Pro Juventute veröffentlicht 5-Jahres-Statistik der “Beratung + Hilfe 147″

6 Juni 2016

2015 haben Kinder und Jugendliche die 147 160’000 Mal gewählt. Seit 2011 hat sich der Fokus von Fragen rund um Sexualität zu schwerwiegenden persönlichen Problemen, inklusive Suizid, verschoben.

Artikel von Netzwerk Kinderrechte Schweiz, 23.05.16

Im Vergleich über die letzten 5 Jahre haben Anfragen zu persönlichen Problemen am stärksten zugenommen (2015: 22,9% aller Anfragen, 2011: 15.5%), dabei insbesondere Themen wie psychische Erkrankungen und depressive Stimmung, Essstörungen, persönliche Krisen oder das Selbstwertgefühl. 2015 haben fast 1‘000 Jugendliche zum Thema Suizid angerufen, im Vergleich zu 617 im Jahr 2011. Für Pro Juventute ist dies ein Zeichen, dass die Jugendlichen wissen, wo sie Hilfe suchen können und diese tatsächlich auch in Anspruch nehmen.

Der Bund bezieht sich gegenüber internationalen Organen regelmässig auf die Existenz der 147, so beispielsweise in seiner Antwort auf die Frage des UN-Kinderrechtsausschusses, was die Schweiz gegen die relativ hohe Suizidrate bei Kindern und Jugendlichen unternimmt. Die 147 wird allerdings mehrheitlich durch Spenden aus der Bevölkerung und Unterstützung durch Wirtschaft und Politik finanziert. Bund und Kantone übernehmen je etwa ein Fünftel der Kosten.

Selbsttötung bei Kindern, selten aber beunruhigend

10 Mai 2011

Schweiz : in den letzten Jahren durchschnittlich drei Fälle von Selbstmord pro Jahr bei den 10-14 Jährigen. Gemäss Cyrulnik “zeigen generell Jugendliche, welche frühzeitig, d.h. während der ersten 10 Lebensmonaten, unter einer sensorischen Isolierung litten, diese Impulsivität”. Die Einbindung der frühen Kindheit, wie Elternschafturlaube, Maßnahmebeispiele sind,  um eine adäquate affektive Entwicklung anzuregen.

Ein seltenes Phänomen, welches aber weit entfernt davon ist, einzigartig zu sein, ist die Selbsttötung bei Kindern in Europa, wie auch in der Schweiz. “Das Bundesamt für Statistik bezeichnet in den letzten Jahren durchschnittlich drei Fälle von Selbstmord pro Jahr bei den 10-14 Jährigen, und in sehr seltenen Fällen bei den 5-9 Jährigen – während die Selbstmordversuche mit der Pubertät steil ansteigen. ”
In Frankreich spricht man von 30 bis 100 Fällen von Selbsttötung bei Kindern zwischen 6 und 12 Jahren. Das wahre Ausmaß dieses Phänomens wird wahrscheinlich unterschätzt, da es schwer vorstellbar ist, Selbstmord als Todesursache eines so jungen Kindes in Betracht zu ziehen und so wird die Selbsttötung deshalb oft als Unfall interpretiert.

Es stellt sich die Frage, welche Beweggründe ein Kind zu einem solch definitiven Verhalten führen. Gemäß Spezialisten ist für Kinder unter 12 Jahren der Tod eine Veränderung, ein Akt der Verneinung der Wirklichkeit welche das Kind umgibt, und welche zu schmerzhaft erscheint, um ertragbar zu sein. Das Kind versucht nicht, für immer zu entschwinden, sondern es versucht vielmehr, die Situation, unter welcher es leidet, verschwinden zu lassen.

Gemäss Cyrulnik „zeigen generell Jugendliche, welche frühzeitig, d.h. während der ersten 10 Lebensmonaten, unter einer sensorischen Isolierung litten, diese Impulsivität“. Es handelt sich dabei um eine ungenügende Stimulierung der Amygdala rhinencephalic. Sich mit Kindern „bereits in den ersten Lebensmonaten abzugeben und sie mit einzubeziehen ist folglich entscheidend.“

Aus Sicht der Wissenschaft handelt es sich um ein wenig bekanntes Phänomen. Die Französische Staatssekretärin und Jugendbeauftragte hat Boris Cyrulnik, ein internationaler Neuropsychiater damit beauftragt, dieses Phänomen zu erforschen. Sein Bericht diesbezüglich wird diesen Sommer erwartet.

Während eines Interviews mit einer Journalistin des Le Matin Dimanche weist   Cyrulnik darauf hin, dass die Einbindung der frühen Kindheit, wie Elternschafturlaube, Maßnahmebeispiele sind,  um eine adäquate affektive Entwicklung anzuregen. Die Förderung des Verbandswesens (Pfadfinderbewegung, Sport, …) ist eine andere Möglichkeit, um Einsamkeitsgefühle, dank der sozialen Netze, welche sich um das Kind und die Jugendlichen aufbauen, zu verringern.

Das ist eine verdichtete Version der Artikel «Les filles font dix fois plus de tentatives de suicide que les garçons» und «Suicide des enfants : en Suisse aussi», erschienen im Le Matin Dimanche, am 10. April, respektive am 22. Januar 2011.