Unbegleiteten Minderjährigen: ADEM begrüsst SODK Empfehlungen

27 Juni 2016

Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen: Allianz für die Rechte der Migrantenkinder (ADEM) begrüsst die Empfehlungen der SODK.

  • Die Allianz für die Rechte der Migrantenkinder (ADEM) begrüsst die Einführung von Mindeststandards in der Betreuung von unbegleiteten Minderjährigen der SODK
  • Sie arbeitet ausserdem darauf hin, dass die Kantone den Zugang zu einer Berufsausbildung für die jugendlichen Migranten vereinfachen und vermehrt untereinander kooperieren
  • Die ADEM wird ihre Bemühungen fortsetzen, um die Umsetzung der Empfehlungen in den Kantonen voranzutreiben.

Pressemitteilung der ADEM, 22. Juin 2016. Artikel von IDE, 22.06.16

Die Allianz für die Rechte der Migrantenkinder (ADEM) zeigt sich erfreut, über die Empfehlungen, welche von der Konferenz der kantonalen Sozialdirektorinnen und Sozialdirektoren (SODK) diesen Mittwoch herausgegeben wurden. Diese streben eine Verbesserung der Behandlung von unbegleiteten Migrantenkindern an, indem sie eine gewisse Harmonisierung der kantonalen Reglementierungen, v.a. bezüglich der Unterkunft, Betreuung und rechtlichen Repräsentation, verlangen. Somit können Ungleichbehandlungen in Zukunft vermieden werden.

Die SODK reagiert damit auf die Forderung des UN-Kinderrechtsausschusses, welches bei seiner Untersuchung letzten Jahres an die Schweiz appelliert hat, die Standards anzugleichen (Schlussbemerkungen zur Präsentation des 2.-4. Berichts über die Schweiz, Februar 2015). Der Ausschuss erwähnte dabei explizit das übergeordnete Interesse des Kindes, sowie dessen Recht auf eine altersgerechte Betreuung. Die ADEM begrüsst insbesondere, dass die SODK explizit auf das Handbuch der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes (SSI) hinweist. Darin werden in neun Etappen Ratschläge und praktische Anwendungen für Fachleute (gesetzliche Vertreter, Sozialarbeiter, Lehrer, Verantwortliche von Unterkünften, Ärzte, Psychiater und Psychologen) für die Begleitung und Orientierung von unbegleiteten Kindern und jungen Erwachsenen bereitgestellt.

Da die Empfehlungen der SODK für die Kantone nicht obligatorisch sind, wird die ADEM ihre Bemühungen fortsetzen, deren Umsetzung in den Kantonen voranzutreiben und sicherstellen, dass den spezifischen Bedürfnissen dieser Kinder Rechnung getragen wird. Es ist unabdingbar, dass die persönliche Geschichte eines jeden Kindes berücksichtigt wird, dass sie als Kinder behaline.sermet@childsrights.organdelt werden, und nicht als administrative Notwendigkeit und dass ihre eigenen Fähigkeiten identifiziert und gestärkt werden.

Als Folge der Empfehlungen arbeitet die ADEM ausserdem darauf hin, den Zugang zu einer Berufsausbildung für die Jugendlichen zu vereinfachen. Dies wird auch deren Integration in die Schweizer Gesellschaft fördern, da die meisten von ihnen aus Krisenregionen kommen und dauerhaft in der Schweiz bleiben werden. Um dies zu erreichen, wird insbesondere eine verstärkte Kooperation zwischen den Kantonen angestrebt. Auch muss der besonderen Situation der Mädchen Rechnung getragen werden, welche oft Opfer von Gewalt und Diskriminierung werden.

Die ADEM möchte ausserdem daran erinnern, dass sich, wie in den Empfehlungen der SODK betont, hunderte von unbegleiteten Minderjährigen ohne legalen Status in der Schweiz befinden. Gemäss der UN-Kinderrechtskonvention müssen sich die Empfehlungen an alle migrierenden Kinder richten, unabhängig von deren derzeitigen Aufenthaltsstatus.

Über Allianz für die Rechte der Migrantenkinder:

Die Allianz für die Rechte der Migrantenkinder (ADEM) ist ein Netzwerk von Organisationen und Fachleuten, die sich für die Rechte und Interessen von Migrantenkindern in der Schweiz einsetzen. Sie setzt sich aus der Stiftung Terre des hommes, der Schweizerischen Stiftung des Internationalen Sozialdienstes und dem Internationalen Institut der Rechte des Kindes zusammen. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe ist Mitglied. Ziel der Allianz ist eine bessere Anwendung der Kinderrechtskonvention zugunsten der Migrantenkinder in der Schweiz, damit diese jungen Menschen in ihrem Herkunftsland, in der Schweiz oder einem Drittland konkrete Zukunftsperspektiven aufbauen können.

Die ADEM freut sich, die SODK an ihrer jährlichen nationalen Konferenz zur Betreuung von Migrantenkindern am 10. November in Bern begrüssen zu dürfen, wo die SODK ihre Empfehlungen nochmals vorstellen wird.

Kontakte für weiterführende Informationen

SSI: Elodie Antony, Projektmanagerin (022 731 67 00; ssi-ea@ssiss.ch)

Tdh: Fouzia Rossier, Beauftragte für die Verteidigung der Kinderrechte in der Schweiz (079 321 72 57; fouzia.rossier@tdh.ch)

IDE: Aline Sermet, Wissenschaftliche Mitarbeiterin (027 205 73 03; aline.sermet@childsrights.org)

OSAR: Stefan Frey, Mediensprecher (079 509 47 89; stefan.frey@osar.ch)

pdfPressemitteilung

Wie Mobbying an der Schule verhindert werden kann

7 Mai 2012

Gemäss Prof. Eric Debarbieux ist die Gewaltprävention im schulischen Umfeld für das Opfer als auch den Angreifer entscheidend. Ein Kolloquium sucht nach Möglichkeiten, um das Phänomen zu resorbieren.

Artikel von Paola Mori, veröffentlich im le Courrier am 3. Mai 2012

Beleidigungen, Spötteleien, Erniedrigungen, Erpressung, Diebstähle, absichtlicher Materialverschleiss: Belästigung in der Schule zeigt sich unter verschiedenen Gesichtern. Die Entwicklung der Neuen Technologien hat ebenfalls eine neue Art der Belästigung mittels tragbarer Telefon oder sozialer Netze entstehen lassen, welche dazu neigt, die Grenze zwischen schulischer und außerschulischer Belästigung zu untergraben, da das Kind bis in sein Zimmer hinein diesen Belästigungen ausgesetzt ist.

Eine aktuelle französische Untersuchung schätzt, dass ein Kind auf zehn auf sich wiederholende Art und Weise Opfer seiner Kameraden ist. Die Zahlen bezüglich des Wallis wurden anlässlich des internationalen Kolloquiums „Mobbying zwischen Gleichaltrigen: in den Gräben der Schule“ veröffentlicht, welches zwischen dem 3.  und 4. Mai 2012 im Universitären Institut Kurt Bösch in Sitten stattfand. Unter den zahlreich anwesenden Experten war auch Eric Debarbieux, Autor zahlreicher Werke, Präsident der Internationalen Beobachtungsstelle für Gewalt in der Schule und Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Paris Est-Créteil.

Welches sind die Konsequenzen der Belästigung?

Eric Debarbieux: seitens der Geplagten stellt man eine Abwendung von der Schule statt, der Absenz, eine Abwertung des Selbstbildes, ein erhöhtes Depressionsrisiko und eine erhöhte Neigung zu Selbsttötung, bis ins Erwachsenenalter hinein.  Zwischen 20% bis 25% der chronisch abwesenden Schülerinnen und Schüler gehen aus Angst vor Belästigungen nicht an die Schule. Der Täter ist selber ebenfalls einem Risiko ausgesetzt. Eine aktuelle Studie aus England, welche während vierzig Jahren eine Gruppe von vierhundertzwanzig Täter begleitet hat, zeigte auf, dass diese viel öfter arbeitslos waren als andere, oder schlechtbezahlte Berufe ausübten oder in der Beziehung Misshandlungen ausübten. Im Fall von Belästigung ergibt sich eine Verlierer-Verlierer Situation. Das Gesetzt des Stärkeren ist nur eine Farce.

Welches ist das Profil der Zielschüler?
Das ist schwierig zu sagen. Man beobachtet allerdings, dass das Opfer durch einen Unterschied stigmatisiert wird, dass es mit der Gruppe aus dem einen oder anderen Grund nicht in Einklang steht. In diesem Sinn ist die Belästigung eine Unterdrückung der Non-Konformisten. Gegen Belästigungen anzugehen bedeutet in diesem Sinne, den Gruppenkonformismus zu bekämpfen.

Wie können diese Situationen verhindert werden?
Das Phänomen zu kennen und widerzuerkennen ist bereits die Hälfte der Miete. Man verhindert das Risiko zu Belästigungen auch durch eine globale Politik der Verbesserung des Schulklimas. Es gibt eine starke Wechselbeziehung zwischen dem Klima der Einrichtung und Schulgewalt. Deshalb ist alles, was ein gutes Zusammenleben und Zusammensein in der Schule fördert, zu begünstigen. Die Organisation von Schulfesten oder von Aktivitäten, wie z.B.  eine Theateraufführung, sind zu befürworten. Es gibt in Spanien Programme zur „convivencia escolar“, welche die Gewalt durch eine Verminderung der Isolierung der Schüler merklich zurückgehen ließen.
Ein anderer Hebel ist die Stabilität des Lehrerkollegiums. Die Anzahl von Gewalttätigkeiten fällt in Einrichtungen, in welcher die Lehrpersonen über eine lange Zeit beschäftigt bleiben.

Welche Ratschläge können den Eltern gegeben werden?
Eine Überbehütung muss vermieden werde, da sie sonst nicht genügend Abwehrmöglichkeiten kennen, um sich gegenüber Aggression zu wehren. Im Fall von Belästigung ist es notwendig, dass die Eltern mit den Lehrpersonen oder der Schulleitung das Gespräch suchen da die Schule der erste Ort der Prävention darstellt. Das Gefühl von Isolation muss gebrochen werden und alle müssen sich gemeinsam als verantwortlich zeigen. Das Kind benötigt stabile Erwachsene um sich herum.

Auf welcher anderen Ebene kann Unterstützung geboten werden?
Seitens der Medienangebote könnte Facebook, welches momentan als eine der grössten Gefahrenplattformen für Belästigungen gilt, zum Engagement verpflichtet werden.  Zum Beispiel indem Mittel zur Kontrolle gefunden werden, ohne dass dabei wenig sinnvolle Verbote lanciert werden.

(1) Studie Wallis : En moyenne, deux élèves par classe sont harcelés, Le Nouvelliste, 05.05.2012

(Français) Sierre : école primaire: le respect en campagne

28 Juni 2011

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.

Die Kinderrechte und die Welt der Bildung in der Westschweiz

3 Mai 2011

Ein interdisziplinärer Studiengang im Bereich Kinderrechte für Lehrpersonen und Bildungsexpertinnen und -experten wird in Sitten (Schweiz) eingeführt.

Logo CDEE 72dpi

Die Welt der Bildung ist in stetiger Entwicklung. Sie passt sich dauernd an, um die neuen und immer komplexeren Realitäten, die das Leben der Kinder ausmachen zu berücksichtigen. Die Kinderrechtskonvention (KRK) anerkennt die Kinder als Rechtssubjekte und soziale Akteure. Nach der Ratifizierung der KRK 1997, hat die Schweiz unter anderem die Verpflichtung, allen eine Bildung, Schutz und insbesondere die Kindermitbestimmung zuzusichern.

Die französischsprachige öffentliche Schule und ihr neuer Lehrplan (PER, 2010 durch die EDK-Regionalkonferenz der Westschweiz und des Tessins angenommen) berücksichtigen diese Verpflichtung seitens der Schweiz. Indem die französischsprachige Schule nämlich die Kinderrechte an ihre allgemeinen Prinzipien und die Kenntnisse dieser Prinzipien an ihre vorrangigen Ziele integriert, zeigt sie ihren Willen, sich in die Umsetzung, die Förderung und den Respekt der Rechte ihrer Schüler einzubringen.

Ein CAS in Sachen Kinderrechte und Bildung
Um die Kompetenzen der Lehrkräfte und der anderen interessierten Bildungsexpertinnen und -experten zu festigen und es ihnen zu ermöglichen die Kinderrechte umzusetzen, darüber zu unterrichten und sie respektieren zu lassen während man für die Kollegen als Auskunftsperson dasteht, wird ein interdisziplinärer Hochschulstudiengang angeboten. Es ist eine dreifache Partnerschaft, welche die ergänzenden und fachlichen Kenntnisse des Universitätsinstituts Kurt Bösch (IUKB), des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes (IRK) und der Fondation Education et Développement (Stiftung Bildung und Entwicklung) (FED) zusammenführt und ins Leben gerufen wurde, um ein CAS (Certificate of Advanced Studies) in Sachen Kinderrechte und Bildung zu schaffen. Das IRK-IUKB, mit seiner Lehr- und Forschungseinheit zu den Kinderrechten und seinem neuen Schweizerischen Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR) – ein „politischer Pol in Sachen Jugend und Kind“ – und die FED, mit ihrem pädagogischen Sachverstand und ihren Kenntnissen der Schulwelt, vereinigen sich zu einer Synergie im Dienste der Lehrkräfte und der Schüler.

Der Studiengang, der 15 ECTS-Kreditpunkte umfasst, findet im IUKB in Sitten, in der Schweiz statt. Die Präsenzmodule (2-wöchig) werden von renommierten Fachleuten wie Jean Zermatten, Direktor des IRK und derzeitiger Vizepräsident des UN-Kinderrechtskomitees, Prof. Philip D. Jaffé, Direktor des IUKB und Professor an der Universität Genf und Begründer dieses Projekts sowie Dr. Nicole Awais, Didaktikerin und pädagogische Mitarbeiterin der FED organisiert. Indem die theoretischen Inputs und die neuesten wissenschaftlichen Entwicklungen mit den eigenen pädagogischen Erfahrungen verknüpft werden, werden die Teilnehmenden zum Erwerb eines Fachwissens in Sachen Kinderrechte hingeführt, das ihre Praxis weiterentwickeln wird und wovon ihre Kollegen, ihre Einrichtungen und vor allem ihre Schüler profitieren werden.

Link :
Certificat en Droits de l’Enfant et Education 2011 – 2012

Dieser Artikel ist am 14.03.2011 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Konferenz 2010 der Stiftung Sarah Oberson über die neuen Technologien

8 November 2010

In einem Jahr, verbringt ein Schweizer Jugendlicher 800 Stunden auf der Schulbank, … und 1’500 Stunden an elektronischen Medien (wovon Handy, Audioplayer, etc.).

Leitartikel von Frau Geneviève Levine des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes.

Unter dem Titel „Neue Technologien: Chancen und Gefahren für die Kinder“, hat sich die Stiftung Sarah Oberson am 3. November im IRK, für ein vielfältiges Publikum mit dieser Frage auseinandergesetzt.

Photo 005-1

In einem Jahr, verbringt ein Schweizer Jugendlicher 800 Stunden auf der Schulbank, … und 1’500 Stunden an elektronischen Medien (wovon Handy, Audioplayer, etc.).

Wie verlaufen die Bestrafungsachse und die Vorbeugungs-/Erziehungsachse, wenn man die Jugend vor dem Abdriften schützen will, das sich „online“ abspielt, und die nicht gut im Griff der Erwachsenen sind? Wie kann man ausserdem aus einem fantastischen Mittel wie dem Internet, einen optimalen Ort des Schaffens, des Teilens und des Austauschs für unsere Jugendlichen machen?

Photo 020-1

Die Vorträge haben die psychologischen und die Bildungsaspekte, die mit diesem Konsum verbunden sind betont, indem sie diesen auf eine inhaltliche Reflexion über den Bild- und Dokumentstatus und einem Bericht über die Lage auf politischer Ebene (Parlament-Bundesrat) abstützten.

Die von Action Innocence und der welschen Vereinigung CIAO durch die Medien bekannt gemachten Aussagen am Nachmittag, haben den Reichtum, der durch die neuen Technologien ermöglichten Interaktionen, sowie das erhöhte Bewusstseinsniveau unter unseren Jugendlichen aufgezeigt, was die Grundmassnahmen in Sachen Sicherheit betrifft.

Photo 033

Eine Diskussionsrunde hat danach Gedankenanstösse für die Zukunft in Betracht gezogen – darunter die Frage über die Verantwortung der Zugangsanbieter, die man zu einem ethischen Nachdenken über die Zurverfügungstellung von Technologien bringen sollte.

Photo 040

Dieser Artikel ist am 5. November 2009 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Media

- Le Nouvelliste, Encadrer nos jeunes « Googlelisés », 04.11.2010, p. 2.
- Le Nouvelliste, Devenir citoyen numérique, 04.11.2010, p. 3
- Le Nouvelliste, A la recherche d’aide sur le web, 04.11.2010, p. 3
- Canal 9, Les Nouvelles technologies et l’enfance, L’Emission en Direct, 03.11.2010.