Vermisste Kinder in Europa: ein schwer zu bezifferndes Phänomen

6 Juni 2017

Für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern, braucht Europa zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Photo :  achrntatrps, flickr/creative commons

Anlässlich des Internationalen Tages der vermissten Kinder am 25. Mai, haben zwei Organisationen europäische Statistiken veröffentlicht. Eine spricht von 3.536 vermissten Kindern und die andere von 5.742 vermissten Kindern. Warum ein so großer Unterschied? Die Antwort ist einfach. Es gibt bis zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle europäische Statistik zu diesem Thema. Jedes Land klassifiziert und sammelt seine Daten anders. Aus diesem Grund sind Sammlung und Vergleich unmöglich. Diese beiden Organisationen versuchen daher ein Phänomen zu beziffern, das sehr schwer messbar ist.

2016 spricht Amber Alert Europe von 3.536 verschwundenen Kindern. Es handelt sich um Kinder[1], bei denen die Polizei beschlossen hat, das Verschwinden[2] publik zu machen. 22 Staaten haben diese Anzeigen veröffentlicht und 73% dieser Kinder wurden im darauffolgenden Monat wieder gefunden.

In 2016 wurden auch 29 Entführungswarnsysteme[3] in 5 Ländern ausgelöst in der Suche nach 33 Kindern, von denen 32 wiedergefunden wurden – 83% in den ersten 24 Stunden.

Diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder, können aber nicht als Quelle für wissenschaftliche Studien dienen, da die Kriterien für eine öffentliche Anzeige und für die Auslösung des Entführungswarnsystems von Land zu Land unterschiedlich sind.

Auch in 2016 spricht Missing Children Europe von 5.742 verschwundenen Kindern. Sie schöpft ihre Daten aus den behandelten Fällen in 23 Staaten der Hotline 116 000[4]. Von den 5.742 verschwundenen Kindern sind 57% geflohene Kinder; 7% unbegleitete minderjährige Migranten; 23% sind Kinder, die von einem Elternteil entführt wurden; weniger als 1% wurden von Fremden entführt; 13% sind Verloren, Verletzt oder Sonstiges. Leider wird ein Rückgang der zurückkehrenden Kinder vermerkt: nur 42% der Kinder wurden in diesem Jahr wiedergefunden gegenüber 46% in 2015.

Noch einmal, diese Daten geben nur einen Bruchteil der Situation wieder. Die Quellen sind nicht offiziell und hängen von dem Willen der Familie ab, diesen Service zu nutzen. Dennoch können die Ziffern gesammelt und verglichen werden, da Missing Children Europe eine Vereinheitlichung der Datensammlung veranlasst hat.

Europa braucht zuverlässige und vollständige Statistiken. Die Sarah Oberson Stiftung kämpft in der Schweiz für eine bessere Kenntnis des Phänomens der vermissten Kindern mithilfe von nationalen Statistiken, die es erlauben besser in der Lage zu sein die Verschwinden zu quantifizieren, diese anhand von wissenschaftlichen Recherchen besser zu verstehen, sowie die Präventionsmaßnahmen und adäquate Strategien zu planen.

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson, 06.06.2017

vollständiger Text auf Französich


[1] Unter 18 Jahre, nach Art. 1 der KRK

[2] Die Anzeigen werden gelöscht, sobald das Kind wieder zurück ist und wenn das Verschwinden länger als einen Monat andauert.

[3] Auf diesem Kontinent in 2006 eingeführt, wurde das Entführungswarnsystem 29 Mal ausgelöst in 2016: 17 Staaten der Europäischen Union sowie die Schweiz verfügen über solch ein System, aber nur 9 haben es bis heute genutzt.“

[4] Bedeutet in 23 Staaten. 31 europäische Länder profitieren von diesem Service, darunter die Schweiz.

3. Karawane der Kinderrechte

13 Juli 2015

Das internationale Institut der Rechte des Kindes und seine belgischen, schweizerischen und französischen Partner führen die 3. Karawane der Kinderrechte durch – ein Besuch der Institutionen von Europa und der UNO. Sieben Tage Entdeckungsreise vom 9. bis 15. September 2015!

Text erschienen auf der Website des internationalen Instituts der Rechte des Kindes (IDE) am 02.06.15.

Nach den Erfahrungen in den Jahren 2010 und 2012 muss die «Die Karawane der Kinderrechte» erneut losziehen. Aufgrund dieser Erfolge startet das Abenteuer im September 2015 erneut mit folgenden Schwerpunkten:

  • die Komplementarität zwischen theoretischen Kenntnissen und der Praxis
  • Begegnungen und Ausführungen von bekannten Fachleuten
  • eine transnationale Reiseroute (Belgien, Frankreich, Schweiz), die Besuche von regionalen und internationalen Instituten der durchquerten Länder umfasst
  • eine konkrete und interaktive Auseinandersetzung mit den internationalen Institutionen und den Kontrollverfahren der Verträge
  • Teilnehmende mit unterschiedlichem Hintergrund
  • Vertiefung der Themen in Verbindung mit aktuellem Geschehen rund um die Kinderrechte

Das Ziel der Karawane der Kinderrechte ist, die Institutionen der Europäischen Union, des Europarats und der Vereinten Nationen zu entdecken, um besser zu verstehen, was diese für die Einhaltung der Kinderrechte tun.

Während sieben Tagen begegnet die Karawane Instanzen und Organen, welche die Aufgabe haben, die Wahrung der Kinderrechte durch die Staaten, die in erster Linie zuständig sind, sicherzustellen.

Durch die Besuche und Begegnungen werden die bestehenden Mechanismen besser verstanden und zugänglicher für Fachpersonen, die so ihre Relevanz und Effizient beurteilen können, um sie besser einzusetzen.

Es ist eine Ausbildungstätigkeit mit theoretischem und praktischem Inhalt – ein partizipativer und interaktiver Zugang.

Eine Methode, die Begegnungen, Besuche, Diskussionen, Debatten, praktische und konkrete Lernprozesse und … Entspannung verbindet.

Die Partner:

  • Défense des Enfants International Belgique (DEI); eine NGO, welche die Kinderrechte bekannt macht und fördert, www.dei-belgique.be
  • Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE); eine NGO, die Fachpersonen ausbildet, die mit und für Kinder arbeiten, und die allgemeine Sensibilisierung auf Kinderrechte, www.childsrights.org
  • Dynamo International Belgique, welche die Strassensozialarbeit international vernetzt, um die Einhaltung und Verteidigung der Kinderrechte zu fördern, www.travail-de-rue.net
  • Centre interfacultaire en droits de l’enfant (CIDE) der Universität Genf (UNIGE), Schweiz, die öffentliche Schweizer Universität, die im Bereich Kinderrechte ausbildet, www.unige.ch/cide
  • Centre interdisciplinaire des droits de l’enfant Belgique (CIDE) hat die Forschung, Ausbildung und ein interdisziplinäres Denken über den Platz der Kinder und Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft zum Ziel, www.lecide.be

Journal du droit des jeunes (belgische und französische Ausgabe) behandelt Jugendfragen aus dem juristischen Blickwinkel: Schulrecht, Sozialhilfe, Recht der unbegleiteten Minderjährigen, Jugendhilfe und -schutz usw., www.jdj.be und www.jdj.fr

Flyer der Karawane

Informationen und Anmeldung: www.caravane2015.eu

(Français) L’abandon anonyme des nouveau-nés

16 Februar 2009