Ein immer leistungsfähigeres Antwortsystem auf das Verschwinden von Kindern

24 Mai 2013

25. Mai, internationaler Tag der vermissten Kindern: dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder aufrechterhalten und den Eltern, welche ohne Nachricht sind, Hoffnung und Solidarität vermitteln.

Photo : http://camelia.fond-ecran-image.com/blog-photo/2008/04/19/myosotis/

Das Symbol, welches für diesen, Tag steht ist übrigens das Vergissmeinnicht.

Die ersten Stunden nach dem Verschwinden eines Kindes sind entscheidend. Die Schweiz hat sich mit einem Arsenal an schnellen Reaktionen auf das Verschwinden von Kindern ausgestattet, insbesondere auch mit dem Entführungsalarmsystem. Der Erfolg von Letzterem begründet unter anderem auf den strengen Kriterien, welche eine Auslösung des Alarms beschränken somit dazu beitragen, dass eine Überbeanspruchung und Ermüdung der Öffentlichkeit vermieden werden kann.

Die vergangenen Tage haben diese Kriterien einer strengen Prüfung unterzogen. Zwei Grenzfälle von Situationen von Vermisstmeldungen von Kindern haben diese Aktualität deutlich vor Augen geführt. Am 13. Mai 2013 wurde Marie im Kanton Waadt vermisst. Ein Zeuge behauptete gesehen zu haben, wie sie gezwungen wurde, in ein Auto einzusteigen. Sie hat gerade ihren 19. Geburtstag gefeiert.  Das Entführungsalarmsystem ist für Kinder bis 18 Jahren zuständig. Am 12 Mai 2013 verschwand Fiona, ein 5 jähriges Mädchen, in Frankreich in einem öffentlichen Park. Die Umstände, welchen in den ersten Stunden bekannt waren, wiesen nicht auf eine Entführung hin. Das Entführungsalarmsystem kann nur aufgrund konkreter Hinweise auf eine Entführung ausgelöst werden.

Niemand kann sagen, ob ein Auslösen eines Entführungsalarms etwas am Ausgang dieser Dramen geändert hätte. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Kriterien regelmässig überprüft werden müssten um sie mit neuen Realitäten von Entführungen zu konfrontieren.

Nebenbei gehört die Schweiz zum europäischen Kontinent. Die Europäische Union (EU) müht sich mit der Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems ab, insbesondere betreffend der Realisierung eines Entführungsalarms auf europäischem Niveau und der Einführung der gemeinsamen und gesamteuropäischen Rufnummer 116 000.

Aufgrund der grossen Mobilität der schweizerischen und europäischen Bürgern sollte die Schweiz mit der Optimierung ihres Systems weiterfahren und sie in das europäische Netzwerk einfügen um somit das Entführungsalarmsystem zu vervollständigen und die notwendigen Schritte der Eltern und der zuständigen Behörden zu erleichtern. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten KKPKS, als Beauftragte des Dossiers, stellt die Öffnung zur Europa in den Raum. Die Stiftung Sarah Oberson kann nur ihre Ermutigung zu diesen Schritten bekräftigen – die Stiftung Sarah Oberson ist für eine Integration der Schweiz in einen möglichen europäischen Entführungsalarm.

Damit das Verschwinden von Kindern nicht notwendigerweise in einem Drama endet muss das System sich immer wieder in Frage stellen und sich unter der Mitwirkung aller Akteure adaptieren.

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Gut zu wissen :

Die Soirée Sarah Oberson 2013, welche am 13. November im Kasino von Saxon stattfindet, widmet sich dem Thema « Von Lucie zu Marie – Wie können Rückfälle vermieden werden ? »

Weitere Literatur :

-        Rubrik Systems als Antwort auf das Verschwinden von Kindern, der Webseite der Stiftung Sarah Oberson

-        Rubriken Entführungsalarm und Kinderverschwinden des Blogs der Stiftung Sarah Oberson

Vom Amber Alert zu einem Europäischen Entführungsalarmsystem ?

6 November 2012

Das System Amber Alert als Antwort auf das Verschwinden von Kindern in den Vereinigten Staaten von Amerika, hat in den USA auf ganz direkte Art und Weise mitgeholfen, 572 Kinder gesund und wohlbehalten wiederzufinden seit 1998. Diese Entwicklung könnte den Europäischen Staaten helfen, einen modus operandi für die Begründung eines Europäischen Entführungsalarmsystems zu finden, ohne dass sie die Errungenschaften der nationalen Alarmsysteme durch eine Überbeschäftigung von diesen gefährdet würden.

http://www.risp.state.ri.us/amberalert/

Das System Amber Alert (Amber Alarm), der Vorläufer des Schweizer Entführungsalarmsystems, als Antwort auf das Verschwinden von Kindern in den Vereinigten Staaten von Amerika, wurde nach der Entführung und dem Mord an Amber Hagerman im Jahr 1996, einem 9 Jahre alten Kind, eingeführt. Seitdem wurde das Programm auf über 50 Staaten ausgeweitet und ist lokal in über 80 Regionen und Stammgebiete der USA verbreitet. Bis im März 2012 hat dieses Alarmsystem in den USA auf ganz direkte Art und Weise mitgeholfen, 572 Kinder gesund und wohlbehalten wiederzufinden. Seit seinen Anfängen wurden, gestützt auf die enorm grosse Erfahrung, viele Verbesserungen getätigt. Ein Handbuch zu den guten Umsetzungsmöglichkeiten wurde kürzlich veröffentlicht.

Gemäss diesem Ratgeber ist es unerlässlich, das Phänomen vermisster Kinder zu kennen, bevor überhaupt erst damit begonnen wird, Antworten zu geben: wer die Kinder sind, welche vermisst werden, was mit ihnen passiert, wer die Akteure der Entführung sind, welche Handlungen empfohlen werden, um sie wiederzufinden usw.

Nach Einschätzungen gibt es in den USA jedes Jahr 1.3 Millionen Kinder die vermisst werden. Die Mehrheit dieser Kinder wird wiedergefunden, aber diese grosse Anzahl beweist die Bedeutung dieses Problems und gibt eine Vorstellung der Arbeit, welcher die Institutionen und insbesondere die Ordnungskräfte gegenüber stehen.

Als Beispiel: im Wallis wurde die Polizei im Jahr 2011 in 344 Fällen von Vermisstmeldungen von Minderjährigen aktiv, welche glücklicherweise alle wiedergefunden wurden. Die menschlichen, finanziellen und emotionalen Mittel sind erheblich. Jedoch existiert keine nationale Statistik bezüglich des Verschwindens von Kindern und keine Studie wurde ausgeführt, um diese Problematik zu analysieren und zu verstehen.

Zusätzlich zur Kenntnis der Problematik sollte der Amber Alert sich in eine globale Strategie des Kinderschutzes einschreiben (1), welche auf ein starkes und wirksames Netz gründet. Die Schaffung und das Weiterbestehen eines wirksamen Netzwerkes ist für den Erfolg des Alarms wesentlich, sei es durch Einbezug der Massenmedien, die die Alarmnachricht verteilen, als auch der Instanzen des Kinderschutzes, der Opferhilfe-Beratungsstellen usw. Eine für das Verschwinden von Kindern geeignete Antwort ist eine informierte Antwort. Die Sorgfalt gegenüber diesem Netzwerk soll dementsprechend umfassend sein.

Angesichts eines eventuellen europäischen Entführungsalarmsystems kann die amerikanische Erfahrung helfen. Die USA haben die Alarme bereits in mehreren Staaten erprobt. Im Juli 2011 haben sich 4 Staaten für die Suche nach Raymon Slocum, einem 4 Monaten alten Baby, welches von seinem Vater als Geisel genommen wurde, zusammengeschlossen und es gesund und wohlbehalten wiedergefunden. Die Vereinheitlichung der Kriterien, der Kompetenzen unter klar bestimmten Partnern, das Weiterbestehen eines guten Netzes innerhalb und außerhalb des Staates erleichtern im Notfall die Arbeit vor Ort. Die beständige Bildung der Fachleute betreffend der neusten Erkenntnisse bezüglich dieses komplexen Phänomens, der bestehenden Techniken, aber auch der Methoden, die erlauben, dem Druck der Familie, der Öffentlichkeit, der Massenmedien entgegenzutreten. Auch befürwortet das Handbuch das unverzügliche Einfügen der Daten eines vermissten Kindes auf die betreffende nationale Datenbank (National Crime Information Center, NCIC), um die die Suche auf ein noch grösseres Gebiet auszuweiten. Schlussendlich soll die Öffentlichkeit wissen, was von ihr erwartet wird und wie unter Umständen solche Dramen verhindert werden können.

Ambert Alert bringt so gute Ergebnisse, dass auf der anderen Seite des Ozeans drei andere Alarmtypen immer mehr Gewicht zu erhalten scheinen:

- The Blue Alert: für Polizist getötet oder in Gefahr .

- The Silver Alert: für vermisste Senioren.

- The Gold Alert: für gefährdete vermisste Erwachsene, eine Neuheit im Staat New York 2011.

Der potenziellen Gefahr bewusst, wurde ein Handbuch herausgegeben, um die getätigten Errungenschaften von Amber Alert nicht zu gefährden.

Diese Entwicklung könnte den Europäischen Staaten helfen, einen modus operandi für die Begründung eines Europäischen Entführungsalarmsystems zu finden, ohne dass sie die Errungenschaften der nationalen Alarmsysteme durch eine Überbeschäftigung von diesen gefährdet würden.

Clara Balestra, 6.11.12

(1) Im Jahr 2003 unterschrieb die höchste politische Instanz Amerikas, der Präsident, den PROTECT Act, der allen Staaten den Auftrag erteilt, globale nationale Strategien auszuarbeiten, um unter anderem gegen dieses Phänomen anzukämpfen und die für die Anwendung notwendigen Mittel zu gewähren, und bezeichnete einer der hohen gerichtlichen Instanzen eines jeden Staates als Koordinator dieses Alarmes. Diese Handlung beweist, daß es auf höchster politischer Ebene einen starken Willen gibt, sich dieser Problematik zu stellen.

USA : AMBER Alerts for missing children now in Google Search and Maps, 31.10.12