten und somit auch von der Legislative akzeptiert wird. Durrant und Olsen sagen, wenn ein Gesetz die Werte und Ideologien einer Gesellschaft wiederspiegelt, so kann auch das Gegenteil der Fall sein. Die Erlassung eines Gesetzes, das jegliche Gewalt gegen Kinder verbietet, kann die Wahrnehmung des Kindes, der Familie und der Rolle des Staates bezügliches dieses Themas verändern und könnte somit ein Meilenstein hin zu einer reellen Einstellungsänderung sein.

Im traditionellen Bild, wenn wir davon ausgehen, dass das Kind den Eltern angehört, kann die Anwendung von Formen der Unterwerfung, darunter auch Gewalt, im Sinne des Kindeswohls gerechtfertigt werden. Ganz im Gegensatz, wenn wir das Kind als Rechtsträger betrachten, werden die Eltern zu Garanten dieser Rechte. Es ist somit nicht mehr möglich Gewalt in der Erziehung auszuüben. Die sozialen Veränderungen haben die traditionelle Bedeutung des Kindes durch ein „Kind Subjekt“ ersetzt. Anschauungsweisen verändern sich je nach sozialer Gruppe unterschiedlich schnell und in unterschiedlichen Stufen. Im derzeitigen politischen Bereich sind beide Visionen vereint, was eine Gesetzeinführung verhindert.

Damit dieses Gesetz eine Chance hat durchgesetzt zu werden, ist eine Änderung der Denkweise von Seiten des Staates in der Dichotomie öffentlich/privat notwendig. Die Missbrauchsfälle zeigen, dass die Familie nicht mehr als der sichere Hafen für Frieden, in dem sich das Kind geschützt entwickeln kann, gilt. Vor dieser Feststellung steht die Verantwortung des Staates jene Mitglieder der Gesellschaft zu schützen, die es besonders brauchen, in Konflikt mit seiner Aufgabe, die Privatsphäre zu respektieren. Diese Spannung konnte bereits in Debatten rund um die familiäre Gewalt gegen Frauen gelöst werden.

Das Kinderrechte-Komitee schneidet dieses Thema an, indem es seine Meinung dazu äußert. Eine Meinung, die rechtssprechend ist: „Die Konvention verpflichtet die Staaten dazu, die Familien zu respektieren und zu unterstützen. Es entsteht dabei kein Konflikt mit der Verpflichtung der Staaten dafür zu sorgen, dass die Menschenwürde und die physische Unversehrtheit der Kinder (…) innerhalb der Familie geschützt wird.“

Somit impliziert die politische Entscheidungsfindung in diesem Sinne eine Veränderung der Einstellungen von Seiten der Legislative bezüglich seiner Wahrnehmung vom Kind sowie zur Schutzrolle des Staates. Auf internationalem Niveau, haben die verschiedenen Instanzen aus diesem Gesetz ein Aushängeschild gemacht, um wirksam gegen die Misshandlung und für die Menschenrechte einzutreten- Kinder sind die einzigen Bewohner in der Schweiz, die man auf den Po hauen oder ohrfeigen kann.

Nun müssen schweizerische Entscheidungsträger Position beziehen.

Clara Balestra, Sarah Oberson Stiftung, 18.4.16