Vorstellung der Kinderrechtscharta für den Sport

14 Dezember 2010

Der Sport müsste also einen hohen Stellenwert in der Kinderrechtskonvention einnehmen. Seltsamerweise aber, erscheint das Wort Sport nicht wörtlich. Man muss auf Artikel 31 Bezug nehmen, welcher die Ruhe, die aktive Erholung und das Spiel betrifft.

Leitartikel von Frau Geneviève Levine des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes.

Der Begriff „Sport“ hat die Wortwurzel „desport“ aus dem Altfranzösischen, was so viel bedeutet wie „Vergnügung, körperlicher oder geistiger Genuss“1. Im Englischen wird „desport“ zu „sport“ und verdrängt aus seinem Begriffsfeld die allgemeine Vorstellung von Musse oder Freizeitaktivität, um sich nur auf die körperlichen Tätigkeiten zu konzentrieren.

Aber wie steht es mit dem Sport und den Kinderrechten? An diesem 9. Dezember haben Paola Riva Gapany und Jean Zermatten in Genf die vom IRK erarbeitete Kinderrechtscharta für den Sport (fr) vorgestellt. Die Charta ist das erste vollständige Dokument, welches die Kinderrechte bei der Sportausübung sichert.

Etwas Geschichte
Mehr als 700 Jahre vor Christus organisierte die griechische Kultur die ersten olympischen Spiele und seit dem 5. Jh. v. Chr. wurden Trainer, Akademien und Sportärzte voll und ganz zu Profis. Seit Ende des 2. Weltkriegs hat der Sport einen beachtlichen Aufschwung gehabt: durch seine Öffnung gegenüber dem weiblichen Geschlecht und den Menschen mit Behinderung, durch die Demokratisierung gewisser Sportarten, der Mediatisierung des Sports, des Star-Systems, der Aufwertung des Menschen durch den Sport. Der Sport ist ebenfalls verbündend (Beispiel von israelischen und palästinensischen Kindern, die Fussball spielen), sowie Friedens- und Normalisierungsträger.

Und die Kinderrechte?
Der Sport müsste also einen hohen Stellenwert in der Kinderrechtskonvention einnehmen. Seltsamerweise aber, erscheint das Wort Sport nicht wörtlich. Man muss auf Artikel 31 Bezug nehmen, welcher die Ruhe, die aktive Erholung und das Spiel betrifft.

Nach dem Auftauchen von „Soft Law“-Dokumenten seit den 70-er Jahren im Zusammenhang mit Artikel 31, welche oft nur ein Thema behandelten, berücksichtigt die vom IRK erarbeitete Charta die neueren Geschehnisse im Sport und die Gesamtheit der Entwicklung der Kinder sowie ihre Rechte.

1.    Die Anerkennung des Kindes und in der Folge, seiner Rechte: Das Kind ist zuerst Kind, bevor es ein Sportler ist.
2.    Das Mitwirken aller Kinder: Wie kann man in der Achtung ihres Interesses, die Kinder an die Entscheidungen teilhaben lassen, die während den verschiedenen Etappen der sportlichen Übung getroffen werden?
3.    Das höhere Interesse des Kindes: Alle das Kind betreffenden Entscheidungen müssen mit seiner vollständigen Teilnahme getroffen werden (Recht auf Meinungsäusserung und Anhörung) und in seinem Interesse (nicht jenem der Eltern, seines Sportagenten, seines Verbands/Clubs).
4.    Der Einsatz der Mädchen: Werden sie während den sportlichen Aktivitäten im Massen- oder Wettkampfsport diskriminiert?
5.    Die Staatsbürgerkunde: Kann die Sportausübung ein Ideal vermitteln, das mehr aus Respekt, mehr aus Toleranz, weniger aus Gewalt bestünde? Oder der Sport als Träger der Übermittlung der Menschenrechte, respektive der Kinderrechte?

1 Hubscher Ronald (undatiert), L’histoire en mouvements, Paris, Armand Colin, 1992, S.58 (Kapitel „le sport: un objet mal identifié“).

Link: Vorstellung der Kinderrechtscharta für den Sport, Vortrag von Paola Riva Gapany, 9. Dezember 2010.

Dieser Artikel ist am 13. Dezember 2010 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.