Ein Kind aus Nicaragua das Kinderarbeit verrichtet zu Besuch in Bramois : Ein Treffen mit Studierenden zu den Rechte des Kindes

4 Juni 2012

Danierick, eines Kindes von 13 Jahren welches Kinderarbeit verrichtet, äussert klar seine Position zu Gunsten der Arbeit von Kindern, doch sollte diese besser geregelt und anerkannt werden, und vertritt klar die Ansicht, dass diese Beschäftigung ihm keinerlei Rechte entzöge, sondern ihm im Gegenteil einige Vorteile erbringe.

Von Claire Piguet, Expertin in Kinderrecht, IUKB

Das IUKB empfing Anfang Mai eine Delegation aus Nicaragua, bestehend aus der Executive Koordinatorin einer örtlichen ONG (Tuktan Sirpi), eines Kindes von 13 Jahren welches Kinderarbeit verrichtet, Danierick Joel Duarte Sobalvarro. Danierick wurde von der Verantwortlichen des Vereines E-changer des Kantons Wallis, Frau Fournier und Frau Duc Barman, Kooperatorin, begleitet.

Trotz einer sehr gefüllten Agenda, zusammengesetzt aus öffentlichen Konferenzen, Besuchen auf Gymnasien und Medientreffen von Genf bis Basel, über Freiburg und Lausanne, präsentierte Danierick mit einer Reife, welche bei einem Jungen seines Alters selten zu finden ist, einen Dokumentarfilm realisiert durch seine Ernährer in Jinotega, eine Stadt welche zu 50% aus Kindern und Heranwachsenden besteht.

Er beschreibt seinen Alltag dort mit rührender Aufrichtigkeit, vom Ruf des Weckers um 4 Uhr, die Stunden, die er zusammen mit seiner Mutter der Vorbereitung der Tortillas widmet, zu jenen welcher er in der Schule verbringt oder als engagierter Kindersprecher. Diese letzte Funktion nimmt er jeden Nachmittag bei Turkan Sirpi ein, welche dank der Produktion einer wöchentlichen Radiosendung und Fernsehsendungen darauf abzielt, die Kinderleader aus den Quartieren und Schulen zu unterstützen und Kindern als Kommunikatoren, wie Danierick, zu sensibilisieren und auszubilden; und dies alles indem sie sich an die Welt der Erwachsenen und an Regierungsinstitutionen wendet.

Das Ambiente des Nachmittags war für den Austausch vorgesehen, für Debatten und Reflexionen, fokussiert unter anderem auf den Zugang von Kindern zu partizipativen Räumen in der Schweiz und in Nicaragua, nach Ansicht des jungen Nicaraguaner ein fundamentales Recht um zukünftig Demokratie ausüben zu können; und Kinderarbeit hier oder anderswo. Zu diesem letzten Aspekt äussert Danierick klar seine Position zu Gunsten der Arbeit von Kindern, doch sollte diese besser geregelt und anerkannt werden, und vertritt klar die Ansicht, dass diese Beschäftigung ihm keinerlei Rechte entzöge, sondern ihm im Gegenteil einige Vorteile erbringe.

Die Ermutigungen durch die Studierenden, wie auch die Berichten von anderen Jugendlichen und Erwachsenen, welchen er während seines zweiwöchigen Aufenthaltes in der Schweiz begegnet ist, werden Danierick sicher ermutigen, sein Engagement für die Rechte der Kinder in seinem Land weiterzuführen und zu bekräftigen.

Voir le documentaire de Danierick Joel Duarte Sobalvarro : “Mi tiempo es oro” (MOV – 86.2 Mo)

Dieser Artikel ist am 10.05.2012 in der Rubrik Edito-Actualité auf der Website Internationales Institut der Rechte des Kindes (IDE) erschienen.

Ein neues internationales Abkommen um Hausangestellte zu schützen

20 September 2011

Diese Konvention ist also ein sehr wichtiges Instrument für die Kinder, und ganz besonders hinsichtlich der unkontrollierbare Gruppe, welche man oft die „gute Seelen des Hauses“ nennt, aber welche meistens der Sklaverei unterworfen sind. Es gilt folglich, diese neue Möglichkeit, welche nun den internationalen Instanzen (IAO und Organe, welche für die Menschenrechte einstehen) in die Hand gelegt wurde, um diese so gefährliche Form der Kinderarbeit zu kontrollieren, zu begrüßen.

Leitartikel von Herr Jean Zermatten, Vizepräsident der Sarah Oberson Stiftung, Präsident der Kinderrechtskomitees der Vereinten Nationen, Leiter des Internationalen Instituts der Rechte des Kindes (IDE)

Letztes Jahr hatte ich die Gelegenheit, die Leser des Peuple valaisan über die Diskussion innerhalb der IAO (Internationale Arbeitsorganisation) bezüglich des Projektes betreffend eines Abkommens zum Schutz der Rechte von sämtlichen Hausangestellten zu informieren. Diese Projekt wurde erfolgreich zum Abschluss gebracht. Die 138 Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) haben diese Konvention am 16. Juni 2011 durch eine Abstimmung mit 396 Ja-Stimmen gegen 16 Nein-Stimmen und 63 Enthaltungen und die, die Konvention begleitende Empfehlung, mit 434 Ja-Stimmen gegen 8 Nein-Stimmen und 42 Enthaltungen, angenommen. Gemäß dem Verfahren der IAO tritt die neuen Konvention in Kraft, sobald zwei Länder diese ratifiziert haben, dies bedeutet also schon sehr bald. Diese Konvention hat zum Ziel, das Schicksal von Dutzenden von Millionen Hausangestellten auf der ganzen Welt zu verbessern.

Zum ersten Mal sind Arbeitende, welche im Schatten, also quasi „unsichtbar“ arbeiten, durch ein internationales juristisches Abkommen geschützt, welches für die Staaten, die es ratifiziert haben, zwingend ist. Unter Hausarbeit versteht man „eine Arbeit welche in einem oder mehreren Haushalten ausgeführt wird“. Gemäß Angaben der der IAO repräsentieren Hausangestellte – Putzfrauen, Haushaltshilfe, Köche, Gärtner, Kindermädchen – mindestens 52 Millionen Menschen weltweit, d.h. 4 – 10% der Angestellten in Entwicklungsländern und bis zu 2.5 % in den industrialisierten Ländern. Aber diese Zahlen könnten in Wirklichkeit viel höher sein und bis zu 100 Millionen Menschen umfassen, dies infolge des Umfanges der nichtdeklarierten Arbeit und der Schwachstellen von einigen statistischen Instrumenten. Und weil man weiß, dass 83 % der Hausangestellten Frauen oder junge Mädchen ab 6 Jahren sind, wovon viele gleich dem 3fache Handicap unterworfen sind, Hausangestellte, junge Mädchen und auch noch Migrantinnen zu sein.

Ganz klar fordert die Konvention von den Staaten die Garantie einer gleichartigen Behandlung wie für alle anderen Kategorien der Arbeitsanstellung, denn die Mehrheit der im Schatten Arbeitenden sind unterbezahlt und leiden unter unmenschlichen Arbeitszeiten, Misshandlungen, schlechter Unterkunft und befinden sich in einer Situation ohne jeglichen Schutz und ohne die ihnen zustehenden elementaren Rechten. Deshalb fordert die Konvention von den Staaten, dass diese einen Ruhetag pro Woche, ein klar definierten Lohn, anständige Arbeitskonditionen und Unterkünfte sowie das Recht auf Mutterschaftsurlaub und den Schutz gegen Belästigung und Missbrauch garantieren. Sie müssen zudem Kontrollmechanismen, inklusive der Möglichkeit eines Hausbesuches durch Arbeitsinspektoren, einrichten.

Während diese neuen Instrumente (Konvention und Empfehlung) die Gesamtheit der Hausangestellten abdeckt, beinhalten sie auch spezielle Schutzmaßnahmen für Hausangestellte, welche durch ihr junges Alter, ihre Nationalität oder ihren Aufenthaltsstatus im Vergleich zu ihren Peers besonderen Risiken ausgesetzte sind.

Diese Konvention ist also ein sehr wichtiges Instrument für die Kinder, und ganz besonders hinsichtlich der unkontrollierbare Gruppe, welche man oft die „gute Seelen des Hauses“ nennt, aber welche meistens der Sklaverei unterworfen sind. Es gilt folglich, diese neue Möglichkeit, welche nun den internationalen Instanzen (IAO und Organe, welche für die Menschenrechte einstehen) in die Hand gelegt wurde, um diese so gefährliche Form der Kinderarbeit zu kontrollieren, zu begrüßen.

Dieser Artikel ist am 26.08.2011  im Le Peuple Valaisan erschienen.