Der Dialog, der Schutzpanzer der Kinder im Netz

24 Januar 2011

Ein Dialog, der das Nachdenken ermöglicht, die Abstandnahme von den Informationen, die die Kinder freiwillig oder nicht durch die Medien aufnehmen. Diese Informationen sind extrem schnell. In diesem zügellosen Durcheinander ist es manchmal schwierig zu bestimmen „wer ich bin“ und „was ich suche“. Diese Fragestellungen haben die Entwicklung der Technologien nicht verfolgt und genau dort muss man die Bemühungen nunmehr verstärken.

Zusammenfassung der Sarah Oberson Konferenz 2010

Nützlich und gefährlich, sind die neuen Technologien nunmehr ein wesentlicher Teil unseres Alltags, umso mehr desjenigen unserer Kinder (0-18 Jahre). Wie soll man deren Potential nutzen, indem man die Kinder vor den Gefahren schützt, die ihre Anstellung mit sich bringt? Dieser Frage ist die Stiftung Sarah Oberson an der Sarah Oberson Konferenz 2010 nachgegangen.

Die an der Konferenz geladenen Experten sind sich über die Tatsache einig, dass es zwecklos und kontraproduktiv ist, sie zu verteufeln. Tatsächlich sind die neuen Technologien ein wunderbares Wissensmedium. Der Schutz der Kinder darf somit nicht den Zugang zu diesen Technologien verbieten. Der Schutz muss wiederum ein Bestrafungs-/Reglementationsteil dieses Bereichs beinhalten, das aber mit einem Präventions-/Erziehungsteil der Kinder und der verantwortlichen Erwachsenen (Bsp. Eltern) einhergeht. Diese beiden Teile ergänzen sich, sind untrennbar und müssen auf eine ausgewogene Art dosiert werden.

Einerseits muss man klare Grenzen setzen: Grenzen in Bezug auf die Benutzung der neuen Technologien, je nach Alter der Kindes, der Themen, der Sicherheitsregeln und der Benutzungszeit; Verhaltensgrenzen, die sich von den Lebensnormen in der Gesellschaft inspirieren; strafrechtliche Grenzen, die es erlauben Verbrechen zu unterdrücken, indem die Straffreiheit bekämpft wird. Diese Grenzen müssen klar und den Kindern sowie den Eltern, die sie Tag für Tag betreuen, bekannt sein. Diese Eltern, die sich angesichts der technischen Kenntnisse ihrer Kinder oft überfordert fühlen, die aber reich an Lebenserfahrung sind. Ist doch das Internet nichts anderes als eine Lebensverlängerung über einen anderen Träger. Die Regeln des Gemeinschaftslebens sind dieselben und genau dort spielen die Erwachsenen eine Rolle. Die Kinder suchen diese Grenzen, finden sie aber sehr oft nur in den Medien selber.

Auf strafrechtlicher Ebene verfügt man über juristische Normen, die es ermöglichen, die Ausschreitungen einzuschränken, die durch die Technologie möglich sind. Insbesondere das Gesetz zum Schutz der Identität, wo das Bildrecht absolut ist. Die so bekannte Botschaft ist für die Jugendlichen durchschlagend: nach diesem Gesetz müssen sie alle aufgenommenen oder fotografierten Personen um Erlaubnis fragen, bevor sie sie ins Netz stellen. Eine Praxis, die für die Kinder noch lange nicht selbsttätig ist und die sie nachdenken lässt (Fernandez).

Dennoch eröffnen die technologischen Neuerungen oft rechtliche Kluften, die es erlauben, das Internet als eine Zone des Nicht-Rechts zu bezeichnen (Varone). Wenn man die Zeit vergleicht die es braucht, um in der Schweiz ein Gesetz zu ändern (etwa zehn Jahre), mit der Geschwindigkeit, mit welcher die technologischen Neuerungen auf den Markt kommen, erkennt man, dass es schwierig ist, angemessen auf die negativen Auswirkungen der neuen Produkte zu reagieren.

Daher die Notwendigkeit, den Kindern selber Instrumente zu geben, die es ihnen ermöglichen, auf sichere Art und mit einem kritischen Geist an die technologische Welt heranzugehen. Eine besonnene Anwendung dieser Medien geht über eine öffentliche Ausbildung der Bildlektüre – ein Gebiet dessen Sachkenntnisse vorerst in der Hand der Werbefachmänner liegen (Haver); sie geht über eine Sensibilisierung für die Sicherheitsregeln, welche die bestehenden Risiken vermindern können; sie geht über eine Sozialkunde, welche die Nutzer über die Wirkung ihrer virtuellen Handlungen auf das wirkliche Leben bewusst macht; sie geht über den Wiederaufbau des Vertrauens der Eltern oder der für die Kinder Verantwortlichen, in ihrer erzieherischen Rolle, wo ein konstruktiver Dialog ein unverzichtbares Mittel bleibt (Bellucci).

Ein Dialog, der das Nachdenken ermöglicht, die Abstandnahme von den Informationen, die die Kinder freiwillig oder nicht durch die Medien aufnehmen. Diese Informationen sind extrem schnell. In diesem zügellosen Durcheinander ist es manchmal schwierig zu bestimmen „wer ich bin“ und „was ich suche“. Diese Fragestellungen haben die Entwicklung der Technologien nicht verfolgt und genau dort muss man die Bemühungen nunmehr verstärken.

Somit ist es wichtig, sich auf zwei Ebenen einzusetzen: für klare Regeln kämpfen, indem man die Normen des gesellschaftlichen Lebens bekräftigt und für das Recht jedes Kindes auf Meinungsäusserung kämpfen.

Die Medien, welche eine öffentliche Finanzierung geniessen, müssen sich über den Bedarf ihre Sensibilisierungsarbeit zu intensivieren Gedanken machen, indem sie beispielsweise Schulklassen empfangen. In den Familien kann man je nach Alter der Kinder eine Vereinbarung aushandeln und sie dann ändern. Im Rahmen der Schulzeit wäre es möglich, regelmässig eine Fragestellung darüber zu haben, was mir mit den Klängen und Bildern, denen ich durch diese Medien ausgesetzt bin,  widerfährt (Léchot).

Ohne den privaten Sektor zu vergessen, der ebenfalls eine wichtige Rolle einnimmt. Der Staat muss ihn in die laufende Debatte miteinschliessen und muss ihm über gesetzliche Normen die verheerenden Folgen seiner Produkte auf die Kinder gegenüberstellen (Zermatten).

Man könnte aber weiter gehen. Dank der Teilnahme der Kinder und ihrer technologischen Sachkenntnisse, könnte man die positiven Einbringungen der neuen Technologien erhöhen. Die Jugendlichen haben beispielsweise Mühe, eine Beziehung zwischen den im Internet erlangten Kenntnissen in ihrem Privatleben und dem was man ihnen in der Schule beibringt herzustellen (Léchot). Wäre diese Beziehung hergestellt, dann könnten die Kenntnisse der Schüler die Art des Unterrichtens bereichern.

Konferenz 2010 der Stiftung Sarah Oberson über die neuen Technologien

8 November 2010

In einem Jahr, verbringt ein Schweizer Jugendlicher 800 Stunden auf der Schulbank, … und 1’500 Stunden an elektronischen Medien (wovon Handy, Audioplayer, etc.).

Leitartikel von Frau Geneviève Levine des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes.

Unter dem Titel „Neue Technologien: Chancen und Gefahren für die Kinder“, hat sich die Stiftung Sarah Oberson am 3. November im IRK, für ein vielfältiges Publikum mit dieser Frage auseinandergesetzt.

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In einem Jahr, verbringt ein Schweizer Jugendlicher 800 Stunden auf der Schulbank, … und 1’500 Stunden an elektronischen Medien (wovon Handy, Audioplayer, etc.).

Wie verlaufen die Bestrafungsachse und die Vorbeugungs-/Erziehungsachse, wenn man die Jugend vor dem Abdriften schützen will, das sich „online“ abspielt, und die nicht gut im Griff der Erwachsenen sind? Wie kann man ausserdem aus einem fantastischen Mittel wie dem Internet, einen optimalen Ort des Schaffens, des Teilens und des Austauschs für unsere Jugendlichen machen?

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Die Vorträge haben die psychologischen und die Bildungsaspekte, die mit diesem Konsum verbunden sind betont, indem sie diesen auf eine inhaltliche Reflexion über den Bild- und Dokumentstatus und einem Bericht über die Lage auf politischer Ebene (Parlament-Bundesrat) abstützten.

Die von Action Innocence und der welschen Vereinigung CIAO durch die Medien bekannt gemachten Aussagen am Nachmittag, haben den Reichtum, der durch die neuen Technologien ermöglichten Interaktionen, sowie das erhöhte Bewusstseinsniveau unter unseren Jugendlichen aufgezeigt, was die Grundmassnahmen in Sachen Sicherheit betrifft.

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Eine Diskussionsrunde hat danach Gedankenanstösse für die Zukunft in Betracht gezogen – darunter die Frage über die Verantwortung der Zugangsanbieter, die man zu einem ethischen Nachdenken über die Zurverfügungstellung von Technologien bringen sollte.

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Dieser Artikel ist am 5. November 2009 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Media

- Le Nouvelliste, Encadrer nos jeunes « Googlelisés », 04.11.2010, p. 2.
- Le Nouvelliste, Devenir citoyen numérique, 04.11.2010, p. 3
- Le Nouvelliste, A la recherche d’aide sur le web, 04.11.2010, p. 3
- Canal 9, Les Nouvelles technologies et l’enfance, L’Emission en Direct, 03.11.2010.

Neue Technologien, eine bewegende Realität, sich entwickelnde Gefahren

26 Oktober 2010

“Der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder ist, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da, zu beweisen, dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch ist für ein Kind das Risiko, missbraucht zu werden, in seinem Umfeld grösser.”

Neue Untersuchungen zu den Gefahren neuer Technologien für die Kinder zeigen, dass gewisse Modelle nicht, oder nicht mehr der Realität entsprechen. Es ist wichtig, die Verfolgungsnormen und -strategien, genauso wie die Präventionsstrategien, an diese neuen Erkenntnisse anzupassen.

Während der letzten Jahre hat das Aufgebot der auf die Verfolgung von sexuellen Verbrechern auf dem Netz konzentrierten polizeilichen Bemühungen gute Resultate erbracht. Verschiedene technologische Instrumente haben dazu beigetragen, die Effizienz dieser Untersuchungen zu verbessern, wie beispielsweise: der Alarmknopf auf Facebook, der es dem Vereinigten Königreich ermöglicht hat, 211 Signalisierungen verdächtiger Aktivitäten innerhalb eines Monats seit seinem Bestehen zu sammeln; die Onlinedenunzierungen des Koordinierungsservice des Kampfes gegen die Internetkriminalität (KOBIK); etc.

Laut der Untersuchung Trends in Arrests of „Online Predators“, ist der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder (0-18 Jahre) jagt, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da um zu beweisen dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch, ist für ein Kind das Risiko missbraucht zu werden grösser in seinem Umfeld. Somit schlagen die Fahnder den Polizeikräften vor, weiterhin gegen die Onlineverbrecher anzukämpfen, jedoch ohne ihre Bemühungen gegen die Missbraucher zu vernachlässigen, die „offline“ sind.

Ausserdem haben dieselben Fahnder herausgefunden, dass der Musterverbrecher nicht oder nicht mehr der fünfzigjährige Mann ist, der sich als ein Kind im gleichen Alter seiner Opfer ausgibt, sondern eine Person zwischen 18 und 34 Jahren, die „mit der „Gefühlsunerfahrenheit“ der Jugendlichen spielt, um diese in eine vermeintliche „Liebesbeziehung“ zu verwickeln“. In der Tat zeigen die Untersuchungen, dass die am stärksten gefährdeten Jugendlichen, jene mit Gefühlsproblemen wie schlechte Beziehungen zu den Eltern, oder solche, die Schwierigkeiten haben, ihre sexuelle Identität zu finden oder zu akzeptieren“.

Angesichts solcher Daten, ist beispielsweise die von Computer Scientists at Lancaster University entwickelte Computersoftware zur Alterserkennung der Ansprechperson weniger als erwartet nützlich. Während die Anschlagzettel mit „Ein Pseudonym kann jeden verbergen“ es ermöglichen, die Kinder über eine existierende Problematik zu warnen, berühren sie ein Phänomen, das weniger verbreitet ist als man dachte.

Diese Forscher betonen ebenfalls die Tatsache, dass es keine Beweise gibt, um das Internet als ein für Kinder gefährlicherer Ort als andere zu bezeichnen (Schule, Familie, Strasse). Gemäss ihrer Untersuchung sind die grössten von Kindern im Angesicht der neuen Technologien zu erwartenden Gefahren: die Belästigung durch Ihresgleichen, der Identitätsraub, die Abhängigkeit und der Ansehensverlust.

Die Belästigung ist eine mehr und mehr beunruhigende Problematik, denn „die Sündenböcke waren schon immer in den Schulen. Aber früher waren die Attacken Gerüchte, die unter einigen Personen im Schulhof kursierten. Jetzt sind es Artikel, Fotos oder Videos, die von der ganzen Schule (…) live angeschaut und kommentiert werden! Das ist für einen Jugendlichen viel heftiger und gewalttätiger und daraus können ernste Probleme von Selbstwertschätzung resultieren“ (1). Leider sind Suizidfälle bekannt – Phoebe Prince, 15 Jahre, hat sich am 4.01.2010 das Leben genommen. Neun Schüler wurden in Verbindung mit ihrem Tod verhaftet.

Basierend auf diese neuen Erkenntnisse empfiehlt die Online Safety Technology Working Group in ihrem im Juni 2010 publizierten Bericht somit, unter anderem, Staatsbürgerliche Erziehung im Schullehrplan einzubeziehen (2).

Das Wesen der neuen Technologien ist folglich das einer sich rasch wandelnden Welt. Die Antwort auf die Gefahren, die sich darin finden, muss dies ebenfalls sein. Daher der Stellenwert, ununterbrochen Daten zu sammeln und zu analysieren, um eine konstruktive und den täglichen Gegebenheiten angepasste Antwort zu haben.

Clara Balestra, 26.10.2010

(1) Olivier Halfon in Ruiz Geneviève, « Ados en ligne », in Hebdo, N°33 Semaine du 19 août 2010, p. 49
(2) “Members came from the Internet industry, child safety advocacy organizations, educational and civil liberties communities, the government, and law enforcement communities.” (p.1) “The approach would also work in concert with non-fear-based, social-norms education, which promotes and establishes a baseline norm of good behavior online.” (p.4)

Neue Technologien: Chancen und Gefahren für die Kinder

4 Oktober 2010

Nützlich und gefährlich, sind die neuen Technologien nunmehr ein wesentlicher Teil unseres Alltags, umso mehr desjenigen unserer Kinder (0-18 Jahre). Wie soll man deren Potential nutzen, indem man die Kinder vor den Gefahren schützt, die ihre Anstellung mit sich bringt? Was ist eine neue Technologie? Ein Werkzeug, das unter Berücksichtigung seiner Globalisierung schwer kontrollierbar ist. Ein lebendiges, mobiles und sich änderndes Werkzeug, das zu einer ständigen Anpassung der Schutznormen und der Präventionsmitteilungen zwingt.

Seit dem 01.01.2010, hat sich die Schweiz mit einem Entführungsalarmsystem ausgerüstet; für den 01.01.2011 beabsichtigt sie, die Verteilung der Fahndungsmitteilungen im SMS-System auszuweiten, indem sie so die neuen Technologien im Dienste der gefährdeten Kinder setzt. Gleichzeitig und tagtäglich verbreiten die Medien gegen Kinder begangene Verbrechen über den Weg der neuen Technologien: Hacker, Austauschnetzwerke von Bildern mit pädophilem Inhalt, unter Jugendlichen ausgetauschte pornographische Videos, durch Gewaltspiele animierte Gemetzel, Identitätsraub, Mobbing unter Gleichen, etc.

Das Sperren von illegalen Seiten und die Kindersicherungen versuchen diese Gefahren einzudämmen, indem sie gleichzeitig einen begrenzten Zugriff erlauben. In der Schweiz versuchen die Parlamentarier durch neue Normen darauf zu antworten. Diese Normen haben es unter anderem dem Bund erlaubt, für 2011 ein nationales Programm Jugendmedienschutz und Medienkompetenzen zu erarbeiten. Die Polizei- und Gerichtskräfte organisieren sich rund um diese Verbrechen und verfeinern ihre Strategien, indem sie die Verhaftungen vermehren. Die Bildungskampagnen für Kinder und Eltern nehmen verstärkt zu.

Die neuen Untersuchungen klären uns über die Tatsache auf, dass falls sie für die Kinder Gefahren mit sich bringen, sie nicht gefährlicher sind als das wirkliche Leben. Was beispielsweise sexuelle Handlungen gegen Kinder betrifft, so sind die Verwandten, leider und bei weitem, immer noch die häufigsten Täter. Das Profil des Internetsexualverbrechers entspricht nicht dem, was man sich vorstellte. Angesichts der neuen Technologien scheinen die Kinder vor allem unter Belästigung durch Ihresgleichen und unter Abhängigkeit zu leiden….

Wie kann man sich aufgrund der neuesten Erkenntnisse die neuen Technologien im Dienste der leidenden Kinder zunutze machen?  Wie soll man den Kinderschutz angesichts dieser Werkzeuge orientieren und anpassen? Dies sind die Fragen, worauf die Teilnehmer der 10. Sensibilisierungstagung der Stiftung Sarah Oberson versuchen werden eine Antwort zu geben.

Sarah Oberson Konferenz 2010

DIE STIFTUNG SARAH OBERSON,
DAS INTERNATIONALE KINDERRECHTSINSTITUT

organisieren
eine Tagung zum Thema:

Neue Technologien: Chancen und Gefahren für die Kinder

Am Mittwoch, dem 3. November 2010
im Internationalen Kinderrechtsinstitut
c/o IUKB in Bramois

Programm

(Français) Le secteur privé s’implique dans la lutte contre l’exploitation sexuelle des enfants

9 März 2009

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