Frau Granzotti Emmanuelle äussert sich über das Thema der Sarah Oberson Konferenz 2013

9 Dezember 2013

Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, scheint die Schweiz nicht bereit, so viel in Bereiche wie Prävention und Wiedereingliederung zu investieren. Es ist folglich unabdingbar, dass eine veritable „Revolution“ bezüglich der politischen Prioritäten avisiert werden muss, damit solche Dramen weitest möglich vermieden werden können.

Von Frau Emmanuelle Granzotti, Psychologue-Psychothérapeute FSP au Centre de Psychiatrie et Psychothérapie Renens CPPR. Intervenante à la Table ronde de la Soirée Sarah Oberson 2013, le 13 novembre 2013 : “De Lucie à Marie : du risque zéro à l’obligation de réinsertion »

Es existieren mehrere fundamentale Aspekte, welche in Betracht gezogen werden sollten, sobald die Frage Null-Risiko versus Risiko eines Rückfalls ausgesprochen wird. Die einzige Möglichkeit, Ersteres zu garantieren, besteht bei einer bestimmten Kategorie von Kriminellen in der systematischen Anwendung der Inhaftierung auf Lebzeiten; was aber aus ethischer wie auch logistischer Sicht nicht realistisch ist. Des Weiteren verfügt die Schweizer Rechtsprechung über verschiedene, adäquate  Instrumente um so weit als möglich das Risiko eines Rückfalls zu verringern.

Zum Beispiel zeigen verschiedene Studien die Ineffizienz von sehr langen Haftstrafen bezüglich der abschreckenden Wirkung oder aber hinsichtlich der Gefährlichkeit von Ausgängen von sogenannt „Trockenen“ auf. Die grössten Schwierigkeiten, meiner Meinung nach, finden sich aber  in der effektiven Umsetzung des strikten Rahmens, welcher von dem Gesetz (Massnahmen, Expertisen, etc.) vorgesehen ist, in ihrer Überwachung als auch in den erforderlichen Kompetenzen der verschiedenen Intervenierenden, welche hingezogen werden, um die Bedürfnisse und Grenzen eines Verurteilten zu bewerten und ihm so eine progressive und effiziente Wiedereingliederung zu ermöglichen.

Bezüglich der wenigen Menschen, welche nicht geeignet scheinen, um von einem Verfahren und Massnahmen zur Wiedereingliederung zu profitieren, existieren zur Zeit keine anderen Lösungsansätze als sie nicht aus der Verwahrung zu entlassen, um so die Gesellschaft und das zuständige Personal zu schützen.

Sie verwahrt zu lassen ist aber nicht einfach gleichzusetzen mit dem „Hinwerfen des Löffels“. Es ist erforderlich, für diese Menschen passende Strukturen zu generieren und die Forschung in diesem Bereich, der „Fürsorge“ der auf der Ebene der Psychiatrie besonders komplexen Profilen, fortzuführen. Verständlich stellt sich also die Frage nach den gewichtigen finanziellen Mitteln für ein reibungsloses Funktionieren. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wie zum Beispiel Kanada, scheint die Schweiz nicht bereit, so viel in Bereiche wie Prävention und Wiedereingliederung zu investieren. Es ist folglich unabdingbar, dass eine veritable „Revolution“ bezüglich der politischen Prioritäten avisiert werden muss, damit solche Dramen weitest möglich vermieden werden können.  Ein seriöser Fokus muss auf die Opfer umgeleitet werden, seien dies direkte oder indirekte Opfer, insbesondere was die verschiedenen materiellen Unterstützungsmaßnahmen durch die Behörden oder durch die Verantwortlichen, betrifft.„

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Mme Emmanuelle Granzotti a débuté sa carrière en médecine pénitentiaire, au service médical de la prison préventive de Champ-Dollon où elle s’est rapidement spécialisée dans la prise en charge d’auteurs de crimes violents et sexuels. Elle a travaillé environ 5 ans dans le domaine carcéral et post-pénal, et a été pour une même durée dans Comité directeur de la société suisse de psychologie légale. Par la suite, elle s’est de même dirigée vers le domaine de la victimologie. Elle a dirigé pendant 5 ans un programme et une équipe de psychologues dans le domaine de la prévention des abus sexuels. Elle exerce désormais en cabinet privé où elle reçoit toujours des personnes sous mesures de soins judiciaires (article 63 CPS), des victimes (LAVI) et une population clinique tout venant. Mme Granzotti enseigne aussi les déviances sexuelles (ECASE), travaille au sein de la cellule PsyAu de la police genevoise et est membre de son Comité exécutif. Elle est aussi expert au Centre universitaire romand de médecine légale (expertises de crédibilité) et Juge assesseur psychologue au Tribunal de protection de l’adulte et de l’enfant.