Wenn die Pädophilen „Nein“ sagen

16 September 2014

2005 startet eine Gruppe von Berliner Klinikern ein gewagtes Projekt: Personen therapeutisch begleiten, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, aber keinen Übergriff begehen möchten. Die Ergebnisse sind ermutigend. Im Mai 2014 schaltet der Westschweizer Präventionsverein DIS NO eine Internetplattform online. Die Plattform espacedisno.ch bietet allen Personen, die pädophile Neigungen haben, Hilfe, Unterstützung und Informationen. Sie geht auf die Anliegen ein und ist auf therapeutische Begleitung ausgerichtet.

Leitartikel von Marc Thorens und Aurélie Cavin, in IDE website, 13. August 2014

„Sprich nicht mit Unbekannten und nimm auf keinen Fall Bonbons von fremden Männern an!“ Wer hat diesen Satz nicht x-mal von einem Vater, einer Mutter oder einem besorgten Erwachsenen gehört? Seit ungefähr 20 Jahren ist die Pädophilie ein Schrecken für alle Eltern und die Gesellschaft allgemein. Einige Fälle sind durch die Presse gegangen – wie der Fall Dutroux – und haben die wachsende Angst geschürt.

Lange wurde die Prävention auf die Kinder konzentriert. Es wurde versucht, ihnen die Schlüssel zu vermitteln, damit sie sich selber vor möglichem Missbrauch schützen können. 1997 hat eine umfangreiche Studie in der Schweiz jedoch die Grenzen eines solchen Ansatzes aufgezeigt: Einerseits ist erweisen, dass die meisten Missbräuche innerhalb der Familie oder im unmittelbaren Umfeld geschehen; andererseits gibt es wenige Kinder, die es schaffen, gegenüber einem Täter „Nein“ zu sagen.

2005 wagt eine Gruppe Berliner Kliniker der Universitätsmedizin Charité einen neuen präventiven Ansatz, dieses Mal auf die Täter ausgerichtet. Die Therapeuten gehen davon aus, dass es unter den Personen, die sich zu Kindern hingezogen fühlen, solche gibt, die nicht zur Tat schreiten möchten und die Hilfe und Unterstützung brauchen. Sie entwerfen also ein gewagtes Projekt und bieten eine therapeutische Begleitung für jene Personen, die sich freiwillig und anonym melden. Rasch haben über 500 Personen auf das Angebot reagiert. Seither hat dieser Erfolg die Bildung weiterer Standorte in Deutschland ermutigt und in anderen Ländern Europas wurden ähnliche neue Strukturen gegründet.

2007 hat der Europarat bei der Erarbeitung des Übereinkommens zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch in Lanzarote einen Artikel aufgenommen, der sich spezifisch auf die Prävention bei den Tätern richtet. Dieser Artikel sieht vor, dass jeder Staat, der diese Konvention ratifiziert, darauf achten muss, „wirksame[...] Interventionsprogramme[...] oder -massnahmen [...], die dazu dienen sollen, die Gefahr der Begehung einer solchen Tat zu beurteilen und sie zu verhindern“ einzurichten (Lanzarote-Konvention, 2007, Art. 7). Seit 2014 ist die Schweiz Vertragspartei der Konvention und untersteht folglich diesem Artikel.

Während die Deutschschweiz durch ihre Nähe zu Deutschland dem Beispiel von Berlin rasch gefolgt ist, hat der Westschweizer Präventionsverein (DIS NO) erst im Mai 2014 eine Internetplattform erstellt. Die Plattform espacedisno.ch bietet allen Personen, die pädophile Neigungen haben, Hilfe, Unterstützung und Informationen. Sie geht auf die Anliegen ein und ist auf therapeutische Begleitung ausgerichtet.

Es ist noch zu früh, um die Auswirkungen dieses neuen Ansatzes auf die potenziellen Täter zu messen. Werden die Missbräuche zurückgehen? Sollte gleichzeitig Sensibilisierungsarbeit bei der Bevölkerung geleistet werden? Soll dabei auf die Prävention bei den Kindern verzichtet werden? Wem muss man schliesslich lehren, Nein zu sagen?

Studie über die weibliche Genitalverstümmelung

1 Juli 2014

Das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR) wurde beauftragt, strategische und operationelle Empfehlungen im Bereich der weiblichen Genitalverstümmelung/Genitalbeschneidung in der Schweiz zu erarbeiten.

Auszüge des Artikels von Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR), 05.06.14

In den 29 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, in denen weibliche Genitalverstümmelung/Genitalbeschneidung (FGM/C) hauptsächlich praktiziert wird, leben mehr als 125 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen. Schätzungsweise 10’000 beschnittene oder von FGM/C bedrohte Mädchen und Frauen leben – meist als Folge von Migrations- und Fluchtbewegungen – heute in der Schweiz.

In Umsetzung der parlamentarischen Initiative Roth-Bernasconi (2005) stellt die Schweiz seit dem 1. Juli 2012 mit Art. 124 StGB alle Formen von Verstümmelung oder Beschneidung weiblicher Genitalien explizit unter Strafe. Parallel dazu verlangt die Motion Roth-Bernasconi (2005) auch Massnahmen zu Prävention, Versorgung, Schutz und Intervention im Bereich der FGM/C. Das in dieser Frage federführende Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat deshalb zusammen mit den Behörden und Nicht-Regierungsorganisationen, die auf dem Gebiet von FGM/C aktiv sind, die Nationale Arbeitsgruppe gegen weibliche Genitalbeschneidung (AG FGM) ins Leben gerufen. Diese bündelt die in der Schweiz in diesem Bereich vorhandenen Kompetenzen und stellt den Informationsaustausch sicher. (…)

Konsultation der FGM/C-ExpertInnen in der Schweiz

In einem ersten Schritt wurde im Rahmen dieser Studie eine Übersicht über bereits vorhandene Empfehlungen erarbeitet, welche nach Zielgruppen gebündelt und priorisiert wurden. Anschliessend fand ein umfangreiches und breit angelegtes Konsultationsverfahren statt, in welchem diese Empfehlungen von Experten/-innen validiert wurden. Insgesamt wurden fünf Konsultationsrunden in unterschiedlichen Bereichen organisiert. (…)

Ergebnisse

Die Erkenntnisse aus den insgesamt fünf Evaluationsrunden wurden in der Folge detailliert ausgewertet. (…) Sie soll Massnahmen aufgreifen, die bereits erfolgreich angewendet werden, und diese gezielt ergänzen und erweitern. Besonders empfohlen werden eine communitybasierte Präventionsarbeit, eine sorgfältige Dokumentation und ein umfassendes Informationsportal für FGM/C sowie eine koordinierte Präventionsarbeit im Rahmen des Asylverfahrens und eine Definition der Verantwortlichkeiten und der entsprechenden Schutz- und Interventionsverfahren.

Die Empfehlungen für die Umsetzung beziehen sich erstens auf die Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit, zweitens auf die Versorgung von Personen, an denen FGM/C vollzogen worden ist, und drittens auf Massnahmen im Bereich Schutz und Intervention. Von zentraler Bedeutung sind in jedem Fall Vorgehensweisen, die auf die Bedürfnisse der Migrationsgemeinschaften und der Betroffenen Rücksicht nehmen, Stigmatisierungen vermeiden und auf den intimen Charakter der Thematik Rücksicht nehmen sowie eine entsprechende Sensibilität an den Tag legen. Weiteres wichtiges Prinzip ist die Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes und der Einbezug von Multiplikatoren/-innen, wobei die entsprechenden Ressourcen einzuplanen sind, damit die wertvolle Arbeit auch angemessen und ohne Diskriminierung entschädigt werden kann. Schliesslich müssen sich alle Massnahmen im operativen Bereich letztlich am Ziel, eine Verhaltensänderung herbeizuführen, orientieren.

Suizidales Verhalten bei Jugendlichen

18 März 2013

“Förderung der sozialen Werte als mögliche Prävention?”

Von Schweizerisches Kompetenzzentrum für Menschenreschte, 14.03.13 

Bedeutung für die Praxis

Der vorliegende Artikel behandelt die Problematik und die Folgen der Empfehlung 123.82 der UPR 2012, insbesondere:

  • das alarmierend ausgeprägte suizidale Verhalten bei Schweizer Jugendlichen;
  • die Notwendigkeit einer soliden sozialen Prävention durch den Staat und die Gesellschaft;
  • die Ausarbeitung und Umsetzung einer Politik der öffentlichen Hand zur Förderung der positiven Elternschaft.

Am 27. Februar 2013 hat der Bundesrat die bis dahin offene Empfehlung 123.82 akzeptiert.

Einleitung

Nach der Auswertung einer Studie über die Suizidalität bei Kindern zwischen 5 und 12 Jahren benutzte der renommierte Psychiater und Verhaltensforscher Boris Cyrulnik die Parabel des Kanarienvogels in der Kohlemine: Suizide von Kindern sind alarmierend und ein Indikator für soziale Störungen. Nicht weniger beunruhigend ist die Lage in der Schweiz, wo das suizidale Verhalten bei Jugendlichen deutlich über dem europäischen Durchschnitt liegt (WHO, Suicide rates per 100,000 by country, year and sex). Obwohl die internationalen Menschenrechtsgremien kontinuierlich auf die Problematik hinweisen und trotz einer verstärkten Präsenz im Bewusstsein der Bevölkerung und der Politik kommt ein koordiniertes öffentliches Programm nur schwer in Gang, insbesondere was die Förderung der sozialen Werte betrifft, was bei den Jugendlichen eindeutig eine präventive Wirkung hätte. Dies ist auch im Sinne der Empfehlung 123.82 (Nicaragua) der UPR 2012, welche die Schweiz dazu auffordert, “[d]ie sozialen Werte bei Kindern und Jugendlichen weiterhin mit staatlichen Programmen [zu] fördern, die zu einer positiven Entwicklung beitragen und Tragödien wie Selbstmord und Drogenkonsum verhindern”.

Ausmass und Umfang der Problematik

In der Schweiz ist Selbstmord eine der häufigsten Todesursachen bei Jugendlichen zwischen 15 und 19 Jahren. Da einige Suizidformen in der Statistik als Unfälle erfasst werden, sind die Zahlen nur beschränkt aussagekräftig. Man leugnet zwar den Ernst der Lage im Bereich der Suizide nicht, doch sogar bei Fachleuten ist eine gewisse tabuähnliche kognitive Distanzierung festzustellen. Zu den tödlichen Suizidfällen kommen noch die zahlreichen Selbstmordversuche hinzu. Ein objektives Element schliesslich sind die Umfragen zur öffentlichen Gesundheit, aus denen hervorgeht, dass viele Jugendliche mit Suizidgedanken spielen.

Zudem kommen im Bereich des Suizids von Kindern zwei neue, nicht zu vernachlässigende Dimensionen hinzu. Erstens können das Internet und die sozialen Netzwerke das suizidale Verhalten verstärken. Das Internet ist gerade für Kinder, die sich nicht wohl fühlen, attraktiv, birgt aber zugleich das Risiko, dass eine exzessive Nutzung depressive Symptome nach sich zieht oder diese verstärkt. Auch haben die sozialen Netzwerke einen Antriebseffekt für Jugendliche, die sich in Chaträumen aufhalten, in denen Suizid verherrlicht wird. Zweitens besteht ein Zusammenhang zwischen suizidalem Verhalten und starker Diskriminierung von Kindern und Jugendlichen mit nicht traditioneller sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität, wie überzeugende wissenschaftliche Studien gezeigt haben.

Aufforderungen ohne grosse Folgen

Angesichts dieser Umstände würde man eine starke sozialpolitische und gesundheitliche Mobilisierung erwarten, um die hohe Anzahl persönlicher Dramen mit verheerenden Folgen für das Umfeld der Jugendlichen mit suizidalem Verhalten (tödliche oder erfolglose Versuche) einzudämmen. Die Reaktionen fallen jedoch bescheiden aus. So hält das Bundesamt für Gesundheit in seinem Bericht aus dem Jahr 2005 in Erfüllung des Postulates Widmer fest, dass “das Angebot an suizidpräventiven Massnahmen in der Schweiz gering ist und sich auf einige wenige regionale Zentren vor allem in der Westschweiz beschränkt” und dass “die Möglichkeiten des Bundes im Bereich der Suizidprävention aktiv zu werden sehr beschränkt [sind]“.

Auch der UNO-Kinderrechtsausschuss hat sich zum Thema Suizidalität geäussert und betonte im Jahr 2002 seine Beunruhigung angesichts der beschränkten Massnahmen zur Bekämpfung dieser Problematik. Bei der Universellen Periodischen Überprüfung der Schweiz 2008 und 2012 wurde das Thema der hohen Suizidrate bei Jugendlichen aufgenommen, wobei die bereits erwähnte Empfehlung 123.82 (Nicaragua) 2012 diesbezüglich als Beispiel erwähnt werden kann.

Förderung der sozialen Werte

Der Ansatz einer Suizidprävention über die Förderung sozialer Werte, berücksichtigt ältere und aktuelle Methoden, um im sozialen Umfeld diejenigen Faktoren zu stärken, welche die Entwicklung der Kinder positiv beeinflussen. Die erste nationale Kampagne zur Prävention von Jugendsuizid (Pro Juventute 2011) etwa signalisierte den Jugendlichen, dass die Schweizer Gesellschaft im Sinne des von Alfred Adler beschriebenen Gemeinschaftsgefühls besorgt ist und ein offenes Ohr für die Probleme hat.

Mit der Stärkung der sozialen Werte sollen alle Prozesse, die zu einer gesunden psychologischen Entwicklung der Kinder beitragen, beispielsweise ein positives Bild von sich selbst oder ein positives Selbstwertgefühl, gefördert werden. Diese Ziele bilden die Grundlage für die Unterstützung des sozialen Netzwerks des Kindes, in erster Linie die Familie und die Eltern aber auch die Schule.

In diesem Zusammenhang enthält die Empfehlung Rec(2006)19 des Europarats für eine Politik zur Unterstützung positiver Elternschaft zahlreiche nützliche Elemente, die in die richtige Richtung zielen. Diese sollten die Politik der öffentlichen Hand dazu bewegen, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit bei den Eltern ein Verhalten gefördert wird, dass im Sinne des Kindswohls ist. Im Zentrum steht dabei eine gewaltfreie Beziehung, in der die Eltern das Kind mit seinen besonderen Bedürfnissen anerkennen, es in seiner Entwicklung unterstützen, indem sie für ein kindgerechtes Umfeld sorgen und es gleichzeitig ermächtigen, Verantwortung zu übernehmen.

Um die Familien unterstützen zu können, muss deren Zugang zu angemessenen und vielfältigen Ressourcen sichergestellt sein (materielle, psychologische, soziale und kulturelle). Auch müssen die Bedürfnisse der Kinder und der Eltern in den verschiedenen Lebensbereichen berücksichtigt werden. Dazu muss der Zusammenhalt zwischen den Familienmitgliedern gestärkt werden und die Kinder müssen in einem harmonischen Umfeld ohne Misshandlung aufwachsen können.

In Fachkreisen besteht ein Konsens, dass entsprechende Programme, die auf der Förderung der sozialen Werte aufbauen, wenn sie von allen Exponenten – vom Staat wie auch von den Verbänden – proaktiv unterstützt werden, zu einem deutlichen Rückgang der Suizidfälle unter den Schweizer Jugendlichen führen würden.

Auch :

Suicide des adolescents – existe-t-il des moyens de prévention efficaces ?, Fondation Sarah Oberson, 21 août 2012

Le suicide des jeunes: faits et chiffres, Fondation Sarah Oberson, 22 novembre 2011

Suicide des enfants, rare mais inquiétant, Fondation Sarah Oberson, 10 mai 2011

Les jeunes et le suicide en Valais, La Fondation Sarah Oberson, mai 2006

Suizid bei Jugendlichen – gibt es wirksame Mittel zur Prävention?

21 August 2012

Die Forschung zeigt, dass das wirksamste Mittel um zu Suizide neigende Verhalten auf der gesellschaftlichen Ebene vorzubeugen darin besteht, in die Resilienz der Kinder zu investieren, so dass sie die Kompetenzen entwickeln, die sie brauchen, um Schicksalsschläge zu ertragen.

Von Dainius Puras (Litauen), Experte für die psychische Gesundheit von Kindern, ehemaliges Mitglied des Ausschusses für die Rechte des Kindes der Vereinten Nationen.

In den verschiedenen Regionen der Welt stellt man eine sich stetig erhöhende Anzahl von Suiziden bei Jugendlichen fest. Dieses Phänomen spiegelt weitestgehend eine traurige Realität des realen Wachstums wieder. Die gute Nachricht ist jedoch, dass dies zum Teil das Ergebnis eines besseren Bewusstseins und einer besseren Anerkennung eines rumfassenden Problems sein könnte, welches früher oft  ausgeblendet und übergangen wurde.

Das zu Suizid neigende Verhalten gehört zum erweiterten Bereich der psychischen Gesundheit und des emotionalen Wohlbefindens. Während zahlreiche Länder in ihren Antworten auf ansteckende und nichtansteckend somatische Krankheiten erhebliche Fortschritte gemacht haben, wenden sie sich nun den Problemen im Bereich der psychischen Gesundheit zu und stellen fest, dass diese Probleme eine große Belastung für die Gesellschaft darstellen. Es ist folglich offensichtlich, dass auch in den entwickelten Ländern die Investition in die mentale Gesundheit kein Luxus mehr darstellt sondern es eher ein Luxus ist, nicht in die psychische Gesundheit und das emotionale Wohlbefinden von Kindern und ihren Eltern zu investieren. Obwohl die Mittel zur Förderung der mentalen Gesundheit  und der Prävention bezüglich gesundheitlicher Probleme in diesem Bereich, einschließlich der Suizide, wohl bekannt sind, werden sie doch oft auf eine nicht adäquate Art und Weise in der Praxis verwirklicht. Die Suizidprävention, nach dem Vorbild aller Bereiche der psychischen Gesundheit und des emotionalen Wohlbefindens, ist oft Geisel von Stigma, Mythen und Tabus.

Das Problem der Erkennung eines zu Suizid neigenden Verhaltens, bevor es zu spät ist und bevor die Prävention, auf gesellschaftlicher, gemeinschaftlicher, familiärer und individueller Ebene erheblich erschwert wird, ist schwierig. Ein Umfeld von Verzweiflung und Ohnmacht umgibt dieses Phänomen. Um aus dieser Sackgasse heraus zu finden, braucht es die Befolgung von Grundprinzipien, im Gleichschritt mit den modernen Menschenrechte und den Prinzipien der Rechte des Kindes.

Zunächst ist es sehr wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass Selbstmord ein Problem des öffentlichen Gesundheitswesens ist und deshalb mittels der Benützung der Zugänge eines modernen öffentlichen Gesundheitswesens behandelt werden muss. Die Versuchung ist gross, die Prävention im Rahmen von Suiziden auf eine biomedizinische Betrachtungsweise zu limitieren, oder einem grosse Risiko ausgesetzt, dass Medikamente oder psychosoziale Therapien identifiziert und verschrieben werden, welche für Individuen, die unter eine Depression im medizinischen Sinne leiden, vorgesehen sind. Dieses Vorgehen, wenn es auch notwendig ist, kann nicht alleine das Problem eines zu Suizid neigenden Verhaltens lösen, da es nicht die sozialen Determinanten der Gesundheit und der Entwicklung des Kindes und des Jugendlichen berücksichtigt.

Auf interessante Art und Weise hat die Weltgesundheitsorganisation in ihrem brillanten Bericht “Gesundheit und Gewalt” (2002) klar deklariert, dass ein zu Selbstmord neigendes Verhalten eines der Gesichter der Gewalt ist und dass es somit auf die gleiche Art und Weise angegangen werden sollte wie die anderen Gewaltformen. Indem wir den Selbstmord wie eine gegen sich selbst gerichtete Gewalt behandeln entdecken wir, dass es eine große Anzahl von wirksamen und kreativen Lösungen gibt, um präventiv vorzugehen. Anstatt die Wurzeln des zu Selbstmord neigenden Verhaltens im Gehirn oder der Persönlichkeit der Individuen zu suchen, sollten wir die Qualität der Beziehungen unter den Individuen und den Gruppen fördern – und wir würden entdeckten, dass dies uns zu Respekt, zu Würde und zu den Menschenrechten führt.

Ein mächtiger Mythus ist auf die fatalistische Annahme gestützt, dass es fast unmöglich ist, das Leben von Menschen zu retten, welche sich veranlasst sehen, einen Selbstmord zu begehen. Diese Art zu Denken beweist, dass die wissenschaftliche Evidenz des Suizides als vorhersehbarer Zustand noch immer verkannt ist. Tatsächlich ist die Entscheidung, einen Selbstmord zu begehen, meistens impulsiv und ein kleines Detail kann der Erfüllung dieser Entscheidung vorbeugend entgegenwirken und ein Leben retten. Mehrere Länder haben wirksame Vorbeugungsstrategien bezüglich der Suizide, gemäss hochentwickelter Analysen der Bestimmung von wichtigen Schutz- und Risikofaktoren, eingerichtet.

Im Vergleich mit den Erwachsenen ist das zu Selbstmord neigende Verhalten von Kindern und Jugendlichen vor allem an sozialpsychologische Faktoren, welche die Jugendlichen umgeben, gebunden. Alles was um sie herum in der Familie, in der Schule, auf der Straße, in der Gemeinschaft und der Gesellschaft im Allgemeinen geschieht – all dies hebt oder senkt  die Schwelle der zerstörerischen oder selbstzerstörerischen Verhaltensweisen, einschließlich der Neigung zum Suizid. Die Forschung zeigt, dass das wirksamste Mittel um zu Suizide neigende Verhalten auf der gesellschaftlichen Ebene vorzubeugen darin besteht, in die Resilienz der Kinder zu investieren, so dass sie die Kompetenzen entwickeln, die sie brauchen, um Schicksalsschläge zu ertragen.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass der Menschenrechts- und Kinderrechtszugang, wenn er korrekt in den Bereichen der Gesundheit, der Erziehung, des sozialen Wohlseins und in weiteren Sektoren, über die respektvolle Behandlung der Kinder und über respektvolle Beziehungen zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft, und ihren  Kindern, umgesetzt wird, ein wirksames Gegenmittel gegen zu Suizid neigende Verhaltensweisen darstellt.

Dieser Artikel ist am 14.08.2012 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Wie Mobbying an der Schule verhindert werden kann

7 Mai 2012

Gemäss Prof. Eric Debarbieux ist die Gewaltprävention im schulischen Umfeld für das Opfer als auch den Angreifer entscheidend. Ein Kolloquium sucht nach Möglichkeiten, um das Phänomen zu resorbieren.

Artikel von Paola Mori, veröffentlich im le Courrier am 3. Mai 2012

Beleidigungen, Spötteleien, Erniedrigungen, Erpressung, Diebstähle, absichtlicher Materialverschleiss: Belästigung in der Schule zeigt sich unter verschiedenen Gesichtern. Die Entwicklung der Neuen Technologien hat ebenfalls eine neue Art der Belästigung mittels tragbarer Telefon oder sozialer Netze entstehen lassen, welche dazu neigt, die Grenze zwischen schulischer und außerschulischer Belästigung zu untergraben, da das Kind bis in sein Zimmer hinein diesen Belästigungen ausgesetzt ist.

Eine aktuelle französische Untersuchung schätzt, dass ein Kind auf zehn auf sich wiederholende Art und Weise Opfer seiner Kameraden ist. Die Zahlen bezüglich des Wallis wurden anlässlich des internationalen Kolloquiums „Mobbying zwischen Gleichaltrigen: in den Gräben der Schule“ veröffentlicht, welches zwischen dem 3.  und 4. Mai 2012 im Universitären Institut Kurt Bösch in Sitten stattfand. Unter den zahlreich anwesenden Experten war auch Eric Debarbieux, Autor zahlreicher Werke, Präsident der Internationalen Beobachtungsstelle für Gewalt in der Schule und Professor für Erziehungswissenschaften an der Universität Paris Est-Créteil.

Welches sind die Konsequenzen der Belästigung?

Eric Debarbieux: seitens der Geplagten stellt man eine Abwendung von der Schule statt, der Absenz, eine Abwertung des Selbstbildes, ein erhöhtes Depressionsrisiko und eine erhöhte Neigung zu Selbsttötung, bis ins Erwachsenenalter hinein.  Zwischen 20% bis 25% der chronisch abwesenden Schülerinnen und Schüler gehen aus Angst vor Belästigungen nicht an die Schule. Der Täter ist selber ebenfalls einem Risiko ausgesetzt. Eine aktuelle Studie aus England, welche während vierzig Jahren eine Gruppe von vierhundertzwanzig Täter begleitet hat, zeigte auf, dass diese viel öfter arbeitslos waren als andere, oder schlechtbezahlte Berufe ausübten oder in der Beziehung Misshandlungen ausübten. Im Fall von Belästigung ergibt sich eine Verlierer-Verlierer Situation. Das Gesetzt des Stärkeren ist nur eine Farce.

Welches ist das Profil der Zielschüler?
Das ist schwierig zu sagen. Man beobachtet allerdings, dass das Opfer durch einen Unterschied stigmatisiert wird, dass es mit der Gruppe aus dem einen oder anderen Grund nicht in Einklang steht. In diesem Sinn ist die Belästigung eine Unterdrückung der Non-Konformisten. Gegen Belästigungen anzugehen bedeutet in diesem Sinne, den Gruppenkonformismus zu bekämpfen.

Wie können diese Situationen verhindert werden?
Das Phänomen zu kennen und widerzuerkennen ist bereits die Hälfte der Miete. Man verhindert das Risiko zu Belästigungen auch durch eine globale Politik der Verbesserung des Schulklimas. Es gibt eine starke Wechselbeziehung zwischen dem Klima der Einrichtung und Schulgewalt. Deshalb ist alles, was ein gutes Zusammenleben und Zusammensein in der Schule fördert, zu begünstigen. Die Organisation von Schulfesten oder von Aktivitäten, wie z.B.  eine Theateraufführung, sind zu befürworten. Es gibt in Spanien Programme zur „convivencia escolar“, welche die Gewalt durch eine Verminderung der Isolierung der Schüler merklich zurückgehen ließen.
Ein anderer Hebel ist die Stabilität des Lehrerkollegiums. Die Anzahl von Gewalttätigkeiten fällt in Einrichtungen, in welcher die Lehrpersonen über eine lange Zeit beschäftigt bleiben.

Welche Ratschläge können den Eltern gegeben werden?
Eine Überbehütung muss vermieden werde, da sie sonst nicht genügend Abwehrmöglichkeiten kennen, um sich gegenüber Aggression zu wehren. Im Fall von Belästigung ist es notwendig, dass die Eltern mit den Lehrpersonen oder der Schulleitung das Gespräch suchen da die Schule der erste Ort der Prävention darstellt. Das Gefühl von Isolation muss gebrochen werden und alle müssen sich gemeinsam als verantwortlich zeigen. Das Kind benötigt stabile Erwachsene um sich herum.

Auf welcher anderen Ebene kann Unterstützung geboten werden?
Seitens der Medienangebote könnte Facebook, welches momentan als eine der grössten Gefahrenplattformen für Belästigungen gilt, zum Engagement verpflichtet werden.  Zum Beispiel indem Mittel zur Kontrolle gefunden werden, ohne dass dabei wenig sinnvolle Verbote lanciert werden.

(1) Studie Wallis : En moyenne, deux élèves par classe sont harcelés, Le Nouvelliste, 05.05.2012

Zahlen & Fakten Jugendsuizid

22 November 2011

Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz (10-19) und die häufigste Todesursache bei 15-24jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Die Anzahl Suizide beider Raten lässt sich reduzieren: Durch Früherkennung einer sensibilisierten Gesellschaft durch Präventionskampagnen und Enttabuisierung (Prävention) sowie durch Soforthilfe in der Krisensituation (Intervention).

Der Textausschnitt von : Fachtsheet von Kampagne «Pro Juventute Beratung + Hilfe 147» zur Prävention von Jugendsuizid

• Suizid ist die zweithäufigste Todesursache bei Kindern und Jugendlichen in der Schweiz (10-19) und die häufigste Todesursache bei 15-24jährigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Jeden vierten Tag nimmt sich ein Kind, Jugendlicher oder junger Erwachsener in der Schweiz das Leben. Rund 11 Prozent der Teenager in der Schweiz hegen ernsthafte Todesgedanken. 30 Prozent aller Aufnahmen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erfolgen wegen Suizidhandlungen und Depression.
• Neu hinzugekommen ist die Problematik des Cybermobbings. Studien zeigen, dass die Zahl der Suizidversuche bei Jugendlichen, welche Cybermobbing erlebt haben, doppelt so hoch ist wie bei Jugendlichen ohne eigene Betroffenheit. 8-10 Prozent der Jugendlichen in der Schweiz wurden schon einmal im Internet „fertig gemacht“.
• Insgesamt begehen rund 1400 Menschen in der Schweiz jährlich Suizid – dreimal mehr, als bei Verkehrsunfällen sterben. Damit hat die Schweiz eine der höchsten Suizidraten Westeuropas. Die Schweiz verzeichnet 15-25’000 Suizidversuche pro Jahr. Über die gesamte Bevölkerung gesehen berichtet jeder zweite in retrospektiven Erhebungen über Suizidgedanken.
• Jeden Tag ruft mindestens ein Mädchen oder Bub wegen Suizidabsichten bei der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 an.

Mit welchen Massnahmne könnte die Jugendsuizidrate in der Schweiz gesenkt werden?
• Durch Präventionskampagnen und durch verstärkte Unterstützung für die Soforthilfe in der Krisensituation. Denn: Manche Jugendliche, die sich das Leben nehmen, tun das in einer Kurzschlusshandlung. Andere nehmen sich das Leben nach einer langen Phase des Leidensdrucks. Die Anzahl Suizide beider Raten lässt sich reduzieren: Durch Früherkennung einer sensibilisierten Gesellschaft durch Präventionskampagnen und Enttabuisierung (Prävention) sowie durch Soforthilfe in der Krisensituation (Intervention).
• Durch Stärkung, Förderung und Unterstützung der Kompetenzen & der Selbstwirksamkeit von Kindern und Jugendlichen gemäss dem Empowerment-Ansatz.

Wie hilft die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147?
• In einem ersten Schritt ist entscheidend, dass mit den Beraterinnen und Beratern der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 in der Notsituation jemand da ist, der zuhört. Das lindert oft die erste Krise.
• Die BeraterInnen der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 lenken den Blick der Kinder auf neue Perspektiven für Probleme oder Krisen und erarbeiten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen im Gespräch Lösungsmöglichkeiten.
• In einem weiteren Schritt vermittelt die Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 die Kinder und Jugendlichen an Fachstellen in ihrer unmittelbaren Umgebung. Um aus einem suizidalen Tief herauszufinden, brauchen junge Menschen unmittelbar professionelle Hilfe unter Einbezug ihrer Bezugspersonen. Oft ist dann eine ambulante, manchmal eine stationäre Betreuung notwendig.
• In Extremfällen greift das Team der Pro Juventute Beratung + Hilfe 147 ein und alarmiert die Ambulanz und die Polizei.

Mit Philosophie gegen die Gewalt

28 März 2011

“… Von Anfang an hat man in der Philosophie die Meinung vertreten, dass der Logos (Dialog) eine Art war, sich der Gewalt zu widersetzen…” (Sasseville, Haute définition, RSR, 29.08.10)

“Ende der 60er Jahre wird sich Lipman, Professor der Logik an der Universität Columbia, der Notwendigkeit bewusst, dass man mit dem Erlernen der Denkmethoden viel früher als an der Universität beginnen muss, damit die Schüler sie wirklich nutzen können, um nachzudenken.” (Loison Apter, Le Temps, 14.02.2011) Er entwickelt also eine Lehrmethode, die den Kindern bestimmt ist. Seit ihrer frühesten Kindheit lernen die Kinder zu denken, nachzudenken und, da die Philosophie eine Form des Dialogs ist, tun sie dies in Gruppen, über Themen die sie berühren, indem ihr Interesse und ihre Partizipation geweckt werden.

“Die Methode ist folgende: Am Ende der Lektüre eines philosophischen Romanausschnitts, stellen die Kinder fragen. Danach, mit der Mithilfe jedes einzelnen und der gegenseitigen Unterstützung aller, versuchen sie – mit Hilfe des Dialogs – auf eine ausgesuchte philosophische Frage unter den gestellten zu antworten. Die Rolle des Betreuers ist es, die für den philosophischen Charakter des Austauschs nötigen Instrumente zu liefern: helfen, die Voraussetzungen auszumachen, die Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, den Zusammenhang zu berücksichtigen, etc. All dies in einer Stimmung des Zuhörens, des Respekts des Denkens und der Äusserungen eines jeden.” (Université Laval)

Lipman erforscht die Auswirkungen dieses Unterrichts am Verhalten der Kinder, insbesondere am gewalttätigen Verhalten. Seiner Meinung nach erzeugt der Frust die Aggression, die Gewalt. Damit dieses Ursache-Wirkungs-Prinzip nicht in Gang kommt, muss man Ventile (siphoning off) finden. Zum Beispiel indem man den Frust in dem was Nietzsche creative rancor (1) nennt umwandelt oder in erlaubte Formen der Gewalt, wie dem Sport oder dem Geschäften. Ein weiteres ist das Betreiben der Philosophie für Kinder. Sie erlaubt es der Gemeinschaft – z.B. einer Schulklasse – den Frust eines oder mehrerer ihrer Mitglieder unterhalb der kritischen Schwelle zu reduzieren, in dem ihre Gründe und Ursachen gefunden werden: man spricht über dieses Gefühl und untersucht es.

“Sokrates und später Platon dachten, der Mensch handle aus Unwissenheit böswillig.” In der Annahme, dass wenn die Menschen die Gründe und die Tragweite  ihrer Taten besser verstünden, sie sich weniger der Gewalt bedienten, schlugen sie vor, durch Erziehung der Menschen, gegen die Gewalt zu kämpfen. Die Geschichte hat ihnen nicht immer Recht gegeben. Allerdings bringt das Philosophieren lernen ein Erlernen der Argumentation mit sich, ein Lernen, die Gedanken, die Gefühle und das Gelebte in zusammenhängende Worte zu fassen. (La traversée, Montréal)

Dieses Verfahren setzt “ein Vertrauen in das menschliche Denken”, in die Fähigkeit des Menschen “selbständig, für sich selbst und mit den anderen zu denken” voraus. Dies setzt seinerseits die Fähigkeit des Menschen zum Zuhören, zum Organisieren, zur Unparteilichkeit und zur Sorge um andere voraus. (Sasseville, Haute définition, RSR, 29.08.10)

Laut Lipman geht die Philosophie für Kinder weiter als die blosse Entwicklung des kritischen Denkens, das schon an sich sehr wichtig ist. In dem sie Themen behandelt, die Kinder stark interessieren, lehrt sie sie, dass das Denken auch Gefühle sind und dass diese ausgedrückt und untersucht werden können. Dass man den Dialog in der Gruppe führt, verbessert die Fähigkeit sich zu verstehen und sich zu schätzen, während man gleichzeitig die anderen besser versteht.

Somit liefert die Philosophie für Kinder diesen die nötigen Instrumente um ihren Frust in eine bestimmte Richtung zu lenken und ihn konstruktiv zu machen. Sie schafft eine Öffnung des Geistes, eine Toleranz gegenüber dem Denken des Anderen, der so zum Diskussionsteilnehmer und nicht mehr zum Feind wird. Sie gibt den Kindern ausserdem das nötige Rüstzeug mit, um den verschiedenen Herausforderungen und Gefahren denen sie in der Gesellschaft gegenüberstehen die Stirn zu bieten, indem sie ihnen einen kritischen Blick gewährt, der sie durch ihre Taten und Entscheidungen führt.

“Im Hinblick auf die Förderung einer Friedenskultur, der Gewaltbekämpfung, der Erziehung die auf die Ausrottung der Armut und auf nachhaltige Entwicklung abzielt, sichert die Tatschache dass die Kinder schon sehr früh ein kritisches Denken, die Selbständigkeit im Denken und eigenes Urteilsvermögen erlangen, sie gegen jede mögliche Manipulierung ab und bereitet sie vor, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen.” (UNESCO, 1999)

Clara Balestra, 28.03.11

(1) « a non-aggressive sort of self-expression to be found in many different kinds of art. »

In der welschen Schweiz fördert, vermittelt und unterstützt die Vereinigung proPhilo die Anwendung der Philosophie für Kinder.

Neue Technologien, eine bewegende Realität, sich entwickelnde Gefahren

26 Oktober 2010

“Der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder ist, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da, zu beweisen, dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch ist für ein Kind das Risiko, missbraucht zu werden, in seinem Umfeld grösser.”

Neue Untersuchungen zu den Gefahren neuer Technologien für die Kinder zeigen, dass gewisse Modelle nicht, oder nicht mehr der Realität entsprechen. Es ist wichtig, die Verfolgungsnormen und -strategien, genauso wie die Präventionsstrategien, an diese neuen Erkenntnisse anzupassen.

Während der letzten Jahre hat das Aufgebot der auf die Verfolgung von sexuellen Verbrechern auf dem Netz konzentrierten polizeilichen Bemühungen gute Resultate erbracht. Verschiedene technologische Instrumente haben dazu beigetragen, die Effizienz dieser Untersuchungen zu verbessern, wie beispielsweise: der Alarmknopf auf Facebook, der es dem Vereinigten Königreich ermöglicht hat, 211 Signalisierungen verdächtiger Aktivitäten innerhalb eines Monats seit seinem Bestehen zu sammeln; die Onlinedenunzierungen des Koordinierungsservice des Kampfes gegen die Internetkriminalität (KOBIK); etc.

Laut der Untersuchung Trends in Arrests of „Online Predators“, ist der Mythos des Onlineverbrechers der Kinder (0-18 Jahre) jagt, im Begriff neu bemessen zu werden. Verbrechen sind dazu da um zu beweisen dass diese Kriminellen existieren. Statistisch gesehen jedoch, ist für ein Kind das Risiko missbraucht zu werden grösser in seinem Umfeld. Somit schlagen die Fahnder den Polizeikräften vor, weiterhin gegen die Onlineverbrecher anzukämpfen, jedoch ohne ihre Bemühungen gegen die Missbraucher zu vernachlässigen, die „offline“ sind.

Ausserdem haben dieselben Fahnder herausgefunden, dass der Musterverbrecher nicht oder nicht mehr der fünfzigjährige Mann ist, der sich als ein Kind im gleichen Alter seiner Opfer ausgibt, sondern eine Person zwischen 18 und 34 Jahren, die „mit der „Gefühlsunerfahrenheit“ der Jugendlichen spielt, um diese in eine vermeintliche „Liebesbeziehung“ zu verwickeln“. In der Tat zeigen die Untersuchungen, dass die am stärksten gefährdeten Jugendlichen, jene mit Gefühlsproblemen wie schlechte Beziehungen zu den Eltern, oder solche, die Schwierigkeiten haben, ihre sexuelle Identität zu finden oder zu akzeptieren“.

Angesichts solcher Daten, ist beispielsweise die von Computer Scientists at Lancaster University entwickelte Computersoftware zur Alterserkennung der Ansprechperson weniger als erwartet nützlich. Während die Anschlagzettel mit „Ein Pseudonym kann jeden verbergen“ es ermöglichen, die Kinder über eine existierende Problematik zu warnen, berühren sie ein Phänomen, das weniger verbreitet ist als man dachte.

Diese Forscher betonen ebenfalls die Tatsache, dass es keine Beweise gibt, um das Internet als ein für Kinder gefährlicherer Ort als andere zu bezeichnen (Schule, Familie, Strasse). Gemäss ihrer Untersuchung sind die grössten von Kindern im Angesicht der neuen Technologien zu erwartenden Gefahren: die Belästigung durch Ihresgleichen, der Identitätsraub, die Abhängigkeit und der Ansehensverlust.

Die Belästigung ist eine mehr und mehr beunruhigende Problematik, denn „die Sündenböcke waren schon immer in den Schulen. Aber früher waren die Attacken Gerüchte, die unter einigen Personen im Schulhof kursierten. Jetzt sind es Artikel, Fotos oder Videos, die von der ganzen Schule (…) live angeschaut und kommentiert werden! Das ist für einen Jugendlichen viel heftiger und gewalttätiger und daraus können ernste Probleme von Selbstwertschätzung resultieren“ (1). Leider sind Suizidfälle bekannt – Phoebe Prince, 15 Jahre, hat sich am 4.01.2010 das Leben genommen. Neun Schüler wurden in Verbindung mit ihrem Tod verhaftet.

Basierend auf diese neuen Erkenntnisse empfiehlt die Online Safety Technology Working Group in ihrem im Juni 2010 publizierten Bericht somit, unter anderem, Staatsbürgerliche Erziehung im Schullehrplan einzubeziehen (2).

Das Wesen der neuen Technologien ist folglich das einer sich rasch wandelnden Welt. Die Antwort auf die Gefahren, die sich darin finden, muss dies ebenfalls sein. Daher der Stellenwert, ununterbrochen Daten zu sammeln und zu analysieren, um eine konstruktive und den täglichen Gegebenheiten angepasste Antwort zu haben.

Clara Balestra, 26.10.2010

(1) Olivier Halfon in Ruiz Geneviève, « Ados en ligne », in Hebdo, N°33 Semaine du 19 août 2010, p. 49
(2) “Members came from the Internet industry, child safety advocacy organizations, educational and civil liberties communities, the government, and law enforcement communities.” (p.1) “The approach would also work in concert with non-fear-based, social-norms education, which promotes and establishes a baseline norm of good behavior online.” (p.4)

(Français) Où il est à nouveau question du châtiment corporel

14 September 2009

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(Français) La négligence, une violence à prévenir !

2 August 2009

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