Wie Mobbying an der Schule verhindert werden kann

7 Mai 2012

Gemäss Prof. Eric Debarbieux ist die Gewaltprävention im schulischen Umfeld für das Opfer als auch den Angreifer entscheidend. Ein Kolloquium sucht nach Möglichkeiten, um das Phänomen zu resorbieren.

Artikel von Paola Mori, veröffentlich im le Courrier am 3. Mai 2012

Beleidigungen, Spötteleien, Erniedrigungen, Erpressung, Diebstähle, absichtlicher Materialverschleiss: Belästigung in der Schule zeigt sich unter verschiedenen Gesichtern. Die Entwicklung der Neuen Technologien hat ebenfalls eine neue Art der Belästigung mittels tragbarer Telefon oder sozialer Netze entstehen lassen, welche dazu neigt, die Grenze zwischen schulischer und außerschulischer Belästigung zu untergraben, da das Kind bis in sein Zimmer hinein diesen Belästigungen ausgesetzt ist.

Eine aktuelle französische Untersuchung schätzt, dass ein Kind auf zehn auf sich wiederholende Art und Weise Opfer seiner Kameraden ist. Die Zahlen bezüglich des Wallis wurden anlässlich des internationalen Kolloquiums „Mobbying zwischen Gleichaltrigen: in den Gräben der Schule“ veröffentlicht, welches zwischen dem 3.  und 4. Mai 2012 im Universitären Institut Kurt Bösch in Sitten stattfand. Unter den zahlreich anwesenden Experten war auch Eric Debarbieux, Autor zahlreicher Werke, Präsident der Internationalen Beobachtungsstelle für Gewalt in der Schule und Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Paris Est-Créteil.

Welches sind die Konsequenzen der Belästigung?

Eric Debarbieux: seitens der Geplagten stellt man eine Abwendung von der Schule statt, der Absenz, eine Abwertung des Selbstbildes, ein erhöhtes Depressionsrisiko und eine erhöhte Neigung zu Selbsttötung, bis ins Erwachsenenalter hinein.  Zwischen 20% bis 25% der chronisch abwesenden Schülerinnen und Schüler gehen aus Angst vor Belästigungen nicht an die Schule. Der Täter ist selber ebenfalls einem Risiko ausgesetzt. Eine aktuelle Studie aus England, welche während vierzig Jahren eine Gruppe von vierhundertzwanzig Täter begleitet hat, zeigte auf, dass diese viel öfter arbeitslos waren als andere, oder schlechtbezahlte Berufe ausübten oder in der Beziehung Misshandlungen ausübten. Im Fall von Belästigung ergibt sich eine Verlierer-Verlierer Situation. Das Gesetzt des Stärkeren ist nur eine Farce.

Welches ist das Profil der Zielschüler?
Das ist schwierig zu sagen. Man beobachtet allerdings, dass das Opfer durch einen Unterschied stigmatisiert wird, dass es mit der Gruppe aus dem einen oder anderen Grund nicht in Einklang steht. In diesem Sinn ist die Belästigung eine Unterdrückung der Non-Konformisten. Gegen Belästigungen anzugehen bedeutet in diesem Sinne, den Gruppenkonformismus zu bekämpfen.

Wie können diese Situationen verhindert werden?
Das Phänomen zu kennen und widerzuerkennen ist bereits die Hälfte der Miete. Man verhindert das Risiko zu Belästigungen auch durch eine globale Politik der Verbesserung des Schulklimas. Es gibt eine starke Wechselbeziehung zwischen dem Klima der Einrichtung und Schulgewalt. Deshalb ist alles, was ein gutes Zusammenleben und Zusammensein in der Schule fördert, zu begünstigen. Die Organisation von Schulfesten oder von Aktivitäten, wie z.B.  eine Theateraufführung, sind zu befürworten. Es gibt in Spanien Programme zur „convivencia escolar“, welche die Gewalt durch eine Verminderung der Isolierung der Schüler merklich zurückgehen ließen.
Ein anderer Hebel ist die Stabilität des Lehrerkollegiums. Die Anzahl von Gewalttätigkeiten fällt in Einrichtungen, in welcher die Lehrpersonen über eine lange Zeit beschäftigt bleiben.

Welche Ratschläge können den Eltern gegeben werden?
Eine Überbehütung muss vermieden werde, da sie sonst nicht genügend Abwehrmöglichkeiten kennen, um sich gegenüber Aggression zu wehren. Im Fall von Belästigung ist es notwendig, dass die Eltern mit den Lehrpersonen oder der Schulleitung das Gespräch suchen da die Schule der erste Ort der Prävention darstellt. Das Gefühl von Isolation muss gebrochen werden und alle müssen sich gemeinsam als verantwortlich zeigen. Das Kind benötigt stabile Erwachsene um sich herum.

Auf welcher anderen Ebene kann Unterstützung geboten werden?
Seitens der Medienangebote könnte Facebook, welches momentan als eine der grössten Gefahrenplattformen für Belästigungen gilt, zum Engagement verpflichtet werden.  Zum Beispiel indem Mittel zur Kontrolle gefunden werden, ohne dass dabei wenig sinnvolle Verbote lanciert werden.

(1) Studie Wallis : En moyenne, deux élèves par classe sont harcelés, Le Nouvelliste, 05.05.2012