Kinder von Eltern im Strafvollzug: welche Rechte?

15 November 2011

Die Kinder sind die ersten Opfer einer Inhaftierung eines Familienmitgliedes.

Leitartikel von Frau Fouzia Djahed Roble, Praktikantin IRK-IDE

Die Kinder sind die ersten Opfer einer Inhaftierung eines Familienmitgliedes. Frau Yanghee Lee, Vizepräsidentin des Komitees und Berichterstatterin für diesen allgemeinen Tag der Diskussion ist der Ansicht, dass die Kinder von inhaftierten Familienmitgliedern eine Gruppe bilden, welche man, in Anbetracht des Mangels an Angaben und Methoden zur Erkennung der Probleme, welchen sie ausgesetzt sind, nicht anders als „vergessene Kinder“ benennen kann.
Wird eine Mutter oder Vater inhaftiert, sind ihre Kinder davon betroffen, und zwar meistens im negativen Sinn. Aber diese Auswirkungen werden selten im Laufe der Strafverfahren berücksichtigt, wo, ganz im Gegenteil, von den Zuständigen das Augenmerk auf die Bestimmung der persönlichen Unschuld oder Schuld und die Strafe bei einem Bruch mit dem Gesetz gelegt wird.
Indem man die Kinder von Eltern im Strafvollzug nicht berücksichtigt und indem man sie nicht während allen Etappen des Strafvollzugverfahrens konsultiert – bei der Inhaftierung, während der Rechtsprechung bis hin zur Inhaftierung, während der Freilassung, der Wiedereingliederung in die Gesellschaft – riskiert man eine Vernachlässigung oder mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber den Rechte des Kindes, ihren Bedürfnissen und übergeordneten Interessen.

Infolge der Inhaftierung kann es sein, dass Kinder neue Rollen übernehmen müssen um unter Umständen weiteren Familienmitgliedern familiären, psychologischen oder finanziellen Halt zu geben.

-    Die Haftstrafe einer Mutter oder eines Vaters betrifft die Kinder meistens auf eine negative Art und Weise: eine Entwicklung im negativen Sinne betreffend der emotionalen Befindlichkeit, des Verhaltens und der Gesundheit wurde bei betroffenen Kindern beobachtet.

-    Die Kinder werden oft, aufgrund der Inhaftierung eines Elternteils, von einem Grossteil ihrer Umgebung stigmatisiert, eine Tatsache, welche das Gefühl von Isolation noch verstärken kann. Eine Änderung des Verhaltens gegenüber Kindern mit Eltern im Strafvollzug seitens der Gesellschaft kann wesentlich dazu beitragen, bei den betroffenen Kindern die negativen Auswirkungen des Straffvollzugs der Eltern zu mildern.

Die Familienverbindungen aufrechterhalten:

-    Die Mehrheit der Kinder wünscht die Aufrechterhaltung der Beziehung zu ihren inhaftierten Eltern. Es ist erwiesen, dass Besuche positive Auswirkungen auf die Kindern haben, aber viel zu oft können diese nicht stattfinden, weil den Bedürfnisse der Kinder und des Kindeswohl nicht Rechnung getragen wird. Schäbige Räumlichkeiten, Bestimmungen, Politiken und Restriktionen und die Erniedrigung der Eltern vor ihren Kindern kann Besuche zu sehr unbefriedigenden, sogar traumatisierenden Erfahrungen für alle Betroffene werden lassen.

-    Die Kinder müssen oft umziehen, die Schule wechseln und die Personen, welche sie umsorgen wechseln aufgrund der Inhaftierung eines Elternteils ebenfalls; zusätzlich kann es vorkommen, dass Geschwister getrennt werden. Diese neuen Situationen können sehr schmerzhaft sein und weitere Störungen sind nicht auszuschliessen, wenn neue Änderungen, aus dem einen oder anderen Grund, eintreffen.
Die Bedürfnisse der Person, welche die Kinder betreut, müssen ebenfalls berücksichtigt werden, da ihr Wohlergehen das der Kindern mit Eltern im Strafvollzug beeinflusst.

-    Die Inhaftierung verursacht zusätzliche Kosten für die Familie des/der Inhaftierten (z.B. Kosten für die Besuche, Telefonanrufe und Briefe, Anwaltshonorare) und verhindert gleichzeitig ein Einkommen des inhaftierten Elternteils und manchmal sogar Beiträge der öffentlichen Unterstützung, welche der Familie zugutegekommen wäre. Zudem müssen Personen, welche die Obhut der Kinder eines Elternteils im Strafvollzug übernehmen, oftmals auf ein Erwerbseinkommen verzichten, um die Sorgfaltspflicht ausüben zu können.
-    Jedes Kind ist eine individuelle Person und reagiert auf seine eigenen Art und Weise und somit anders als andere, auch als seine Brüder und Schwestern, und hat andere, eigene Bedürfnisse. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass jedes Kind im Moment der Unterstützungsorganisation angehört wird.

Synthèse en version intégrale (PDF)

Quellen :
- Parents en prison : Les effets sur les enfants ; Olivier  Robertson, Avril 2007
- Ouvrage :« L’enfant et son parent incarcéré »
- Article Association Carrefour prison – juin 2007
- Eine Weiterbildungstagung zum Thema « Elternschaft im Strafvollzug » der Schweizerischen Gesellschaft für Rechtspsychologie (SGRP) findet am 2. November 2011 in Bern statt. Anwesend wird auch die Vize-Direktorin des IDE Frau Paola Riva Gapany sein.

Dieser Artikel ist am 04.11.2011 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.