25. Mai, der internationale Tag der verschwundenen Kinder

22 Mai 2017

Am 25. Mai ist der internationale Tag der verschwundenen Kinder : Gedenken wir allen vermissten Kindern und deren Familien.

Um diesen Tag zu feiern, hat die Stiftung Sarah Oberson zwei Leitartikel in diesem Monat veröffentlicht :

«Anstieg der „vermissten Kinder“ in der westlichen Agenda»,

Vereinigten Staaten, 08.05.17

Europa, 15.05.17

Auszug aus dem Artikel von Michele Poretti (2016), in Frontières

Photo :  fdecomite, flickr/creative commons

Die europäischen Entführungswarnsysteme unter der Lupe

23 Mai 2016

Am 25. Mai ist der internationale Tag der verschwundenen Kinder: Gedenken wir mit einer Blume allen vermissten Kindern und deren Familien.

Es wird hart dafür gearbeitet dieser Problematik entgegenzuwirken, was sich in der Bewilligung der Schriftlichen Erklärung, vorgeschlagen von AMBER Alert Europe (siehe Editorial SOS 22.02.16) und von einer Mehrheit der Abgeordneten im europäischen Parlament befürwortet, zeigt. Auch die kürzlich erschienene Studie der Universität Portsmouth behandelt dieses Thema und wir präsentieren hier die wichtigsten Ergebnisse.

Zum ersten Mal in Europa, hat sich eine Studie, wenn auch bisher nur vorläufig, mit den Stärken und Schwächen der europäischen Entführungswarnsysteme beschäftigt. Eingeführt in 2006 auf diesem Kontinent, wurde der Entführungsalarm 23 Mal in 2015 ausgelöst: 16 Staaten der Europäischen Union sowie die Schweiz verfügen über dieses System, aber nur 8 benutzen es.

Die Studie arbeitet mit 4 Staaten (Holland, Tschechien, Großbritannien und Polen), die 82% der Alarme ausgelöst haben und untersucht die Meinungen und Erfahrungen jener 14 Polizisten, die  das System mindestens einmal benutzt haben. Diese begrenzte Anzahl ergibt sich vor allem aus den limitierten ausgelösten Alarmen. Trotz des geringen Studienmaterials, welches definitive Aussagen nicht möglichen macht, gleichen sich die Hauptergebnisse mit ähnlichen amerikanischen Studien. Tatsächlich sind die Fälle, in denen der Alarm ausgelöst wurde sowohl in Europa als auch in Amerika ähnlich, was einen Vergleich möglich macht.

Die Studie suggeriert, dass der Entführungsalarm die Möglichkeit bietet, das Kind schnell und sicher wiederzufinden, was seine Hauptaufgabe ist. Aber nicht nur:

-    Er ist eine wertvolle Ergänzung in der Investigationsarbeit: er ermöglicht es, qualitativ wichtige Informationen zu erhalten; erleichtert die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Polizeieinheiten und Staaten;…

-    Er verbessert die Beziehung zwischen der Polizei und den betroffenen Familien: er gibt die Sicherheit, dass alles in der Macht mögliche getan wurde; er macht ausreichend Druck, um den verantwortlichen Elternteil zu einer Aussage zu bringen;…

-    Er verbessert die Interaktion von Polizei und Öffentlichkeit: letztere hat den Eindruck helfen zu können; die Motivation ist höher; die Arbeit der Polizei kann so besser verstanden werden;…

Diese Analyse unterstreicht aber auch negative Aspekte, was die positiven Details nicht schwächen soll, welche aber berücksichtigt werden müssen:

-    Das Risiko, die Sicherheit des Kindes zu gefährden, indem der Entführer zu unvorhergesehenen Handlungen veranlasst wird.

-    Der hohen Anzahl an Anrufen nachzugehen und alle freiwilligen Helfenden zu verwalten.

-    Das Risiko von Missverständnissen oder Meinungsverschiedenheiten, wenn die veröffentlichten Informationen nicht mit der Familie abgesprochen wurden.

-    Die hohen Erwartungen der Öffentlichkeit an die Effizienz des Systems.

Diese Studie unterstützt bereits die Diskussion rund um die Anwendung nationaler Entführungsalarme und um die Einführung eines europäischen Alarms. Sie verlangt jedoch weitere profundierte Recherchen, damit die Wirksamkeit dieses Instruments verbessert werden kann.

Photofdecomite, flickr/creative commons

Clara Balestra, Stiftung Sarah Oberson

Solidarität mit den Familien vermisster Kinder

20 Mai 2014

Am 25. Mai 2014, dem internationalen Tag der vermissten Kinder, möchten wir eine Blume in Erinnerung an all die vermissten Kinder und als Zeichen der Solidarität mit ihren Familien, Familien, die im ersten Moment des Verschwindens ihres Kindes oft im Rampenlicht stehen, sich jedoch anschliessend angesichts ihres Verlustes oft allein befinden, verschenken.  

Photo Flickr : http://www.hellotipi.com/blog/category/le-saviez-vous/

Wie kann ihnen geholfen werden ? Mit der Absicht, Fachleute, welche diesen Familien beistehen um sie zu unterstützen, hat die Stiftung Sarah Oberson im Jahr 2013 eine Studie über die wissenschaftlichen Beiträge zu diesem Thema in Auftrag gegeben (1).

Leider stellt man ziemlich rasch zu diesem Thema eine Stille in der akademischen Welt fest. « Untersuchungen zu diesem Bereich bleiben sehr rar und haben oft einen offenkundig erforschenden Charakter. »(p. 31) Nichts desto trotz kann man jedoch eine gewisse Anzahl von Übereinstimmungen heraus filtrieren.

« Die Untersuchungen unterstreichen auf fast einstimmige Art und Weise dass, wenn das Vermissen eines Kindes sich unendlich in die Länge zieht, die Reaktion der Familien durch eine ambivalente Mischung aus Hoffnung und Akzeptanz des Verlustes geprägt ist. Für einige der Autoren ist diese Ambivalenz notwendigerweise die Quelle einer dysfunktionalen Adaption, während andere aufzeigen, dass betroffene Familien das Stadium eines zufriedenen Wohlbefindens erreichen können. Die Studien heben des Weiteren die grosse Vielfalt der individuellen Reaktionen bezüglich des Verschwindens eines Kindes hervor. » (p. 12)

« Das Vorhandensein einer wirkungsvollen Unterstützung im Rahmen der Familie oder der Gemeinschaft (scheint) die unheilvollen Folgen des Verschwindens eines Kindes mildern (zu können). (… die) Sinngebung, welchem dem Verschwinden attribuiert wird, erscheint als ein fundamentales Element hinsichtlich der Erfassung der Wirkung des Verlustes. » (p. 13)

Gemäss Michele Poretti, Autor der Studie, « ist es, wenn es im Rahmen einer Reflexion über die Familien von vermissten Kindern schwierig wird, auf die Begriffe von Verlust und Trauer zu verzichten – da diese oftmals gar durch die Familien selber verwendet werden – wichtig, diese vom normativen Rahmen, welcher durch die Wissenschaftler im 20. Jahrhundert geprägt wurde, zu befreien. Es ist zudem notwendig, ihnen einen Raum zu geben, in welchem sich die Normalität manifestieren kann. Der Prozess der Trauer könnte auf diese Art und Weise, gemäss einer minimalistischen und offenen Definition, als eine Transformation verstanden werden, deren Ausgang per se unbeständig und unvorhersehbar ist. » (p. 14)

Anlässlich dieses 25. Mai bezeugt die Stiftung Sarah Oberson ihre Solidarität mit den Familien und Fachpersonen, welche sie umgeben.

Stiftung Sarah Oberson, 20.05.2014

(1) Poretti Michele (2013), Au seuil du deuil ? Les familles d’enfants disparus à l’épreuve de l’incertitude Revue de la littérature scientifique, Fondation Sarah Oberson, Jean Zermatten (Eds), Clara Balestra, IUKB, Sion (französich).

Ein immer leistungsfähigeres Antwortsystem auf das Verschwinden von Kindern

24 Mai 2013

25. Mai, internationaler Tag der vermissten Kindern: dieser Tag will die Erinnerung an diese Kinder aufrechterhalten und den Eltern, welche ohne Nachricht sind, Hoffnung und Solidarität vermitteln.

Photo : http://camelia.fond-ecran-image.com/blog-photo/2008/04/19/myosotis/

Das Symbol, welches für diesen, Tag steht ist übrigens das Vergissmeinnicht.

Die ersten Stunden nach dem Verschwinden eines Kindes sind entscheidend. Die Schweiz hat sich mit einem Arsenal an schnellen Reaktionen auf das Verschwinden von Kindern ausgestattet, insbesondere auch mit dem Entführungsalarmsystem. Der Erfolg von Letzterem begründet unter anderem auf den strengen Kriterien, welche eine Auslösung des Alarms beschränken somit dazu beitragen, dass eine Überbeanspruchung und Ermüdung der Öffentlichkeit vermieden werden kann.

Die vergangenen Tage haben diese Kriterien einer strengen Prüfung unterzogen. Zwei Grenzfälle von Situationen von Vermisstmeldungen von Kindern haben diese Aktualität deutlich vor Augen geführt. Am 13. Mai 2013 wurde Marie im Kanton Waadt vermisst. Ein Zeuge behauptete gesehen zu haben, wie sie gezwungen wurde, in ein Auto einzusteigen. Sie hat gerade ihren 19. Geburtstag gefeiert.  Das Entführungsalarmsystem ist für Kinder bis 18 Jahren zuständig. Am 12 Mai 2013 verschwand Fiona, ein 5 jähriges Mädchen, in Frankreich in einem öffentlichen Park. Die Umstände, welchen in den ersten Stunden bekannt waren, wiesen nicht auf eine Entführung hin. Das Entführungsalarmsystem kann nur aufgrund konkreter Hinweise auf eine Entführung ausgelöst werden.

Niemand kann sagen, ob ein Auslösen eines Entführungsalarms etwas am Ausgang dieser Dramen geändert hätte. Es bleibt jedoch festzuhalten, dass die Kriterien regelmässig überprüft werden müssten um sie mit neuen Realitäten von Entführungen zu konfrontieren.

Nebenbei gehört die Schweiz zum europäischen Kontinent. Die Europäische Union (EU) müht sich mit der Operationalisierung eines immer leistungsfähigeren Reaktionssystems ab, insbesondere betreffend der Realisierung eines Entführungsalarms auf europäischem Niveau und der Einführung der gemeinsamen und gesamteuropäischen Rufnummer 116 000.

Aufgrund der grossen Mobilität der schweizerischen und europäischen Bürgern sollte die Schweiz mit der Optimierung ihres Systems weiterfahren und sie in das europäische Netzwerk einfügen um somit das Entführungsalarmsystem zu vervollständigen und die notwendigen Schritte der Eltern und der zuständigen Behörden zu erleichtern. Die Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten KKPKS, als Beauftragte des Dossiers, stellt die Öffnung zur Europa in den Raum. Die Stiftung Sarah Oberson kann nur ihre Ermutigung zu diesen Schritten bekräftigen – die Stiftung Sarah Oberson ist für eine Integration der Schweiz in einen möglichen europäischen Entführungsalarm.

Damit das Verschwinden von Kindern nicht notwendigerweise in einem Drama endet muss das System sich immer wieder in Frage stellen und sich unter der Mitwirkung aller Akteure adaptieren.

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Gut zu wissen :

Die Soirée Sarah Oberson 2013, welche am 13. November im Kasino von Saxon stattfindet, widmet sich dem Thema « Von Lucie zu Marie – Wie können Rückfälle vermieden werden ? »

Weitere Literatur :

-        Rubrik Systems als Antwort auf das Verschwinden von Kindern, der Webseite der Stiftung Sarah Oberson

-        Rubriken Entführungsalarm und Kinderverschwinden des Blogs der Stiftung Sarah Oberson