Solidarität mit den Familien vermisster Kinder

20 Mai 2014

Am 25. Mai 2014, dem internationalen Tag der vermissten Kinder, möchten wir eine Blume in Erinnerung an all die vermissten Kinder und als Zeichen der Solidarität mit ihren Familien, Familien, die im ersten Moment des Verschwindens ihres Kindes oft im Rampenlicht stehen, sich jedoch anschliessend angesichts ihres Verlustes oft allein befinden, verschenken.  

Photo Flickr : http://www.hellotipi.com/blog/category/le-saviez-vous/

Wie kann ihnen geholfen werden ? Mit der Absicht, Fachleute, welche diesen Familien beistehen um sie zu unterstützen, hat die Stiftung Sarah Oberson im Jahr 2013 eine Studie über die wissenschaftlichen Beiträge zu diesem Thema in Auftrag gegeben (1).

Leider stellt man ziemlich rasch zu diesem Thema eine Stille in der akademischen Welt fest. « Untersuchungen zu diesem Bereich bleiben sehr rar und haben oft einen offenkundig erforschenden Charakter. »(p. 31) Nichts desto trotz kann man jedoch eine gewisse Anzahl von Übereinstimmungen heraus filtrieren.

« Die Untersuchungen unterstreichen auf fast einstimmige Art und Weise dass, wenn das Vermissen eines Kindes sich unendlich in die Länge zieht, die Reaktion der Familien durch eine ambivalente Mischung aus Hoffnung und Akzeptanz des Verlustes geprägt ist. Für einige der Autoren ist diese Ambivalenz notwendigerweise die Quelle einer dysfunktionalen Adaption, während andere aufzeigen, dass betroffene Familien das Stadium eines zufriedenen Wohlbefindens erreichen können. Die Studien heben des Weiteren die grosse Vielfalt der individuellen Reaktionen bezüglich des Verschwindens eines Kindes hervor. » (p. 12)

« Das Vorhandensein einer wirkungsvollen Unterstützung im Rahmen der Familie oder der Gemeinschaft (scheint) die unheilvollen Folgen des Verschwindens eines Kindes mildern (zu können). (… die) Sinngebung, welchem dem Verschwinden attribuiert wird, erscheint als ein fundamentales Element hinsichtlich der Erfassung der Wirkung des Verlustes. » (p. 13)

Gemäss Michele Poretti, Autor der Studie, « ist es, wenn es im Rahmen einer Reflexion über die Familien von vermissten Kindern schwierig wird, auf die Begriffe von Verlust und Trauer zu verzichten – da diese oftmals gar durch die Familien selber verwendet werden – wichtig, diese vom normativen Rahmen, welcher durch die Wissenschaftler im 20. Jahrhundert geprägt wurde, zu befreien. Es ist zudem notwendig, ihnen einen Raum zu geben, in welchem sich die Normalität manifestieren kann. Der Prozess der Trauer könnte auf diese Art und Weise, gemäss einer minimalistischen und offenen Definition, als eine Transformation verstanden werden, deren Ausgang per se unbeständig und unvorhersehbar ist. » (p. 14)

Anlässlich dieses 25. Mai bezeugt die Stiftung Sarah Oberson ihre Solidarität mit den Familien und Fachpersonen, welche sie umgeben.

Stiftung Sarah Oberson, 20.05.2014

(1) Poretti Michele (2013), Au seuil du deuil ? Les familles d’enfants disparus à l’épreuve de l’incertitude Revue de la littérature scientifique, Fondation Sarah Oberson, Jean Zermatten (Eds), Clara Balestra, IUKB, Sion (französich).