Das Weglaufen im Wallis, zu vertiefende Handlungsmöglichkeiten

28 September 2017

Die Statistiken des Weglaufens im Wallis, zusammengetragen in der quantitativen Studie von Frossard und Morard, sind interessant, da sie einen Anhaltspunkt zum Ausmaß dieses Problems geben. Die beiden Studierenden fragen sich, ob das Weglaufen im Wallis ein soziales Problem ist (S. 78-83). Ihre Antwort darauf ist relativ, denn das Weglaufen „entspricht nicht immer allen Kriterien der Definition eines sozialen Problems (…) aber einige Kriterien erscheinen auf signifikante Weise.“ (S. 82)

Sie fassen auch zusammen, „ (dass es) wichtig ist (…) diese besser zu verstehen (…) und das aus zwei Gründen. Erstens, das Verschwinden eines Kindes zieht gravierendere Konsequenzen nach sich, bei dem der Akt des Verschwindens nicht das Symptom, sondern der Grund ist. Zweitens, wenn man das Weglaufen als Produkt der Erfahrungen des Jugendlichen betrachtet, so kann dieser Akt seinen Zustand wiedergeben: er gibt, ob freiwillig oder nicht, einen Zugang zu seinem Leiden. Dies gibt sowohl der Familie, als auch den Sozialarbeitern die Möglichkeit sich für eine Verbesserung der Situation zu engagieren.“ (S. 82)

Die zusammengetragenen Zahlen müssen durch andere Daten ergänzt werden, damit die ganze Tragweite begriffen werden kann. Zusätzliche qualitative sowie quantitative Recherchen sind notwendig um zu bestimmen, ob das Weglaufen im Wallis ein soziales Problem ist.

Diese Studie gibt jedoch vier mögliche Ansatzpunkte für eine bessere Behandlung des Problems:

-          „Die nachteilige Anzahl der Rückfälle lässt Zweifel an der Betreuung nach der Rückkehr des Kindes aufkommen, sei es durch das familiäre Umfeld oder durch die betroffenen anderen Institutionen.“ (S. 83)

-          Ein Weglaufen pro Woche wird durch eine Familie gemeldet. Dies repräsentiert wahrscheinlich nur einen Teil der von zu Hause weggelaufenen Kinder (S.83). Es stellt sich daher die legitime Frage, inwiefern es notwendig ist, diese Familien zu begleiten oder die Öffentlichkeit speziell zu dieser Problematik zu informieren, insbesondere was die Rückkehr betrifft.

-          Die Art und Weise der Meldung verschwundener MNAS bei der Polizei im Vergleich zu jenen aus Heimen, lässt auf eine eventuell notwendige Änderung diesbezüglich schließen.

-          Die unterschiedlichen institutionellen Vorgehensweisen bei Weglaufen geben die Frage auf, ob eine bessere interinstitutionelle Koordinierung zu wünschen wäre.

Um diese Ansatzpunkte zu vertiefen und ihre Notwendigkeit festzustellen sind die Meinungen der verschiedenen betroffenen Akteure (Polizisten, Erzieher, Therapeuten, Lehrende, etc.) und die Interdisziplinarität grundlegend. Die halbtägige Konferenz „Weglaufen im Wallis: Radiografie des Phänomens“, organisiert von der Sarah Oberson Stiftung, widmet sich diesen Ideen.

Die Stiftung Sarah Oberson organisiert die Tagung zum Thema Weglaufen im Wallis: Röntgen des Phänomens (französich), 18.10.2017, 14h00-17:00, in Stiftung Kurt Bösch, Bramois/Sion. Eintritt frei und nach Anmeldung (email, fax).

Photo: mafal_dark, flickr/creative commons