Zahlen & Fakten Jugendsuizid

22 November 2011

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz (10-19) und die häufigste Todesursache bei 15-24jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Anzahl Suizide beider Raten lässt sich reduzieren: Durch Früherkennung einer sensibilisierten Gesellschaft durch Präventionskampagnen und Enttabuisierung (Prävention) sowie durch Soforthilfe in der Krisensituation (Intervention).

Der Textausschnitt von : Fachtsheet von Kampagne «Pro Juventute Beratung + Hilfe 147» zur Prävention von Jugendsuizid

• Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz (10-19) und die häufigste Todesursache bei 15-24jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Jeden vierten Tag nimmt sich ein Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener in der Schweiz das Leben. Rund 11 Prozent der Teenager in der Schweiz hegen ernsthafte Todesgedanken. 30 Prozent aller Aufnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgen wegen Suizidhandlungen und Depression.
• Neu hinzugekommen ist die Problematik des Cybermobbings. Studien zeigen, dass die Zahl der Suizidversuche bei Jugendlichen, welche Cybermobbing erlebt haben, doppelt so hoch ist wie bei Jugendlichen ohne eigene Betroffenheit. 8-10 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz wurden schon einmal im Internet „fertig gemacht“.
• Insgesamt begehen rund 1400 Menschen in der Schweiz jährlich Suizid – dreimal mehr, als bei Verkehrsunfällen sterben. Damit hat die Schweiz eine der höchsten Suizidraten Westeuropas. Die Schweiz verzeichnet 15-25’000 Suizidversuche pro Jahr. Über die gesamte Bevölkerung gesehen berichtet jeder zweite in retrospektiven Erhebungen über Suizidgedanken.
• Jeden Tag ruft mindestens ein Mädchen oder Bub wegen Suizidabsichten bei der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 an.

Mit welchen Massnahmne könnte die Jugendsuizidrate in der Schweiz gesenkt werden?
• Durch Präventionskampagnen und durch verstärkte Unterstützung für die Soforthilfe in der Krisensituation. Denn: Manche Jugendliche, die sich das Leben nehmen, tun das in einer Kurzschlusshandlung. Andere nehmen sich das Leben nach einer langen Phase des Leidensdrucks. Die Anzahl Suizide beider Raten lässt sich reduzieren: Durch Früherkennung einer sensibilisierten Gesellschaft durch Präventionskampagnen und Enttabuisierung (Prävention) sowie durch Soforthilfe in der Krisensituation (Intervention).
• Durch Stärkung, Förderung und Unterstützung der Kompetenzen & der Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen gemäss dem Empowerment-Ansatz.

Wie hilft die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147?
• In einem ersten Schritt ist entscheidend, dass mit den Beraterinnen und Beratern der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 in der Notsituation jemand da ist, der zuhört. Das lindert oft die erste Krise.
• Die BeraterInnen der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 lenken den Blick der Kinder auf neue Perspektiven für Probleme oder Krisen und erarbeiten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch Lösungsmöglichkeiten.
• In einem weiteren Schritt vermittelt die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 die Kinder und Jugendlichen an Fachstellen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Um aus einem suizidalen Tief herauszufinden, brauchen junge Menschen unmittelbar professionelle Hilfe unter Einbezug ihrer Bezugspersonen. Oft ist dann eine ambulante, manchmal eine stationäre Betreuung notwendig.
• In Extremfällen greift das Team der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 ein und alarmiert die Ambulanz und die Polizei.

Mit Philosophie gegen die Gewalt

28 März 2011

“… Von Anfang an hat man in der Philosophie die Meinung vertreten, dass der Logos (Dialog) eine Art war, sich der Gewalt zu widersetzen…” (Sasseville, Haute définition, RSR, 29.08.10)

“Ende der 60er Jahre wird sich Lipman, Professor der Logik an der Universität Columbia, der Notwendigkeit bewusst, dass man mit dem Erlernen der Denkmethoden viel früher als an der Universität beginnen muss, damit die Schüler sie wirklich nutzen können, um nachzudenken.” (Loison Apter, Le Temps, 14.02.2011) Er entwickelt also eine Lehrmethode, die den Kindern bestimmt ist. Seit ihrer frühesten Kindheit lernen die Kinder zu denken, nachzudenken und, da die Philosophie eine Form des Dialogs ist, tun sie dies in Gruppen, über Themen die sie berühren, indem ihr Interesse und ihre Partizipation geweckt werden.

“Die Methode ist folgende: Am Ende der Lektüre eines philosophischen Romanausschnitts, stellen die Kinder fragen. Danach, mit der Mithilfe jedes einzelnen und der gegenseitigen Unterstützung aller, versuchen sie – mit Hilfe des Dialogs – auf eine ausgesuchte philosophische Frage unter den gestellten zu antworten. Die Rolle des Betreuers ist es, die für den philosophischen Charakter des Austauschs nötigen Instrumente zu liefern: helfen, die Voraussetzungen auszumachen, die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, den Zusammenhang zu berücksichtigen, etc. All dies in einer Stimmung des Zuhörens, des Respekts des Denkens und der Äusserungen eines jeden.” (Université Laval)

Lipman erforscht die Auswirkungen dieses Unterrichts am Verhalten der Kinder, insbesondere am gewalttätigen Verhalten. Seiner Meinung nach erzeugt der Frust die Aggression, die Gewalt. Damit dieses Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht in Gang kommt, muss man Ventile (siphoning off) finden. Zum Beispiel indem man den Frust in dem was Nietzsche creative rancor (1) nennt umwandelt oder in erlaubte Formen der Gewalt, wie dem Sport oder dem Geschäften. Ein weiteres ist das Betreiben der Philosophie für Kinder. Sie erlaubt es der Gemeinschaft – z.B. einer Schulklasse – den Frust eines oder mehrerer ihrer Mitglieder unterhalb der kritischen Schwelle zu reduzieren, in dem ihre Gründe und Ursachen gefunden werden: man spricht über dieses Gefühl und untersucht es.

“Sokrates und später Platon dachten, der Mensch handle aus Unwissenheit böswillig.” In der Annahme, dass wenn die Menschen die Gründe und die Tragweite  ihrer Taten besser verstünden, sie sich weniger der Gewalt bedienten, schlugen sie vor, durch Erziehung der Menschen, gegen die Gewalt zu kämpfen. Die Geschichte hat ihnen nicht immer Recht gegeben. Allerdings bringt das Philosophieren lernen ein Erlernen der Argumentation mit sich, ein Lernen, die Gedanken, die Gefühle und das Gelebte in zusammenhängende Worte zu fassen. (La traversée, Montréal)

Dieses Verfahren setzt “ein Vertrauen in das menschliche Denken”, in die Fähigkeit des Menschen “selbständig, für sich selbst und mit den anderen zu denken” voraus. Dies setzt seinerseits die Fähigkeit des Menschen zum Zuhören, zum Organisieren, zur Unparteilichkeit und zur Sorge um andere voraus. (Sasseville, Haute définition, RSR, 29.08.10)

Laut Lipman geht die Philosophie für Kinder weiter als die blosse Entwicklung des kritischen Denkens, das schon an sich sehr wichtig ist. In dem sie Themen behandelt, die Kinder stark interessieren, lehrt sie sie, dass das Denken auch Gefühle sind und dass diese ausgedrückt und untersucht werden können. Dass man den Dialog in der Gruppe führt, verbessert die Fähigkeit sich zu verstehen und sich zu schätzen, während man gleichzeitig die anderen besser versteht.

Somit liefert die Philosophie für Kinder diesen die nötigen Instrumente um ihren Frust in eine bestimmte Richtung zu lenken und ihn konstruktiv zu machen. Sie schafft eine Öffnung des Geistes, eine Toleranz gegenüber dem Denken des Anderen, der so zum Diskussionsteilnehmer und nicht mehr zum Feind wird. Sie gibt den Kindern ausserdem das nötige Rüstzeug mit, um den verschiedenen Herausforderungen und Gefahren denen sie in der Gesellschaft gegenüberstehen die Stirn zu bieten, indem sie ihnen einen kritischen Blick gewährt, der sie durch ihre Taten und Entscheidungen führt.

“Im Hinblick auf die Förderung einer Friedenskultur, der Gewaltbekämpfung, der Erziehung die auf die Ausrottung der Armut und auf nachhaltige Entwicklung abzielt, sichert die Tatschache dass die Kinder schon sehr früh ein kritisches Denken, die Selbständigkeit im Denken und eigenes Urteilsvermögen erlangen, sie gegen jede mögliche Manipulierung ab und bereitet sie vor, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.” (UNESCO, 1999)

Clara Balestra, 28.03.11

(1) « a non-aggressive sort of self-expression to be found in many different kinds of art. »

In der welschen Schweiz fördert, vermittelt und unterstützt die Vereinigung proPhilo die Anwendung der Philosophie für Kinder.

Neue Technologien, eine bewegende Realität, sich entwickelnde Gefahren

26 Oktober 2010

“Der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder ist, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da, zu beweisen, dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch ist für ein Kind das Risiko, missbraucht zu werden, in seinem Umfeld grösser.”

Neue Untersuchungen zu den Gefahren neuer Technologien für die Kinder zeigen, dass gewisse Modelle nicht, oder nicht mehr der Realität entsprechen. Es ist wichtig, die Verfolgungsnormen und -strategien, genauso wie die Präventionsstrategien, an diese neuen Erkenntnisse anzupassen.

Während der letzten Jahre hat das Aufgebot der auf die Verfolgung von sexuellen Verbrechern auf dem Netz konzentrierten polizeilichen Bemühungen gute Resultate erbracht. Verschiedene technologische Instrumente haben dazu beigetragen, die Effizienz dieser Untersuchungen zu verbessern, wie beispielsweise: der Alarmknopf auf Facebook, der es dem Vereinigten Königreich ermöglicht hat, 211 Signalisierungen verdächtiger Aktivitäten innerhalb eines Monats seit seinem Bestehen zu sammeln; die Onlinedenunzierungen des Koordinierungsservice des Kampfes gegen die Internetkriminalität (KOBIK); etc.

Laut der Untersuchung Trends in Arrests of „Online Predators“, ist der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder (0-18 Jahre) jagt, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da um zu beweisen dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch, ist für ein Kind das Risiko missbraucht zu werden grösser in seinem Umfeld. Somit schlagen die Fahnder den Polizeikräften vor, weiterhin gegen die Onlineverbrecher anzukämpfen, jedoch ohne ihre Bemühungen gegen die Missbraucher zu vernachlässigen, die „offline“ sind.

Ausserdem haben dieselben Fahnder herausgefunden, dass der Musterverbrecher nicht oder nicht mehr der fünfzigjährige Mann ist, der sich als ein Kind im gleichen Alter seiner Opfer ausgibt, sondern eine Person zwischen 18 und 34 Jahren, die „mit der „Gefühlsunerfahrenheit“ der Jugendlichen spielt, um diese in eine vermeintliche „Liebesbeziehung“ zu verwickeln“. In der Tat zeigen die Untersuchungen, dass die am stärksten gefährdeten Jugendlichen, jene mit Gefühlsproblemen wie schlechte Beziehungen zu den Eltern, oder solche, die Schwierigkeiten haben, ihre sexuelle Identität zu finden oder zu akzeptieren“.

Angesichts solcher Daten, ist beispielsweise die von Computer Scientists at Lancaster University entwickelte Computersoftware zur Alterserkennung der Ansprechperson weniger als erwartet nützlich. Während die Anschlagzettel mit „Ein Pseudonym kann jeden verbergen“ es ermöglichen, die Kinder über eine existierende Problematik zu warnen, berühren sie ein Phänomen, das weniger verbreitet ist als man dachte.

Diese Forscher betonen ebenfalls die Tatsache, dass es keine Beweise gibt, um das Internet als ein für Kinder gefährlicherer Ort als andere zu bezeichnen (Schule, Familie, Strasse). Gemäss ihrer Untersuchung sind die grössten von Kindern im Angesicht der neuen Technologien zu erwartenden Gefahren: die Belästigung durch Ihresgleichen, der Identitätsraub, die Abhängigkeit und der Ansehensverlust.

Die Belästigung ist eine mehr und mehr beunruhigende Problematik, denn „die Sündenböcke waren schon immer in den Schulen. Aber früher waren die Attacken Gerüchte, die unter einigen Personen im Schulhof kursierten. Jetzt sind es Artikel, Fotos oder Videos, die von der ganzen Schule (…) live angeschaut und kommentiert werden! Das ist für einen Jugendlichen viel heftiger und gewalttätiger und daraus können ernste Probleme von Selbstwertschätzung resultieren“ (1). Leider sind Suizidfälle bekannt – Phoebe Prince, 15 Jahre, hat sich am 4.01.2010 das Leben genommen. Neun Schüler wurden in Verbindung mit ihrem Tod verhaftet.

Basierend auf diese neuen Erkenntnisse empfiehlt die Online Safety Technology Working Group in ihrem im Juni 2010 publizierten Bericht somit, unter anderem, Staatsbürgerliche Erziehung im Schullehrplan einzubeziehen (2).

Das Wesen der neuen Technologien ist folglich das einer sich rasch wandelnden Welt. Die Antwort auf die Gefahren, die sich darin finden, muss dies ebenfalls sein. Daher der Stellenwert, ununterbrochen Daten zu sammeln und zu analysieren, um eine konstruktive und den täglichen Gegebenheiten angepasste Antwort zu haben.

Clara Balestra, 26.10.2010

(1) Olivier Halfon in Ruiz Geneviève, « Ados en ligne », in Hebdo, N°33 Semaine du 19 août 2010, p. 49
(2) “Members came from the Internet industry, child safety advocacy organizations, educational and civil liberties communities, the government, and law enforcement communities.” (p.1) “The approach would also work in concert with non-fear-based, social-norms education, which promotes and establishes a baseline norm of good behavior online.” (p.4)

(Français) Où il est à nouveau question du châtiment corporel

14 September 2009

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(Français) La négligence, une violence à prévenir !

2 August 2009

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(Français) Répression de la pédophilie sur Internet : un nouveau logiciel fait ses preuves en Suisse

22 Juni 2009

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