Studie über die weibliche Genitalverstümmelung

1 Juli 2014

Das Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR) wurde beauftragt, strategische und operationelle Empfehlungen im Bereich der weiblichen Genitalverstümmelung/Genitalbeschneidung in der Schweiz zu erarbeiten.

Auszüge des Artikels von Schweizerische Kompetenzzentrum für Menschenrechte (SKMR), 05.06.14

In den 29 Ländern Afrikas und des Nahen Ostens, in denen weibliche Genitalverstümmelung/Genitalbeschneidung (FGM/C) hauptsächlich praktiziert wird, leben mehr als 125 Millionen beschnittene Mädchen und Frauen. Schätzungsweise 10’000 beschnittene oder von FGM/C bedrohte Mädchen und Frauen leben – meist als Folge von Migrations- und Fluchtbewegungen – heute in der Schweiz.

In Umsetzung der parlamentarischen Initiative Roth-Bernasconi (2005) stellt die Schweiz seit dem 1. Juli 2012 mit Art. 124 StGB alle Formen von Verstümmelung oder Beschneidung weiblicher Genitalien explizit unter Strafe. Parallel dazu verlangt die Motion Roth-Bernasconi (2005) auch Massnahmen zu Prävention, Versorgung, Schutz und Intervention im Bereich der FGM/C. Das in dieser Frage federführende Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat deshalb zusammen mit den Behörden und Nicht-Regierungsorganisationen, die auf dem Gebiet von FGM/C aktiv sind, die Nationale Arbeitsgruppe gegen weibliche Genitalbeschneidung (AG FGM) ins Leben gerufen. Diese bündelt die in der Schweiz in diesem Bereich vorhandenen Kompetenzen und stellt den Informationsaustausch sicher. (…)

Konsultation der FGM/C-ExpertInnen in der Schweiz

In einem ersten Schritt wurde im Rahmen dieser Studie eine Übersicht über bereits vorhandene Empfehlungen erarbeitet, welche nach Zielgruppen gebündelt und priorisiert wurden. Anschliessend fand ein umfangreiches und breit angelegtes Konsultationsverfahren statt, in welchem diese Empfehlungen von Experten/-innen validiert wurden. Insgesamt wurden fünf Konsultationsrunden in unterschiedlichen Bereichen organisiert. (…)

Ergebnisse

Die Erkenntnisse aus den insgesamt fünf Evaluationsrunden wurden in der Folge detailliert ausgewertet. (…) Sie soll Massnahmen aufgreifen, die bereits erfolgreich angewendet werden, und diese gezielt ergänzen und erweitern. Besonders empfohlen werden eine communitybasierte Präventionsarbeit, eine sorgfältige Dokumentation und ein umfassendes Informationsportal für FGM/C sowie eine koordinierte Präventionsarbeit im Rahmen des Asylverfahrens und eine Definition der Verantwortlichkeiten und der entsprechenden Schutz- und Interventionsverfahren.

Die Empfehlungen für die Umsetzung beziehen sich erstens auf die Sensibilisierungs- und Präventionsarbeit, zweitens auf die Versorgung von Personen, an denen FGM/C vollzogen worden ist, und drittens auf Massnahmen im Bereich Schutz und Intervention. Von zentraler Bedeutung sind in jedem Fall Vorgehensweisen, die auf die Bedürfnisse der Migrationsgemeinschaften und der Betroffenen Rücksicht nehmen, Stigmatisierungen vermeiden und auf den intimen Charakter der Thematik Rücksicht nehmen sowie eine entsprechende Sensibilität an den Tag legen. Weiteres wichtiges Prinzip ist die Berücksichtigung des jeweiligen Kontextes und der Einbezug von Multiplikatoren/-innen, wobei die entsprechenden Ressourcen einzuplanen sind, damit die wertvolle Arbeit auch angemessen und ohne Diskriminierung entschädigt werden kann. Schliesslich müssen sich alle Massnahmen im operativen Bereich letztlich am Ziel, eine Verhaltensänderung herbeizuführen, orientieren.