Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda – Die Vereinigten Staaten

8 Mai 2017

Auch wenn die unterschiedlichen Phänomene rund um den Begriff “Verschwinden” heutzutage nicht neu sind, so haben sich die Sichtweise und die Verbindungen, die wir (oder auch nicht) zwischen ihnen sehen, im Laufe der westlichen Geschichte verändert. Die Vereinigten Staaten, welche die ersten Gesetze zum Kidnapping während des 20. Jahrhunderts verabschiedet haben, spielen eine wichtige Rolle in der Notwendigkeit und der Verbreitung einer neuen Handhabung des Kindesverschwindens. Die 80er Jahre sind diesbezüglich ein Wendepunkt.

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (1), Lehrbeauftragter, Pädagogische Fachhochschule Waadt und wissenschaftlicher Mitarbeiter, Interfakultäres Zentrum der Kinderrechte, Universität Genf

Zwischen 1979 und 1981 wird den USA mit einer Serie von Entführungen und Morden an Kindern durch Unbekannte zugesetzt. Diese Verbrechen resultierten in viel emotionaler Aufregung seitens der Bevölkerung und Eltern organisierten sich, oft in Form von NGOs, um eine stärkere Handlung von Seiten der Regierung zu fordern. Ihre Bemühungen trafen sich mit denen anderer Organisationen, welche tätig werden in Fällen von elterlicher Kindeswegnahme, welche versuchen die Behörden, Presse und die Öffentlichkeit von der Gefahr dieser Handlung zu überzeugen. Zu diesem Zeitpunkt entsteht die Idee, verschiedene Situationen einer physischen Trennung zwischen Eltern und Kindern (Bsp. Elterliche Kindesentführung, Entführung durch Fremde, Kidnapping, Flucht) unter dem Begriff „Vermisste Kinder“ (missing Children) zu vereinen. Eine Kategorie, die bis dahin aus der politischen Debatte ausgelassen wurde (Best, 1987, S.105). Es handelt sich dabei einerseits darum die Kriterien zu interpretieren um ein Kindesverschwinden so umfassend wie möglich zu definieren, indem Zusammenhänge zwischen den Phänomenen hergestellt werden, die bis dahin noch getrennt wurden. Andererseits muss jenen bewiesen werden, die meinen, dass eine Flucht oder eine elterliche Kindeswegnahme noch harmlose Formen des Kindesverschwindens sind, dass die betroffenen Kinder tatsächlich gravierenden Risiken von Misshandlung und Ausbeutung ausgesetzt sind.

Anfang der 80er Jahre, ohne Studien zum Phänomen und Vergleichskriterien zum Reflektieren eben dieser, basierte das Plädoyer auf den Zeugenaussagen  der Eltern der vermissten und brutal ermordeten Kinder durch Unbekannte. Auch wenn diese Fälle eher selten vorkommen – findet sich an erster Stelle das Davonlaufen, gefolgt von elterlichen Kindesentführungen  -, hat die Dramatisierung der Probleme  die Macht Kritik zu entkräften. Diese Strategie endet schnell in der Unterzeichnung des Missing Children´s Act (1982) und des Missing Children Assitance Act (1984), welche insbesondere von dem Präsidenten Ronald Reagan unterstützt wurden. Diese legislative Handlung stellt in 1984 die Basis für die Einführung eines nationalen Zentrum für die Unterstützung der Behörden in der Suche von vermissten Kindern und im Kampf gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern: National Center for Missing and Exploited Children (NCMEC). Dank der stetigen Hilfe durch die Regierung  und der Unterstützung mächtiger privater Spender, darunter Google, Honeywell und die Microsoft Corporation, kann das NCMEC heute  ein weitreichendes Netzwerk an Organisationen, die in den USA aktiv sind im Bereich der vermissten Kinder, vorweisen. Es ist zudem ein internationales Modell in diesem Arbeitsfeld.

(1)   Michele Poretti (2016), Anstieg der „vermissten Kinder“ in die westliche Agenda. Studie zu einer neuen Grenze des Unzumutbaren, Frontières, 27(1-2), online: : http://www.erudit.org/fr/revues/fr/2015-v27-n1-2-fr02596/1037079ar/

Solidarität mit den Familien vermisster Kinder

20 Mai 2014

Am 25. Mai 2014, dem internationalen Tag der vermissten Kinder, möchten wir eine Blume in Erinnerung an all die vermissten Kinder und als Zeichen der Solidarität mit ihren Familien, Familien, die im ersten Moment des Verschwindens ihres Kindes oft im Rampenlicht stehen, sich jedoch anschliessend angesichts ihres Verlustes oft allein befinden, verschenken.  

Photo Flickr : http://www.hellotipi.com/blog/category/le-saviez-vous/

Wie kann ihnen geholfen werden ? Mit der Absicht, Fachleute, welche diesen Familien beistehen um sie zu unterstützen, hat die Stiftung Sarah Oberson im Jahr 2013 eine Studie über die wissenschaftlichen Beiträge zu diesem Thema in Auftrag gegeben (1).

Leider stellt man ziemlich rasch zu diesem Thema eine Stille in der akademischen Welt fest. « Untersuchungen zu diesem Bereich bleiben sehr rar und haben oft einen offenkundig erforschenden Charakter. »(p. 31) Nichts desto trotz kann man jedoch eine gewisse Anzahl von Übereinstimmungen heraus filtrieren.

« Die Untersuchungen unterstreichen auf fast einstimmige Art und Weise dass, wenn das Vermissen eines Kindes sich unendlich in die Länge zieht, die Reaktion der Familien durch eine ambivalente Mischung aus Hoffnung und Akzeptanz des Verlustes geprägt ist. Für einige der Autoren ist diese Ambivalenz notwendigerweise die Quelle einer dysfunktionalen Adaption, während andere aufzeigen, dass betroffene Familien das Stadium eines zufriedenen Wohlbefindens erreichen können. Die Studien heben des Weiteren die grosse Vielfalt der individuellen Reaktionen bezüglich des Verschwindens eines Kindes hervor. » (p. 12)

« Das Vorhandensein einer wirkungsvollen Unterstützung im Rahmen der Familie oder der Gemeinschaft (scheint) die unheilvollen Folgen des Verschwindens eines Kindes mildern (zu können). (… die) Sinngebung, welchem dem Verschwinden attribuiert wird, erscheint als ein fundamentales Element hinsichtlich der Erfassung der Wirkung des Verlustes. » (p. 13)

Gemäss Michele Poretti, Autor der Studie, « ist es, wenn es im Rahmen einer Reflexion über die Familien von vermissten Kindern schwierig wird, auf die Begriffe von Verlust und Trauer zu verzichten – da diese oftmals gar durch die Familien selber verwendet werden – wichtig, diese vom normativen Rahmen, welcher durch die Wissenschaftler im 20. Jahrhundert geprägt wurde, zu befreien. Es ist zudem notwendig, ihnen einen Raum zu geben, in welchem sich die Normalität manifestieren kann. Der Prozess der Trauer könnte auf diese Art und Weise, gemäss einer minimalistischen und offenen Definition, als eine Transformation verstanden werden, deren Ausgang per se unbeständig und unvorhersehbar ist. » (p. 14)

Anlässlich dieses 25. Mai bezeugt die Stiftung Sarah Oberson ihre Solidarität mit den Familien und Fachpersonen, welche sie umgeben.

Stiftung Sarah Oberson, 20.05.2014

(1) Poretti Michele (2013), Au seuil du deuil ? Les familles d’enfants disparus à l’épreuve de l’incertitude Revue de la littérature scientifique, Fondation Sarah Oberson, Jean Zermatten (Eds), Clara Balestra, IUKB, Sion (französich).

Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern in einem Drama für die Kinder endet?

6 September 2011

Wie kann verhindert werden, dass die Trennung der Eltern in einem Drama für die Kinder endet? Das Interesse des Kindes ins Zentrum dieses Phänomens stellend, will der Sarah Oberson Konferenz 2011 über einzelne dieser Dispositive reflektieren: die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht und die Vormundschaft des Kindes.  Durch die Einladung von Experten, welche mit diesen Instrumenten arbeiten, versucht die Stiftung diese Praktiken mit der Realität zu konfrontieren.

Jedes Jahr enden ungefähr 50% der Heiraten in einer Scheidung. Man schätzt, dass 15‘000 Kinder von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind, und dies ohne Einbezug der Trennungen ohne Heiratsschein. Trotz der steigenden sozialen Akzeptanz der letzten Jahrzehnte bringen diese Trennungen viel Leid mit sich, für die betroffenen Elternteile aber auch für die Kinder aus diesen Verbindungen.

Die grosse Mehrheit dieser Situationen regeln sich auf friedliche Art und Weise.  Man schätzt, dass nur 10% der Scheidungsfälle mit Streitigkeiten verbunden sind. Es gilt aber zu bedenken, dass unter diesen Trennungen, verbunden mit Streitigkeiten, Extremfälle vorkommen. Im Jahr 2010 sind in der Schweiz 102 neue Fälle von elterlicher Kindesentführung registriert worden – und diese Zahl beinhaltet nur die internationalen Entführungen. Die Medien informieren uns regelmäßig über Fälle von Totschlag von Kindern durch einen Elternteil, oft verbunden mit einem anschließenden Selbstmordversuch. Die Trennung der Eltern wird manchmal von Kindern teuer bezahlt.

Frankreich hat Familiengerichte eingeführt, welche eine Spezialisierung der Zuständigkeiten und eine Einbettung der Familien erlauben. Die Schweiz hat entschieden, dieses Phänomen mit der Einführung von Mechanismen, welche versuchen die negativen Auswirkungen die diese Trennungen, vor allem für die Kinder, mit sich bringen, zu mildern. Das Interesse des Kindes ins Zentrum dieses Phänomens stellend, will der Sarah Oberson Reflexionsabend 2011 über einzelne dieser Dispositive reflektieren: die Familienmediation, das gemeinsame Sorgerecht und die Vormundschaft des Kindes.  Durch die Einladung von Experten, welche mit diesen Instrumenten arbeiten, versucht die Stiftung diese Praktiken mit der Realität zu konfrontieren.

Die Familienmediation gehört zu den gerichtlichen wie auch außergerichtlichen Schritten einer Trennung. Kann die Mediation aber, als treibende Kraft der Trennung auf Verhandlungsbasis, im Falle einer Trennung einer Familie, welche nicht auf einem egalitären und demokratischen Verständnis basiert, ein Resultat erreichen, welches ein besserer Schutz der Minderjährigen garantiert?
Das gemeinsame Sorgerecht, in den Nachbarländern als auch in der Schweiz immer öfters praktiziert, wird in der Schweiz seit zwei Jahren debattiert. Ist es aber ein angemessenes Instrument um das Kind in der täglichen Praxis und in einer Situation, in welcher sich ein Paar im Konflikt trennt, vom erzieherischen Beitrag beider Elternteile profitieren zu lassen oder hält es nicht eher Unstimmigkeiten aufrecht, und trägt so zu einer Verschlechterung des Lebenskontextes des Kindes bei?
Der Vormund ist ein neuer juristischer Akteur, welcher die Rechte des Kindes vertritt. Welche Fundamente existieren um die Legitimation dieser Repräsentation zu garantieren, vor allem, wenn das Kind die Fähigkeit zu abstrahieren noch nicht voll entwickelt hat? Und auf welche Art und Weise ermöglicht die Verteidigung der Rechte des Kindes, einem gleichwertigen Mitglied einer Familie in einer Konfliktsituation, diesem die Garantie eines besseren Schutzes?

In der Absicht, die Komplexität und Diversität von Trennungssituationen zu widerspiegeln und realistische Lösungswege anzuvisieren, organisiert die Stiftung Sarah Oberson nach den Präsentationen der Experten einen Runden Tisch. Dieser Runde Tisch soll gleichzeitig widersprüchlich aber auch konstruktiv die Stimmen nicht nur der Berufstätigen in diesem Sektor, sondern auch die Stimmen und Erfahrungen der Eltern mit und ohne Sorgerecht, die Stimmen von Repräsentanten des Schweizerischen Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (SVAMV) und der Bewegung Mouvement de la Condition Paternelle Valais (MCPV) zusammenführen.

DIE STIFTUNG SARAH OBERSON,
DAS INTERNATIONALE KINDERRECHTSINSTITUT

organisieren
eine Tagung zum Thema:

Trennung der Eltern, Verschwinden von Kindern: mögliche Ansätze

Mittwoch, den 9. November 2011
im Casino von Saxon, Wallis

Prospekt

Anmeldeformular

Die Stiftung Sarah Oberson organisiert jedes Jahr einen Reflexionstag zu aktuellen Themen in Zusammenhang mit dem Schutz der Kindheit. Diese Jahr präsentiert die Stiftung ein neuer Ablauf mit dem Ziel, diesen Moment der Reflexion für Experten und Eltern besser zugänglich zu machen. Sie präsentiert deshalb 4 Interventionen von Experten à je 15 Minuten und einen Runden Tisch, welcher sich dem Austausch von Ideen öffnen will.

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

24 Mai 2011

25. Mai 2010, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder : Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Seit drei Jahren weist die Sarah Oberson Stiftung mittels eines Artikels auf ihrem Blog auf den internationalen Tag vermisster Kinder, den 25. Mai, hin. Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Myosotis.scorpioides

Während den vergangenen drei Jahren wurde das Reaktionsangebot bei einer Vermisstmeldung eines Kindes in der Schweiz mit dem Entführungsalarmsystem versehen, ein System welches sich ohne Unterlass immer weiter perfektioniert. Seit dem 1. Februar dieses Jahres erstreckt sich die Ausdehnung des Verteilungsnetzes der Vermisstmeldungsnachrichten auf die Handys der auf der Verteilerliste eingeschriebenen Personen. (Tragen Sie sich ein!)

Die Europäische Union (EU) bemüht sich ebenfalls um die Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems.
Dies bedeutet, dass unter anderem die Idee eines Entführungsalarmsystems auf europäischem Niveau, für welches die Familie McCann viel Mühe aufgewendet hat, sich auf dem Weg der Realisation befindet.
In Zukunft werden 6 europäische Länder über ein Entführungsalarmsystem verfügen. Des Weiteren hat sich Frankreich im Rahmen des europäischen LADS.eu-Projekts (Lutte Anti-Disparitions dans l’Union européenne) mit Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammengeschlossen.
Dieses Programm, welches durch die Europäische Kommission mitfinanziert wird, hat die Verstärkung der Kompatibilität und der Koordination des Entführungsalarmsystems zwischen Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien zum Ziel.

Andererseits, dank verfügten Normen und der Unterstützung der EU, verfügen fünfzehn europäische Länder, darunter Frankreich und Italien (in Großbritannien ist dieses Angebot nur teilweise verfügbar), über die einzigartige Rufnummer 116 000. Es handelt sich um eine Nummer, welche dazu dient, die Familien verschwundener, entlaufener oder weggenommener Kinder anzuhören und zu begleiten. Diese gemeinsame und kostenlose Nummer, während 7 Tagen und 24 Stunden zugänglich, will eine besser Koordination der Forschung seitens der zuständigen Behörden und Experten auf europäischem Niveau gewährleisten.
Die Nummer 116 000 erlaubt aber auch den Familien von vermissten Kindern Zugang zu Informationen, angehört zu werden und eine professionelle, zugängliche und verfügbare Unterstützung zu erhalten. Diese gemeinsame Nummer wird von Experten mehrsprachig geführt.

In Anbetracht der großen Mobilität seitens der Schweizer- und Europabürger könnte die Schweiz ihres System optimieren und sich in das europäische Netzwerk einschreiben, um damit das Entführungsalarmsystem zu ergänzen und die notwendigen Schritte der Familien und der zuständigen Behörden zu erleichtern.

Sarah Oberson Stiftung, 24.05.2011

- Entführungsalarm-System Internationale Situation, Sarah Oberson Stiftung
- Europa : Missing Children Europe calls for Enhancement of the Professional Standard of 116 000 Hotlines for Missing Children, 20.05.11
A practical guide for 116 000 hotlines, 05.2011
- Frankreich : 9ème Journée internationale des enfants disparus, 19.05.2011
- ‘Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2010
- ‘Une fleur, message d’espoir et de solidarité‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2009

„Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war“

25 Mai 2010

Reichen wir an diesem 25. Mai 2010, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder, eine Blume dar, zur Erinnerung an alle verschwundenen Kinder und als Zeichen der Solidarität mit deren Familien.

Myosotis.scorpioides

Familien, welche mit der Trauer und der Hoffnung des Wiedersehens kämpfen. Familien, welche „all diese Emotionen und diesen ganzen Schmerz in etwas positives“ verwandeln möchten (Vater von Lucie, Roland Trezzini).

„Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war“ (Nicole Trezzini)

Auf diese Art drückt sich Lucies Mutter, ein Jahr nach dem Verschwinden ihrer Tochter aus, die Verbesserungen kommentierend, welche dieses Verschwinden – das letzte einer langen Reihe – in der Schweiz ausgelöst hat: die Einführung des Entführungsalarmsystems; Verbesserungen im polizeilichen Prozedere bei vermissten Personen (Kanton Schwyz) und bei der Vorgehensweise bei der Befreiung der Täter von schweren Delikten (Kanton Aargau) (Le Journal RSR, 25.04.2010).

Die Familie der 2007 verschwundenen Ylénia, deren Körper im Wald aufgefunden wurde, hat entschieden, eine Stiftung für in Not lebende Kinder zu gründen: „Vielleicht wird der Tod von Ylénia somit einen Sinn erlangen“ (TSR, 19.11.2007). 2009 haben die gesammelten Gelder unter anderem beim Aufbau und dem Betrieb einer Schule in den Philippinen geholfen.

Gerry und Kate McCann, die Eltern der vor drei Jahren in einem Hotelzimmer in Portugal verschwundenen Madeleine, welche nicht mit ihren Bemühungen zur Einführung eines europäischen Entführungsalarmsystems geizen.

Familie Oberson hat eine Stiftung gegründet, welche notleidenden Kindern hilft. Diese Stiftung hat insbesondere zur Einführung des Entführungsalarmsystems beigetragen, welches in der Schweiz seit Anfang dieses Jahres im Einsatz steht. Ein Vernetzungssystem zur Mitteilungsübertragung, dem sie nunmehr angehört.

Ein Dankeschön an all die leidgeprüften Familien, welche durch ihr Engagement die Umwandlung eines tragischen Ereignisses in einen konstruktiven Beitrag erreicht haben.

(Français) 116 000, un complément au dispositif d’Alerte enlèvement ?

17 Juni 2009

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.

ENTFÜHRUNGSALARM: ein Ja von Herzen und mit ganzem Willen…

4 Mai 2009

Ein entscheidender Schritt des Staatsrates hin zum Entführungsalarm

Am Montag, den 27. April 2009, hat der Nationalrat sich erneut für den Entführungsalarm ausgesprochen. Bereits vor zwei Jahren hatte er ebenso bereits zwei eingereichte Anträge in der gleichen Angelegenheit positiv beschieden.

Ein pragmatisches Herangehen für den Antrag des Staatsrates Didier Burkhalter

Bei seiner Sitzung im Frühjahr 2009 hat der Nationalrat den Antrag der Staatsrates Didier Burkhalter angenommen, der so intelligent war, an diese wichtige Frage pragmatisch heranzugehen.

Kurz gefasst fordert dieser Antrag die Eidgenossenschaft auf, in dieser Angelegenheit ihren Führungsanspruch zu behaupten und mit den Kantonen und den anderen betroffenen Bereichen ein Partnerschaftsabkommen zu schließen.

Der Antrag betont die nationale und sogar internationale Dimension dieser Problematik. Er macht dies aus einem beengten Föderalismus heraus, der bislang eine Umsetzung des Entführungsalarms in der Schweiz verhinderte.

Diese einhellige Unterstützung des Parlaments deutlich den Willen der Bundesparlamentarier, unser Land endlich mit einem Entführungsalarm zu versehen, der sich bereits in mehreren anderen Ländern bewährt hat, das heißt in den USA, in Kanada und in Frankreich. In den letzten Jahren konnte das Leben Hunderter Kinder durch das in diesen Ländern umgesetzte System gerettet werden.

Diese Entscheidung bildet den glücklichen Abschluss mehrerer Initiativen, mit denen die Einsetzung eines solchen Systems in der Schweiz gefordert worden war.

Man muss unter anderem sowohl den dringlichen Appell, der im Jahre 2007 von den Zeitungen Le Nouvelliste und Feuille d’Avis du Valais veröffentlicht wurde, als auch die Petition der FREDI-Stiftung nennen. Letzter Höhepunkt war der weiße Marsch, der im März 2009 in Fribourg von den Eltern der kleinen Lucie Trezzini organisiert wurde, die von einem Sexualstraftäter ermordet worden war.

Eindringlicher Aufruf der Sarah-Oberson-Stiftung aus Anlass ihres 10. Jahrestages im November 2008

Die Sarah-Oberson-Stiftung hat ihrerseits ihren Beitrag zu diesem Mosaik geleistet, als es aus Anlass ihres 10. Jahrestages, der am 7. November 2008 in enger Zusammenarbeit mit der Walliser Kantonspolizei und dem Internationalen Institut der Rechte des Kindes (IDE) in Saxon abgehalten wurde, einen dringlichen Aufruf zugunsten des Entführungsalarms veröffentlichte.

Unmittelbar nach dem Staatsrat und der sehr ermutigenden Entscheidung der nationalen Sitzung der Leiterinnen und Leiter der kantonalen Justiz- und Polizeidepartemente vom 2. April 2009 hat der Nationalrat erneut seinen Willen bekräftigt, ein solches System in der Schweiz einzurichten.

Der Nationalrat Christian Luscher, französischsprachiger Berichterstatter der Kommission, bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, dass „bei einer Entführung die Schnelligkeit und Reaktionsgeschwindigkeit absolut grundlegend sind, weil wir wissen, dass 90 % der Opfer in den ersten 24 Stunden verschwinden“…

Die Kriterien für die Auslösung des Entführungsalarms

Es wurde ebenfalls darauf hingewiesen, dass wir uns – einschließlich der zwingend notwendigen Anpassungen an das schweizerische Recht – in weiten Teilen auf französische System orientieren können. Wer löst den Alarm aus? Unter Berücksichtigung des eidgenössischen Föderalismus wird sehr wahrscheinlich die juristische Behörde desjenigen Kantons, in dem es zu der Entführung kommt, den Alarm auslösen.

In Frankreich gibt es vier Kriterien, die für das Auslösen des Alarms gelten:

1.    Die Entführung muss erwiesen sein. Es handelt sich nicht um ein einfaches Verschwinden.
2.    Das Leben oder die physische Integrität des Opfers müssen konkret in Gefahr sein.
3.    Es gibt bestimmte Informationen, deren Verbreitung die Lokalisierung des Opfers ermöglichen müsste.
4.    Das Opfer ist minderjährig.

Man braucht das Rad nicht neu zu erfinden!

Es ist nicht jedes Mal notwendig, das Rad neu zu erfinden! Meiner Meinung nach sollten wir diese Kriterien übernehmen, auch weil die Kinder im Vordergrund stehen sollten. Infolgedessen müsste man den Entführungsalarm vor allem auslösen, um das Leben verschwundener junger Kinder zu retten. Müssen wir an die Tragödien erinnern, welche die Familien von Sarah, Ylenia und Lucie durchlebt haben? Im Falle von Sarah hat ihre Familie selbst 24 Jahre nach der Tragödie immer noch nicht trauen kann, weil ihr Verschwinden immer noch vollkommen im Dunkeln bleibt! …

Meiner Meinung nach sollte der Entführungsalarm nur in Extremsituationen ausgelöst werden. So sollte man zum Beispiel das Ausreißen eines Jugendlichen davon ausschließen. Ebenso wenig sollte man dieses System für Fälle verschwundener Kinder nutzen, wenn binationale Paare in Konflikt geraten sind. In diesen Fällen wäre es besser, den Weg der Mediation durch einen Dritten zu gehen, um das wichtigere Wohl des Kindes entsprechend der internationalen Konvention der Kinderrechte von 1989 zu respektieren.

Aber auf welchen Wegen sollte man den Alarm übermitteln? Wie in Frankreich muss man schnell und massiv handeln, ausgehend von der Vorstellung, dass man auf diesem Gebiet besser ein wenig mehr als nicht genug macht. Wir dürfen niemals vergessen, dass das Leben der Kinder auf dem Spiel steht. Da kann man nicht an den einzusetzenden Mitteln sparen.

Die Alarmmeldung muss über mehrere Stunden über die Fernsehkanäle, Radiostationen sowie über die Presseagenturen und Zeitungen verbreitet werden.

Ebenso muss man die Alarmmeldungen in Bahnhöfen, an Flughäfen und Autobahnen verbreiten.
Außerdem bieten die heutigen Informations- und Kommunikationstechnologien neue, sehr effiziente Instrumente, wie zum Beispiel MMS und Microblogging (Verbreitung an alle Personen, die im Internet surfen).

Der Entführungsalarm: ein präventiver Faktor

Schließlich kann der Entführungsalarm auch eine nicht zu vernachlässigende präventive Rolle gegen Sexualverbrechen an Kindern spielen.

Zwar ist der Entführungsalarm kein Allheilmittel. Aber es wird in außergewöhnlichen Situationen dazu beitragen, diese „kleinen Menschen“ zu retten und gefährdete Kinder besser zu schützen. Es handelt sich um ein effizientes zusätzliches Instrument, das eine ganze Reihe von bereits umgesetzten Maßnahmen ergänzt.

Der Nationalrat hat übrigens nach dem Staatsrat eine hoffnungsvolle Nachricht verlauten lassen, als er sich deutlich dafür aussprach, unser Land mit diesem zwingend notwendigen Instrument ausstatten zu wollen, um unsere Kinder in Zukunft besser zu schützen! Diese Entscheidung ehrt das Schweizerische Parlement. Dieser erbitterte Appell, der ebenso dem Herzen wie dem Verstand entspringt, wurde enflich vom Bundesrat erhört!

Jetzt erwarten wir konkrete Maßnahmen bis zum Ende des Jahres 2009!

Dr. Bernard Comby
Geschäftsführer der Sarah-Oberson-Stiftung

Sion, den 1. Mai 2009.

Ein Drama um die Dinge voranzutreiben

29 April 2009

Kein Unglück so gross, es hat ein Glück im Schoss! Infolge des Mordes der jungen Lucie durch einen jungen Aargauer, muss uns diese alte Volksweisheit leider als Trost in einem bestimmten Mediationskontext dienen. Sie dient uns al Trost, aber darf uns keinesfalls das von Lucie erlebte Drama vergessen lassen, sowie die Tragödie, die ihr Verschwinden für ihre Eltern, ihre Angehörigen und die Gesamtheit der Familie ihrer Freunde bedeutet.

Der Trost ist allerdings etwas bitter: ich spreche hier von der Tatsache, dass sie es ermöglicht hat, die Akte des Entführungsalarms, die sich auf dem Tisch (wenn möglich nicht in den Schubladen) von Frau Bundesrätin, verantwortlich für Justiz und Polizei, voranzutreiben. Wir verweisen auf einige Tatsachen:

Bereits 2007 von etwa hundert Schweizer Persönlichkeiten, wurde eine Erklärung unterzeichnet, welche um Einführung des Systems des Entführungsalarms bittet und bei unserem grossen französischen Nachbarn bereits gültig ist, jedoch von einer beispielhaften von den USA und Kanada geführten Aktion herrührt. Seit fast 10 Jahren, mit einem unwiderrufenen Erfolg. Wiederholen wir, dass dieser Aufruf schon auf ein Drama folgte, das im Sommer 2007 geschah: das der kleinen Ylenia, einem kleinen Mädchen, welches man 47 Tage nach seinem Verschwinden tot auffand.

2008 im Oktober und November, hat sich die Fondation Sarah Oberson für diese Idee eingesetzt und hat erneut auf die Bundesbehörden Druck gemacht. Man hat uns dann erklärt, dass die kantonalen Kompetenzen (Polizeiangelegenheiten in kantonaler Hand) juristische, praktische und finanzielle Probleme darstellen würden und dass man warten müsse…

Am 18. Dezember 2008, hat Ständerat Didier Burkhalter eine neue Motion für die Einführung des Systems des Entführungsalarms in der Schweiz eingereicht. Diese Motion wurde mit 24 Unterschriften versehen. Sie bittet den Bundesrat, so bald wie möglich eine Partnerbestimmung zwischen allen vom System des Entführungsalarms betroffenen Partnern und insbesondere den Kantonen einzuführen.

Die offizielle Antwort darauf war, dass die Konferenz der Departementchefs und der kantonalen Polizeichefs diese Angelegenheit untersuchen würden und dass in Anbetracht der juristischen, praktischen und finanziellen Probleme frühestens ab 2010 mit einer Antwort zu rechnen sei. Ganz klar eine grosse Enttäuschung in den Reihen der Betroffenen.

Es bedurfte eines neuen Dramas, das von Lucie, um festzustellen, dass diese Probleme im Grunde nicht so unüberwindbar waren und dass der Föderalismus einige sofortige Anpassungen hätte aushalten können… Erstaunlich, wie doch der Mediationseffekt die Politiker beeinflussen kann!

Schliesslich begrüsse ich also die verschiedenen von der lateinischen Konferenz der Justiz- und Polizeidepartementchefs vertretenen Standpunkte zugunsten der Einführung eines solchen Systems in der Schweiz. Um ganz einleuchtend zu sein: die Walliser Behörden haben diese Initiative von Anfang an unterstützt.

Die ermutigenden Aussagen von Frau Bundesrätin Widmer-Schlumpf fallen unter denselben Gesichtspunkt. Sie lassen auf eine positive Entwicklung dieser Akte noch im 2009 hoffen.

Hoffen wir, dass es nicht nur Worte sind! Sarah, Ylenia, Lucie: drei symbolträchtige Namen; aber wie viele noch, neben ihnen? Man kann nicht mehr warten. Danke an unsere Behörden, dass sie es nicht zulassen, dass andere Vornamen sich dieser makabren Liste anschliessen!

Jean Zermatten, Vizepräsident, Leiter des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes (IDE)


(Français) LA SUISSE SORT ENFIN DE SA LETHARGIE EN MATIERE D’ALERTE-ENLVEMENT

8 April 2009

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.

(Français) L’acceptation massive de la motion de M. Didier Burkhalter en faveur d’un système alerte-enlèvement en Suisse fait sortir le Conseil Fédéral de sa léthargie !

16 März 2009

Leider ist der Eintrag nur auf Français verfügbar.