Neue Technologien, eine bewegende Realität, sich entwickelnde Gefahren

26 Oktober 2010

“Der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder ist, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da, zu beweisen, dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch ist für ein Kind das Risiko, missbraucht zu werden, in seinem Umfeld grösser.”

Neue Untersuchungen zu den Gefahren neuer Technologien für die Kinder zeigen, dass gewisse Modelle nicht, oder nicht mehr der Realität entsprechen. Es ist wichtig, die Verfolgungsnormen und -strategien, genauso wie die Präventionsstrategien, an diese neuen Erkenntnisse anzupassen.

Während der letzten Jahre hat das Aufgebot der auf die Verfolgung von sexuellen Verbrechern auf dem Netz konzentrierten polizeilichen Bemühungen gute Resultate erbracht. Verschiedene technologische Instrumente haben dazu beigetragen, die Effizienz dieser Untersuchungen zu verbessern, wie beispielsweise: der Alarmknopf auf Facebook, der es dem Vereinigten Königreich ermöglicht hat, 211 Signalisierungen verdächtiger Aktivitäten innerhalb eines Monats seit seinem Bestehen zu sammeln; die Onlinedenunzierungen des Koordinierungsservice des Kampfes gegen die Internetkriminalität (KOBIK); etc.

Laut der Untersuchung Trends in Arrests of „Online Predators“, ist der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder (0-18 Jahre) jagt, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da um zu beweisen dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch, ist für ein Kind das Risiko missbraucht zu werden grösser in seinem Umfeld. Somit schlagen die Fahnder den Polizeikräften vor, weiterhin gegen die Onlineverbrecher anzukämpfen, jedoch ohne ihre Bemühungen gegen die Missbraucher zu vernachlässigen, die „offline“ sind.

Ausserdem haben dieselben Fahnder herausgefunden, dass der Musterverbrecher nicht oder nicht mehr der fünfzigjährige Mann ist, der sich als ein Kind im gleichen Alter seiner Opfer ausgibt, sondern eine Person zwischen 18 und 34 Jahren, die „mit der „Gefühlsunerfahrenheit“ der Jugendlichen spielt, um diese in eine vermeintliche „Liebesbeziehung“ zu verwickeln“. In der Tat zeigen die Untersuchungen, dass die am stärksten gefährdeten Jugendlichen, jene mit Gefühlsproblemen wie schlechte Beziehungen zu den Eltern, oder solche, die Schwierigkeiten haben, ihre sexuelle Identität zu finden oder zu akzeptieren“.

Angesichts solcher Daten, ist beispielsweise die von Computer Scientists at Lancaster University entwickelte Computersoftware zur Alterserkennung der Ansprechperson weniger als erwartet nützlich. Während die Anschlagzettel mit „Ein Pseudonym kann jeden verbergen“ es ermöglichen, die Kinder über eine existierende Problematik zu warnen, berühren sie ein Phänomen, das weniger verbreitet ist als man dachte.

Diese Forscher betonen ebenfalls die Tatsache, dass es keine Beweise gibt, um das Internet als ein für Kinder gefährlicherer Ort als andere zu bezeichnen (Schule, Familie, Strasse). Gemäss ihrer Untersuchung sind die grössten von Kindern im Angesicht der neuen Technologien zu erwartenden Gefahren: die Belästigung durch Ihresgleichen, der Identitätsraub, die Abhängigkeit und der Ansehensverlust.

Die Belästigung ist eine mehr und mehr beunruhigende Problematik, denn „die Sündenböcke waren schon immer in den Schulen. Aber früher waren die Attacken Gerüchte, die unter einigen Personen im Schulhof kursierten. Jetzt sind es Artikel, Fotos oder Videos, die von der ganzen Schule (…) live angeschaut und kommentiert werden! Das ist für einen Jugendlichen viel heftiger und gewalttätiger und daraus können ernste Probleme von Selbstwertschätzung resultieren“ (1). Leider sind Suizidfälle bekannt – Phoebe Prince, 15 Jahre, hat sich am 4.01.2010 das Leben genommen. Neun Schüler wurden in Verbindung mit ihrem Tod verhaftet.

Basierend auf diese neuen Erkenntnisse empfiehlt die Online Safety Technology Working Group in ihrem im Juni 2010 publizierten Bericht somit, unter anderem, Staatsbürgerliche Erziehung im Schullehrplan einzubeziehen (2).

Das Wesen der neuen Technologien ist folglich das einer sich rasch wandelnden Welt. Die Antwort auf die Gefahren, die sich darin finden, muss dies ebenfalls sein. Daher der Stellenwert, ununterbrochen Daten zu sammeln und zu analysieren, um eine konstruktive und den täglichen Gegebenheiten angepasste Antwort zu haben.

Clara Balestra, 26.10.2010

(1) Olivier Halfon in Ruiz Geneviève, « Ados en ligne », in Hebdo, N°33 Semaine du 19 août 2010, p. 49
(2) “Members came from the Internet industry, child safety advocacy organizations, educational and civil liberties communities, the government, and law enforcement communities.” (p.1) “The approach would also work in concert with non-fear-based, social-norms education, which promotes and establishes a baseline norm of good behavior online.” (p.4)

Jugendliche und Gewalt – Nationales Präventionsprogramm

10 August 2010

Leitartikel von Frau Claire Neville, Studentin der Rechtswissenschaften an der Universität Freiburg und Praktikantin im Internationalen Instituts der Rechte des Kindes (IDE)

Jugendgewalt und ihre Entwicklung
Jugendgewalt ist nicht ein neues Phänomen; in letzter Zeit allerdings, breitet sich das Gefühl des Gewaltmechanismus insbesondere bei den Jugendlichen aus. Ist dies tatsächlich der Fall? Die Meinungen gehen auseinander. Dieser Eindruck wird unter anderem durch gewisse Medien hervorgerufen, die in ihrer Vorstellung der Tatsachen welche Jugendliche und Gewalt verbinden die Tendenz haben, dieses Gefühl einer unkontrollierten Zunahme der jugendlichen Gewalt zu geben. Es ist jedoch nötig, gewisse Gegebenheiten zu präzisieren, die diesem Eindruck auf eindrückliche Art widersprechen.

„Ja, die Gewalttaten gegen Personen, welche von Jugendlichen begangen wurden, haben in der Schweiz in den letzten 10 Jahren zugenommen; es haben jedoch nur die Delikte zugenommen, gegen welche Klage erhoben wurde, also die von geringer Schwere!!
Die Jugendgewalt hat in der Schweiz während diesen letzten 10 Jahren zugenommen, doch man muss ebenfalls die Tatsache berücksichtigen, dass die Zahl der in der Schweiz lebenden Minderjährigen währen dieser Zeitspanne ebenfalls zugenommen hat.
Nein, die Kriminalität ist nicht das schwerwiegendste soziale Problem, das durch die Jugend in der Schweiz besteht! Nur 0.2% der Minderjährigen werden wegen Gewalttaten bestraft.
Und schliesslich, nein, während diesen letzten 10 Jahren ist es nicht die Kriminalität der ausländischen Minderjährigen, die am meisten zugenommen hat, sondern es sind wohl die Urteile welche die jungen Schweizer betreffen, die am meisten zugenommen haben und dies einschliesslich den Gewalttaten!“ (Nicolas Queloz)

Welches Ausmass das Phänomen auch hat, die Jugendgewalt ist dennoch besorgniserregend: ein gewalttätiges Verhalten schadet nicht nur den Opfern, sondern auch der Gesellschaft und seinem jungen Täter. Alle betroffenen Personen haben ein Interesse daran, dass Massnahmen ergriffen werden, damit diese Verhaltensweisen verhindert werden.
Dies ist der Grund warum die Regierung  in Zusammenarbeit mit den Kantonen, den Städten und den Gemeinden beschlossen hat das nationale Programm der Prävention und Bekämpfung der Jugendgewalt zu lancieren.

Das Programm
Das Programm zielt insbesondere darauf ab, die Risikofaktoren der Jugendgewalt zu vermindern, den Schutz zu verstärken und die bestehenden Strukturen anzupassen. Die Massnahmen werden sich aus einer vertieften Bestandesaufnahme ergeben und werden die Jugendlichen ab ihrer frühesten Kindheit betreffen.

Die Aktivitäten werden sich auf zwei Hauptfunktionsebenen verteilen, Voneinander lernen und Kenntnisse übermitteln, und auf einer mehr theoretischen Ebene, Die Koordination zwischen Prävention, Intervention und Bestrafung verbessern. Diese drei Ebenen sind nicht unabhängig voneinander, sondern überschneiden sich in verschiedenen Punkten. Das Programm wird durch ein Bewertungsprotokoll abgeschlossen, das dem Bundesrat bestimmt ist.
Um diese Massnahmen zu finanzieren, wird der Bund etwa 4 Millionen Franken ausgeben. Die restlichen noch nicht bezifferten Kosten, werden den Kantonen und den Gemeinden übernommen werden.

Es scheint dennoch erstaunlich, dass das Programm den Schutz vor den Medien vorsieht, aber dass es keine Sensibilisierungsmassnahmen der Medien gibt. Sie für die Tatsache zu sensibilisieren, dass ein verheerendes Gefühl gegenüber den Jugendlichen entstehen kann, wenn man die Jugendgewalt wie einen Teufelskreis darstellt.

In der Vorstellung, welche sich die Jugendlichen von der Gewalt machen, dem Bild, das die Gesellschaft ihnen von ihnen selbst widerspiegelt, in der friedlichen Konfliktlösung, in den Möglichkeiten, die man den Jugendlichen anbietet, um ihre Standpunkte vorzustellen, spielen die Medien ebenfalls ihre bestimmte Rolle.
Eine echte Partnerschaft mit den Medien, welche sich nicht bloss auf die Medienerziehung der Jugendlichen beschränkt, sondern ebenfalls auf umgekehrte Weise, die Medien sensibilisierend wirkt, könnte dazu beitragen, diese gewalttätigen Verhaltensarten einzudämmen.