Vom Amber Alert zu einem Europäischen Entführungsalarmsystem ?

6 November 2012

Das System Amber Alert als Antwort auf das Verschwinden von Kindern in den Vereinigten Staaten von Amerika, hat in den USA auf ganz direkte Art und Weise mitgeholfen, 572 Kinder gesund und wohlbehalten wiederzufinden seit 1998. Diese Entwicklung könnte den Europäischen Staaten helfen, einen modus operandi für die Begründung eines Europäischen Entführungsalarmsystems zu finden, ohne dass sie die Errungenschaften der nationalen Alarmsysteme durch eine Überbeschäftigung von diesen gefährdet würden.

http://www.risp.state.ri.us/amberalert/

Das System Amber Alert (Amber Alarm), der Vorläufer des Schweizer Entführungsalarmsystems, als Antwort auf das Verschwinden von Kindern in den Vereinigten Staaten von Amerika, wurde nach der Entführung und dem Mord an Amber Hagerman im Jahr 1996, einem 9 Jahre alten Kind, eingeführt. Seitdem wurde das Programm auf über 50 Staaten ausgeweitet und ist lokal in über 80 Regionen und Stammgebiete der USA verbreitet. Bis im März 2012 hat dieses Alarmsystem in den USA auf ganz direkte Art und Weise mitgeholfen, 572 Kinder gesund und wohlbehalten wiederzufinden. Seit seinen Anfängen wurden, gestützt auf die enorm grosse Erfahrung, viele Verbesserungen getätigt. Ein Handbuch zu den guten Umsetzungsmöglichkeiten wurde kürzlich veröffentlicht.

Gemäss diesem Ratgeber ist es unerlässlich, das Phänomen vermisster Kinder zu kennen, bevor überhaupt erst damit begonnen wird, Antworten zu geben: wer die Kinder sind, welche vermisst werden, was mit ihnen passiert, wer die Akteure der Entführung sind, welche Handlungen empfohlen werden, um sie wiederzufinden usw.

Nach Einschätzungen gibt es in den USA jedes Jahr 1.3 Millionen Kinder die vermisst werden. Die Mehrheit dieser Kinder wird wiedergefunden, aber diese grosse Anzahl beweist die Bedeutung dieses Problems und gibt eine Vorstellung der Arbeit, welcher die Institutionen und insbesondere die Ordnungskräfte gegenüber stehen.

Als Beispiel: im Wallis wurde die Polizei im Jahr 2011 in 344 Fällen von Vermisstmeldungen von Minderjährigen aktiv, welche glücklicherweise alle wiedergefunden wurden. Die menschlichen, finanziellen und emotionalen Mittel sind erheblich. Jedoch existiert keine nationale Statistik bezüglich des Verschwindens von Kindern und keine Studie wurde ausgeführt, um diese Problematik zu analysieren und zu verstehen.

Zusätzlich zur Kenntnis der Problematik sollte der Amber Alert sich in eine globale Strategie des Kinderschutzes einschreiben (1), welche auf ein starkes und wirksames Netz gründet. Die Schaffung und das Weiterbestehen eines wirksamen Netzwerkes ist für den Erfolg des Alarms wesentlich, sei es durch Einbezug der Massenmedien, die die Alarmnachricht verteilen, als auch der Instanzen des Kinderschutzes, der Opferhilfe-Beratungsstellen usw. Eine für das Verschwinden von Kindern geeignete Antwort ist eine informierte Antwort. Die Sorgfalt gegenüber diesem Netzwerk soll dementsprechend umfassend sein.

Angesichts eines eventuellen europäischen Entführungsalarmsystems kann die amerikanische Erfahrung helfen. Die USA haben die Alarme bereits in mehreren Staaten erprobt. Im Juli 2011 haben sich 4 Staaten für die Suche nach Raymon Slocum, einem 4 Monaten alten Baby, welches von seinem Vater als Geisel genommen wurde, zusammengeschlossen und es gesund und wohlbehalten wiedergefunden. Die Vereinheitlichung der Kriterien, der Kompetenzen unter klar bestimmten Partnern, das Weiterbestehen eines guten Netzes innerhalb und außerhalb des Staates erleichtern im Notfall die Arbeit vor Ort. Die beständige Bildung der Fachleute betreffend der neusten Erkenntnisse bezüglich dieses komplexen Phänomens, der bestehenden Techniken, aber auch der Methoden, die erlauben, dem Druck der Familie, der Öffentlichkeit, der Massenmedien entgegenzutreten. Auch befürwortet das Handbuch das unverzügliche Einfügen der Daten eines vermissten Kindes auf die betreffende nationale Datenbank (National Crime Information Center, NCIC), um die die Suche auf ein noch grösseres Gebiet auszuweiten. Schlussendlich soll die Öffentlichkeit wissen, was von ihr erwartet wird und wie unter Umständen solche Dramen verhindert werden können.

Ambert Alert bringt so gute Ergebnisse, dass auf der anderen Seite des Ozeans drei andere Alarmtypen immer mehr Gewicht zu erhalten scheinen:

- The Blue Alert: für Polizist getötet oder in Gefahr .

- The Silver Alert: für vermisste Senioren.

- The Gold Alert: für gefährdete vermisste Erwachsene, eine Neuheit im Staat New York 2011.

Der potenziellen Gefahr bewusst, wurde ein Handbuch herausgegeben, um die getätigten Errungenschaften von Amber Alert nicht zu gefährden.

Diese Entwicklung könnte den Europäischen Staaten helfen, einen modus operandi für die Begründung eines Europäischen Entführungsalarmsystems zu finden, ohne dass sie die Errungenschaften der nationalen Alarmsysteme durch eine Überbeschäftigung von diesen gefährdet würden.

Clara Balestra, 6.11.12

(1) Im Jahr 2003 unterschrieb die höchste politische Instanz Amerikas, der Präsident, den PROTECT Act, der allen Staaten den Auftrag erteilt, globale nationale Strategien auszuarbeiten, um unter anderem gegen dieses Phänomen anzukämpfen und die für die Anwendung notwendigen Mittel zu gewähren, und bezeichnete einer der hohen gerichtlichen Instanzen eines jeden Staates als Koordinator dieses Alarmes. Diese Handlung beweist, daß es auf höchster politischer Ebene einen starken Willen gibt, sich dieser Problematik zu stellen.

USA : AMBER Alerts for missing children now in Google Search and Maps, 31.10.12