Vermisste Kinder: die Schweiz gegen die europäische Tendenz

22 Februar 2016

In der Schweiz hat der Bundesrat entschieden, dass die Kriterien, die für die Auslösung einer Entführungsalarm gelten, nicht erbreitet werden müssen. Das geht gegen der europäischen Tendenz. Am 1. Februar 2016 haben tatsächlich 19 europäische Parlamentarier, Repräsentanten der 6 größten Politischen Gruppierungen, eine schriftliche Erklärung vorgelegt (DE 7/2016), welche „den 5 Punkte-Plan der AMBER Alert Europe unterstützt“.

Mit 22 Mitgliedern in 16 europäischen Ländern ist das AMBER Alert Europa „das europäische Warnsystemnetzwerk für vermisste Kinder und Polizeinetz im Bereich vermisster Kinder“.

European Parliament adopts action plan to save missing children in most successful Written Declaration since 2011, Amber Alert Europe, 10.05.2016

Der 5 Punkte-Plan fordert:

  1. Eine Erweiterung und Stärkung des nationalen Warnsystems bei Kindesentführung: Unterstützung weiterer europäischer Länder in der Entwicklung von nationalen Entführungswarnsystemen. Aktuell haben 16 Länder der europäischen Union und die Schweiz das System eingeführt.
  2. Höhere Flexibilität bei den Auslösekriterien der Warnsysteme: Lockerung der bestehenden Kriterien und Ermöglichung der Auslösung des Alarms, wenn spezielle Ermittler festgestellt haben, dass das Leben des Kindes in Gefahr ist, indem von den anderen bisherigen ordinären Kriterien Abstand genommen wird und es sich um eine bewiesene Entführung handelt (Bsp. Frankreich).
  3. Ein besserer Informationsaustausch zwischen den Staaten: Absicherung eines Informationsaustausch bezüglich eines Kindes in Gefahr bei angrenzenden Ländern: Erarbeitung von Protokollen, die einen sofortigen Informationsaustausch zwischen den Polizeikräften der Nachbarländer ermöglichen; Übermittlung der nationalen Warnhinweise an die Medien der benachbarten Länder, um so das breite Publikum jenseits der beiden Ländergrenzen zu informieren (Bsp.: Polen-Deutschland).
  4. Eine bessere Zusammenarbeit der grenzüberschreitenden Polizei: Schaffung eines offiziellen Expertennetzwerkes zu Kindesverschwinden und zu den Alarmsystemen auf nationalem Niveau. AMBER Alert Europe hat ein ähnliches Netzwerk (Police Network on Missing Children) aufgebaut, welches mittlerweile 34 Polizeifachkräfte aus 11 Ländern, inklusive der Schweiz, zählt.
  5. Eine bessere Identifizierung und Schutz von Kindern an den Grenzen: Kinder, die sich in Gefahr befinden, müssen sofort in die Datenbank des Schengen Information System (SIS II) aufgenommen werden, damit die Grenzkontrollen unmittelbar benachrichtigt werden können; Weiterbildung der Grenzkontrollen bezüglich dieses Sujets in Zusammenarbeit mit Frontex.

Die Sarah Oberson Stiftung begrüßt diesen Schritt, welcher dem Mandat und den Aktivitäten der Stiftung entspricht. Schließlich hat sich die Stiftung stark für die Einführung des Entführungswarnsystems in der Schweiz eingesetzt. Sie engagiert sich nun für:

-          Höhere Flexibilität bei den Auslösekriterien der Warnsysteme;

-          Integration der Schweiz in ein mögliches europäisches Entführungswarnsystem;

-          Eine besser Kenntnisnahme des Phänomens des Kindesverschwindens dank der Einführung von nationalen Statistiken zu verschwundenen Kindern und wissenschaftliche Studien, welche das Problem analysieren;

-          Einführung der Notrufnummer 116 000 in der Schweiz.

Ein immer leistungsfähigeres Antwortsystem auf das Verschwinden von Kindern

24 Mai 2013

25. Mai, internationaler Tag der vermissten Kindern: dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder aufrechterhalten und den Eltern, welche ohne Nachricht sind, Hoffnung und Solidarität vermitteln.

Photo : http://camelia.fond-ecran-image.com/blog-photo/2008/04/19/myosotis/

Das Symbol, welches für diesen, Tag steht ist übrigens das Vergissmeinnicht.

Die ersten Stunden nach dem Verschwinden eines Kindes sind entscheidend. Die Schweiz hat sich mit einem Arsenal an schnellen Reaktionen auf das Verschwinden von Kindern ausgestattet, insbesondere auch mit dem Entführungsalarmsystem. Der Erfolg von Letzterem begründet unter anderem auf den strengen Kriterien, welche eine Auslösung des Alarms beschränken somit dazu beitragen, dass eine Überbeanspruchung und Ermüdung der Öffentlichkeit vermieden werden kann.

Die vergangenen Tage haben diese Kriterien einer strengen Prüfung unterzogen. Zwei Grenzfälle von Situationen von Vermisstmeldungen von Kindern haben diese Aktualität deutlich vor Augen geführt. Am 13. Mai 2013 wurde Marie im Kanton Waadt vermisst. Ein Zeuge behauptete gesehen zu haben, wie sie gezwungen wurde, in ein Auto einzusteigen. Sie hat gerade ihren 19. Geburtstag gefeiert.  Das Entführungsalarmsystem ist für Kinder bis 18 Jahren zuständig. Am 12 Mai 2013 verschwand Fiona, ein 5 jähriges Mädchen, in Frankreich in einem öffentlichen Park. Die Umstände, welchen in den ersten Stunden bekannt waren, wiesen nicht auf eine Entführung hin. Das Entführungsalarmsystem kann nur aufgrund konkreter Hinweise auf eine Entführung ausgelöst werden.

Niemand kann sagen, ob ein Auslösen eines Entführungsalarms etwas am Ausgang dieser Dramen geändert hätte. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Kriterien regelmässig überprüft werden müssten um sie mit neuen Realitäten von Entführungen zu konfrontieren.

Nebenbei gehört die Schweiz zum europäischen Kontinent. Die Europäische Union (EU) müht sich mit der Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems ab, insbesondere betreffend der Realisierung eines Entführungsalarms auf europäischem Niveau und der Einführung der gemeinsamen und gesamteuropäischen Rufnummer 116 000.

Aufgrund der grossen Mobilität der schweizerischen und europäischen Bürgern sollte die Schweiz mit der Optimierung ihres Systems weiterfahren und sie in das europäische Netzwerk einfügen um somit das Entführungsalarmsystem zu vervollständigen und die notwendigen Schritte der Eltern und der zuständigen Behörden zu erleichtern. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten KKPKS, als Beauftragte des Dossiers, stellt die Öffnung zur Europa in den Raum. Die Stiftung Sarah Oberson kann nur ihre Ermutigung zu diesen Schritten bekräftigen – die Stiftung Sarah Oberson ist für eine Integration der Schweiz in einen möglichen europäischen Entführungsalarm.

Damit das Verschwinden von Kindern nicht notwendigerweise in einem Drama endet muss das System sich immer wieder in Frage stellen und sich unter der Mitwirkung aller Akteure adaptieren.

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Gut zu wissen :

Die Soirée Sarah Oberson 2013, welche am 13. November im Kasino von Saxon stattfindet, widmet sich dem Thema « Von Lucie zu Marie – Wie können Rückfälle vermieden werden ? »

Weitere Literatur :

-        Rubrik Systems als Antwort auf das Verschwinden von Kindern, der Webseite der Stiftung Sarah Oberson

-        Rubriken Entführungsalarm und Kinderverschwinden des Blogs der Stiftung Sarah Oberson

Nach dem Entführungsalarmsystem – kann man noch etwas Besseres anbieten?

24 Mai 2011

25. Mai 2010, dem Internationalen Tag der vermissten Kinder : Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Seit drei Jahren weist die Sarah Oberson Stiftung mittels eines Artikels auf ihrem Blog auf den internationalen Tag vermisster Kinder, den 25. Mai, hin. Dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder wachhalten und den Eltern ohne Nachricht eine Botschaft der Hoffnung und Solidarität überbringen.

Myosotis.scorpioides

Während den vergangenen drei Jahren wurde das Reaktionsangebot bei einer Vermisstmeldung eines Kindes in der Schweiz mit dem Entführungsalarmsystem versehen, ein System welches sich ohne Unterlass immer weiter perfektioniert. Seit dem 1. Februar dieses Jahres erstreckt sich die Ausdehnung des Verteilungsnetzes der Vermisstmeldungsnachrichten auf die Handys der auf der Verteilerliste eingeschriebenen Personen. (Tragen Sie sich ein!)

Die Europäische Union (EU) bemüht sich ebenfalls um die Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems.
Dies bedeutet, dass unter anderem die Idee eines Entführungsalarmsystems auf europäischem Niveau, für welches die Familie McCann viel Mühe aufgewendet hat, sich auf dem Weg der Realisation befindet.
In Zukunft werden 6 europäische Länder über ein Entführungsalarmsystem verfügen. Des Weiteren hat sich Frankreich im Rahmen des europäischen LADS.eu-Projekts (Lutte Anti-Disparitions dans l’Union européenne) mit Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammengeschlossen.
Dieses Programm, welches durch die Europäische Kommission mitfinanziert wird, hat die Verstärkung der Kompatibilität und der Koordination des Entführungsalarmsystems zwischen Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien zum Ziel.

Andererseits, dank verfügten Normen und der Unterstützung der EU, verfügen fünfzehn europäische Länder, darunter Frankreich und Italien (in Großbritannien ist dieses Angebot nur teilweise verfügbar), über die einzigartige Rufnummer 116 000. Es handelt sich um eine Nummer, welche dazu dient, die Familien verschwundener, entlaufener oder weggenommener Kinder anzuhören und zu begleiten. Diese gemeinsame und kostenlose Nummer, während 7 Tagen und 24 Stunden zugänglich, will eine besser Koordination der Forschung seitens der zuständigen Behörden und Experten auf europäischem Niveau gewährleisten.
Die Nummer 116 000 erlaubt aber auch den Familien von vermissten Kindern Zugang zu Informationen, angehört zu werden und eine professionelle, zugängliche und verfügbare Unterstützung zu erhalten. Diese gemeinsame Nummer wird von Experten mehrsprachig geführt.

In Anbetracht der großen Mobilität seitens der Schweizer- und Europabürger könnte die Schweiz ihres System optimieren und sich in das europäische Netzwerk einschreiben, um damit das Entführungsalarmsystem zu ergänzen und die notwendigen Schritte der Familien und der zuständigen Behörden zu erleichtern.

Sarah Oberson Stiftung, 24.05.2011

- Entführungsalarm-System Internationale Situation, Sarah Oberson Stiftung
- Europa : Missing Children Europe calls for Enhancement of the Professional Standard of 116 000 Hotlines for Missing Children, 20.05.11
A practical guide for 116 000 hotlines, 05.2011
- Frankreich : 9ème Journée internationale des enfants disparus, 19.05.2011
- ‘Als ob der Weggang von Lucie nicht vergebens war‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2010
- ‘Une fleur, message d’espoir et de solidarité‘, Fondation Sarah Oberson, 25.05.2009